hat jemand eine gute Quelle für Leinengarn (nicht -zwirn!)? Mit Zwirn lässt sich mit Nadeln oder Drahtborsten zwar wunderbar nähen, auf Veranstaltungen ist die historisch korrekte Methode mit Schweinborsten aber nun mal besser geeignet. Dazu braucht man unverzwirntes Leinengarn. Es wäre toll, wenn jemand eine Quelle wüsste.
Tja, was soll ich sagen? Ich habe das Wässern - und damit meine ich ein Einweichen des Leders von wenigstens einer halben Stunde oder Stunde Dauer in einem Eimer mit Wasser und nicht nur ein Befeuchten - auf einem Workshop von Stefan von der Heide genau so kennengelernt. Ich behaupte jetzt mal, dass Stefan ebenfalls zu den anerkannten Experten zählt.
Ich hatte auch absolut kein Problem wegen zu hartem Leder nach dem Trocknen. Die Schuhe sollten nicht an einer direkten Wärmequelle wie Heizung, geschweige denn Feuerstelle getrocknet werden. Es hat aber ausgereicht, sie mit alten Zeitungen auszustopfen und dann in Ruhe trocknen zu lassen.
Das Zauberwort dürfte vielleicht eher “regelmäßiges Einfetten” lauten.
Ob eine trockene oder nasse Verarbeitung historisch ist weiß ich nicht.
Jedenfalls ist die Verarbeitung im gewässerten Zustand meines Erachtens einfacher, ohne dass ich negative Auswirkungen beobachten konnte.
Ich hatte vor kurzem die Gelegenheit, mit June Swann über mittelalterliches Schuhwerk zu sprechen. Sie zählt zu den absoluten Experten auf dem Gebiet, und nach ihrer Aussage darf das Leder beim Bearbeiten weder nass noch trocken, sondern muss leicht angefeuchtet sein. In der Praxis habe ich das bis jetzt noch nicht nachprüfen können.
Das wässern vor dem Nähen ist mir Neu. Hab´s versucht und das Leder is unglaublich Hart georden. War halt eine alaungerbung. Gibt´s da tipps, wie mans, wieder Weich kriegt? Wie lange muss das Leder gewässert werden?
Ich brauch eine Bessere Quelle für Zwirn und Nieten. Meine alte Quelle hat die Preise um 25% aufgeschlagen. kann mir jemand ne gute seite empfehlen?
Also, meine Ahle is krumm und damit klappt es nach ner Stunde wässern jetzt schonmal. Ich kann zwar nicht sagen, dass es einfach ist aber der Trick mit dem “zittern” beim stechen hat echt geholfen. Ich lass das Leder jetzt mal noch ein bisschen im Wasser liegen und versuch zwischendurch immer mal.
Auf www.mittelalterschuhe.de wird auf den Photos auch ne gekrümmte Ahle benutzt die recht handgeschmiedet aussieht. Vielleicht hat der ja Belege dafür.
Eine gekrümmte Ahle braucht man übrigens nicht - man kommt prima mit einer geraden aus. Der wichtige Punkt ist, das Leder zu wässern, wie unten schon erwähnt.
Man kann mit einer geraden Ahle auch gebogene Stiche ausführen, z.B. den flesh-flesh-stitch (ich weiß nicht, wie das auf Deutsch heißt - zur Fleischseite rein und auf der Fleischseite auch wieder raus, ohne daß der Stich auf der Narbenseite sichtbar wird). Man biegt einfach das Leder etwas über die Finger, wenn man den Stich macht.
Ich kenne aus dem Ma auch nur gerade Ahlen - kennt jemand gekrümmte? Und wenn ja, ab wann?
Ja, das mit dem wässern vor dem stechen hab ich inzwischen auch gehört. Ich dachte bis jetzt, dass man das zum Schluss mit dem fertigen Schuh macht. Ich werde das heute abend mal ausprobieren.
tatsächlich ist das Vorstechen der Sohlenlöcher einer der nervigsten Arbeitsschritte, allerdings ist der Kardinalfehler derjenige, wenn man versucht mit der Ahle das Leder mit Druck durchzustechen.
Vielmehr sollte - vorausgesetzt die Ahle ist genügend geschärft - mit einer konstanten Wackel-Bewegung und ohne Druck gearbeitet werden. Entschuldigung für den etwas unpassenden Vergleich, aber am besten lässt sich dass mit einer Art Parkinson-Zittern beschreiben. ßbrigens war die Ahle, mit der ich seinerzeit mein Leder malträtierte auch gut 2 mm an der Spitze. Es hat aber trotzdem funktioniert. Ist die Ahle gerade oder gebogen? Letzteres sollte der Fall sein, erleichtert die Sache ungemein.
Achja, das Leder sollte gewässert sein, ansonsten wird das Löcherstechen und vor allem das Wenden einer 5 mm Sohle eine deftige ßberraschung.
Die Sohle ist am Anfang glatt, das stimmt, aber durch das Laufen rauht sie sich mit der Zeit auf. Ich hatte noch nie Probleme, auch nicht auf nassem Gras.
Das Leder sollte in jedem Fall vegetabil (pflanzlich) gegerbt und ungefärbt sein, da chromgegerbtes Leder beim Trocknen rissig wird und gefärbtes Leder bei Nässe teilweise extrem abfärbt.
Das Sohlenleder sollte schon rund 4-5 mm dick sein, damit sich die Sohle nicht gleich durchläuft. Das Vorstechen ist recht trickreich und bedarf schon einiger ßbung.
Gewachsten Zwirn (und alles Werkzeug) gibt’s fertig bei www.kappey.de aber man kann auch Leinenzwirn (20/6 ist gut) kaufen und selbst wachsen oder pichen.
Nach der Erkenntniss, dass es auf den Märkten in der Gegend keine guten Lederschuhe zu kaufen gibt, mir die Bestellung im Internet bezüglich Passform, Tragekomfort und Autentizität doch zu unsicher ist habe ich nach gründlicher Lektüre von www.mittelalterschuhe.de beschlossen mir meine eigenen Schuhe zu machen.
Leder habe ich mir auf einem der letzten Märkte gekauft und mir ein zeitlich passendes Modell rausgesucht (mein anvisierter Darstellungszeitraum in 1152-1190). Nach ein bisschen rumprobieren hier nun meine Fragen:
Wie dick sollte das Sohlenleder sein? Ich habe versuch mit einer Ahle ein Loch so vorzustechen, dass es zur Oberseite rein geht und dann zur Seite wieder rauskommt. Dabei ist mir das Loch aber immer noch oben ausgerissen. Entweder ist also mein Leder zu dünn oder meine Ahle zu dick.
Weiteres Problem mit dem Sohlenleder ist die Unterseite, auf der ich später gehen werde (wenn’s denn klappt) ist doch sehr glatt. Kann man da irgendwas machen damit man nicht bei jedem Schritt gandenlos hinfällt?
Letztes Problem, das Zusammennähen. Weiß jemand wo man gepichten oder gewachsten Leinenzwirn herbekommt? Ich hab schon sämtliche Handarbeitsgeschäfte abgeklappert.