Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Essig bei den Wikingern

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Eintrag #1 vom 26. Dez. 1999 22:22 Uhr Philipp Senge   Nachricht

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Ich beschäftige mich jetzt seit Kurzem mit Mittelalterlichen Rezepten. Da ich mich eigentlich für die Wikinger interessiere, bisher aber noch keine Rezepte dazu gefunden hab`, was ja wahrscheinlich eh etwas rar sein dürfte, hat sich mir beim Lesen einiger MA-Rezepte, deren Datierung ich nicht genau kenne, die Frage gestellt, ob den Wikingern essig bekannt war. Ich weiß zwar nicht, ob jetzt mit meiner frage hier am richtigen Ort bin, hoffe aber trotzdem eine Antwort auf meine Frage zu erhalten. Ach ja, wenn ihr Wikinger-Rezepte habt, könnt ihr sie ja auch hier reinsetzen. Ich denke mal, daß ich nicht der einzige Suchende bin. Seien die Götter mit Euch Philipp

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Eintrag #2 vom 26. Dez. 1999 22:32 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Dich, Essig ist eines der ältesten und grundlegendsten Konservierungsmittel der Menschen, gleich nach dem Trocknen und Salzen. Essig entsteht durch bakterielle Säuerung, wobei der Weinessig der älteste sein dürfte (stell mal einen Becher Wein mit einem Tempo drüber auf die Fensterbank ins Freie wenns warm ist…). Wenn eine Kultur den Wein kannte, so auch den Essig. Nachgewiesen ist der Essig in Griechenland, bei den Römern isw. Man kann Essig auch aus Obstsäften in Verbindung mit anderen bakterienfreundlichen Substanzen herstellen. Nun, wenn die Wikis Wein hatten, so auch eben den Essig, evtl. auch als Handelsprodukt eingeführt, bestimmt nicht in rauhen Mengen. Essig wurde auch gerne in der Ma-Medizin (>Humoraltherapie) eingesetzt, und war zur Wundreinigung sehr beliebt, gleich mit Wein zusammen. Ffffft, mußte das brennen. Ich liebe eingelegtes Gemüse….
Euer Haduwolff

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Eintrag #3 vom 27. Dez. 1999 02:06 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Philipp, wikingerzeitliche Rezepte habe ich bisher noch nicht gefunden, aber das ist auch eigentlich nicht so mein Spezialgebiet. Wein wurde nachweislich nach Haithabu importiert und war vermutlich nur als Luxusartikel der Oberschicht zu haben oder wurde von den dort ansässigen Christen zu Kulthandlungen verwendet. Mit Weinessig dürfte es dann doch eher mager ausgesehen haben. Wie weit die Obstweinbereitung eine Rolle spielte ist mir nicht bekannt, aber wenn die Wikinger Essig verwendeten, dann dürfte es einer aus Obstwein gewesen sein. Die Metbereitung war den Wikingern ebenso bekannt wie das Bier brauen. Obstbäume wurden offenbar in Haithabu nicht so gezielt gepflanzt wie später in Schleswig, Pflaumen- und vereinzelt Pfirsichbäume sind aber nachweisbar. Es wurden in der Stadt sehr viele Schlehenkerne gefunden. Nach den Berichten von Hungersnöten, die es aus der Zeit wohl zu Hauf gibt resp. archäologisch nachweisbar sind, halte ich es für wahrscheinlicher, daß Früchte eher gegessen als vergoren wurden. Hm, hat schon mal jemand Essig aus Met gemacht? Konservierungsmittel waren in erster Linie Trocknen, Dörren, Räuchern und Einsalzen. Hopfen wurde als Konservierungs- und Würzmittel für Bier verwendet. In Haithabu vermuten die Archäologen Getreidebreie und Musspeisen ergänzt durch Obst, Gemüse und Fisch als tägliche Grundnahrung. Brot gehörte nicht zu den alltäglichen Nahrungsmitteln! Fleisch, Bier, Wein und Met waren wohl für den Normalmenschen bei den Wikingern die Ausnahme zu besonderen Gelegenheiten, während sie für die wohlhabende Oberschicht gängig gewesen sein dürften. Beim Fleisch überwiegen Rind- und Schweinefleisch dem Schaf um fast das 20fache. Soweit Hildegard Elsner (Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt; S. 67ff) ßber andere saure Speisen, Milchsäuregärung im Sauerkraut etwa, habe ich keine Infos. In Skandinavien wurden aber Kohlsorten angebaut. Weiß also jemand, ob das Mittelalter schon Sauerkraut kannte? Grußvoll, Matthias Topasius der Zauberwercker

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Eintrag #4 vom 27. Dez. 1999 03:03 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Philipp, noch ein kleiner Exkurs zum Thema Essig… Der ßsterreicher Johann Rasch war um 1580 so nett, zwei ältere Bücher zur Weinbereitung von der Pflege der Rebstöcke bis zum Nachbessern verdorbenen Weines zu einem zu kompilieren. Zum Thema Essig gibt es dort verschiedene Stellen. Ich übersetze mal recht frei (zum abtippen des schrecklichen alten Neuhochdeutsch habe ich gerade keine Lust…): - Wenn man Wein daran hindern will, bei der Gärung in Essig umzuschlagen, dann soll man Knoblauchsamen (Zehen oder echte Samen?) da rein hängen, so etwa einen Becher voll. An anderer Stelle: Wenn man Knoblauchsamen 3 Tage und eine Nacht in Essig legt, so wird er laut Rasch wieder zu Wein. Ist mal ein Experiment wert, oder? - Wenn man Wein relativ schnell in Essig verwandeln will, soll man Salz da rein geben, das man mit Pfeffer und Sauerteig vermischt hat. Als Biologe behaupte ich, der Sauerteig allein hätte auch gereicht, aber die Gewürze geben dem Essig garantiert eine besondere Schärfe. - Wem die vorherige Methode zu langsam geht, der soll einen glühenden Ziegelstein oder Stahl ein- oder zweimal in das Faß stoßen. Alternativ könne man auch Rettich oder unreife Mispeln, Kirschen, Maulbeeren oder Pflaumen da rein geben. Gewürznelken taugen dazu auch. Mit Essig hat das irgendwie nichts zu tun, wohl aber mit eigenartig gewürztem Wein… - Einen starken und scharfen Essig bekommt man auch, wenn man ein Stück frisches Gerstenbrot in den Wein gibt. Innerhalb von 2 Tagen ist der Essig nach Rasch dann sauer. Ich schätze, mit dem Sauerteig ohne Salz und Pfeffer dürfte es noch besser gehen, als mit den Kulturen aus dem fertigen Brot. - “Wann Saltz mangelt die speysen damit zu erhalten/so kann an sein stat essig gebraucht werden : es hat aber der essig nit so ein langwehrige krafft/dann wo man nit vber etlich Monat einen newen essig vbergeust/so wird die eingemachte speiß mit einem schleim und rotz vberzogen. Lemnius & Mizaldus. C. 3. A. 69.” Soviel zur Konservierung. Die hier zitierten Leute werden leider nicht konkreter erwähnt, so daß nichts über die Herkunft des Zitates in Erfahrung zu bringen ist. Diese Weisheit kommt aus: Johann Rasch “Das Weinbuch”, Reprint der Ausgabe um 1580, Harenberg Kommunikation 1981. Grußvoll, Matthias Topasius der Zauberwercker Ach ja, ein Kieselstein oder Salz auf einem Eisenblech auf das Faß gelegt verhindert nach Rasch, daß der Wein durch ein Gewitter verdirbt…

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Eintrag #5 vom 28. Dez. 1999 19:10 Uhr Ines Hardy  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ines Hardy eine Nachricht zu schreiben.

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Hail Phillip! Ich habe da ein garstiges Rezept für Dich aus meinem Germanen - Lieblingsbuch “Die ersten Deutschen” von Fischer-Fabian. Und zwar nennen die das “Grütze á la Germania”. Dieses Rezept wurde aus dem Mageninhalt von Moorleichen rekonstruiert - igitt! Und zwar setzte sich das wie folgt zusammen - ich zitiere: “Man nehme die sorgfältig gereinigten und getrockneten Samenkörner von Emmer, Spelz, Wollgras, Gänsefuß, Ranunkel, Raigras, Sinau, Schwarzem Nachtschatten, Schafgarbe, Kamille, Wiesenpippau, Huflattich, Windenknöterich und Hundskamille, vermenge sie mit Leinsamen, Roggen-, Hirse- und Gerstenkörner, lasse das Ganze in 1 Liter kaltem Wasser quellen und anschließend bei schwacher Hitze 1 Stunde kochen.” Besagte Wissenschaftler waren auch so mutig und haben das Ganze nachgekocht und “gegessen” und meinten es wäre genauso widerlich wie das englische Porridge. Solch Zeug dürften unsere Vorfahren wohl in schlimmsten Hungersnöten zu sich genommen haben, heute ist es wohl nur eine Alternative für vegetarische Wikis;-) Ach, wußtet ihr schon, daß es bei den Wikis schon Pizza Frutti di mare gab? Archäologen haben große flache Pfannen in Norwegen glaube ich gefunden, in denen flache Fladenbrote gebacken wurden, die dann mit allem belegt wurden, was so aufzufinden war, was bei den Wikis natürlich meistens Fisch war - voila: Pizza Frutti di mare!
Ines, die Duftge von Mittgard

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Eintrag #6 vom 28. Dez. 1999 21:18 Uhr Frank Röseler   Nachricht

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Hallo Phillip, IMHO dürfte der Essig den Wikingern bekannt gewesen sein. Er entsteht unter anderem wenn Gefässen in denen Met hergestellt wird von Fruchtfliegen “infiltriert” werden. Diese übertragen “Essigbakterien” die den Alkohol im Met zum Essig umsetzen. (So geschehen bei meinem Met-Ansatz :-(( ) Da die hygienschen Verhältnisse damals wohl eher schlechter waren als bei mir in der Küche (…. wer mich kennt wird das kaum glauben können.. :-) wird auch damals der ein oder andere Ansatz Met umgekippt sein. Ob die Wikinger das Zeug dann allerdings weiterverabeitet haben weiss ich nicht.
Frank aka “Anselm von Coeln”

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Eintrag #7 vom 29. Dez. 1999 14:36 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Frank, da muß ich Dir zustimmen, Fruchtfliegen neigen dazu alle möglichen Bakterien mit sich herumzutragen und da sie gern fauliges Obst mögen, ist es sehr wahrscheinlich, daß die auch Acetobacter, Acetomonas und noch ein paar andere Arten, die Essig bilden, mit sich herumschleppen. Durch Luftfang kann man die aber auch recht schnell bekommen und wenn man, wie im Mittelalter gebräuchlich, mit Fässern arbeitet und die nicht hinreichend sterilisiert, züchtet man die Bakterien sogar direkt an. Grußvoll, Matthias Topasius der Zauberwercker

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