Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Der Bettler

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Eintrag #14 vom 13. Mrz. 2001 17:54 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christoph, zur Info, aus Historisches Lexikon der Schweiz Katharina Simon-Muscheid Die Bewertung der Armut war im MA nie eindeutig. Einerseits lebte die antike Tradition weiter, wonach A. stigmatisiert und Armeverachtet wurden, andererseits kehrte das Neue Testament das antike Werturteil um, indem nun Reichtum z.T. radikal kritisiert und A. sowie Barmherzigkeit (Caritas) als christl. Tugenden gepriesen wurden. In den ma. Glaubensvorstellungen war den Armen und den Reichen eine wichtige Funktion zugedacht: Die Reichen sollten Almosen ( Fürsorge ) spenden, die Armen als Gegengabe für das Seelenheil der Spenderinnen und Spender beten, wobei ihren Gebeten eine besondere Wirksamkeit zugeschrieben wurde. Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen

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Eintrag #13 vom 13. Mrz. 2001 17:41 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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Hi Leuts! Wie kommt ihr eigendlich auf die Idee, daß der Bettler für den Spender beten mußte? Für den Spender reichte doch die barmherzige Tat; damit hatte er schon einen Pluspunkt im Himmel. Außerdem, warum sollte der Bettler überhaupt für den Spender beten? Dieser (der wie unten gesagt wurde, keine Zeit hat) geht ja schnell weiter und bleibt nicht vor dem Bettler stehen und wartet ab, bis dieser gebetet hat. Also kann der Spender gar nicht sicher sein, daß für ihn gebetet wird. Ich glaube daher nicht, daß dies wirklich der Grund der Spende war, sondern einfach nur die eigentliche Spende. Auch hatte der Bettler keine Zeit für ein Gebet; der mußte ja weiterbetteln. DEM gings nämlich ums überleben! Und gar der Bettler an der Kirchentür! Der würde ja ettliche Tage brauchen, bis er für alle Spender (welche im Einzelnen überhaupt?) gebetet hat. Nein, das Beten sehe ich wirklich nicht als Spendegrund an. Gruß v. Arlen

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Eintrag #12 vom 13. Mrz. 2001 16:47 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Fazit dürfte sein, daß die Darstellung einer körperlichen Behinderung o.k. ist, die einer Krankheit wohl weniger. Als Buchtip “Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker, Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt” ISBN 3-423-30075-2 für 20 Eier. Wird auch an der Hochschule in Geschichte empfohlen. Beschäftigt sich stark mir Köln, und hauptsächlich SMA. also leider nicht ganz Deine Zeit. Das Problem war wie schon angesprochen die sich erst entwickelnde Verwaltung und damit das Aktenkundige Festhalten. Unterbringung. Bist Du völlig ohne Gruppenanschluß? Such doch mal im Markt nach Leuten aus Deiner Gegend.
in diesem Sine Harwalt von Biberach (FRB und sine temporis)

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Eintrag #11 vom 13. Mrz. 2001 16:08 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Ihr zur Info, Auszug aus “Europäisches Mittelalter-eine politische Einführung. Johannes Mötsch, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen Wer im Mittelalter seinen Lebensunterhalt nicht verdienen konnte und nicht in einer Familie oder Gemeinschaft lebte, die ihm in dieser Situation zum täglichen Brot verhalf, war zum Betteln gezwungen. Insbesondere Alte, Kranke und Behinderte konnten schnell in eine derartige Lage geraten. Hungersnöte, Epidemien (Lepra, ab 1348/49 die Pest) oder kriegerische Ereignisse haben die Zahl der Betroffenen immer wieder anwachsen lassen. Im 12. Jahrhundert wuchs die Anzahl der Bettler stark an. Sie konzentrierten sich in den wirtschaftlich aufblühenden Städten. Dort wuchs das Bewußtsein dafür, daß Personen und Gruppen gab, die die christliche Barmherzigkeit mißbrauchten. Deshalb bemühte man sich intensiv darum, die ”echten" Armen von berufsmäßigen Bettlern zu unterscheiden und die beiden Gruppen zu trennen. Eine Chance, unter die ehrbaren Armen aufgenommen und daher auf Dauer mit dem nötigen Minimum versorgt zu werden, hatten vor allem solche Personen, die aus dem eigenen Ort stammten, deren Herkunft und Schicksal (etwa eine Behinderung oder einen Arbeitsunfall) man kannte. Gegen umherziehende Bettler, denen man vielfach Mißbrauch unterstellte, ging man dagegen mit den Maßnahmen vor, die einer sich erst entwickelnden Verwaltung zur Verfügung standen: Prüfungen mit Erteilung von Berechtigungsscheinen; Aufenthaltsbeschränkungen; Arbeitszwang für junge,gesunde Männer; Abschiebung. Wer erst einmal in diese Gruppe hineingeraten war, hatte kaum eine Chance, wieder herauszukommen, seßhaft zu werden und sich in die Gesellschaft wieder zu integrieren. Die Versuchung, sich die nötigen Mittel zum Unterhalt auf eine kriminelle Weise zu beschaffen, war unter diesen Umständen besonders groß. Dementsprechend richtete sich nach Entdeckung eines Verbrechens der Verdacht in erster Linie gegen umherziehende Bettler. Die durch mangelnde Hygiene begünstigte Lepra war im Mittelalter in ganz Europa weit verbreitet. Die Krankheit, die zu Verstümmelung und Erblindung führt, galt als unheilbar, die Furcht vor der Ansteckung war groß. Bereits in der Antike war man zu der Erkenntnis gekommen, daß die Lepra nur durch Ausschluß der Kranken aus Gesellschaft wirksam eingedämmt werden konnte. Nach 1179 wurden die Leprosen völlig von der gesunden Bevölkerung abgesondert. Den Kranken wurden eigene Häuser, Kirchen und Friedhöfe zugestanden; Flurnamen wie Siechen- oder Gutleuthaus weisen bis heute auf derartige Objekte hin. Die Leprosen lebten dort in einer Art religiöser Genossenschaft. Gegen die Kranken, die sich den Regeln der Leprosenhäuser nicht unterwerfen konnten oder wollten bzw. die dort in Zeiten großen Andrangs keinen Platz gefunden hatten, ging die Gesellschaft mit aller Härte vor. Die Angst vor der Ansteckung drängte andere Momente, etwa die Forderungen der christlichen Nächstenliebe, in den Hintergrund. Der Feststellung der Krankheit, die den durch ein Ritual vollzogenen Ausschluß aus der Gesellschaft bedeutete, ging eine umfangreiche Diagnose voraus, die nach Feststellung der heutigen Medizinhistoriker zuverlässig war. Verdächtige waren den Leprosenmeistern, später Gremien aus medizinisch gebildeten Männern oder den entsprechenden Fakultäten einer Universität vorzustellen. Zweifelhafte Fälle erhielten einen zweiten Termin in größerem zeitlichen Abstand. Der Befund wurde urkundlich festgehalten, um denjenigen Personen, bei denen keine Lepra festgestellt worden war, die Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen. Soviel zum Thema Aussätzige Gruß Wolf
Gott zum Gruß und allzeit sichere Wege, Arfast Harksen

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Eintrag #10 vom 13. Mrz. 2001 16:04 Uhr Frank   Nachricht

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Tach Ihr, mal zur Kleidung von Bettlern (gerade im FMA)… Soweit ich informiert bin gibt es Funde von sehr oft geflickten Gewändern. (Stoff war teuer und man konnte sich nicht oft neue Kleidung leisten wenn man nicht gerade adlig war…) Wie sollte sich dann ein Bettler, sagen wir mal von einem Bauern unterscheiden? Oder war das mit den geflickten Hemden gar nicht sooo schlimm und man hat die dann an Bedürftige weitergegeben sobald “ein gewisses Maß” an Flicken erreicht wurde und man sich nicht mehr z.B. in der Kirche sehen lassen konnte? MfG
Frank (aus Franken)

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Eintrag #9 vom 13. Mrz. 2001 16:02 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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Sorry Dietrich, Deine Meinung anzuzweifeln war nicht mein Begehr. Aber ich fand, daß Bild des Bettlers wurde etwas zu sehr romantisiert - daher meine Einwände. Natürlich war Latein die einzige liturgische Sprache, daher erschien mir die ßußerung unlogisch, daß jemand einen Bettler beauftragt hätte “in seinem Namen” ein Gebet zu sprechen. Möglicherweise hatte auch jederman einen “Satz” lateinischer Gebete parat, um sie bei Bedarf abspulen zu können - aber überlege mal - eine Formel herzubeten, die ich nicht verstehe - wie schnell sich da Sprachfehler einschleichen. Wenn jemand dann auch noch am Rande der Gesellschaft rumdümpelt, dürfte das “Hausgebet” recht schnell zu unkenntlichkeit verstümmelt worden sein. Jeder konnte genug Kirchenlatein um einem GOTTESDIENST folgen zu können? Darüber bin ich erstaunt. Ich war der Meinung daß Luther die Volksprache eingeführt hat, damit die Leute auch verstehen, was man ihnen predigt. ich meine nicht das “Ita misse est” Das werden die Menschen schon verstanden haben. *g* Aber ich weiß es wieder nicht genau - belehre mich! :) Grüße, Martin aka
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #8 vom 13. Mrz. 2001 15:29 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Suse, hallo Martin, ich wüßte nicht, daß jemand behauptet hätte, Bettler dürften nicht krank oder behindert sein. Tatsächlich war, wie Martin das ganz richtig schrieb, eine Berufsunfähigkeit durch Gesundheitsschädigung die Hauptursache für den sozialen Absturz. Es ging mir um ANSTECKENDE Krankheiten. Selbst Bürger einer Stadt, die an so einer Seuche erkrankten, wurden vor die Tore gekarrt; alle mir bekannten Leprahäuser liegen (oder lagen) außerhalb der Stadtmauern; da werden sie kaum aussätzige Bettler frei herumlaufen lassen haben, oder? Und zum Thema lateinisch beten: Bitte nicht vergessen, daß bis zur Reformation Latein die einzige liturgische Sprache war und alle Gebete, oder jedenfalls die im ständigen Gebrauch befindlichen wie Vaterunser und Ave Maria, ausschließlich auf lateinisch gebetet wurden. Wenn jemand spezielle Bitten an seinen Schöpfer hatte und diese in einer “verständlichen”, soll heißen nach Aussage der Kirche “zugelassenen” Sprache vorlegen wollte, mußte er sich einen Priester mieten, der das für ihn in Latein tat. Nach meinem Kenntnisstand konnte jedermann im MA einige lateinische Gebete und genügend Kirchenlatein, um einem Gottesdienst folgen zu können. Vermutungen und Theorien sind sicher schön und in manchen Sachen auch nötig, aber im Bereich “Kirche” und “Sozialordnung der städtischen Gesellschaft” sind wir gottlob nicht darauf angewiesen, da die Beleglage recht gut ist.
Dietrich

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Eintrag #7 vom 13. Mrz. 2001 14:19 Uhr Saskia Heinke   Nachricht

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Nochmal auf Suse zurück… In Hamburg wurde am Ende des 14. Jh. gar ein Prachervogt eingestellt- dieser kam aus den Kreisen der Berufsbettler und sollte dem Wirken der Scheinbedürftigen Einhalt gewähren. Also: Brauchst ja nicht wirklich krank sein - so tun wird auch schon bestraft!

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Eintrag #6 vom 13. Mrz. 2001 14:12 Uhr Martin Uhlig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Uhlig eine Nachricht zu schreiben.

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…genau. und ausserdem gibt es “unzählige” Abbildungen von “Bettlern” die auf allen möglichen Arten von Gehhilfen daherkommen. Leute ohne Beine mit Krücken, Leute ohne Fuß auf den kleinen Höckerchen, rutschend, kriechend, Leute ohne Arm, ohne Kopf (äh, naja *g*) usw. Warum rutschte jemand im MA durch das “soziale Netz” Weil er seines eigentlichen Erwerbs verlustig ging - durch Krankheit, Krieg etc. mit einhergehendem Verlust von Gliedmaßen. Die Variante vom stolzen, ums Seelenheil seines Gönners feilschenden Bettlers halte ich für weniger schlüssig. Bettler - lateinisch beten?? Ich bitte euch! Sicher, es war ein Anrecht auf “Pluspunkte” im Himmelreich, aber m.E. auf rein ideeller Ebene - nicht gegen ein paar handfeste Gebete. (Aber das ist halt meine Vermutung) Und, wer noch heil an Leib und Seele war, hatte bestimmt eine Chance auf irgendeine “Anstellung” - nicht fest, nicht immer aber vielleicht genug zum ßberleben. Stichwort Tagelöhner. Nur wer nicht mehr “im Schweiße seines Angesichts sein Brot verdienen” konnte, hatte m.E. ein “Anrecht” betteln zu dürfen. Meine Therorie - nehmt sie auseinander! *g*
Konrad, Spielmann vom hohen Hause

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Eintrag #5 vom 13. Mrz. 2001 13:38 Uhr Susan Sziborra-S.  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Susan Sziborra-S. eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, kleidungstechnik und unterbringungs-/verpflegungsideen sind ja schon zur genüge angesprochen, was aber die wunden und den aussatz betrifft habe ich anderes gelesen. im kölner raum gab es anfang des 14.jh zahlreiche verurteilungen von bettlern, die sich vorsätzlich als krüppel oder eben auch aussätzige ausgegeben haben, um an das mittleid der leute zu appelieren und auf diese weise mehr vom großen kuchen abzubekommen. und, um überhaupt betteln zu dürfen, denn arbeitsfähigen personen (also nicht-kranken) war es vielerorts schlichtweg nicht erlaubt und sie wurden verjagt oder verhaftet (quelle: wallraff-richarzt-museum, köln) also leg dir ruhig ne (wenn auch falsche) krankheit zu!
gruß ana ap jakob

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Eintrag #4 vom 13. Mrz. 2001 09:45 Uhr Michael Effertz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Effertz eine Nachricht zu schreiben.

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Hi, das sind auf jeden Fall schon zwei sehr aufschlußreiche Einträge, noch zum Zeitraum: Mein Augenmerk liegt eher auf dem FMA. (Aber gegen das HMA hab ich auch noch nix einzuwenden ;-) Soweit sogut, Ring frei zur zweiten Runde
Gruß, Micha

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Eintrag #3 vom 13. Mrz. 2001 09:16 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, Micha. Zunächst einmal, mit deiner Idee für die Kleidung liegst du garnichtmal so falsch. Aber verdreckt und zerschlissen erscheint mir dann doch etwas übertrieben. Es gibt z.B. in der Manesse Abbildungen von Bettlerspeisungen, und die Bettler dort tragen abgelegte, ergo gebraucht aussehende, aber trotz allem gut erhaltene Bürgerkleidung, von Handwerkern, Händlern o.ä. Zur Unterkunft und Verpflegung: Da spreche ich jetzt vom HMA/ frühen SMA. Welche Zeit genau du darstellen möchtest, solltest du uns noch wissen lassen. Wie schon in einigen anderen Threads ( Adels- und klerikale Darstellung z.B. ) angesprochen wurde, hatte der Bettler für den begüterten Menschen im MA einen bestimmten Nutzen. Der begüterte spendete dem Bettler Nahrung, Geld, Kleidung oder Unterkunft, der Bettler betete als Dank für diesen Menschen und sorgte so für sein Seelenheil. Da der Glaube zu dieser Zeit tief in den Menschen verwurzelt war, war dies ein auf jeden Fall ausreichend regelmäßiges Einkommen. Da kommen wir auch schon zu dem Problem, was du heute bei der Darstellung haben wirst. Da sich in manchen Markt-Gruppen die Adelsdarstellung aufs Ritter-Kämpfen beschränkt, ist einigen dieser Hintergrund garnicht bewußt. Ergo darf man sich dort als Bettler höchstens ein paar abfällige Bewertungen erwarten. Andere Gruppen bauen sowas schon in ihre Darstellung ein. Hadu sagte letztens, bei ihm hinge immer ein Topf Gerstenbrei für diesen Fall. Hier ist von deiner Seite dringend zu beachten, daß diese Gruppen dann aber auch die Gegenleistung erwarten. Sprich, du solltest ein paar - am besten lateinische - Dankesfloskeln und Gebete draufhaben. Achso, Gerstenbrei: Erwarte auf diese Weise wirklich nur eine Schüssel Brei und etwas Wasser. Fragen nach echtem Geld, Bier und Grillfleisch sind schon des öfteren vorgekommen, aber werden seeeehr ungern gesehen. Das könnte die Akzeptanz deiner Person und damit deine Darstellung schnell beenden. Dazu kommt noch ein weiteres Problem: So ein Event kostet auch die Aktiven oftmals Geld. Nun hätte ich trotz aller oben genannten Punkte wenig Lust, von meinem heute sauer verdienten Geld jemanden ´durchzufüttern´. Im speziellen, da dies ja eigentlich garnicht nötig ist, da du ja nur den Bettler darstellst, aber nicht wirklich mittellos bist. Hier wäre mein Vorschlag, dir eine oder auch mehrere Gruppen zu suchen, und das im Vorfeld zu besprechen, so daß du dich an den Unkosten beteiligst. Auf dem Event selbst ´erbettelst´ du dir dann das, was du vorher selbst gekauft bzw. der Gruppe erstattet hast. So sollten alle zufrieden sein.
Gruß,  Ivain

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Eintrag #2 vom 13. Mrz. 2001 09:09 Uhr Dietrich (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Dietrich eine Nachricht zu schreiben.

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Moin, Michael. Wäre schön, mal eine “realistische” Bettlerdarstellung zu sehen :-) Mit der Kleidung bist Du schon mal auf der richtigen Schiene; nichts ist lächerlicher als dieses ewige Kartoffelsack- Fußlappen- Dreckkrusten- Outfit, das ofensichtlich mit den Vorstellungen der Leute, wie ein Bettler auszusehen hat, untrennbar einhergeht. Etwas Hintergrundwissen: Auch im MA waren Bettler Leute, die, oft unverschuldet, durch´s soziale Netz gerutscht sind. Sie lebten von der Wohltätigkeit ihrer Mitmenschen, was etwas leichter war als heute, da nach dem damaligen religiösen Empfinden- und jedermann war religiös damals- Wohltätigkeit ein gutes Mittel war, Pluspunkte auf seinem Himmelskonto zu sammeln. Statt Geld wurde Bettlern oft Sachwerte gespendet, darunter Lebensmittel und nicht zuletzt auch abgelegte Kleidung. Man darf sich einen Bettler also in normaler, wenn auch abgetragener und ggf. geflickter mittelalterlicher Alltagskleidung vorstellen. Auch die allgemein verbreitete Meinung, zum Betteln gehöre eine zentimeterdicke Dreckkruste, möglichst auch noch offene, schwärende Wunden oder eine wie auch immer geartete Form von Aussatz, wage ich vorsichtig anzuzweifeln. Natürlich hat ein Bettler nicht die Möglichkeit zur Körperpflege wie ein Bürger, aber eine Möglichkeit zum Waschen, und sei es nur am Brunnen oder am Stadtbach, gab es immer. Und es war wichtig, nicht zu dreckig zu sein oder gar zu stinken oder erkennbare Krankheiten mit sich zu tragen: Im MA wurden Krankheiten mittels sinnlicher Wahrnehmungen, unter anderem auch dem Geruchssinn, diagnostiziert. Schlechter Geruch = Krankheit. Und im Zeitalter der Seuchen waren Städte und Gemeinden nicht zimperlich mit Leuten, von denen man annehmen mußte, daß sie krank seien. Der Rausschmiß war noch das Mindeste, was einem da blühen konnte. Zum Thema Benehmen: Das Betteln im MA war nicht eine reine Anschnorrerei, sondern ein Geschäft: Man zahlte den Bettler dafür, stellvertretend für den Spender für dessen Seelenheil zu beten. Konkretes Beispiel: Ich bin der Meinung, mein Pluskonto im Himmel etwas auffüllen zu müssen, wofür Gebete immer ein gutes Mittel sind. Aber ich habe im Moment leider ü-ber-haupt keine Zeit. Also gebe ich einem Bettler 10 Pfennig, mit der Auflage, zwei Vaterunser in meinem Namen zu beten. Damit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens bin ich wohltätig gegen einen bedürftigen, was im Himmel sowieso immer gern gesehen wird, und zweitens kommen da oben zwei dicke Gebete in meinem Namen an. Bettler sind folglich Dienstleister. Sie können also auch feilschen über Qualität und Ausmaß bzw. Preis ihrer Dienstleistung: “Für 10 Pfennige bekommst Du aber keine 2 VU´s; bestenfalls eines, und noch ein Ave Maria. 2 VU´s kosten mindestens 14 Pfennnige.” So in der Art. Und dann kann man sich als Bürger mit dem Herren einigen, oder auch nicht.Muß man eben selber beten. Einen anderen bettler zu beauftragen ginge zwar, aber die Schlingel sind in der Stadt organisiert und betreiben Preisabsprachen. Also, Unterwürfigkeit bis hin zum Kriechen, wie ich sie schon oft bei Bettlerdarstellern gesehen habe, ist völlig fehl am Platze. Respektvolles Auftreten, man ist ja doch Bittsteller, meinetwegen auch ein wenig dick aufgetragener Schmeichelei, halte ich für glaubwürdig; Schleimerei nicht. Schließlich war der Bettler vielleicht früher mal Handwerker, Soldat, Bürger- und sowas wird nicht plötzlich abgelegt, nicht einmal in großer sozialer Not. Die “Hassemanemarkey”- Penner vom Bahnhof sind ein Produkt UNSERER Zeit….
Dietrich

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Eintrag #1 vom 12. Mrz. 2001 23:17 Uhr Michael Effertz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Effertz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo, nachdem ich jetzt schon einige Zeit dem Geschehen hier folge, und vielleicht auch irgendwann einmal eine mittelalterliche Veranstaltung besuchen möchte, und zwar gewandet, aber nicht genau weiß, was ich eigentlich darstellen möchte, vor allem aus Kostengründen, habe ich mir überlegt, als Bettler aufzutauchen. Doch hab ich keine Ahnung, wie ich mich zu benehmen habe. Die Gewandung dürfte wohl aus verschlissen Keildungsstücken, also Hose und Tunika, eventuell noch eine verdreckte Decke, bestehen, vielleicht noch ne Kapuze, und ein Strick als Gürtel… Aber was ist mit der Unterkunft??? Der Versorgung mit Nahrung? Von Waschmöglichkeiten seh ich als Bettler ab, aber wer läßt sich bitte “anschnorren” Wer läßt einen Bettler in seinem Lager nächtigen?… Wie steht Ihr dazu, hätte das Unternehmen “Bettler” einen Erfolg?!
Gruß, Micha

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