Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Der Bettler

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Eintrag #1 vom 12. Mrz. 2001 23:17 Uhr Michael Effertz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Effertz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, nachdem ich jetzt schon einige Zeit dem Geschehen hier folge, und vielleicht auch irgendwann einmal eine mittelalterliche Veranstaltung besuchen möchte, und zwar gewandet, aber nicht genau weiß, was ich eigentlich darstellen möchte, vor allem aus Kostengründen, habe ich mir überlegt, als Bettler aufzutauchen. Doch hab ich keine Ahnung, wie ich mich zu benehmen habe. Die Gewandung dürfte wohl aus verschlissen Keildungsstücken, also Hose und Tunika, eventuell noch eine verdreckte Decke, bestehen, vielleicht noch ne Kapuze, und ein Strick als Gürtel… Aber was ist mit der Unterkunft??? Der Versorgung mit Nahrung? Von Waschmöglichkeiten seh ich als Bettler ab, aber wer läßt sich bitte “anschnorren” Wer läßt einen Bettler in seinem Lager nächtigen?… Wie steht Ihr dazu, hätte das Unternehmen “Bettler” einen Erfolg?!
Gruß, Micha

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Eintrag #2 vom 13. Mrz. 2001 09:09 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Moin, Michael. Wäre schön, mal eine “realistische” Bettlerdarstellung zu sehen :-) Mit der Kleidung bist Du schon mal auf der richtigen Schiene; nichts ist lächerlicher als dieses ewige Kartoffelsack- Fußlappen- Dreckkrusten- Outfit, das ofensichtlich mit den Vorstellungen der Leute, wie ein Bettler auszusehen hat, untrennbar einhergeht. Etwas Hintergrundwissen: Auch im MA waren Bettler Leute, die, oft unverschuldet, durch´s soziale Netz gerutscht sind. Sie lebten von der Wohltätigkeit ihrer Mitmenschen, was etwas leichter war als heute, da nach dem damaligen religiösen Empfinden- und jedermann war religiös damals- Wohltätigkeit ein gutes Mittel war, Pluspunkte auf seinem Himmelskonto zu sammeln. Statt Geld wurde Bettlern oft Sachwerte gespendet, darunter Lebensmittel und nicht zuletzt auch abgelegte Kleidung. Man darf sich einen Bettler also in normaler, wenn auch abgetragener und ggf. geflickter mittelalterlicher Alltagskleidung vorstellen. Auch die allgemein verbreitete Meinung, zum Betteln gehöre eine zentimeterdicke Dreckkruste, möglichst auch noch offene, schwärende Wunden oder eine wie auch immer geartete Form von Aussatz, wage ich vorsichtig anzuzweifeln. Natürlich hat ein Bettler nicht die Möglichkeit zur Körperpflege wie ein Bürger, aber eine Möglichkeit zum Waschen, und sei es nur am Brunnen oder am Stadtbach, gab es immer. Und es war wichtig, nicht zu dreckig zu sein oder gar zu stinken oder erkennbare Krankheiten mit sich zu tragen: Im MA wurden Krankheiten mittels sinnlicher Wahrnehmungen, unter anderem auch dem Geruchssinn, diagnostiziert. Schlechter Geruch = Krankheit. Und im Zeitalter der Seuchen waren Städte und Gemeinden nicht zimperlich mit Leuten, von denen man annehmen mußte, daß sie krank seien. Der Rausschmiß war noch das Mindeste, was einem da blühen konnte. Zum Thema Benehmen: Das Betteln im MA war nicht eine reine Anschnorrerei, sondern ein Geschäft: Man zahlte den Bettler dafür, stellvertretend für den Spender für dessen Seelenheil zu beten. Konkretes Beispiel: Ich bin der Meinung, mein Pluskonto im Himmel etwas auffüllen zu müssen, wofür Gebete immer ein gutes Mittel sind. Aber ich habe im Moment leider ü-ber-haupt keine Zeit. Also gebe ich einem Bettler 10 Pfennig, mit der Auflage, zwei Vaterunser in meinem Namen zu beten. Damit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens bin ich wohltätig gegen einen bedürftigen, was im Himmel sowieso immer gern gesehen wird, und zweitens kommen da oben zwei dicke Gebete in meinem Namen an. Bettler sind folglich Dienstleister. Sie können also auch feilschen über Qualität und Ausmaß bzw. Preis ihrer Dienstleistung: “Für 10 Pfennige bekommst Du aber keine 2 VU´s; bestenfalls eines, und noch ein Ave Maria. 2 VU´s kosten mindestens 14 Pfennnige.” So in der Art. Und dann kann man sich als Bürger mit dem Herren einigen, oder auch nicht.Muß man eben selber beten. Einen anderen bettler zu beauftragen ginge zwar, aber die Schlingel sind in der Stadt organisiert und betreiben Preisabsprachen. Also, Unterwürfigkeit bis hin zum Kriechen, wie ich sie schon oft bei Bettlerdarstellern gesehen habe, ist völlig fehl am Platze. Respektvolles Auftreten, man ist ja doch Bittsteller, meinetwegen auch ein wenig dick aufgetragener Schmeichelei, halte ich für glaubwürdig; Schleimerei nicht. Schließlich war der Bettler vielleicht früher mal Handwerker, Soldat, Bürger- und sowas wird nicht plötzlich abgelegt, nicht einmal in großer sozialer Not. Die “Hassemanemarkey”- Penner vom Bahnhof sind ein Produkt UNSERER Zeit….
Dietrich

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Eintrag #3 vom 13. Mrz. 2001 09:16 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, Micha. Zunächst einmal, mit deiner Idee für die Kleidung liegst du garnichtmal so falsch. Aber verdreckt und zerschlissen erscheint mir dann doch etwas übertrieben. Es gibt z.B. in der Manesse Abbildungen von Bettlerspeisungen, und die Bettler dort tragen abgelegte, ergo gebraucht aussehende, aber trotz allem gut erhaltene Bürgerkleidung, von Handwerkern, Händlern o.ä. Zur Unterkunft und Verpflegung: Da spreche ich jetzt vom HMA/ frühen SMA. Welche Zeit genau du darstellen möchtest, solltest du uns noch wissen lassen. Wie schon in einigen anderen Threads ( Adels- und klerikale Darstellung z.B. ) angesprochen wurde, hatte der Bettler für den begüterten Menschen im MA einen bestimmten Nutzen. Der begüterte spendete dem Bettler Nahrung, Geld, Kleidung oder Unterkunft, der Bettler betete als Dank für diesen Menschen und sorgte so für sein Seelenheil. Da der Glaube zu dieser Zeit tief in den Menschen verwurzelt war, war dies ein auf jeden Fall ausreichend regelmäßiges Einkommen. Da kommen wir auch schon zu dem Problem, was du heute bei der Darstellung haben wirst. Da sich in manchen Markt-Gruppen die Adelsdarstellung aufs Ritter-Kämpfen beschränkt, ist einigen dieser Hintergrund garnicht bewußt. Ergo darf man sich dort als Bettler höchstens ein paar abfällige Bewertungen erwarten. Andere Gruppen bauen sowas schon in ihre Darstellung ein. Hadu sagte letztens, bei ihm hinge immer ein Topf Gerstenbrei für diesen Fall. Hier ist von deiner Seite dringend zu beachten, daß diese Gruppen dann aber auch die Gegenleistung erwarten. Sprich, du solltest ein paar - am besten lateinische - Dankesfloskeln und Gebete draufhaben. Achso, Gerstenbrei: Erwarte auf diese Weise wirklich nur eine Schüssel Brei und etwas Wasser. Fragen nach echtem Geld, Bier und Grillfleisch sind schon des öfteren vorgekommen, aber werden seeeehr ungern gesehen. Das könnte die Akzeptanz deiner Person und damit deine Darstellung schnell beenden. Dazu kommt noch ein weiteres Problem: So ein Event kostet auch die Aktiven oftmals Geld. Nun hätte ich trotz aller oben genannten Punkte wenig Lust, von meinem heute sauer verdienten Geld jemanden ´durchzufüttern´. Im speziellen, da dies ja eigentlich garnicht nötig ist, da du ja nur den Bettler darstellst, aber nicht wirklich mittellos bist. Hier wäre mein Vorschlag, dir eine oder auch mehrere Gruppen zu suchen, und das im Vorfeld zu besprechen, so daß du dich an den Unkosten beteiligst. Auf dem Event selbst ´erbettelst´ du dir dann das, was du vorher selbst gekauft bzw. der Gruppe erstattet hast. So sollten alle zufrieden sein.
Gruß,  Ivain

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Eintrag #4 vom 13. Mrz. 2001 09:45 Uhr Michael Effertz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Effertz eine Nachricht zu schreiben.

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Hi, das sind auf jeden Fall schon zwei sehr aufschlußreiche Einträge, noch zum Zeitraum: Mein Augenmerk liegt eher auf dem FMA. (Aber gegen das HMA hab ich auch noch nix einzuwenden ;-) Soweit sogut, Ring frei zur zweiten Runde
Gruß, Micha

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Eintrag #5 vom 13. Mrz. 2001 13:38 Uhr Susan Sziborra-S.  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Susan Sziborra-S. eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, kleidungstechnik und unterbringungs-/verpflegungsideen sind ja schon zur genüge angesprochen, was aber die wunden und den aussatz betrifft habe ich anderes gelesen. im kölner raum gab es anfang des 14.jh zahlreiche verurteilungen von bettlern, die sich vorsätzlich als krüppel oder eben auch aussätzige ausgegeben haben, um an das mittleid der leute zu appelieren und auf diese weise mehr vom großen kuchen abzubekommen. und, um überhaupt betteln zu dürfen, denn arbeitsfähigen personen (also nicht-kranken) war es vielerorts schlichtweg nicht erlaubt und sie wurden verjagt oder verhaftet (quelle: wallraff-richarzt-museum, köln) also leg dir ruhig ne (wenn auch falsche) krankheit zu!
gruß ana ap jakob

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Eintrag #6 vom 13. Mrz. 2001 14:12 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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…genau. und ausserdem gibt es “unzählige” Abbildungen von “Bettlern” die auf allen möglichen Arten von Gehhilfen daherkommen. Leute ohne Beine mit Krücken, Leute ohne Fuß auf den kleinen Höckerchen, rutschend, kriechend, Leute ohne Arm, ohne Kopf (äh, naja *g*) usw. Warum rutschte jemand im MA durch das “soziale Netz” Weil er seines eigentlichen Erwerbs verlustig ging - durch Krankheit, Krieg etc. mit einhergehendem Verlust von Gliedmaßen. Die Variante vom stolzen, ums Seelenheil seines Gönners feilschenden Bettlers halte ich für weniger schlüssig. Bettler - lateinisch beten?? Ich bitte euch! Sicher, es war ein Anrecht auf “Pluspunkte” im Himmelreich, aber m.E. auf rein ideeller Ebene - nicht gegen ein paar handfeste Gebete. (Aber das ist halt meine Vermutung) Und, wer noch heil an Leib und Seele war, hatte bestimmt eine Chance auf irgendeine “Anstellung” - nicht fest, nicht immer aber vielleicht genug zum ßberleben. Stichwort Tagelöhner. Nur wer nicht mehr “im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen” konnte, hatte m.E. ein “Anrecht” betteln zu dürfen. Meine Therorie - nehmt sie auseinander! *g*
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #7 vom 13. Mrz. 2001 14:19 Uhr Saskia Heinke   Nachricht

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Nochmal auf Suse zurück… In Hamburg wurde am Ende des 14. Jh. gar ein Prachervogt eingestellt- dieser kam aus den Kreisen der Berufsbettler und sollte dem Wirken der Scheinbedürftigen Einhalt gewähren. Also: Brauchst ja nicht wirklich krank sein - so tun wird auch schon bestraft!

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Eintrag #8 vom 13. Mrz. 2001 15:29 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Suse, hallo Martin, ich wüßte nicht, daß jemand behauptet hätte, Bettler dürften nicht krank oder behindert sein. Tatsächlich war, wie Martin das ganz richtig schrieb, eine Berufsunfähigkeit durch Gesundheitsschädigung die Hauptursache für den sozialen Absturz. Es ging mir um ANSTECKENDE Krankheiten. Selbst Bürger einer Stadt, die an so einer Seuche erkrankten, wurden vor die Tore gekarrt; alle mir bekannten Leprahäuser liegen (oder lagen) außerhalb der Stadtmauern; da werden sie kaum aussätzige Bettler frei herumlaufen lassen haben, oder? Und zum Thema lateinisch beten: Bitte nicht vergessen, daß bis zur Reformation Latein die einzige liturgische Sprache war und alle Gebete, oder jedenfalls die im ständigen Gebrauch befindlichen wie Vaterunser und Ave Maria, ausschließlich auf lateinisch gebetet wurden. Wenn jemand spezielle Bitten an seinen Schöpfer hatte und diese in einer “verständlichen”, soll heißen nach Aussage der Kirche “zugelassenen” Sprache vorlegen wollte, mußte er sich einen Priester mieten, der das für ihn in Latein tat. Nach meinem Kenntnisstand konnte jedermann im MA einige lateinische Gebete und genügend Kirchenlatein, um einem Gottesdienst folgen zu können. Vermutungen und Theorien sind sicher schön und in manchen Sachen auch nötig, aber im Bereich “Kirche” und “Sozialordnung der städtischen Gesellschaft” sind wir gottlob nicht darauf angewiesen, da die Beleglage recht gut ist.
Dietrich

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Eintrag #9 vom 13. Mrz. 2001 16:02 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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Sorry Dietrich, Deine Meinung anzuzweifeln war nicht mein Begehr. Aber ich fand, daß Bild des Bettlers wurde etwas zu sehr romantisiert - daher meine Einwände. Natürlich war Latein die einzige liturgische Sprache, daher erschien mir die ßußerung unlogisch, daß jemand einen Bettler beauftragt hätte “in seinem Namen” ein Gebet zu sprechen. Möglicherweise hatte auch jederman einen “Satz” lateinischer Gebete parat, um sie bei Bedarf abspulen zu können - aber überlege mal - eine Formel herzubeten, die ich nicht verstehe - wie schnell sich da Sprachfehler einschleichen. Wenn jemand dann auch noch am Rande der Gesellschaft rumdümpelt, dürfte das “Hausgebet” recht schnell zu unkenntlichkeit verstümmelt worden sein. Jeder konnte genug Kirchenlatein um einem GOTTESDIENST folgen zu können? Darüber bin ich erstaunt. Ich war der Meinung daß Luther die Volksprache eingeführt hat, damit die Leute auch verstehen, was man ihnen predigt. ich meine nicht das “Ita misse est” Das werden die Menschen schon verstanden haben. *g* Aber ich weiß es wieder nicht genau - belehre mich! :) Grüße, Martin aka
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #10 vom 13. Mrz. 2001 16:04 Uhr Frank   Nachricht

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Tach Ihr, mal zur Kleidung von Bettlern (gerade im FMA)… Soweit ich informiert bin gibt es Funde von sehr oft geflickten Gewändern. (Stoff war teuer und man konnte sich nicht oft neue Kleidung leisten wenn man nicht gerade adlig war…) Wie sollte sich dann ein Bettler, sagen wir mal von einem Bauern unterscheiden? Oder war das mit den geflickten Hemden gar nicht sooo schlimm und man hat die dann an Bedürftige weitergegeben sobald “ein gewisses Maß” an Flicken erreicht wurde und man sich nicht mehr z.B. in der Kirche sehen lassen konnte? MfG
Frank (aus Franken)

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Eintrag #11 vom 13. Mrz. 2001 16:08 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Ihr zur Info, Auszug aus “Europäisches Mittelalter-eine politische Einführung. Johannes Mötsch, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen Wer im Mittelalter seinen Lebensunterhalt nicht verdienen konnte und nicht in einer Familie oder Gemeinschaft lebte, die ihm in dieser Situation zum täglichen Brot verhalf, war zum Betteln gezwungen. Insbesondere Alte, Kranke und Behinderte konnten schnell in eine derartige Lage geraten. Hungersnöte, Epidemien (Lepra, ab 1348/49 die Pest) oder kriegerische Ereignisse haben die Zahl der Betroffenen immer wieder anwachsen lassen. Im 12. Jahrhundert wuchs die Anzahl der Bettler stark an. Sie konzentrierten sich in den wirtschaftlich aufblühenden Städten. Dort wuchs das Bewußtsein dafür, daß Personen und Gruppen gab, die die christliche Barmherzigkeit mißbrauchten. Deshalb bemühte man sich intensiv darum, die ”echten" Armen von berufsmäßigen Bettlern zu unterscheiden und die beiden Gruppen zu trennen. Eine Chance, unter die ehrbaren Armen aufgenommen und daher auf Dauer mit dem nötigen Minimum versorgt zu werden, hatten vor allem solche Personen, die aus dem eigenen Ort stammten, deren Herkunft und Schicksal (etwa eine Behinderung oder einen Arbeitsunfall) man kannte. Gegen umherziehende Bettler, denen man vielfach Mißbrauch unterstellte, ging man dagegen mit den Maßnahmen vor, die einer sich erst entwickelnden Verwaltung zur Verfügung standen: Prüfungen mit Erteilung von Berechtigungsscheinen; Aufenthaltsbeschränkungen; Arbeitszwang für junge,gesunde Männer; Abschiebung. Wer erst einmal in diese Gruppe hineingeraten war, hatte kaum eine Chance, wieder herauszukommen, seßhaft zu werden und sich in die Gesellschaft wieder zu integrieren. Die Versuchung, sich die nötigen Mittel zum Unterhalt auf eine kriminelle Weise zu beschaffen, war unter diesen Umständen besonders groß. Dementsprechend richtete sich nach Entdeckung eines Verbrechens der Verdacht in erster Linie gegen umherziehende Bettler. Die durch mangelnde Hygiene begünstigte Lepra war im Mittelalter in ganz Europa weit verbreitet. Die Krankheit, die zu Verstümmelung und Erblindung führt, galt als unheilbar, die Furcht vor der Ansteckung war groß. Bereits in der Antike war man zu der Erkenntnis gekommen, daß die Lepra nur durch Ausschluß der Kranken aus Gesellschaft wirksam eingedämmt werden konnte. Nach 1179 wurden die Leprosen völlig von der gesunden Bevölkerung abgesondert. Den Kranken wurden eigene Häuser, Kirchen und Friedhöfe zugestanden; Flurnamen wie Siechen- oder Gutleuthaus weisen bis heute auf derartige Objekte hin. Die Leprosen lebten dort in einer Art religiöser Genossenschaft. Gegen die Kranken, die sich den Regeln der Leprosenhäuser nicht unterwerfen konnten oder wollten bzw. die dort in Zeiten großen Andrangs keinen Platz gefunden hatten, ging die Gesellschaft mit aller Härte vor. Die Angst vor der Ansteckung drängte andere Momente, etwa die Forderungen der christlichen Nächstenliebe, in den Hintergrund. Der Feststellung der Krankheit, die den durch ein Ritual vollzogenen Ausschluß aus der Gesellschaft bedeutete, ging eine umfangreiche Diagnose voraus, die nach Feststellung der heutigen Medizinhistoriker zuverlässig war. Verdächtige waren den Leprosenmeistern, später Gremien aus medizinisch gebildeten Männern oder den entsprechenden Fakultäten einer Universität vorzustellen. Zweifelhafte Fälle erhielten einen zweiten Termin in größerem zeitlichen Abstand. Der Befund wurde urkundlich festgehalten, um denjenigen Personen, bei denen keine Lepra festgestellt worden war, die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Soviel zum Thema Aussätzige Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen

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Eintrag #12 vom 13. Mrz. 2001 16:47 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Fazit dürfte sein, daß die Darstellung einer körperlichen Behinderung o.k. ist, die einer Krankheit wohl weniger. Als Buchtip “Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker, Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt” ISBN 3-423-30075-2 für 20 Eier. Wird auch an der Hochschule in Geschichte empfohlen. Beschäftigt sich stark mir Köln, und hauptsächlich SMA. also leider nicht ganz Deine Zeit. Das Problem war wie schon angesprochen die sich erst entwickelnde Verwaltung und damit das Aktenkundige Festhalten. Unterbringung. Bist Du völlig ohne Gruppenanschluß? Such doch mal im Markt nach Leuten aus Deiner Gegend.
in diesem Sine Harwalt von Biberach (FRB und sine temporis)

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Eintrag #13 vom 13. Mrz. 2001 17:41 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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Hi Leuts! Wie kommt ihr eigendlich auf die Idee, daß der Bettler für den Spender beten mußte? Für den Spender reichte doch die barmherzige Tat; damit hatte er schon einen Pluspunkt im Himmel. Außerdem, warum sollte der Bettler überhaupt für den Spender beten? Dieser (der wie unten gesagt wurde, keine Zeit hat) geht ja schnell weiter und bleibt nicht vor dem Bettler stehen und wartet ab, bis dieser gebetet hat. Also kann der Spender gar nicht sicher sein, daß für ihn gebetet wird. Ich glaube daher nicht, daß dies wirklich der Grund der Spende war, sondern einfach nur die eigentliche Spende. Auch hatte der Bettler keine Zeit für ein Gebet; der mußte ja weiterbetteln. DEM gings nämlich ums überleben! Und gar der Bettler an der Kirchentür! Der würde ja ettliche Tage brauchen, bis er für alle Spender (welche im Einzelnen überhaupt?) gebetet hat. Nein, das Beten sehe ich wirklich nicht als Spendegrund an. Gruß v. Arlen

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Eintrag #14 vom 13. Mrz. 2001 17:54 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christoph, zur Info, aus Historisches Lexikon der Schweiz Katharina Simon-Muscheid Die Bewertung der Armut war im MA nie eindeutig. Einerseits lebte die antike Tradition weiter, wonach A. stigmatisiert und Armeverachtet wurden, andererseits kehrte das Neue Testament das antike Werturteil um, indem nun Reichtum z.T. radikal kritisiert und A. sowie Barmherzigkeit (Caritas) als christl. Tugenden gepriesen wurden. In den ma. Glaubensvorstellungen war den Armen und den Reichen eine wichtige Funktion zugedacht: Die Reichen sollten Almosen ( Fürsorge ) spenden, die Armen als Gegengabe für das Seelenheil der Spenderinnen und Spender beten, wobei ihren Gebeten eine besondere Wirksamkeit zugeschrieben wurde. Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen

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Eintrag #15 vom 14. Mrz. 2001 08:32 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

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Da Bettler im MA auch schon fast ganz normal zum sozialen Gefüge einer Stadt gehörten (auch so eine Art frühzeitiger Sozialversorgung), lief es wohl auch etwas anders ab als heute, wo man demjenigen vielleicht noch ne Mark in die Hand drückt, sich spätestens dann aber schnell abwendet, verschwindet und das ganze möglichst schnell verdrängen will. Schon von daher ist dieser deal mit den Gebeten, der ja auch in ähnlichen Fällen immer wieder bis in die Neuzeit hinein zu finden ist, durchaus glaubwürdig. Ich werde mich bei den nächsten Termin jedenfalls daran halten und bin schon auf die Reaktion der Bettler gespannt, die ja leider meist schon ziemlich verwirrt sind, wenn man ihnen etwas zu Essen reicht. Joachim

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Eintrag #16 vom 14. Mrz. 2001 09:32 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christoph, hast Du irgendwelche Quellen für Deine Ansicht, außer daß Du nicht daran glaubst? Für die Mehrfachbedeutung des Almosengebens gibt es nämlich mehrere Quellen; die von Wolf genannte ist nur eine davon. Bitte vergeßt nicht, wie groß mittelalterliche Städte waren; die hatten meistens weniger Einwohner, als ein heutiges Dorf. Und da gab es sicher nicht Hunderte von Bettlern, die nach Erhalt eines Almosens in die Anonymität abtauchten. Ich gehe davon aus, daß es auf wenige tausend Einwohner vielleicht einige Dutzend Bettler gab, wenn überhaupt. Und die waren untereinander und durch die Stadt organisiert und somit bekannt. Was wäre wohl passiert, wenn ein Bettler sein Almosen einstreicht und dann nicht die vereinbarte Gegenleistung erbringt? Viele Spenden wird der wohl nicht mehr bekommen haben…. Hallo Martin, der weitaus größte Teil eines mittelalterlichen Gottesdienstes besteht aus liturgischen Elementen mit formalisierten Abläufen, die immer gleich abliefen. Die heute üblichen Predigten mit wechselnden Themen sind erst nach der Reformation entstanden; eben weil mit dem Abrücken von Latein als alleinige Kirchensprache auch Themen rübergebracht werden konnten und auch von den Gläubigen verstanden wurden. Ein Gottesdienst im MA sah so aus, daß der Priester bestimmte Handlungen vornahm und bestimmte Textpassagen verlas oder sprach, die von der Gemeinde ergänzt wurden, ähnlich wie auch heute noch. Und da jeder von Kindheit an regelmäßig zur Kirche ging, lernte er diese Texte schnell, vielleicht auch, ohne sie zu verstehen oder ihren Sinn zu erfassen. Ich wurde evangelisch erzogen und habe in meiner Jugend reichlich Gottesdienste besucht, jedenfalls bis zu meiner Konfirmation. Und da war sogar Altgriechisch Teil der Liturgie, und alle haben mitgesungen, obwohl die wenigsten Altgriechisch sprachen. Ich zweifele nicht daran, daß der durchschnittliche mittelalterliche Mensch ein gutes Teil Kirchenlatein beherrschte.
Dietrich

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Eintrag #17 vom 14. Mrz. 2001 10:03 Uhr Patrizia Frin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Patrizia Frin eine Nachricht zu schreiben.

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Hi Micha, nach der ganzen Theorie (die wirklich wichtig ist - bitte nicht hauen!) nun mal ein Beitrag aus der Praxis von einer, die bereits leibhaftig gebettelt hat: Ich kann´s Dir nur empfehlen! Psychologisch ist es kaum zu überbieten interessant, mal in diese Rolle zu schlüpfen…. von Sprüchen wie “Geh doch zum Sozialamt!” über “Ich hab selber nichts” (Zitat Dame im schicken Kostüm mit Gucci-Handtasche…noch Fragen?) kann wirklich alles dabei sein. Aber laß Dich nicht entmutigen, es macht einfach Spaß. Und wider Erwarten ist es SEHR einträglich - ich hab ca. 100 DM am Tag damit verdient, und das nur auf einem sehr kleinen Markt. Zugegeben, ich hab mich ausschließlich an die Touris gehalten, was Geld betrifft, von den Marktleuten bekam ich aber dennoch ab und an mal was zu essen oder zu trinken. Wenn Du damit was verdienen willst, ist es allerdings nötig, die Leute wirklich anzugehen, allerdings ohne dabei aggresiv zu werden - den Spagat hinzukriegen ist nicht immer ganz einfach. Schnell lernt man aber die Leute einzuschätzen und sich auf deren Reaktionen einzulassen. Die Bettler, die bei uns jedoch nur im Torbogen saßen und die Hand aufhielten, verdienten nicht gerade viel. Also mein Tip: statte Dich mit passender Requisite aus (ich hatte eine Achselstütze und hinkte - so wirkungsvoll, daß ich danach tagelangen Muskelkater hatte, von den blauen Flecken in der Achsel ganz zu schweigen…), leg Dir ein paar passende Floskeln zu und dann spiel Deine Rolle einfach hemmungslos aus. Hab Spaß! Und was die Verköstigung betrifft: ich hab die Erfahrung gemacht, daß ich als Bettlerin stets so satt war wie nie zuvor in meinem Leben, denn entweder ich bekam von den Märktlern was ausgegeben, oder die Touris schickten ihre Kinder vor (selbst hielten sie lieber Abstand…hihi) mit Brotstücken, halben ßpfeln, Pommesresten…..naja, da darf man dann halt nicht zimperlich sein und sollte diese Rest alsbald gierig verschlingen - alles andere wirkt halt nicht echt…. Auf dem Markt, von dem ich spreche, hatte ich übrigens mehrere Rollen, und interessanterweise erkannte mich kaum einer in normalem Gewand und mit gewaschenem Gesicht wieder - und warum? Laut Meinung meiner Mitbettler lag es einzig an meiner Haltung…. Schlußendlich kann ich Dir nur empfehlen, die Erfahrung zu machen - Du wirst nie wieder an den “HastemalneMarkey”-Leuten mit den gleichen Gefühlen vorbeigehen wie zuvor. Maria Magdalena schütze Dich
Tricia von Lubecca

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Eintrag #18 vom 14. Mrz. 2001 11:37 Uhr Susan Sziborra-S.  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Susan Sziborra-S. eine Nachricht zu schreiben.

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hallo, doch noch ein paar worte zum aussatz. natürlich lebten die aussätzigen (jedenfalls die, die sich an die jeweilige stadtordnung hielten) im regelfall vor den toren der stadt. das heißt aber nicht, daß sie von etwas anderem lebten, als dem betteln. gerade sie, die nun wirklich am allerwenigsten die möglichkeit hatten, sich anderweitig zu ernähren waren auf die gaben vorüberreisender angewiesen. und für diese bettelei gab es (quelle: das schon erwähnte buch “ bettler, dirnen… ” zu außenseitern in der mittelalterlichen stadt)) zumindest in köln im laufe der zeit mehrere möglichkeiten. im hochmittelalter entwickelte man eine art “beauftragten”, einen gesunden, der, besonders gekennzeichnet (z.b. eine “pestklapper” o.ä.)in der stadt in eine büchse sammelte. da das spenden an leprose als besonders gottgefällig galt (schließlich ist der aussatz die krankheit des hl. franziskus) dürfte da einiges zusammengekommen sein. der lohn für den sammler war ein gesondert festgelegter anteil der spenden aus der sammeldose (vielleicht wär das ja auch ne darstellungsvariante für dich?). die zweite möglichkeit war, einfach vor den toren vorrüberziehende reisende anzubetteln. einmal im jahr, an gründonnerstag durfte ohnehin JEDER, der auf spenden angewiesen war IN DER STADT betteln. auch lepröse. mag sein, daß gerade “der aussätzige bettler” in der darstellung überstrapatziert wird; im stadtbild haben wohl wirklich die krüppel und berufsbettler überwogen; aber das heißt nicht, daß es ihn nicht gab, oder seine darstellung an historischen fakten vorbeigeht. und so ein aussatz ist eben einfach leichter darzustellen, als eine körperliche behinderung.
gruezi ana

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Eintrag #19 vom 15. Mrz. 2001 08:11 Uhr Frank   Nachricht

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Tach Ihr, kann jemand vielleicht die von mir in Beitrag 10 gestellten Fragen beantworten? Ich mein ja nur, es ist zwar äusserst wichtig zu wissen aus welchen Gründen es Bettler gegeben hat und ich hab´ die Beiträge auch mit regem Interesse gelesen, aber in puncto Kleidung bezieht Ihr euch überwiegend aufs HMA, was Michael aber (wenn ich das richtig verstanden habe?) eher wohl als “Notlösung” ansieht. Also, wie sieht´s (oder besser wie sah´s) aus? Die Stoffe dürften teuer gewesen sein, das Bürgertum in den Städten war noch nicht so weit daß es abgetragene Klamotten verschenken konnte, auch wenn es sich um einen Handel mit dem Bettler um geistiges Wohl handelte. (stimmt das soweit?) Ist es da nicht naheliegend, daß der Bettler seine Kleider “aus besseren Tagen” (eg vor Verwundung, Krankheit etc) auftrug und immer wieder flickte? Gibt es Abbildungen oder andere Quellen über Bettler im FMA? Wie sah das mit denen aus die auf dem Land “durchs soziale Netz rutschten” Haben die versucht in die nächste Stadt zu kommen oder vielleicht bei einem Kloster um milde Gaben zu bitten? Vieleicht etwas off topic die letzte Frage: Ich habe mal gehört, daß es für Pilger (die zum Beispiel im Auftrag ihres Herren unterwegs waren, weil der keine Zeit zum Pilgern hatte) einen “Pilgerschein” gegeben hatte der ihnen die Tore der Städte öffnete. (Dürfte dann ja wohl auch eher HMA sein?) Gab es etwas vergleichberes auch für Bettler, oder war die Verwaltung schon damit am Ende, Scheine für die auszustellen, die diesem “Lepraausschuß” vorgeführt wurden? Fragen über Fragen. Mit freundlichen Grüßen
Frank (aus Franken)

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Eintrag #20 vom 15. Mrz. 2001 09:07 Uhr Dr. Frank Dierkes  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Frank Dierkes eine Nachricht zu schreiben.

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In Puncto “zum nächsten Kloster kommen”, kann ich versuchen, Antwort zu geben. Bei den Benediktinern und den verwandten Zisterziensern gab es das Klosteramt des Almosenbruders. Dieser hatte eng mit dem Klosterschaffner (Cellerar) zusammenzuarbeiten, erhielt aber seine Order vom Vater Abt. Aufgaben des Almosenbruders war es u.a., den Bedarf von Sachleistungen im Einzugsbereich des Kloster zu ermitteln und dann die Vergabe der Sachleistungen zu regeln. Darüber hinaus wurde auch die Armenspeisung von Almosenbruder und Cellerar geregelt, die sich meines Wissens nach aber mehr auf mittellose Reisende bezog, denen bei Bedarf auch ein Schlafplatz - z.B. in den Stallungen der Klöster - eine abgelegte Kutte aus der Kleiderkammer und Versorgung zukam. Diese Milde konnte soweit gehen, daß es Klöster an den Rand der finanziellen Kathastrophe bringen konnte, wenn z.B. ein verstorbener Wohltäter des Klosters verfügt hatte, an seinem jeweiligen Todestag “Freitische” abzuhalten (die natürlich weithin bekannt waren). Mit der Zeit konnten sich diese Speisungstage so häufen, daß es die Tragfähigkeit einzelner Klöster überschreiten konnte. Daher der geflügelte Spruch “Die Toten fressen die Lebenden auf”. Weiteres über die Mildtätigkeit der Klöster siehe u.a. in “Klosterleben im Mittelalter” Insel Taschenbuch 1135 Wenn ein gut darstellender Bettler vor unserer Pforte erscheint und sein Sprüchlein abgibt, so sei ihm sein Napf Brei sicher. Habe ich immer gerne gemacht, wurde auch meist gut aufgenommen (leider nicht immer, die waren auf andere Güter aus). Gruß Frank
Benedicte! Frater Hermann von Monasterium

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Eintrag #21 vom 15. Mrz. 2001 17:30 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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Hallo Dietrich! Ich habe mich mit meinen ßußerungen auf keine Quelle berufen (weil ich nicht viele Bücher nebenher lese, sondern immer nur eins), sondern gehe einfach davon aus, daß die Leute im MA genausowenig bescheuert waren wie heute. Es wurde gesagt, der Grund wäre, daß der Bettler für den Spender betet, weil dieser keine Zeit hat. Würde jetzt aber der Spender beim Bettler stehen bleiben um zu sehen, ob der auch wirklich betet, so verschwendet er wahrscheinlich noch mehr Zeit, als wenn ers selbst getan hätte. Selbst in einer kleinen mittelalterlichen Stadt wird ein Bettler an der Kirchenpforte oder am Stadttor genug zu tun gehabt haben, besonders an Markttagen. Es mag durchaus sein, daß der Spender dem Bettler diese Auflage gab, aber anzunehmen, das wäre Grundsätzlich so, lehnt sich doch arg an Hollywood an. Hauptsache war doch die Spende an sich. Kennst Du dieses kleine Märchen: Eine reiche Frau gibt einem Bettler eine Zwiebel. Beide sterben, die Frau kommt in die Hölle, der Bettler in den Himmel. Mittels der Zwiebel zieht der Bettler die Frau dann aus der Hölle raus. Viele Grüße v. Arlen

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Eintrag #22 vom 15. Mrz. 2001 23:12 Uhr Angela Kobelt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angela Kobelt eine Nachricht zu schreiben.

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Guten Tag alleseits! Für die “Arbeit” der Bettler im SMA dürfte das “Liber Vagatorum. Der Betler orden” von 1509(?) eine ganz gute Quelle sein; dort wird u. a. beschrieben, wie die Bettler den (guten) Glauben ihrer Mitmenschen ausnutzen, indem sie bspsw. vorgeben, eine Pilgerfahrt unternehmen zu wollen. Auch sonst beschreibt der Autor alle möglichen betrügerischen Praktiken: das Simulieren von Behinderungen oder Krankheiten, das Erzählen von Lügengeschichten über schwere Schicksalsschläge, das Verbergen eigener Kleidungsstücke, um neue zu erbetteln, die dann verkauft werden konnten, und vieles mehr …. Interessant ist auch, daß der Autor annimmt, daß viele der Bettler Kriminelle gewesen sind oder zumindest aus verfemten Berufen stammen. Aus diesen Schilderungen jedoch abzuleiten, daß alle Bettler in jener Zeit Betrüger und Verbrecher waren, ist sicher unzulässig, genauso wird es auch “ehrliche” Bettler gegeben haben, die dann vielleicht auch tatsächlich das geforderte Gebet gesprochen haben. Für die Eilligen gibt es übrigens eine Internetseite mit ein paar Auszügen aus dem “Liber Vagatorum”: Was Abbildungen betrifft, fällt mir leider auch nur ´was aus dem SMA ein; von Hieronymus Bosch gibt es eine ganz hübsche Zeichnung mit dem Titel “Die Bettler”. Ob es aus dem FMA auch entsprechende Quellen gibt …? - ich bin gespannt, was noch für Einträge kommen werden!
Gruß& Kuß, Angela

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Eintrag #23 vom 15. Mrz. 2001 23:15 Uhr Angela Kobelt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angela Kobelt eine Nachricht zu schreiben.

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Hoppla, ich hab´was vergessen! Die Internetadresse lautet: www.psm-data.de/decker/decker24.htm
Gruß& Kuß, Angela

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Eintrag #24 vom 15. Mrz. 2001 23:20 Uhr Angela Kobelt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angela Kobelt eine Nachricht zu schreiben.

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Hoppla, ich hab´mich vertippt! Die richtige Adresse lautet: www.psm-data.de/decker/decker21.htm (die andere Seite ist aber auch ganz interessant) ;-)
Gruß& Kuß, Angela

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Eintrag #25 vom 18. Mrz. 2001 20:56 Uhr Uli Gasper  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Uli Gasper eine Nachricht zu schreiben.

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Moin! Ich würde nur einige Sachen zu Bedenken geben: Einerseits die für uns unglaublich scheinende Religiosität im MA, die in vielen Märchen aber auch ernsthafter Literatur auftaucht. Wenn es für den eiligen Bürger möglich war sich mit einer Spende an den Bettler Gottgefälligkeit zu erwerben und dafür als Gegenleistung ein Gebet zu verlangen so würde ich einfach mal annehmen, daß der Bettler das meist auch gemacht hat. Warum? Weil er sonst buchstäblich in Teufels Küche gekommen wäre. Er kann schlecht eine “Gottesdienstleistung” verweigern. Und da viele Bettler nicht als Bettler geboren wurden, sondern durch Mißstände oder Unfälle betteln mussten, denke ich auch das wir ein gewisses Maß an religiösem Verständnis vorraussetzen können. Das ist wohl eher glaubwürdig als die Annahme, daß alle Bettler betrügerische Outlaws waren. Was Quellen über betrügerische Bettler angeht- daran hat sich bis heute nix geändert- Wer sich betrügerisch wohltätige Gaben erschleicht, über den wird mit besonderer Entrüstung berichtet. Auch im Mittelalter wird die Stadtwache ein besonderes Auge auf Bettler gehabt haben, seh ich da nicht schon wieder Parallelen zu heute? Ich meine mich auch daran zu erinnern, daß eine Form der Armenspeisung war, die dicken Scheiben altbackenes Graubrot oder Pumpernickel, die bei Festmälern oftmas als “Teller” dienten nach dem Mal an die Bedürftigen zu verteilen. Dann sei noch an die Geschicht Hiobs erinnert. Armut als Prüfung oder Strafe Gottes…. P.S., Micha, wenn Du als Bettler irgendwo im Lager nächtigen willst, würde ich empfehlen Dich zu Waschen. Wir leben schlkießlich niht mehr im Mittelalter, wir versuchen nur eine Darstellung. ;-) leider ohne irgendwie gesicherte Quellen, sorry
Gruss, uli

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Eintrag #26 vom 19. Mrz. 2001 07:57 Uhr Frank   Nachricht

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Hallo Leuts, mir ist noch ein anderer Denkansatz zu Bettlern im FMA eingefallen: Angenommen ein soial gefestigter Mensch verliert durch einen der o.g. Gründe seine Stellung in der Gesellschaft, wie wahrscheinlich ist es, daß er in Abhängigkeit (um nicht zu sagen Leibeigenschaft) eines sozial bessergestellten gerät? Das erscheint mir aufgrund dessen was ich bisher (iss leider noch nicht viel!) über die Sozialstruktur im FMA (!) weiß nicht ganz abwegig zusein. Da es sich hierbei um eine reine Vermutung handelt wäre es schön zu wissen was Ihr darüber denkt, und welche Auswirkungen dies auf die Kleidung und Darstellung einer solchen Person hätte. MfG
Frank (aus Franken)

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Eintrag #27 vom 19. Mrz. 2001 09:27 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Frank, zum Thema Bettler im FMA findet sich in der Tat sehr wenig. Wenn ich mich an die Skaldensagas, die Edda und die Havamal erinnere, ist dort von Bettlern kaum die Rede. Im Gegenteil, in der Spruchdichtung wird sogar explizit gesagt “wer einarmig ist, kann noch die Ziegen hüten” und noch einige mehr Beispiele, die mir leider nicht mehr einfallen. Daraus kann man ableiten, daß jeder seinen Beitrag in der Sippe leistete, in Abhängigkeit seiner Möglichkeiten. Betteln wegen körperlicher Gebrechen war also wohl eher unüblich. Auch fallen mir kaum Sagen und Märchen aus diesem Kulturkreis ein, in dem der Held der Geschichte “als Bettler verkleidet” durchs Land zieht - ein beliebtes Motiv der mitteleuropäischen Märchen, um den Held oder sein Gegenüber zu prüfen. Das soll jetzt nicht heißen, daß es im FMA keine Bettler gegeben hat, sie waren wohl eher verdeckt als Tagelöhner oder mit niederrangigen Tätigkeiten beschäftigt. Man darf auch nicht vergessen, daß die soziale Struktur im FMA anders war als im HMA, die Sippe und damit der familiäre Rückhalt spielte noch eine viel größere Rolle als in späteren Zeiten. Ein Beispiel aus der Renaissance: die Fuggerei in Augsburg. Dies ist eine der frühesten Formen des sozialen Wohnungsbaus. Die Siedlung wurde von Fam. Fugger für “unverschuldet in Not geratene Familien” eingerichtet, besonders wenn z.B. der Handwerker verunglückt ist und seine Familie nicht durchs soziale Netz rutscht. Damit war natürlich auch der Angestellten-Nachwuchs im Handelskonzern Fugger gesichert… Zum Thema Sauberkeit: bei einer Stadtführung in Erfurt letzte Woche kamen wir auch an einem mittelalterlichen Wohnturm vorbei. Nachdem immer mehr Häuser aus Stein gebaut wurden und damit bei Stadtbränden der Rückzug in Kirchen und besagte Türme (daher auch der Begriff “türmen” = flüchten) nicht mehr erforderlich war, wurde das Gebäude in ein Badehaus umfunktioniert. Im obersten Stock war das frische heiße Wasser, das konnten sich nur die begüterten leisten. Dann wurde das Badewasser eine Etage tiefer geleitet, dort kostete das Bad nicht mehr ganz so viel, allerdings war das Wasser auch nicht mehr so heiß. Im Erdgeschoß schließlich fanden sich die Bottiche für die Armen der Stadt, die im bereits zweimal benutzten Wasser kostenlos baden durften. Dreckkruste ist also definitiv Hollywood, ein Bad selbst in bereits benutztem und nur mehr lauwarmem Wasser wurde mit Sicherheit nicht verschmäht. Gruß
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #28 vom 19. Mrz. 2001 09:27 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Ups, sollte “Hallo Micha” heißen… sorry
Ameli / Elisabeth von Tannenberg

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Eintrag #29 vom 19. Mrz. 2001 13:22 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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Hi Ameli! Nun, in verschiedenen Büchern die die Kreuzzüge behandeln steht aber geschrieben, daß das Baden den Rittern erst durch die Sarazenen richtig vermittelt wurde. Ja, das diese es später sogar regelrecht ständig taten, während es ihnen noch in der Heimat als Schädlich galt, oft zu baden. Viele Grüße v. Arlen

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Eintrag #30 vom 26. Mrz. 2001 00:18 Uhr Christian Wittner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Wittner eine Nachricht zu schreiben.

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Ich hab noch was gefunden in meinem kleinen Lexikon des Mittelalters : BETTLERKLEIDUNG: Eine einheitliche B. ist im Ma. nicht nachzuweisen. In der Bildlichen ßberlieferung ist das Alte, Abgetragene un Zerschlissene Charakteristikum der B. wodurch ein Typus des für jeden klar erkennbaren B. ensteht. Zur Unterscheidung von “wahren” und “falschen” B. lassen sich im Spätma. mitunter von Bettlervögten verliehene Legitimationsabzeichen feststellen. Ich haffe ich konnte ein wenig helfen !
MFG Goldewort

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Eintrag #31 vom 07. Apr. 2001 23:28 Uhr Angela Kobelt  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angela Kobelt eine Nachricht zu schreiben.

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Guten Tag! Lexikon!- das ist ja eine geniale Idee!!- da sollte man wirklich viel öfter reinschauen !!! ;-) Ich habe das “Lexikon des Mittelalters” (Artemis Verlag; München und Zürich 1983)zur Hand genommen und dort u.a. eine Bemerkung über die Bettelordnungen spätmittelalterlicher Städte gefunden (Nürnberg 1387, Eßlingen 1389, Köln 1403 und Wien 1442). Bestandteile dieser Ordnungen sind (Zitat): “Beschränkung der Aufenthaltsdauer und der Bettlerplätze, Bettlerexamen mit Vergabe von Berechtigungszeichen (im Sinne der Werkgerechtigkeit wurde v.a. die Fähigkeit zum rechten Beten abgeprüft (!)), Arbeitszwang oder Ausweisung für die gesunden Bettler, Strafandrohung für zu aggressiven Appell an das Mitleid und unsittl. Verhalten, Unterstellung der Bettler unter einen Vogt oder Bettlermeister, meist dem Henker, Priviligierung der einheimischen Armen und Bettler.” Das ist doch eine schöne Ergänzung& Bestätigung des bisher geschriebenen!
Gruß, Angela

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Eintrag #32 vom 13. Apr. 2001 15:50 Uhr Dr. Frank Dierkes  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Frank Dierkes eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe ein Rezept für eine Arme-Leute-Speisung (also Bettler) aus einer Klosterquelle (Kloster Weißenau im Schwarzwald, 1344) gefunden, den man gut für die Darstellung einer Bettlerfütterung verwenden könnte (da er recht gut schmeckt und billigst ist): Schwarzer Brei 1,5l Wasser 500 g Roggen- od. Weizenschrot etwas Schmalz 2 Eßlöffel Milch, Pfeffer, Salz (wenn man Milte walten lassen will); Das Schrot wird kurz angeröstet und mit dem Wasser unter rühren eine Weile kochen gelassen, bis der Brei dick wird. Wer mag, kann dann die Milch und die Gewürze unterrühren. Auf Teller anrichten und etwas Schmalz in eine Vertiefung tropfen. Der Brei kann auch auf Vorrat gekocht und aufgewärmt werden, wenn eine Horde Pickel (das sind unerwünschte und lästige Mit-Esser) anrücken. Da ich einen Mönch darstelle, der Milte walten lassen soll/muß, steht zur monastischen Essenszeit (abends gg. 18.00 Uhr) so ein Brei zur Verfügung. Gruß Frank
Laudetur Iesus Christus, Amen! Frater Hermann von Monasterium

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Eintrag #33 vom 13. Apr. 2001 15:52 Uhr Dr. Frank Dierkes  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Frank Dierkes eine Nachricht zu schreiben.

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Das mit dem “unerwünschte und lästige Mitesser = Pickel” nicht zu ernst nehmen. Gott möge mich vor der Sünde des Hochmuts bewahren!!
Laudetur Iesus Christus, Amen! Frater Hermann von Monasterium

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Eintrag #34 vom 14. Apr. 2001 13:28 Uhr Uli Gasper  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Uli Gasper eine Nachricht zu schreiben.

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Moin! Prima Sache Frank, werde versuchen das auch mal in meiner Grupe vorzuschlagen… Wenns schmeckt, wenig kostet und A ist :-) Ausserdem meine ich mich daran erinnern zu können das im MA Gereidebrei für viele Leute die Hauptspeise darstellten. Fleisch und Fisch lieisteten sich wohl eher die wohlhabenden Adligen. Insofern wäre so ein Brei auch was für ein normales Söldnerlager, oder? Was Bekleidung angeht- bei Hieronymus Bosch gibt es recht gute Darstellungen armen Lebens im MA. Ich hab da ein oder zwei Bilder, wer derer bedarf sende mir eine Mail. Aber, was ist mit der Bettlerexamen, Bettelscheinen, kurzum der schriftlichen Legitimation des Bettelns? Gibts da Funde zu? Bin nämlich sehr an mittelalterlicher Typografie i8nteressiert. Ausserdem, gerade die ERteilung von Bettlerlegitimatrionen, Bettlerkontrollen oder auch ERnenung von Bettlerfürsten bietet doch eine ganz neue Art von Marktgeschehen. Waren die Marktgerichte dafür zuständig?
gruss, Uli

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