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Eintrag #17 vom 28. Nov. 2006 16:20 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Alexandra!
Das Fehlen von Lehrwerken muß man nicht so negativ auslegen. Auch in anderen Bereichen fehlen im Mittelalter oftmals Lehrwerke bzw. klaffen große Lücken zwischen einigen wenigen Beispielen. Es gibt z.B. keine Tanzlehrwerke vor dem 15. Jahrhundert. Bei vielen Handwerken ist es ähnlich. Und da habe ich eher als Begründung gehört, daß man etwas nicht aufschreiben mußte, was besser als aus einem Buch im persönlichen Kontakt bzw. durch Zusehen gelernt werden konnte - trifft auch auf das Reiten zu. In manchen Fällen (dann aber sicher nicht beim Tanzen) hat man das Wissen möglicherweise auch als “Betriebsgeheimnis” gehandhabt und deshalb nicht aufgeschrieben.
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #16 vom 28. Nov. 2006 13:38 Uhr Alexandra Krug  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Krug eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Patrizia,
ich lese wirklich sehr viel über die alten Meister und an einigen Stellen ist immer mal was vom “mittelalterlichen Reitstil” (also alles vor dem 16. Jhd.) zu lesen. Und der kommt nie gut weg. Z.B. in “Reitkunst Alter Meister” von Erhard Semadeni steht im Kap. 4, das über die Hilfen handelt folgendes Zitat von Paul Weier: “Im mittelalterlichen Stehsitz waren einzig die Oberschenkel und die langen Sporen, allenfalls der Bügeltritt, nicht jedoch der die Unterschenkel zur Hilfengebung von Bedeutung.”
Arnim Brasche schreibt in “Geschichte des Pferdes” besonders drastisch: “Eine schriftlich fixierte Reitlehre ist aus dem Mittelalter nicht bekannt, bei der sonst so bemerkenswerten literarischen Produktion ein symptomatischer Tatbestand. Offenbar waren die reittechnischen Anforderungen so gering, daß man der Lehre nicht bedurfte.” Brasche läßt sich in seinem Buch über etliche Seiten über die plumpe Reitweise der Ritter aus. Ich halte seine Argumente allerdings für ein wenig überzogen und klischeehaft.
Wenn man hingegen bei Branderup hineinschaut, so soll es ja schon 1250 eine Reitlehre von Giordano Ruffo gegeben haben. Allerdings waren zu dieser Zeit die Leiter der Marställe meist mehr “Tiermediziner” als Reitmeister. Deshalb ist natürlich in diesem Werk sehr viel medizinisches verfasst. Der früheste mir bekannte Reitmeister ist Frederico Grisone 1550. Ab diesem Zeitpunkt erscheinen dann in relativ kurzen Abständen Reitlehren. Und das ist für mich ein Hinweis, daß ab da eine gewisse Schule geherrscht hat. Denn noch lange war es so (und ist auch heute noch so), daß wenn man sich ein ganzes Leben mit diesem Thema beschäftigt, zu neuen Erkenntnissen kommt, daß man da dann den Drang hat, diese niederzuschreiben. Und diese Erkenntnisse kommen eigentlich immer, wenn man mehrere Pferde bis zur Hohen Schule ausgebildet hat.
Wegen dem “durchhängenden” Zügel: Ich lasse mein Pferd auch die Zügel ab und zu lang um zu sehen, ob er ohne Anlehnung Haltung und Takt beibehält. Das ist aber ein langer Weg, bis das Pferd das dann immer macht. Und vorallem braucht es ab und zu doch mal einen kleinen Arret, um diese Versammlung aufrecht zu erhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, daß man dafür in einer Schlacht noch Aufmerksamkeit hatte. Naja, wenn es mal mit seiner Ausbildung fertig ist, dann kann ich das ja mal ausprobieren. Noch sind wir bei den Seitengängen auf dem Zirkel…
Viele Grüsse, Alexandra

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Eintrag #15 vom 16. Nov. 2006 13:04 Uhr Patrizia Frin  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Patrizia Frin eine Nachricht zu schreiben.

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Huiiiii, es lohnt sich doch, hin und wieder in die Taverne zu gucken, merke ich gerade. Hier sind ja die Fachleute in Richtung mittelalterlichem Reiten versammelt. :-)
Aprospros Versammlung: Dass notgedrungen KEINE Versammlung vorherrscht, nur weil der Zügel hängt, ist ja nun etwas weit hergeholt. Vgl. hierzu sämtliche Reitmeister aus sämtlichen Zeiten: ab einem gewissen Ausbildungsstand (den ich vermutlich nie erreichen werde :-( ) ist einfach kein Zügel mehr dauerhaft anstehend nötig und wurde als Zeichen den Könnens hängen gelassen, ebenso wie das Bein weit nach vorne gestreckt wurde. Ich könnte mir theoretisch vorstellen, dass das im MA nicht anders war.
Mein persönlicher Knackpunkt sind immer die mordsmässigen Unterhälse, die man so sieht. Die Pferde treten auf den Abbildungen ganz offensichtlich weit unter, aber dennoch zeigen sie diesen abartigen (ganz schön hässlichen, finde ich) Unterhals. Das scheint mir optisch der gravierendste Unterschied zum Barock. Sie sehen den heutigen (gut gerittenen!) Gangpferden da in vieler Hinsicht ähnlicher, finde ich. Wie seht ihr das?
Tricia

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Eintrag #14 vom 14. Nov. 2006 18:10 Uhr Marco Schalamon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marco Schalamon eine Nachricht zu schreiben.

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@Alexandra:
Hallo Alexandra!
Ich ziehe gerade um, zu einem neuen Provider und der alte “stellt sich etwas schwierig an”! Deshalb kann ich gerade nicht an meine Emailfach. Ich dank Dir für Deine Email und benatworte Sie sobald meine Emailfach wieder funktioniert!
Grüße!
Marco S.

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Eintrag #13 vom 14. Nov. 2006 18:07 Uhr Marco Schalamon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marco Schalamon eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo!
Ich danke erstmal für alle Antworten, die mir sicher weiterhelfen werden!
Ich werde mich mal durch die Fülle an Informationen durcharbeiten!
Grüße!
Marco S.

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Eintrag #12 vom 02. Nov. 2006 21:38 Uhr Andreas Wenzel  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas Wenzel eine Nachricht zu schreiben.

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Alexandra: Ich bitte um Verzeihung, ich habe mich anscheinend misverständlich ausgedrückt. Mit folgendem Zitat…
“Bezüglich dem ”echten“ ritterlichen Reitstil des Mittelalters - ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren daß die Kollegen damals nahezu ausschließlich aus dem Sitz geritten sind, mit minimalsten Zügelhilfen.”
…habe ich NICHT gemeint daß Pferde damals in starker Versammlung geritten wurden, sondern exakt das GEGENTEIL.
Mein Kommentar zielt im wesentlichen auf minimalen Kontakt zum Gebiss hin, was auf Abbildungen oft durch durchhängende Zügel erkennbar ist. Zusätzlich weiß ich aus eigener Erfahrung daß die Handhabe der damaligen Schilde mit den korrekten Fesseln Zügelspannung schlicht nicht erlaubt (mit der Hand im Schild ist der Schildrand im Weg).
Dementsprechend leite ich sowohl aus Abbildungen wie aus praktischen Erfahrungen (Freiheit der Schildhand) ab daß das Roß hauptsächlich über Sitz und Beinhilfen manövriert wurde. Anders ließe sich der Schild zu Pferde kaum wirkungsvoll einsetzen.
Die Haltung des berittenen Kämpfers erklärt sich meines Erachtens hauptsächlich durch den Einsatz der eingelegten Lanze und die entsprechenden Sattelformen. Im 11. Jahrhundert die Lanze noch oft überkopf geführt, zeitgenössische Sättel ließen die Beine frei. Im 13. Jahrhundert hat sich die Technik mit eingelegter Lanze voll entwickelt, mit entsprechend bestimmender Sattelform. Mit den Füßen nach vorne keilt sich der Reiter zwischen Steigbügel und Sattel ein um möglichst viel Kraft durch die Lanzenspitze zu übertragen.
Ich selbst stelle interessanterweise fest daß sich meine Haltung während einer Tjostsaison entsprechend ändert. Meine Beine werden durch Sattelform und Plattenrüstung nach vorne gedrängt, während sich mein Oberkörper im Galopp in Erwartung des Lanzenstoßes nach vorne neigt. Muß das dann immer übern Winter wieder abtrainieren.
Kettenbeinlinge übrigens haben auf die Beinhaltung meiner Erfahrung nach keinerlei Einfluß, im 13. Jahrhundert ergibt sich das wohl definitiv aus bewußter Technik und resultierender Sattelform.
Quanti Adversarii. Tantus Honor.

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Eintrag #11 vom 02. Nov. 2006 18:37 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Zitat aus dem anderen thread “laut ethymologischer Quellen (Wahrig) leitet sich unser Wort Zelter von mhd. zelter bzw. ahd. zeltari bzw. zelten ab, übersetzt heißt das ”im Paßgang schreiten“. …”
Passgang : Zweiertakt, dem Trab ähnlich
Tölten : Vierertakt, dem Schritt ähnlich.
Mit dieser Einigung kann ich ausgezeichnet leben, und, wie gesagt, über die Abbildung des Sattels würde ich mich sehr freuen, eventuell auch andere aus dem thread “historische Sättel”…
Schönen Abend
Nicole

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Eintrag #10 vom 02. Nov. 2006 13:12 Uhr Claus Winhard   Nachricht

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Nicole,
ich verbessere mich: Tölter und Zelter haben denselben ethymologischen Ursprung ;-)
Einigen wir uns auf “Gangpferde” als die moderne Bezeichnung für das, was im Mittelalter der “palefridus” war? *g*
Liebe Grüße,
Claus Winhard
AG Hochmittelalter
www.hochmittelalter.net

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Eintrag #9 vom 02. Nov. 2006 12:11 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Claus,
tja, das mit dem Zelten und Tölten ist ein Missverständnis, dass bereits im Eintrag 15/21 aus dem Thread Reitbekleidung von Frauen im MA geklärt wurde.
Danke für den Hinweis zu dem Sattel aus dem 13., wäre natürlich noch netter, wenn Du mir eventuell eine Abbildung scannen und schicken könntest. Die mir bekannten Funde sind aus früheren oder späteren Epochen.
MfG
Nicole

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Eintrag #8 vom 02. Nov. 2006 10:05 Uhr Claus Winhard   Nachricht

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Hallo Nicole,
Hengste waren als ritterliche Kriegspferde bzw. Schlachtrösser (dextrarius) im Gebrauch, die Zelter waren (vermutlich) Paßgänger und eben auch Tölter (daher der Name Zelter), von daher - unabhängig vom Geschlecht - als Reitpferd bzw. Streckenpferd (palefridus) genutzt.
Im übrigen gibt es sehr wohl einen erhaltenen Sattel aus dem 13. Jh., es ist der Sattel Jakob I. von Aragonien, aufbewahrt in der Armeria Real in Madrid, beschrieben von Boeheim (da ist auch eine Zeichnung) im Jahre 1890.
Zaumzeugfunde bzw. Fragmente von Zaumzeug mit einer zumindest “groben” Datierung (12./13. Jh.) sind durchaus auch vorhanden, die beiden von mir weiter unten zitierten Bücher haben dazu entsprechende Abbildungen.
Liebe Grüße,
Claus Winhard
AG Hochmittelalter
www.hochmittelalter.net

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Eintrag #7 vom 02. Nov. 2006 09:45 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

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5 Cent um die Meinungsvielfalt abzurunden:
Ob man die Reiterei des Barock mit der des 13. Jhdts (und um die geht es) vergleichen kann, möchte ich in Frage stellen. Betrachtet man die Abbildungen von Bayeux, stimmen die abgerundeten Hälse und die Beinhaltung ist eventuell vergleichbar der heutigen. Anders hingegen ist das bei den Abbildungen von Reitern/Rittern in Mac-Bibel, Manesse und Lutrell Psalter. Hier haben die Reiter die Beine so weit vorne, dass sich die Füsse vor dem Pferdehals befinden und sie sind zeitweilig sehr in den Sätteln eingeklemmt (eine Theorie will, dass das aufgrund der Rüstung erfoderlich war, um nicht aus dem Sattel zu fallen). Speziell auf Turniere ausgelegte Rüstungen gab es nach dem 13. Jahrhundert, da sich auch die Turnierkultur im Laufe der Zeit änderte.
Ob ein Zelter unbedingt eine Reisepferd war, bin ich mir auch nicht sicher. Angeblich sind die Zelter Passgänger gewesen, was lange Reisen sicherlich angenehm macht. Andererseits ist der französische Begriff für Zelter “Haquenée” und die Endung deutet bereits an, dass es sich um ein weibliches Tier handelt. Und die Ritter ritten, sofern möglich, eher Hengste. Für Reise- und Packpferde gibt es die Begriffe “roncin” respektive “palfroi” (möglicherweise taucht der Begriff “roncin” im Kontext mit der Bewaffnung eines Sergeanten für die Schlacht zu Worringen auf, vielleicht hat jemand die entsprechende Textstelle parat).
Erst einmal vernünftig reiten lernen, sich ein Pferd anschaffen, das entsprechende Material (ohne, dass es Sattel- und Zaumzeugfunde aus dem 13. Jhdt geben würde; es bleibt einigermassen Raum für Interpretationen) und dann feststellen, dass einem nicht mehr immensiv viel Zeit und Geld für die Auseinandersetzung mit dem Mittelalter bleiben (*g*), bis dahin ist ein weiter Weg.
In dem Sinne
Nicole

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Eintrag #6 vom 02. Nov. 2006 08:13 Uhr Alexandra Krug  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Krug eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Andreas,
Du schreibst: “Bezüglich dem ”echten“ ritterlichen Reitstil des Mittelalters - ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren daß die Kollegen damals nahezu ausschließlich aus dem Sitz geritten sind, mit minimalsten Zügelhilfen.”
Darüber mache ich mir schon seit langem Gedanken und habe schon mit einigen Leuten diskutiert. Ich bin der Meinung, daß die Masse der Ritterschaft nicht ihre Pferde in so extremer Versammlung, wie es dann im Barock perfektioniert wurde, geritten haben. Und daß die Pferde nicht mit feinen Zügelhilfen geritten wurden. Zwar haben die Pferde auf den Abbildungen schön geschwungene Hälse in stolzer Haltung, aber ich schätze, man bevorzugte auch eher solche Pferde als Schönheitsideal, die diesen Hals schon von Natur aus so halten. Ich glaube jedenfalls nicht, daß man in hoher Versammlung geritten ist. Denn nirgendwo ist ein Reiter zu sehen, der seine Beine hinten hält, um das Pferd unter sich zu versammeln. Oder der ein Hilfsmittel (Gerte, Helfer) dazu nutzt. Oder der auch mal im Schwerpunkt sitzt. Und wie sonst sollte man das bewerkstelligen? Diesen Punkt würde ich gerne zur Diskussion stellen.
Der Sattel hat dem Reiter allein aufgrund seiner Bauweise nur den Spaltsitz zugelassen. Das ist gut noch am Sattel Hinrichs V. zu sehen. Und alle Abbildungen zeigen Reiter im Spaltsitz. Und in diesem Sitz kann man meiner Ansicht nach ein Pferd nicht wirklich gut unter sich versammeln weil der Schwerpunkt ein anderer ist und somit das Pferd gestört ist. Nicht umsonst hat Francois Robichen de la Guérinière mit seinem Werk “Ecole de Cavalerie” 1733 die Reiterwelt nachhaltig beeinflusst. Meines Wissens nach hat er nicht nur den Travers entwickelt, sondern auch den Schulsattel nochmals verändert, weil er den Sitz das Reiters mehr in den Schwerpunkt wünschte.
Diese Bestreben, sein Pferd auf freiwillige Basis zu höchsten Lektionen zu motivieren, sein natürliches Repertoire an Bewegungen für sich zu schönstem Ausdruck zu entfalten, wurde sicherlich zu allen Zeiten nur von ein paar Spezialisten wirklich praktiziert. Wir bewundern das heute, wenn wir es sehen. Die Masse hatte sicherlich keine Zeit daran verschwendet, das Pferd danach zu fragen, ob es will. Es wurde dominiert und mußte funktionieren. So war es immer und ist auch heute noch so.
Viele Grüsse, Alexandra

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Eintrag #5 vom 01. Nov. 2006 22:05 Uhr Andreas Wenzel  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas Wenzel eine Nachricht zu schreiben.

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Eine gewisse ßhnlichkeit der Westernreitweise zum mittelalterlichen Reitstil läßt sich im Prinzip nicht abstreiten, hauptsächlich bedingt durch die vergleichsweise starke Nutzung von Gewichtsverteilung und geringere Zügelspannung.
Einhändige Zügelhilfen sind zwar recht charakteristisch fürs Westernreiten, lassen sich aber ohne weiteres in eine Englische Basis integrieren (Polopferde sind das beste Beispiel hierfür).
Während ich allen Vorrednern komplett zustimme, würde ich persönlich aus meiner praktischen Erfahrung für Dich als Anfänger Englischen Reitunterricht empfehlen.
Die Gründe:
a) Englische Reitlehrer sind generell in Europa wesentlich dichter gesät
b) Daraus schließt, das GUTE Reitlehrer für den Englischen Stil unendlich einfacher zu finden sind
c) Normalerweise sind englische Reitstunden günstiger (meines Wissens)
d) Leihpferde (Schlachten, Film&TV, Reitwandern, etc.) sind in Zentraleuropa üblicherweise Englisch ausgebildet
e) Die größere Verfügbarkeit an Leihpferden wird Dir ermöglichen wesentlich leichter und schneller Erfahrungen auf möglichst vielen verschiedenen Pferden zu sammeln - meiner Meinung nach der wahre Schlüssel zur Sattelfestigkeit in Schlacht und Turney :)
f) Englisch ausgebildete Pferde sind (in Zentraleuropa) häufiger zum Kauf verfügbar. Das trifft insbesondere auf Pferde zu deren Vorbildung besonders für Reenactment geeignet ist (Polizei, Militär, Polo).
Selbst wenn Deine Planung direkt mit dem eigenen Pferd beginnt - eine englische Ausbildung ist in Europa der Schlüssel zur reiterlichen Vielseitigkeit - was wiederrum das entscheidende Kriterium im ReEnactment-Reiten ist.
Wenn Du dann Dein eigenes Pferd hast, könnt Ihr Euren Horizont dann immer noch gemeinsam durch einen Lehrer erweitern lassen - entweder Richtung Western, oder Richtung Spanisch. Oder was auch immer.
Bezüglich dem “echten” ritterlichen Reitstil des Mittelalters - ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren daß die Kollegen damals nahezu ausschließlich aus dem Sitz geritten sind, mit minimalsten Zügelhilfen.
Das aber ist nicht einfach, dementsprechend würde ich mir erstmal ne anständige Grundausbildung verschaffen.
Quanti Adversarii. Tantus Honor.

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Eintrag #4 vom 01. Nov. 2006 21:31 Uhr Marco Schalamon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marco Schalamon eine Nachricht zu schreiben.

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Danke erstmal für die Antworten.
Ich finde beide Antworten nicht extrem und auch nicht entmutigend. Im Gegenteil, ich finde man sollte die Tiere immer so behandeln, daß sie sich auch wohl fühlen. Auch denke ich daß es sehr lange dauert bis man soweit ist, daß man solche Reitkünste besitzt. Sonst wäre ein Ritter ja auch nichts Besonderes gewesen.
Mein Vater besitzt zwei Pferde!
Für den Anfang möchte ich meinen Vater nicht nach Hilfe fragen und werde wohl versuchen woanders die ersten Schritte zu erlernen.
Später werde ich vielleicht mal eins seiner beiden Pferde nutzen können. Es handelt sich beides mal um Württemberger. Eine Stute und ein Hengst, wenn ich nicht irre. Das Fohlen hat er wohl inzwischen verkauft.
Ich selbst bin von so etwas wie Westernreiten ausgegangen (einhändiges Reiten etc.) und hab mir Barockes Reiten empfehlen lassen.
Ihr habt mir jetzt schon wesentlich mehr Infos zukommen lassen, danke!
Für den Anfang wäre ich-s schon froh wenn ich mich normal auf einem Pferd halten könnte. Das ist aber das Mindestmaß um mich selbst in der Darstellung eines Ritters ernst nehmen zu können.
Marco S.

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Eintrag #3 vom 01. Nov. 2006 18:46 Uhr Alexandra Krug  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Krug eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
na klar, die Liste der Literatur ist natürlich ellenlang. Was ich noch empfehlen würde: Die alten Reitmeister aus der Militärära. Sehr klar geschrieben ist zum Beispiel “Das Gymnasium des Pferdes” von Gustav Steinbrecht. Auch schon für den Anfänger geeignet. Am besten eine Antiquariatsausgabe aus den 60er oder 70er Jahren. Da sind immer noch recht viele Hinweise zum Gebrauch von Waffen bei der Reiterei. Wenn es dann schon ein wenig klappt, ist auch das Buch “Reiterspiele und Quadrillen” von Oscar Fritz ganz nett. Allerdings kannst Du mit letzterem Buch überhaupt nichts anfangen, wenn Du nicht schon ein wenig weiter in der Reitkunst bist. Was ich dazu aber noch sagen möchte: So schön es ist, von der Reitkunst des Bent Branderup und auch anderen zeitgenössischen Reitmeistern zu schwärmen, soviel Disziplin steckt dahinter. Ein bischen barocke Reitkunst hier und da geht leider nicht und es gibt dazu auch keine Abkürzungen. Die Schule der alten Meister ist hart, erfordert tägliche ßbung und noch das Befassen der Theorie z.B. von de la Guèrinére und Pluvinel. Abgesehen davon muß man sich erstmal einen geeigneten Lehrer dazu suchen, was schon sehr schwierig, weil selten, ist. Es geht ja nicht darum “reiten zu lernen”, sondern sein Pferd dahingehend auszubilden, daß es exakt an den Hilfen steht. Und je nach Typ ist das ein mehr oder weniger langer Weg, der dennoch Jahre in Anspruch nimmt und nicht zu enden scheint. Und jeder Schritt weiter in die Ausbildung der hohen Schule ist gleichzeitig ein solch großes Erfolgserlebnis, das einem schnell die harte Arbeit, die dahinter steckt, vergessen lässt, ja, süchtig nach mehr macht. Das hört sich jetzt zwar entmutigend an, ist es aber nicht. Denn nur was man wirklich will, erreicht man auch. Und da wo der Wille ist, da ist bekanntlich immer auch ein Weg.
Und sicherlich gibt es auch zu genüge Reiter, die nicht diesen harten Weg der Reitausbildung machen und die dennoch irgendwie reiten. Und die auch auf Turniere oder sonstige Veranstaltungen gehen. Die einhändig reiten und die ihr Pferd in die Richtige Richtung dirigiert bekommen. Es gibt auch Pferde, die einfach alles mitmachen, solange sich der Reiter irgendwie verständig macht. Beide - solche Reiter und solche Pferde - müssen zusammenfinden und auch so kann der Laden laufen (je nach eigenem Anspruch). Das funktioniert auch. Das hat dann nur nichts mit gutem Reiten, d.h. exakten Manövern, schönem Ausdruck und Freude und Gesundheit beim Pferd zu tun. Das ist nicht nur meine Meinung, das ist die aller Leute, die Reitkunst praktizieren. Du findest gerade in der Gebrauchsreiterei Pferde mit einem Kadavergehorsam, weil sie eingebrochen wurden. Viele Criollos sind so, weil die Gauchos das gar nicht anders kennen. Da ist es auch egal, wie lange das Pferd hält.
Es ist sehr schwer, den richtigen Weg für sich zu finden. Die “Gebrauchsreiterei” hier in Deutschland ist ja nun auch schon in seinen einzelnen Sparten “verkünstelt” worden. Ich denke da nur an die Pleasure Prüfungen auf Westernturnieren. Auch die meisten Doma Vaquera Pferde haben noch nie einen echten Stier gesehen. Andere, die sich z.B. auf “Working Cowhorse” oder “cattle roping” spezielisiert haben, sehen zwar ständig Rinder, sind aber von den Manövern und Bewegungsabläufen sehr auf die Treib- und Sortierarbeit spezialisiert. Die Camarguereiterei ist da noch so ein bisschen ein Zwischending. Am besten dazu mal unter www.flambeo.de schauen. Du kannst natürlich immer dein Pferd zu einem “Fachidioten” ausbilden. Zeigst ihm die Bahn und sagst: Am Anfang Galopp und am Ende Stopp und zur Belohnung darfste dann dich am Rand ausruhen und bekommst nen Zucker. Naja, so mehr oder weniger. Ein bisschen muß es Dir natürlich schon Vertrauen, sonst läuft da nix. Und eben an den Hilfen stehen. Und je unbedarfter Du rangehst, desto besser klappts.
Auweia, das ist jetzt dann doch noch eine kleine Gardinenpredigt geworden. Ich stehe dennoch zu meiner - wenn auch extremen - Ansicht.
Viele Grüsse, Alexandra

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Eintrag #2 vom 01. Nov. 2006 07:19 Uhr Claus Winhard   Nachricht

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Hallo Marco,
wirklich mittelalterliche Reitweisen lassen sich heute kaum noch erlernen, da der Umgang mit dem Pferd heutzutage deutlich “materialschonender” und tiergerechter funktioniert.
Das Streckenreiten, wofür im Mittelalter meist ein Zelter (Tölter) als Reitpferd diente, unterscheidet sich kaum von heutigen Reitweisen, als Gangart käme wohl am ehesten der “Jog”, also der Trab der “Arbeitsreiter” (amerikanische, spanische und französische “Cowboys”) in Frage.
Die Kriegs- und Turnierreiterei verlangt vor allem ein perfektes Zusammenspiel von Pferd und Reiter, weshalb Kriegspferde meist sehr kostbar waren (obgleich auch hier offenbar im Kampf mehrere zur Verfügung standen, es gibt Berichte von bis zu sieben Pferde, die dem Reiter “unter dem Hintern” getötet wurden).
Am nächsten dürfte der mittelalterlichen Kriegsreiterei eine Mischung aus Barockreiterei und Arbeitsreiterei kommen (französische, altiberische und altkalifornische Vorbilder).
Da Du offenbar noch nicht reitest, würde ich mit einer Reitausbildung im Westernstil anfangen und in ein paar Jahren dann Elemente aus der Barockreiterei und der Arbeitsreiterei einfließen lassen, evtl. auch Elemente der hohen Schule. Eine gute Dressurausbildung schadet allerdings auch überhaupt nicht ;-)
Die gesamte Ausbildung, soviel vorweg, ist ein extrem langwieriger Prozeß, da Dein Pferd und Du sich aufeinander einstellen müssen, gerade Waffengeklirr, Lärm, schnelle, bunte, sich bewegende Dinge verlangen schon ein großes Vertrauen aufeinander. Aber in fünf bis sechs Jahren läßt sich sicherlich schon ein guter Anfang erreichen.
Natürlich hängen die Möglichkeiten auch davon ab, welches Pferd Du hast, ein Kaltblüter hat mit schnellen Wendungen und Figuren der hohen Schule mehr zu kämpfen als ein Vollblutaraber, wobei die Pferde des Mittelalters im Vergleich zu unseren modernen Rassen relativ klein waren (durchschnittliches Stockmaß im 13./14. Jh. ca. 1,40 m).
Es gibt eine Menge Literatur, die (für mich) hilfreich ist, darunter die Bücher von Claus Penquitt (z.B. “Die Freizeitreiter-Akademie”), Bent Branderup (für mich _der_ Barockreiter schlechthin, www.branderup.de), die Bücher “The Medieval Horse And Its Equipment” aus der Museum of London Reihe sowie “The Medieval Warhorse” von Ann Hyland.
Die Bücherliste ist subjektiv, andere ReiterkollegInnen werden sicherlich andere Empfehlungen haben.
Viel Geduld und Glück und ein nervenstarkes Pferd!
Liebe Grüße,
Claus Winhard
AG Hochmittelalter
www.hochmittelalter.net

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Eintrag #1 vom 01. Nov. 2006 03:42 Uhr Marco Schalamon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Marco Schalamon eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo!
Ich denke dieser Beitrag gehört zum Thema Darstellung!
Ich möchte meine Darstellung eines Ritters des 13. Jahrhunderts vervollkommnen und reiten lernen.
Welcher Stil wäre heutzutage hierfür am ehesten geeignet um einigermaßen historisch korrekt zu bleiben und evtl. auch Turnierdisziplinen darstellen zu können?
Danke!
Marco S.

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