Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Das richtige Holz für den Löffel

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Eintrag #11 vom 19. Apr. 2001 00:32 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Ihr Löffler, Vorsicht, Riesenposting! Ertragt mich mit Humor ;-) Ich besitze seit letztem Wochenende ein wunderbares Buch über Holzfunde in Freiberg (Sachsen) und habe darin über Löffel folgendes gefunden: “Der Löffel, wohl seinerzeit eines der wichtigsten Geräte zur Befriedigung leiblicher Bedürfnisse, präsentiert sich im Fundmaterial des Arbeitsgebietes in zwei Varianten: als langstielige Form, meist recht schlicht gestaltet, mit einfacher gerundeter, breit ausgearbeiteter teilweise dickwandiger Laffe […]. Zur Herstellung wurden unterschiedliche heimische Holzarten (Eiche, Ahorn, Wacholder) verwendet. Dieser Typ kommt wohl zu allen Zeiten seit dem 13. Jh. vor und findet seine Fortsetzung in unseren modernen Rührlöffeln (G. Benker 1979, S.13).Auch seine geografische Verbreitung als notwendige Zweckform kennt keine Grenzen […]. Eine zweite, weitaus häufiger gefundene Form sind kurzstielige Löffel hoher Qualität. Die Laffe ist sauber gearbeitet, dünnwandig und leicht oval. Der kurze kräftige Stiel weist runde bis mehreckige, häufig kräftig profilierte Querschnitte auf, seine Bearbeitung zeugt ebenfalls von solider Handwerksarbeit. Eine vielfach zu beobachtende Eigenart sind an der facettierten Stielunterseite eingeschnitzte Kerben unterschiedlicher Anordnung und Kombination [ …]. Damit waren sie neben der Verzierungsabsicht auch gut unterscheidbar, eine ßberlegung, die bedenkenswert scheint (E. Nickel 1980, S.31). Bei diesen, wohl von spezialisierten Hnadwerkern hergestellten Löffeln dominiert als Rohstoff Ahorn, daneben aber kommt häufig Buchsbaum vor, in einem Fall auch Eibe.” Zwischenbemerkung: Auf keinen Fall Eibe nehmen, das Zeug ist in allen Teilen giftig! Ich fuerchte, auch dem damaligen Löffelbesitzer wird es wohl nicht gut bekommen sein… Weiter im Text: “Die Löffel aus Buchsbaum stellen für unser Gebiet [Anmerkung: Sachsen] Import dar, vgl. dazu Abschnitt 4.4. Im Gegensatz zu anderen Fundorten, wo Löffel aus Buchsbaum bereits seit dem 13. Jh. auftreten (z.B. in den Niederlanden, vgl. J.M. Baart 1982, S.55), sind sie im Arbeitsgebiet seit dem 15. Jh. nachweisbar. Neben der Freiberger Datierung stehen für dieses Datum Beobachtungen in Dresden (H.W. Mechelk 1970, S.165), Magdeburg (E. Nickel 1980, S.31), Braunschweig (H. Rötting 1985, S.74), Lüneburg (F. Laux 1982, S. 92), Frankfurt (E.W. Huth 1975, S.63, hier auch wichtige historische Nachrichten zum Löffelschneidergewerbe), Pl-en […], Sindelfingen (B. Scholkmann 1978, S.107) Für eine Herstellung durch spezialisierte Handwerker sprechen neben der für sich bereits überzeugenden Qualität auch die einheitliche Bemaßung. So gibt es bei 16 Löffeln von Freiberg nur geringe Schwankungen hinsichtlich der Länge der Laffe (6,0 bis 7,0 cm), der Breite (5,0 - 6,5 cm) und der Tiefe (1,0 - 1,8 cm). Die Dresdener Stücke ordnen sich hier ein bis auf einen deutlich größeren Löffel […], der mit den eingebrannten Buchstaben TB versehen ist, sicher ein Besitzerkennzeichen.” Im Abschnitt 4.4, auf den im Text verwiesen wird, wird der Holzhandel betrachtet und dabei erwähnt, daß Buchsbaum seit der Gründung Amsterdams dort eingeführt wurde. Das Buch ist auch sonst große Klasse. Massenhaft Daubenschüsseln, gedrechselte Teller, Schalen, Schüsseln, Pokale (Scheuern), Zwirnrollen, sogar gedrechselte Krüge mit aus dem Vollen gearbeitetem Henkel, Dauben von Krügen mit in eine Daube geschnitzter Schneppe, Schuhleisten, eine Trippe, Kämme, Quirle, Möbelteile, Spanschachteln, etcetera pp. Apropos Quirle: Die waren wohl vorwiegend aus Wacholder oder Tanne. Dadurch, daß man nicht direkt davon ißt, ergibt sich keine geschmackliche Beeinträchtigung durch das Nadelholz. Meinen eigenen Quirl habe ich aus der Spitze des vorjährigen Weihnachtsbaums gewonnen :-) (Vor Verwendung aber ordentlich ausgekocht) So, nun verrate ich endlich, wie das Buch heißt: Arndt Gühne Stadtarchäologie in Freiberg. Holzfunde Deutscher Verlag der Wissenschaften 1991 ISBN 3-326-00644-6 Das ist eine Veröffentlichung des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden und meines Wissens nicht über den Buchhandel zu beziehen. Restexemplare kann man im Museum fuer 30 Mäuse bekommen. Das Buchangebot dort ist überhaupt eine Wucht. _____________ Jetzt noch die Bücher, auf die in dem Zitat verwiesen wird: G. Benker Altes bäuerliches Holzgerät München 1979 E. Nickel Zur materiellen Kultur des späten Mittelalters der Stadt Magdeburg In: Zeitschrift für Archäologie 14, S.1 -60 J.M. Baart Mittelalterliche Holzfunde aus Amsterdam. Der Zusammenhang zwischen Holzart und Gerätform. In: ZAM 10, S.51 - 62 H.W. Mechelk Stadtkernforschung in Dresden Berlin 1970 H. Rötting Stadtarchäologie in Braunschweig. Ein fachübergreifender Arbeitsbericht zu den Grabungen 1976 bis 1984. Hameln 1985 F. Laux Holzgeschirr und Holzgerät aus Lüneburger Schwindgruben In: ZAM 10, S. 85 - 100 E.W. Huth Die Entstehung und Entwicklung der Stadt Frankfurt/O. und ihr Kulturbild vom 13. bis zum frühen 17. Jahrhundert Berlin 1975 B. Scholkmann Sindelfingen/Obere Vorstadt. Eine Siedlung des hohen und späten Mittelalters In: FBBW 3, 1978 Seid gegrüßt und immer gutes Löffeln, Claudia

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Eintrag #10 vom 26. Apr. 2000 17:22 Uhr Christoph Gellhaus  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christoph Gellhaus eine Nachricht zu schreiben.

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Hab es ausprobiert, die Sache mit dem mit Öl backen. Funktioniert hervorragen. Leider ist die Sache im heimischen Backofen doch eine ziemliche Sauerei. Also nur machen wenn Frau oder Freundin nicht zuhause ist.

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Eintrag #9 vom 18. Apr. 2000 09:50 Uhr Doris Fischer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Doris Fischer eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo zusammen, Der Artikel von Jan M. Baart ist in einer Zeitschrift erschienen, die über Fernleihe noch zu bekommen ist, ich habe ihn selbst auch nur als Kopie. Jetzt also mal ausführlich: Jan M. Baart, Mittelalterliche Holzfunde aus Amsterdam - Der Zusammenhang zwischen Holzart und Geräteform. ZAM Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Jahrgang 10/1982, S. 51-62, Rheinland-Verlag GmbH, Köln. In Kommission bei Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn. Baart hat die Holzfunde aus Budapest, Lund, Haithabu, Dorestad, Novgorod und Amsterdam ausgewertet, also Früh- und HochMA. Es soll aber beim Wachholtz Verlag (Neumünster) ein Band über die Holzfunde von Schleswig erscheinen, auf den ich schon sehnsüchtig warte. Seht doch mal auf der Homepage von Wachholtz nach, ob er inzwischen erschienen ist. Die anderen Bände der Reihe “Ausgrabungen in Schleswig” sind jedenfalls sehr ergiebig, z.B. über Knochenverarbeitung oder die mittelalterlichen Schuhe. Da muß man nicht immer nach den Büchern des Londoner Museums greifen. Braucht Ihr noch mehr Literatur zum Thema? Dann sagt Bescheid, ich kann mich gerne noch mal auf die Suche machen. Doris

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Eintrag #8 vom 18. Apr. 2000 08:55 Uhr Carmen Bartels   Nachricht

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Hallo Doris, beschreibt dieses Buch nur das späte Mittelalter oder ist auch schon FMA behandelt? Ansonsten kann ich mich nur Stefan anschliessen und nach der ISBN fragen. Danke Carmen aka
Hadwig, die Sachsin

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Eintrag #7 vom 18. Apr. 2000 07:46 Uhr Stefan Breu  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Stefan Breu eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Doris, hast du vielleicht mal eine ISBN-Nr.? Ich würd mir gerne mal das Buch ansehen.
Gruss Stefan

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Eintrag #6 vom 17. Apr. 2000 22:55 Uhr Doris Fischer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Doris Fischer eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Stefan, zum Löffelschnitzen geeignet sind z.B. Birke, Ahorn, Wacholder und Obstbaumhölzer. Eine Zusammenstellung der im MA tatsächlich verwendeten Holzarten findest Du in: Jan M. Baart, Mittelalterliche Holzfunde aus Amsterdam - der Zusammenhang zwischen Holzart und Geräteform. ZAM 10/1982, S. 51-62. Ich schreib´s mal als Kurzfassung: (Holz für Löffel)Amsterdam, 13. Jh.: hauptsächlich Buche, weniger Kernobstbäume; Amsterdam, 16., 17. Jh.: Buche, Tanne, Buchsbaum; Novgorod, 10.-14.Jh.: Ahorn. Der Artikel geht auch auf andere Gebrauchsgegenstände ein, wie Messergriffe, Schüsseln oder Kämme. Viel Spaß beim Schnitzen wünscht Doris

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Eintrag #5 vom 17. Apr. 2000 14:32 Uhr Patrick Seehaber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Patrick Seehaber eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, die Oberfläche der Löffel kann man leicht glätten (die Poren verschließen), indem man sie in ßl backt. Dann kratzt´s nicht so auf der Zunge :.)
Patrick

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Eintrag #4 vom 17. Apr. 2000 12:06 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Zwar nicht zum Thema Selbermachen, sondern als Warnung für die kaufende Fraktion: Vorsicht z.B. bei Billiglöffeln. Ich hatte grade Samstag im Camelot (MA-Kneipe) den netten Effekt, einen Löffel aus Nadelholz zu erwischen. Schweinebraten mit harziger Soße. MJAM.
Gruß, Ivain

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Eintrag #3 vom 15. Apr. 2000 19:11 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Stefan, gerade für Löffel finde ich Olivenholz sehr schön. (Frag mal den italienischen od. griechischen Fernfahrer deines Vertrauens danach!) Zum Behandeln nehme ich Olivenöl. Schüsseln kannst Du vor Gebrauch mit der Lötlampe o.ä. ausbrennen, bis sie innen schön versiegelt sind. danach kann man sie wunderbar mit Ache und Wasser reinigen. Gruß,
Indy

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Eintrag #2 vom 15. Apr. 2000 15:23 Uhr Gunther E. Biernat  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Gunther E. Biernat eine Nachricht zu schreiben.

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Standardantwort auf die Frage nach dem passenden Holz: Eiche (ich steh´ eben auf Eiche…). Eiche hat allerdings den Nachteil, daß sie sehr hart ist, dementsprechend schwer zu bearbeiten, dauert eben länger in der Herstellung. Dafür hält´s ewig. Aber ernsthaft: Das generell beste Holz zum Schnitzen ist Linde. Ahorn ist auch nicht schlecht, wenn auch etwas schwerer zu bekommen. Daß die Sachen lasiert waren, kann ich mir eigentlich nicht recht vorstellen, wie gesagt, davon aber nicht viel Ahnung. Ich denke mal am besten bedient ist man, wenn man die Gegenstände einölt, Leinölfirniß bietet sich an. Löffel und ähnliche Gegenstände für Lebensmittel würde ich nicht behandeln.
Gunther Markgraf von Bärennoth Admin ´Tempus vivit!´

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Eintrag #1 vom 15. Apr. 2000 10:13 Uhr Stefan Breu  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Stefan Breu eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo liebe gemeinde, ich hätte da mal ne Frage. Sollte dieses Thema in einem anderen Thread erschlagen sein, Entschuldige ich mich schonmal in voraus. Bin halt Neuling und hab keinen anderen Thread zu diesem Thema gefunden. Also, ich würde mich gerne ein wenig damit beschäftigen Löffel, Schüsseln, Teller und anderes Zeug aus Holz zu fertigen. Nach einigen ersten Experimenten hab ich festgestellt, daß die art des Holzes dabei eine wichtige Rolle spielt. Hat jemand Ahnung welches Holz im MA für Löffel und ähnliches verwendet wurde? Ausserdem würde mich interessieren ob im MA die Holzgegenstände irgendwie lackiert, glasiert oder ähnliches wurden. Gruß Stefan
Gruss Stefan

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