Die Mary-Rose-Funde sind ja nun auch nur mit großer Einschränkung zu sehen, da sie eine andere Epoche betreffen.
Gibt es denn klare Funde von ‘mittelalterlichen’ Pfeilen? Mit Resten der Spitzenbefestigung? Wenn ja - fanden chemische Analysen statt? Oder wie? Oder was?
Fakt2 folgt daraus, man weiss, wie die Spitzen befestigt wurden
Fakt 3 ist, dass es zahlreiche(!) Aufzeichnungen gibt, wie mit Pfeilen und Pfeilbeschuss verfahren wurde, siehe Froissart z.B.
Fakt4 ist darin enthalten, man rechnete bei seiner Planung damit, vom Feind quasi neue Pfeile zu erhalten, wenn die eigenen verschossen sind, einfach indem man seine aufsammelte. Man zeterte sogar, wenn der Feind keine Bogenschützen ins Feld führte(!!!), weil man dadurch keine neuen Pfeile erhielt.
Fakt5: ich kenne keinerlei Hinweis darauf, dass man versuchte, anhaltende Wirkung oder erhöhte Lethalität bei Waffen zu erreichen, und zwar allgemein. Man baute zwar schreckliche Dinge, aber man “optimierte” nicht auf “Nachhaltigkeit”. Das mit dem Gift war ein Beispiel, die Nichtexistenz bzw. der nicht dokumentierte Gebrauch dessen oder die Gründe dafür sind zwar spekulativ, aber man kann durchaus davon ausgehen, dass _wenn_ man es gewollt hätte, man schon Methoden gefunden hätte, welches einzusetzen. Es gibt auch eine Reihe von Giften, die man vor Ort aus Rohmaterialien hätte herstellen können.
Ich würd also umgekehrt nicht rumspekulieren, warum man es tat (Gründe sind ohnehin immer schwer zu belegen), sondern einfach die Dinger so nachbauen, wie belegt, feddich.
hier kam ja einiges zusammen, aber wieviel ist jetzt BLaG (Bisschen logisch, aber Geraten) und für welche Aussagen lassen sich auch Quellen nennen?
Jens, Gift hat einen völlig anderen Nachteil: Die wenigsten effektiven Naturgifte Europas sind a)lethal und b) haltbar machbar. In Gegenden der Welt, wo derartige Stoffe verfügbar waren / sind ist/war die Verwendung auch nachgewiesen (z.B. Papua Neuguinea oder auch die Coramandel Küste). Aber das kann Dir ein Biologe mit Praxiserfahrung eher aufdröseln als ich…
Ein kurzes BLaG von mir: Wenn ich einrechnen würde, die Pfeile des Feindes “zurückzuschicken”, würde ich (Achtung, nur Logikl, kein Beleg) auch den 2ten Gedanken zuende spinnen und mir einen Vorteil dadurch schaffen, dass ich dafür Sorge, dass meine Pfeile nicht zurück kommen!
ich gehe da mit der Meinung von Oliver konform, die Pfeile (zumindest im Krieg) wurden eher für den einmaligen Gebrauch gefertigt. Das heisst auch, das es durchaus beabsichtigt war, das die Spitzen am Schaft lediglich fixiert waren, sei es mit Bienenwachs oder nur durch verklemmung. Der Grund war meiner Meinung nach rdcht simpel: die abgeschossenen Projektile vorerst und unmittelbar für die gegnerische Seite unbrauchbar machen (kann man ja zurückschiessen). Das steckenbleiben der Spitze im Körper des Verwundeteten spielte dabei eine sekundäre Rolle. Da Tetanusimpfungen net so aktuell waren, setzte eh sehr häufig der Wundbrand ein.
Zu deiner Frage der “Klebeverbindung”. Wenn geklebt wurde, sollte die Verbing hart und spröde sein. Bei Armbrustpfeilen zum Beispiel wurde mit Kolophonium geklebt. Diese glasharte und spröde Verbindung zerspringt beim Aufprall des Pfeiles, sodass sich die Spitze löst. Ob man bei Bogenpfeilen (Krieg) so geklebt hat, kann ich nicht belegbar sagen, denke eher nicht, aber bei Armbrustpfeilen als Beispiel war wegen der höheren kinetischen Energie eine solche Fixierung notwendig. Die Mary Rose Pfeile die ich nachgebaut hae, habe ich ebenfalls mit Kolophonium geklebt, allerdings nur, um dem Anspruch, die Dinger zu transportieren, auszustellen und wieder mit viel Gerödel zu verstauen ( was Reenactors halt so tun), mit einem historisch korrektem stabilem Klebstoff gerecht zu werden.
Du gehst von relativ “modernen” militärischen Vorgehensweisen bei der Waffenplanung aus. Die mittelalterliche Waffentaktik lässt meines Wissens nach keine Tendenz erkennen, den Feind “dauerhaft vernichten zu wollen”. Zwar war man recht erfinderisch, was die Waffen anging, aber nur ausgerichetet auf die jeweils momentane Wirkung. Sonst wäre man z.B. auch schlicht auf die Idee gekommen, die Spitzen zu vergiften.
Im Gegenteil war die Taktik so anders, dass man eben sogar den gegnerischen Pfeilbeschuss miteinplante, um die Pfeile einzusammeln, um seinerseits neue Geschosse zu haben.
Wenn ich mir die medizinischen Interventionsmöglichkeiten der damaligen Zeit betrachte, erkenne ich schon einen denkbaren Grund, warum eine Pfeilspitze sich beim Rausziehen des Schaftes lösen sollte. Selbst wenn der eigentliche Schuss nicht tödlich war, so wird die Wundversorgung bei steckender und evtl. nicht entfernbarer Spitze erheblich komplizierter, was letztlich an einer höheren Letalität ablesbar wäre. Kennt jemand verläßliche Daten/Quellen für die ßberlebensraten nach Pfeilschußverletzungen?
Sofern ich das noch richtig im Kopf habe zeigen die Anaylsen der Mary Rose Funde an den Spitzen der Pfeile sowohl Spuren von Kupfer wie auch Wachs. Da man sich sicher ist, das die Federn mit Kupfervitriol haltigem Leim befestigt wurden, geht man davon aus, das ein ähnlicher Kleber auch für die Pfeilspitze verwendet wurde.
Bei mir hat sich beim herumtragen der Pfeile folgendes in der Praxis gezeigt. Eine Hautleim, Kupfervitriol Mischung hält für den Transport eigentlich recht gut. Sobald aber ein fester Zug auf den Pfeil ausgeübt wird, also rausziehen aus festem Material wie Stroh, Holz geht die Spitze ab.
Ebenso ist es bei einer Harz/Bienenwachs Mischung. Nur das bei zu viel Harz die Spitze schnell abbricht und bei zu wenig Harz sich die Spitze bei warmen Wetter oder einfach so lösen.
Da ein mittelalterlicher Franzose , von den Engländern auch als “festes material” eingestuft wird ;-) , geht wohl hier die Spitze auch eher ab, von daher ist es nicht ganz unwahrscheinlich, daß aufgesammelte Pfeile mit einem Material wie Bienenwachs wieder fest aufgesteckt wurden, um den Pfeilschaft eventuell neu benutzen zu können.
Aber da ein Pfeil im besten Fall ja für einmalige Benutzung ausgelegt ist, ist das Kleben der Pfeilspitze eher eine Frage von Lagerung und Transport
Die Spitzen waren definitiv nicht nur aufgesteckt und schon garnicht, um dann schön im Feind zu verbleiben.
Die Funde von der Mary Rose weisen Spuren irgendeines Klebers auf, wahrscheinlich ein Harz-Wachs Gemisch.
Allein aus praktischen Gründen werden die Spitzen schon “irgendwie” gesichert worden sein, denn welcher Bogenschütze will auf einer Kampagne die Pfeile nach dem Transport über viele hundert Kilometer erst wieder zusammenbauen, weil die Spitzen abgefallen sind?
Aber gerade zum Hundertjährigen Krieg führten die Langbogenschützen auch Bienenwachs mit sich, mittels dem sie die Spitzen verklebten. Das dürfte im Zweifelsfalle halten!
Zum Thema Abschuss! Die Spitze muss beim besten Willen während des Abschusses nicht fest sitzen, die die auf Grund der Beschleunigung kaum ne andere Möglichkeit hat als nach vorne, jedoch dürfte das “in de Boden stecken” dann schwieriger sein!
Wahrscheinlich wirklich mit Bienenwachs geklebt und beim Rausziehen aus dem Körper ist da mit Sicherheit die ein oder andere Spitze drinnen geblieben!
Wo kommt denn die Aussage her und für welche Zeit soll die gelten?
Für´s 15.JHD zB gibts Bilder von Männern, die abgeschossene Pfeile einsammeln. Nirgends ist zu sehen (oder meines Wissens beschrieben), dass diese noch prüfen, ob die Spitze noch drauf ist.
Oder die viel zitierte Schlacht von Agincourt, in deren Verlauf die englischen Bogenschützen die Pfeile mit der Spitze in den Boden gesteckt haben sollen. Auch hier ist mir nicht bekannt, ob sie dann erst mal prüfen mussten ob nicht doch unter Umständen die Spitze eher noch im Boden steckt…
Darüber hinaus: welchen Sinn soll das haben?
Mehr Arbeit für den Chirurgen? Mehr Entzündungen? Unwahrscheinlich angesichts der sowieso schon verheerenden Wirkung eines Pfeiltreffers, will ich meinen.
Gegen die absichtlich lose Montierung der Spitze am Schaft sprechen außerdem die Behandlungsgeräte, die Pfeilspitzen am Schaft herausziehen konnten. (Anmerkung: dazu hab ich persönlich gar nix gelesen, sondern habe Wanja Seifert-Weßel von 1476 aufmerksam zugehört.)
die Verbindung der Spitze (Kriegspfeil) mit dem Schaft war mit einem spröden Material (genaue Zusammensetzung kenne ich leidert nicht) geklebt, damit sich die Spitze beim ziehen vom Schaft löst. Damit, selbst wenn die Verwundung nicht tödlich war, eine Infektion bzw. ein Eingriff (Operation) nötig war, bei dem der getroffene dann oft noch an den Folgen verschied.
mir ist an diesem Wochenende von einer Besucherin eine Frage gestellt worden, die ich ihr nicht beantworten konnte und die ich daher einfach mal hier einstelle, da mich die Antwort darauf auch interessiert:
“Waren die Pfeilspitzen fest auf dem Schaft aufgebracht oder so locker, dass sie beim Rausziehen stecken blieben?”
Da für mir für beide Antwortmöglichkeiten plausible Erklärungen vorstellen kann, bin ich auf eure Antworten gespannt.