Von den Ringen, die ich mir neulich in Schleswig ansah, war ein großer Prozentsatz von ovaler Form. Kam vielleicht von Zugbelastung (Gewicht des Hemdes). Vielleicht waren sie auch nie rund gewesen - ???
Nach meinen individuellen und bescheidenen Test würde ich Ivo recht geben. Die Ringe deformieren sich zwar (dreidimensional übrigens), gehen aber mit etwas Glück für den Träger nicht auf. Gehärtetes Material könnte (-) da zerspringen. Wobei auch immer entscheidend ist, welcher Impuls (I = Masse x Geschwindigkeit) da auf die Ringe trifft. Wenn man dem Ring keine Zeit zur Deformation lässt-
Also ich möchte mich in der nächsten Zeit auch an einem selbst gestrickten Kettenhemd versuchen.
Doch auch mir stellt sich die Frage des richtigen Drahtes. Ich könnte an 2 mm geglühten Draht gut rankommen ( Kg 1,60- ). Allerdings wie kann ich mir die Nietzange, Lochzange, Stempel zum flachklopfen, herstellen oder organisieren ?
Gibt es für das Werkzeug eine bezugsquelle ?
Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere mich gerne hätten
Im Link von meinem letzten Post ist alles recht gut beschrieben.
Der Draht ist weichgeglüht.
Der Draht wird an der ßberlappung stark gestaucht und damit hart bis zur Versprödung.
Damit der Dorn nicht allzu heftig belastet wird und ein Brechen des zu stanzenden Loches vermieden wird, wird nochmals erhitzt und damit weich geglüht.
Das Nietloch kann gut durchs Material gedrückt werden.
Die Formstabilität des vernieteten Ringes kommt von der Vernietung und nur bedingt von den Eigenschaften des verwendeten Materials. Die Härte, Zähigkeit und Federkraft der modernen, offenen Federstahlringe ist für diese nur erforderlich, weil der Stabilitätsfaktor Vernietung wegfällt.
Bleibt der Draht vernieteter Hemden “weich” und hat den relativ niedrigen Kohlenstoffgehalt, den auch die Originale aufweisen, hält der Ring seine Form durch die Vernietung, und das Geflecht erhält seine Gesamtfestigkeit durch die Verteilung jeglicher Außeneinwirkung auf viele Ringe.
Die einzelnen Ringe sind zwar vom Material her relativ weich, dabei aber sehr zäh. Das heißt, sie können sich unter Belastung stark verformen, bevor sie reißen. Da immer mehrere Ringe beansprucht werden, wird die Gesamtenergie nicht auf nur einen Ring ausgeübt (es sei denn, ein Bodkin errwischt genau einen Ring im genau richtigen Winkel und mit ausreichen Wucht- aber ein Bodkin ist die Panzerfaust für Kettenhemden)
Hartes Material wäre vergleichsweise spröde und würde unter Hieb oder Stoß schneller brechen oder platzen. Weiche Ringe bieten da eine Art “Knautschzone”, nämlich ihre maximale Materialstreckung, und die ist je weicher, je größer. Weiche Ringe sind nur für offene Ringe schlecht, weil die offene Stelle sich aufbiegt und das Ding anfängt, “Ringe zu scheißen”.
Wie bei den ersten indischen: Haste den Karlheinz gesehen? Jo, immer den Ringen nach;o)
Erst einmal möchte ich meine Freude über die rege Teilnahme an dieser Diskussion bekunden :o)
Darüber hinaus habe ich mir noch ein paar Gedanken gemacht, die die anwesenden Experten auf ihre Richtigkeit hin überprüfen mögen.
Weichglühen sollte doch das Gegenteil von Härten sein, oder? Sprich Eisen mit entsprechendem Kohlenstoffgehalt oder durch Bearbeitung gehärtetes Metall kann durch Glühen wieder weich gemacht werden. Ebenso müßte dann dieser Schritt aber auch umkehrbar sein. Wäre es dann nicht sinnvoll sich Eisendraht zu beschaffen, der so weich wie möglich ist, um ihn dann später durchs abflachen der Ringe oder mittels Wärmebehandlung zu härten? Zumindest theoretisch habe ich mich recht intensiv damit auseinander gesetzt und die meisten Anleitungen schlagen sowohl vor dem abflachen des Ringes als auch vorm dem “Stanzen” (ich weiß, es wird eigentlich eher hineingedrückt) des Nietloches vor, den Ring weichzuglühen. Vielleicht wäre insofern geglühter Draht doch nicht schlecht!?
Die Frage die sich dann vielleicht noch stellt ist, ob es besser ist geglühten Draht zu kaufen und diesen durch die Bearbeitung zu härten (in welchem Maße dies auch immer möglich ist bzw. geschieht) oder ob man eher normalen Draht kaufen und diesen nur etwas glühen sollte (sofern das überhaupt geht) um dann zusammen mit der “Arbeitshärtung” etwas härtere Ringe als bei der ersten Alternative zu erhalten.
Womöglich ist das auch einfach eine Erfahrungssache hinsichtlich der Güte der Werkzeuge und der Schnelle des Verschleißes.
wir versuchen uns gerade (und die nächsten Jahre) an einem vernietetem Panzerhemd und haben auch schon ein paar Erfahrungen mit Draht, Drahtdicke, Material, Stanzwerkzeug und so weiter. Jedoch bin ich bei uns nicht der Fachmann dafür. Ich werd mal unseren Jo animieren hier zu posten und seine Erfahrungen weiterzugeben. Jedoch sei vorher schon gesagt, dass das Nietloch relativ schwer reinzubekommen ist bzw die Probleme, die damit verbunden sind (Material der Stanzzange bzw Dorn, Konstruktion derselben usw.). Gerade aus dem Grund sollte der Draht nicht zu hart sein. Jedoch auch nicht zu weich, der Schutzwirkung wegen. Jedoch stellt sich mir schon die Frage, ob das Material so gut war, wenn in vielen Abbildungen des HMA die Kettenhemden sehr oft mit den Schwertern durchschnitten werden?!
Bis dato hab ich nur peu a peu n Bißchen rumexperimentiert und hab mich noch nicht aufraffen können, einen Dorn oder eine Znage zum Lochen in Angriff zu nehmen. Momentan gehen ein paar andere Dinge vor, derzeit experimentiere ich in Blech statt in Draht.
Nach ßberlappen und Flachhauen werden die Dinger härter, soviel steht fest und ist auch praktische Erfahrung. Im ßbrigen dito beim Blech…das ordinäre St37 härtet sich durch reine Hammerarbeit, daß es die helle Freude ist. Die Wangenklappe, an der ich grade rumbossel, klingelt wie ne Glocke;o)
Joris de Sutter glüht die zwischendurch sogar noch mal weich, damit er den Perforationsdorn schont. Scheint also gar nicht mal so schlecht zu sein, die Baumarktware;o)
Abgesehen davon, wenn mich die drei, vier Artikel, die ich zu Kettenkram gelesen habe, nicht gar täuschen, waren die gar nicht so viel besser und ungehärtet (kann aber auch sein, daß ich zu grob zusammenfasse).
Das gern zitierte Geheimrezept zum Einsatzhärten aus “Natural Magick” scheint eher die Ausnahme gewesen zu sein.
Naja, das ist an sich schon richtig. Aber diese Verfestigung tritt doch nur an den flachgekloppten Stellen ein und der Rest vom Ring bleibt im Prinzip so weich wie zuvor.
Gut, stimmt, man kann auch mehr vervormen, flache Ringe sind eh besser.
Hast Du schon Erfahrung mit aus solchem Draht hergestellten, vernieteten Ringen? was für Eigenschaften hat ein solches Geflecht?
Im Prinzip ist der beliebte geglühte Bindedraht vin 1,2 bis 1,5mm (also das schwarze Zeug aus der Gartenbauabteilung) zu weich. Aber: Durch das zusammenkloppen der ßberlappung und eventuell einen weiteren Hammerschlag zum Abflachen der Ringe kann man eine gewisse “Härtung” erreichen.
Tatsächlich wird Reineisen heute kaum hergestellt und entsprechende Fertigprodukte wie etwa Draht sind nur schwer zu bekommen und teuer.
Es ist außerdem eigentlich relativ unwahrscheinlich, das prinzipiell alle Hemden aus “Eisen” waren. Es gab nachweislich auch gehärtete Stücke (das geht ab etwa einem C - Gehalt von 0,45 %. Heutiger “Eisendraht” dürfte etwa 0,2 bis 0,4 % C enthalten).
Allerdings lässt sich Reineisen sehr gut verarbeiten, da es sehr geschmeidig ist, sich also auch kalt gut formen lässt, ohne zu reißen.
Es gibt einige Hersteller von Reineisenhalbzeugen in Europa, z.B. die Firma Armco (Schweden oder Belgien, bin da nicht ganz sicher).
Zu beziehen ist das Material u.a. über die Firma www.angele.de
Ich denke mal, damit fährt man am besten, ist aber nicht ganz billig und Angele bietet sicherlich serienmäßig keinen Draht an. Die können aber bestimmt weiterhelfen.
Ansonsten würde ich einen “normalen”, “blank gezogenen” Stahldraht nach “DIN sowieso” verwenden. Das ist in der Regel ein leicht kaltverfestigter Baustahl, der sich nach meiner Erfahrung durchaus noch gut genug bearbeiten lässt und gleichzeitig eine akzeptable Festigkeit mitbringt. Für die ersten Versuche ist das ausreichend. Reineisen ist da schon eher was für Freaks und sonstige Fortgeschrittene.
Achtet beim Kauf aber unbedingt darauf, das der draht nicht beschichtet ist (Verzinkt, Phosphatiert o.ä).
es ist anders herum: Eisen kommt in der Natur mit einem Kohlenstoffgehalt von meist mehr als 2,1% vor. Damit ist es aber zu spröde, kann also nicht gut geformt werden. Beim Verhütten wird der Kohlenstoff entfernt (als CO/CO2); sinkt der Kohlenstoffgehalt unter etwa 1% spricht man heutzutage von Stahl.
Annahme: Man stellte wahrscheinlich beim Verhütten seit jeher auch Stähle her, jedoch nur zufällig, da das chem. Verständnis fehlte.
Bei Deiner eigentlichen Frage kann ich Dir aber leider auch nicht weiterhelfen…
Nachdem ich mein erstes Kettenhemd aus 2mm Federstahlringen gestrickt habe möchte ich ganz zurück zu den Wurzeln gehen und etwas Vernietetes fabrizieren. Nach einhelliger Meinung ist profaner Eisendraht dazu am besten geeignet. So weit so gut. Ich suche also Eisendraht im Internet aber alles was auf den Seiten der einschlägigen Firmen steht sind DIN-Normen, EUR-Normen, Güten, Ausführungen usw. Kann mir jemand sagen, welche Zusammenstellung der obigen und weiterer Merkmale normalem, unbehandelten, kohlenstofffreiem oder -armen Eisendraht entspricht, der sich für meine Zwecke eignet? Wäre auch geglühter Stahldraht akzeptabel? Nach meinem Kenntnisstand nach spricht man von Stahl, wenn dem Eisen Kohlenstoff zugesetzt wurde, sodaß es härtbar ist. Haben unsere Vorfahren wirklich Eisendraht genommen oder hatten sie vielleicht, auch unwissentlich, doch eher Stahldraht…vielleicht der Verunreinigungen durch den Verhüttungsprozess wegen.