Tach zusammen, ich hab in dem Buch “Landsknechte” den Hinweis gefunden das der henker im Lager ein rotes Wams und eine rote Feder am Hut tragen soll… allerdings hätte ich gerne eine verlässliche Quelle. die Holzschnitte und Kupferstiche zeigen den Henker oftmals in schönem zerhauenen Zeug. Ich kann mir nicht vorstellen das er rot auf rot getragen hat, das heißt die durchbrechende Lage die gleiche Farbe hatte wie die Decklage.
Das Amt des Henkers dürfte erst im 13.Jhdt. entstanden sein, in früheren Zeiten (und in einzelnen Regionen auch noch viel später…) wurde die Todesstrafe durch andere vollstreckt:
-den Büttel/Fronboten/Boedel o.ä, der ein Freier und Ehrlicher Mann war
- durch den Richter selbst oder einen der Richter
-durch den Ankläger oder einem von diesem bestimmten.
Bestimmend für die Ausbildung des Henkeramtes- und die Unehrlichkeit dieses Amtes- war wahrscheinlich die zunehmende ßbernahme des römischen Rechts im 11.-12 Jhdt.
Die vermutl. Ersterwähnung eines “Henkers” im HRR bezeichnete ihn ja als “Carnifex”, so jedenfalls im Augsburger Stadtrecht von 1284. Diese Bezeichnung entspricht der Bezeichnung des antiken Rom, auch wenn sich die Tätigkeiten unterscheiden.
Stefan, Fronbote und Bader …demnächst auch Söldner
es gibt auf www.genealogienetz.de eine Seite nur für Scharfrichter. Es ist eine offene Liste. Kommt doch einmal vorbei. Es ist alles zu diesem Thema Interessant.
Hallo Marc, bin ganz darüber hinweggekommen. Hier greift wieder die Zeitfalle vor 800 z.B. galt der Richtende als Verlängerung der göttlichen Gerechtigkeit und wurde auch entsprechend geehrt. Von diesem Punkt aus litt diese Anerkenung bis zum heutigen Tag. Siehe Kriesverbrecher. Wenn Du Dich auf eine bestimmte Region und Zeit festlegst, dann kann man das evtl. näher eingrenzen. Deine Meinung trifft zu oder auch nicht je nach Umfeld. Sorry.
Hallo André, der Vergleich mit dem Gerichtsdiener ist nicht so ganz richtig. Henker waren nach meinen Quellen mehr oder weniger Ausgestossene, die z.B. nicht kirchlich verheiratet oder beerdigt werden konnten. So gab es in manchen Tavernen extra einen Tisch für den Henker, da kein Anderer Umgang mit ihm haben wollte. Es wurden ihnen so ziemlich alle unangenehmen Arbeiten aufgetischt, die sonst kein ehrbarer Mann gemacht hätte: Hinrichtung, Bestrafung, Zuhälterei (damals sogar per Gesetz *g*), Hundefänger, Vertreibung von Aussätzigen aus der Stadt, Bewachung des städt. Getreidespeichers und Reiniger der Kloaken…. Es ging sogar soweit, daß der Umgang (Gespräche) zwischen ehrbaren Bürgern und den Henkern als anrüchig galt. Dieser “Beruf” ist eigentlich wie eine niedrige Kaste anzusehen. Er war vererblich, auch wenn die Kinder es nicht wollten. Ein Wechsel war nicht möglich. Ein sozialer Aufstieg durch Heirat konnte auch nicht stattfinden (ich glaube in Indien sind es die Paria) Die Kleidung war teilweise in den städt. Satzungen vorgeschrieben. Bezahlt wurde der Henker nach geleister Arbeit und durch freie Kost und Logie. Mußte aber davon z.T. für die “Arbeitsmaterialien” aufkommen und an ensprechender Stelle eine “Grundabgabe” zahlen.
Hallo Dietrich! Literatur zum Thema: “Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker - Außenseiter in der mittelalterlichen Stadt” Autoren: Franz Irsigler und Arnold Lassotta, DM 19,90, ISBN 3-7743-0210-3 Bezieht sich allerdings auf die Stadt Köln im 15.Jhd. Was davon auch schon fürs 12. und 14. Jhd gilt muß man sicherlich im Einzelfall sehen. Da steht auf über 42 Seiten einiges über den Henker und seine Gehilfen, gesellschaftliche Stellung, genaue Aufgaben, auch was über Einnahmen und Ausgaben, seine Schutzfunktion gegenüber den Dirnen (der Scharfrichter war quasi der Zuhälter der Dirnen, die einen Teil Ihrer Einnahmen an ihn abgeben mußten - höchst interessant).
Hallo, laut eines Bandes über die Gerichtsbarkeit (leider im Moment verliehen - ISBN kommt nach), wird im kölschen der Büttel im 13 Jhd. vom Rat der Stadt bezahlt und ist mit Ordnungs- und Gerichtsdienstbarkeiten betraut. Ergo eine Mischung aus Schutzpolizist und Gerichtsdiener von heute. Zum Thema Preislisten: Suche nicht nach Henker, sondern nach Ausgaben der Stadträte. Darunter finden sich fast immer auch Aufzeichnungen, die die Gerichtsbarkeit betreffen. (Fragen Sie in der Bibiothek Ihres Vertrauens). Meines schwachen Erinnerungsvermögens nach sind die meisten Unterlagen ab dem 14 Jhd.
Hallo. Ich habe gerade nochmal nachgeschlagen. Die genaue Funktion und Anzahl der Büttel ist nur bedingt nachweisbar. 1371 ist ein Verurteilter kurz vor seiner Hinrichtung befreit worden; er wurde , laut Aufzeichnungen, “uis richterboden hende” befreit. Der Autor des mir vorliegenden Buches übersetzt dies mit “aus den Händen des Gerichtsboten (der hier das Urteil vollstrecken sollte)” und setzt im folgenden den Gerichtsboten dem Büttel gleich. Tatsächlich lässt sich die Bezahlung von drei Bütteln in der Zeit von 1370-80 in Köln an Hand von Ausgabenrechnugen der Rentkammer nachweisen. Die Büttel waren dem Hochgericht unterstellt und einer von ihnen war von höherem “Rang” - er durfte ein Schwert tragen und wurde höher besoldet. Eben dieser städtische Schwertträger konnte in Ausnahmefällen auch stellvertretend für den Henker einspringen. 1396 lassen sich 8 Büttel und ein special Agent Superbüttel, der sogenannte “Tortor” (Folterer) nachweisen. Den normalen Gerichtsdienern wurden “polizeiliche” Aufgaben zugeteilt, der Tortor war wahrscheinlich dem Scharfrichter unterstellt. Wie es vor 1370 ausgesehen hat…..keine Ahnung :0) Grüße, Patrick.
Hallo Leute! Vor einigen Jahren hab ich mal in einem Buch blättern können, welches dieses Thema beinhaltete. Das Buch ist glaube ich im Besitz von Ole dem Klingelnarrn. Den also bei genaueren Sachen fragen. Vom Ansehen her wurde der Hencker anscheinend sogar noch unter dem Juden angesiedelt. Desweiteren war er “unberührbar”. Jemand der den Hencker also aus versehen anfaßte, konnte sich wer weis wie lang diese “unehre” abwaschen. Das ganze ging dann sogar soweit, daß die Henckerfamilien untereinander nur noch heiraten durften, so daß eine richtige “Henckerssippschaft” entstand. Die älteste Henckersfamilie soll erst am Ende des I. WK ihren Beruf an den Nagel gehängt haben. Soviel ich weiß, werden mit Büttel Soldaten bezeichnet, die polizeiliche Dienste durchführen. Also im Grunde die Stadtwache. Zuletzt habe ich diese Bezeichnung in einem Buch über die franz. Revolution gelesen, wo Soldaten der Nationalgarde, die die Opfer der Guilloutine auf den Podest führten. Da diese Bezeichnung, die jedenfalls dort klar zwischen Hencker und Büttel unterscheidet, sicherlich auch aus früheren Zeiten übertragen worden ist, nehme ich stark an, daß es sich hierbei um “mittelalterliche Soldatenpolizisten” handelt. Aber vielleicht wissen andere mehr. Um mehr über dieses Buch zu erfahren, solltet ihr dann Ole fragen. Ich kanns nur aus dem Gedächtniss. Gruß v. Arlen
ALso hier ich noch mal. Ich suche Infos speziell für ca. 1250! Ich danke Euch schon mal für Eure Hilfe, Ihr seid super,danke. Also Henker-,Scharfrichterinfos zu mir, Wenn ihr doch mal `ne Preisliste findet(egal welche Zeit, gebt sie mir bitte,danke.
Hallo Leute. Das Zitat “Der Scharfrichter oder Henker ist der unehrlichste unter den unehrlichen Leuten” ist sicherlich für das SMA, aber nicht für das ganze Mittelalter wahr. Eine Henkerstätigkeit ist ursprünglich, christlich gesehen, eine sakrale Tätigkeit, bei deren Ausführung Henker und Opfer in einer Verbindung zu Gott stehen. Im Sachsenspiegel ist noch vom ehrenvollen Scharfrichter die Rede: “Der Büttel mag die Leut ohne sünd wol peinigen und tödten. Ja er thut daran ein Gottes werck […] Sihe nun wol zu, du fronbot oder Scharfrichter, das du den namen mit der that habest, und sey gerecht, dann wirst du heilig genannt.” Büttel ( die auch Henkersfunktion hatten ) konnten bei Massenhinrichtungen sogar jedem 10. Mann das Leben schenken (gegen Loskauf oder Hinnahme einer Verstümmelung versteht sich :0) ). Sicherlich war der Henker schon immer eine diabolische, gefürchtete Person, aber die “Verunehrung” begann erst mit dem SMA und dem allmählichen ßbergangs zum berufsmäßigen Vollzug sog. “peinlicher Strafen”. Seit dem 14. Jahrhundert verstärkte sich die Tabuisierung des Henkers - er war gebraucht, aber man wollte nichts mit ihm zu tun haben. Die Isolation des Henkers und seiner Gehilfen wurde nicht nur sozial, sondern auch topographisch (Henkerwohnungen) durchgesetzt. Es ging sogar so weit, dass man den Namen des Henkers verschwieg und ihn mit falschen, diffamierenden Namen , wie Meister Hans oder Meister Fix bedachte. Mitte des 13. Jahrhunderts soll der Begriff Henker zuerst aufgetaucht sein - in Köln fällt die Berufsbezeichnung Scharfrichter offiziell zum ersten Mal ca. 1370. 1435 befassten sich Rat und Schöffen Kölns näher mit dem Scharfrichtertum. Sein Eid,seine Rechte und Pflichten wurden schriftlich festgehalten; unter anderem auch,interessanter Weise, seine Bezahlung: (Der Kölner Scharfrichter übte sein Amt auch in umliegenden Städten und Dörfern aus, so diese keinen eigenen Henker hatten) - in Kassel und Brauweiler einen alten Schild - in Deutz einen Gulden - in Brühl fünf Mark - in Neuss bekam er kein Geld, sondern er erhielt ein Haus und die Erträge von zwei Morgen Land. Umgerechnet in heutige Kaufkraft sollen das 700-1000 DM gewesen sein. ßberließ der Henker jemand anderem die Hinrichtung, dann bekam er trotzdem das Geld dafür. Die Kleider seiner Opfer fallen ihm auch zu, nur Geld, falls er welches findet, muss er dem Greven abtreten. In vielen grossen Städten bekommt er eine Wohnung mietfrei zur Verfügung gestellt ( in Köln am Hühnermarkt) und ist vom städtischen Wachdienst befreit. Man schätzt, dass der Kölner Scharfrichter seine Haupteinnahmen von den Dirnen bezog, solange sie sich von ihm beschützen liessen. Der Henker hatte aber auch folgende Ausgaben: Er musste zehn Mark jährlich an den Greven zahlen. Darüber hinaus hatte er weitere nicht unbeachtliche Abgaben in Lebensmittelform zu erbringen und musste all sein Arbeitsgerät selber erwerben. Festgehalten wurde noch, dass er bei Verbrennungen Heu, Pfosten und Seile beisteuern und beim Sieden ein Drittel des Kesselkaufpreises berappen musste. Zum Zeitpunkt dieser Regularien (1435) stand der Scharfrichter noch in engem Kontakt zum Greven, der ein sehr angesehender Mann war - Daran lässt sich erkennen, dass die Tabuisierung noch nicht allzu weit fortgeschritten war. Der Henker übernahm dazu vielerorts ( oft in kleineren Ortschaften ) noch den Beruf des Abdeckers, was seinen sozialen Niedergang förderte. ßber die Kleidung des Henkers kann ich nicht viel sagen. Auf Abbildungen des SMA kann man ganz “normale” Kleidung erkennen, ohne besondere Kennzeichen. Allerdings sind die mir gerade vorliegenden Bilder schwarz/weiß und nicht allzu zahlreich… Ich glaube die schwarze Henkerskapuze ist erst im 16. Jahrhundert üblich geworden, um den Henker vor dem Bösen Blick zu schützen. Weiß da jemand etwas drüber? Das Richtschwert wurde erst im 18. Jahrhundert gänzlich durch das Beil verdrängt. Grüße, Patrick. __________ Quelle: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker - Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt (spez. Köln 1300-1600), Franz Irsigler und Arnold Lassotta, 1989
Hallo, mich würde interessieren was der Henker für Kleidung getragen hat, bzw. woran man ihn erkannt hat. Das er gelb getragen hat ist naheliegend (unehrliche Tätigkeit), weiß da jemand mehr? Zeitlich würde mich das ganze für spätes 12. und frühes 14. Jahrhundert interessieren. ßrtlich gesehen würde mich England, bzw. Mitteleuropa interessieren. Gruß Stefan
Hallo Dietrich, für welche Zeit, und für welchen Ort? Deine Frage ist im Moment etwa so differenziert wie die nach den Tätigkeiten von Schustern. “Henker” war, soviel kann man sagen, kein Handwerk, sondern eine “unehrliche” Tätigkeit. Der Henker war auf gar keinen Fall einem ehrenhaften städtischen Handwerker und Gildenmitglied gleichgestellt! Näheres dazu steht im von Joachim erwähnten Thread. Wenn Du den Rahmen Deiner Frage etwas enger steckst, kann ich gern noch zusätzliche Informationen liefern.
Ich suche Infos über das Handwerk des Henkers. Was ich unbedingt suche ist eine Preisliste für die verschiedenen Tätigkeiten des Meister Hans. Aber auch andere Infos wären gut.