Wir sind gerade etwas vom Thema abgekommen; über Spielleute und ihre Bekleidung gibt es woanders schon Threads.
Deshalb nur kurz hier eine Anmerkung: Walter von der Vogelweide sagt (nicht ganz ohne Stolz) von sich selbst: “getragen wat ich nie genam”. Ihm wurde Stoff für ein neues Kleidungsstück geschenkt. Bei anderen Spielleuten war eine Entlohnung in getragener Kleidung anscheinend häufiger.
Trotzdem aber nochmal von mir die Empfehlung, sich zuerst für eine Zeit zu entscheiden und gleich im Anschluß für eine “Zielgruppe” von Zuhörern. Das erste bestimmt maßgeblich den Schnitt und das zweite, wieviele getragene Kleidungsstücke aus kostbareren Materialien der Spielmann geschenkt bekommen kann.
Ich kann mich daran erinnern (literarisch), das Walter von der Vogelweide sehr dankbar für einen gesponserten Wollmantel und ein Reittier war. Und der war sicher einer der besseren und bekannteren Schöngeister.
Will sagen: gesponsert zu werden ist im MA nicht ganz einfach.
Da bin ich anderer Meinung. Gerade die Darstellung eines “Spielmannes” verlangt nach genauer Definition wo, wie, wer. Instrumente gespielt haben viele, beim Adel war das absolut notwendiger Teil höfischer Erziehung. Spielleute gab es wahrscheinlich durch alle Stände hinweg, jedoch sollte man sich _einen_ aussuchen und den dann rund darstellen und solche Erklärungen wie “wurde mir gesponsert” tunlichst vermeiden, zudem ich nicht verstehe, inwiefern es notwendig ist, eine eher einen höheren Stand ensprechende Klamotte erklären zu müssen, wenn man darauf acht gibt, dass die gesamte Darstellung in sich wächst, d.h. mit einfacher Klamotte anfangen, und sich steigern.
Also ich hab mir sagen lassen, daß es die Spielleute eh etwas einfach hatten mit der Gewandung. Denn die waren nicht so auf ihren Stand beschränkt, und konnten bei Teilen Ihrer Gewandung auch Sachen tragen, die über ihrem Stand waren. (Die Sachen waren halt von Gönnern gesponsort)
Demnach wär es erstmal hauptsächlich wichtig, daß Du Dich um die richtige Zeit bemühst. Alles andere kannst Du (solange es im Rahmen bleibt) nach Deinem gutdünken mixen.
erstmal solltest du dich tatsächlich für eine Zeit entscheiden. Alles andere ist Quatsch. Oder du möchtest dir zwei Kleidungsstücke für zwei Zeitstellungen anfertigen/ besorgen. Ich denke mal das ist nicht dein Ziel.
Ja, Wolfsknopf sieht erstmal ganz ok aus, aber…
Anhand der Zeichnungen ist nicht ersichtlich ob und wie mit Geren (Keilen) gearbeitet wird. Das ist nicht unerheblich für rekonstruierte Kleidung. Sicherlich sind die Klamotten mit Maschine genäht, das wär nicht mein Ding. Aber das hängt von deiner Ambition ab. Weiterhin ist nicht zu sehen wie der ßrmelschnitt erfolgt, im Mittelalter verläuft die ßrmelnaht oft über den Ellenbogen (nicht wie modern in Verängerung der Mittelnaht) und die Weite der Armkugel wird mit Geren gearbeitet ( Kleid von Herjolfsness).
Das sind so die Details. Meines Wissens sind die Bezeichnungen Cotte und Surcot auch von der Art diese zu tragen bestimmt. Die Cotte ist die Hauptoberbekleidung, und der Surkot bedeutet “über der Cotte” ist quasi optional und wurde nicht immer getragen. Es gibt Surkots mit und ohne ßrmeln. Die Länge der Kleidungsstücke definieren den sozialen Stand (oder eher umgekehrt). Einfache Leute tragen die Cotte Oberschenkel- bis Knielang, der Adel etwas länger.
Wenn du einen Spielmann darstellen möchtest, informiere dich lieber erstmal was die so getragen haben, dann kannst du weiter machen.
Gruß,
David, familia ministerialis- Alltagsleben um 1280
Zunächst einmal ist Wolfsknopf ganz nett, aber man sollte die Datierungen nicht ernst nehmen; sie sind nämlich falsch. 1350 ist Wams mit Cotehardie drüber angesagt, kurze Cotta nur bei den ganz einfachen Leut, und lange eher selten.
Diese Art (so getragen um 1330) wie dort abgebildet (sind alles Lehnart-Abzeichnungen) ist daher komplizierter weil Schnitt komplizierter, geknöpfte ßrmel und komplizierterer Armschnitt.
Im Endeffekt kannst Du nicht nach dem dort abgebildeten gehen, sondern leg dich zeitlich fest, liess dich über die Kleidung ein und geh dann zu Wolfsknopf und lass es dir im richtigen Material anfertigen. Besser noch: Näh’s selber.
Wenn Du 14tes machen möchtes, es gibt einen entsprechenden Thread im selben Forum hier, sowie einen im Szeneforum, wo der Link zu einer 14Jhd Mailingliste steht.
Da gibts einmal 1350er und einmal 1250er Herrencotten und Surcotten. Seltsamerweise sind die Cotten von 1350 viel teurer als die 1250er.
Was ist zu diesen zu sagen?
Dazu: Wenn ich das richtig verstanden habe ist die Cotte ja das Untergewand und die Surcotte zieht man drüber.
Was man unter den beiden noch anhat lassen wir mal raus. Das sieht man ja eh nicht so.
Ist diese Kleidung für alle Stände und Berufe in Ordnung? Ich hab gelesen das würde sich dann nur durch Qualität und Verarbeitung unterscheiden und das im Prinzip viele Leute das getragen haben.
Die oberen Stände sind mir eigentlich egal, es geht ums Spielmann sein.
1350 ist nicht mehr Hochmittelalter. Oder war das ein Schreibfehler und Du meintest 1250?
2. Material
Es ist aus Baumwolle. Nicht zu empfehlen.
3. Schnitt
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Du Dich verschrieben hattest und “um 1250” meintest.
Soweit man das beurteilen kann, sieht der Schnitt halbwegs ok aus, bis auf die Aermel. Die sehen so aus, als gingen sie nur bis etwa zum Ellenbogen. Bisschen kurz fuer meinen Geschmack.
Den Aermelschnitt kann man nicht richtig sehen, ich vermute aber mal, es ist ein modern geschnittener Aermel.
Fazit: Eine Kotta fuer die Zeit um 1250 zu naehen ist eigentlich recht einfach. Leg das Geld lieber in ordentlichem Wollstoff und Leinengarn an. Ueb ein bisschen Naehen an alten Resten und dann mach’s selber.
Falls Du 1350 gemeint hast, ist der Schnitt zu altmodisch und Du solltest Dich eh nach was anderem umsehen.
Es geht mir hier um diese Stück Kleidung. Ich find es preisgünstig sehr in Ordnung (oder täusch ich mich) und optisch ist es mit meinem nicht-historische-Blick eigentlich auch in Ordnung.