ein Klassiker der Frauen-Mittelalter-Literatur ist Edit Ennen: Frauen im Mittelalter. Da wird minutiös aufgelistet, in welchen Städten welche Frauen was durften. Während etwa in der einen Stadt Frauen auch ohne ihren Ehemann einen kompletten Laden führen durften, durften die Frauen in der anderen Stadt nicht mal einkaufen ohne ihren Mßnne - einfach mal reinschauen. Träge Kost, wegen der vielen Aufzählungen. Aber seeeehr aufschlussreich ….
Zu den marketenderinen kann ich nicht viel sagen, aber es gibt immer wieder Berichte, dass Frauen Kriegszüge begleitet haben (Chronisten sprechen oft von Wäscherinnen oder - weniger freundlich, aber wahrscheinlich realistisch - Huren). Es gab vor kurzem ein Buch von Regine Pernoud, glaube ich, über Frauen auf den Kreuzzügen, das da vielleicht weiterhelfen kann - wenn die Kreuzzüge als Kriegsunternehmen auch gewiss eine Ausnahmesituation waren.
leider kann ich über Marketenderinnen nichts in der Literatur über´s Mittelalter finden. Gibt es die etwa erst später? Oder werden die erst dann so genannt? Und ist es tatsächlich so, dass die irgendwelche Söldner begleitet haben? Vielleicht weiß ja jemand was dazu?!
Hab vorgestern in der Bibliothek auf MA-Stöberung (halt das übliche Schicksals eines Neulings in Sachen “Living History” *g*) das Buch “Die Frau in der mittelalterlichen Stadt
” von Erika Uitz (ISBN: 3451040816) entdeckt, die einen großen Teil auch den Kauffrauen, Krämerinnen etc. besonders im 13./14. Jahrhundert und der damit verbundenen veränderten Stellung der Frau in der Stadt widmet, könnte dir ja vielleicht weiterhelfen bei diesem Thema, auf alle Fälle sehr interessant!!
Das Kapitel, soweit ich mich noch erinnere kurz zusammengefasst:
Frauen traten in der Stadt mit dem 13. Jh. immer mehr als selbsttständige Kauffrauen (=auf bestimmtes Produkt spezialisiert), Krämerinnen (=in der Stadt in kl. Läden bzw. Karren je nach Reichtum, verschiedenste Produkte, aber auf die Bedürfnisse und Nachfrage der Käuferschaft spezialisiert), Hökerinnen (=die “hatten nichts”, also konnten kaum ohne eine 2. Nebenarbeit überleben) etc.. auf-
Interessant ist, wenn man bedenkt das die Frau ja ansich dem Mann untertan ist (“sein Besitz”) & üblicherweise auch vor Gesetz vertreten werden musste von ihrem Mann/Vater, geschweige denn Chancen hatten selbst ihr Geld auszugeben ohne dessen Einverständnis, das sich durch den Eintritt der Frau in die Zünfte und deren schnelle große Anzahl auch die Rechte so ums 14.Jh. soweit änderten, das die Frau dem Mann gleichberechtigt war, eigenständig vor Gericht Klage einbringen konnte, über ihr Geld frei verfügen konnte und… der Mann praktisch in ihren Besitztum überging.
Was ansonsten die Gleichberechtigung betraf: Frauen bekamen als Lehrlinge etc. schon damals nur den halben Männerlohn.
Aber wie gesagt ließ besser das oben genannte Buch;)
Habe inzwischen ein bißchen Zeit gefunden, in das oben von mir genannte Buch (Ernst Schubert: Fahrendes Volk im Mittelalter) zu schauen, und kann Dir nur empfehlen, das auch zu tun (evtl. Fernleihe)!
Das, was er alles an Waren für diese Art des Handels nennt, ist immens - und darum schwer zusammenzufassen. Leider geht er oft etwas sparsam mit Jahreszahlen um, aber eine der ersten “Berufsgruppen” innerhalb dieser Händler, die er nennt, ist die Apfelhökerin; Frauen sind da also durchaus dabei!
Ich hab bis jetzt nur kurz reingeguckt; wenn ich das Kapitel noch mal durchgelesen habe und es sich doch irgendwie zusammenfassen läßt, werde ich hier nochmal was schreiben.
So, wie ich Dein Posting verstanden habe, geht es Dir um eine von Ort zu Ort ziehende Händlerin, nicht um jemanden, der etwas verkauft, was am gleichen Ort hergestellt wurde, und nicht um eine Fernhändlerin, die mit Dingen handelt, die dann von Fuhrleuten hernagebracht wurden.
Wenn ich mich richtig erinnere, steht bei Schubert (“Fahrendes Volk im Mittelalter”) auch was über Wanderhändler. Ich muß nochmal nachlesen, für welche Zeiten er da Quellen hat, was er für Waren nennt, und ob er gesondert was über weibliche Wanderhändler hat.
Das Problem ist, dass solche Gewerbe regional geregelt sind, und zwar durch die Zünfte, d.h. wer was wo wie verkaufen durfte, hing von der örtlichen Stadtverordnung ab.
Nestel, Kämme und Nadeln waren eher kein “Kleinkram”, dafür gab es spezielle Handwerker, die vor Ort verkauften (hier ist, wenn auch etwas später, eine schöne Quelle für Nürnberg die Mendelsche Zwölfbruderschrift).
Im wesentlichen kann man aber wohl davon ausgehen, dass es kaum berufsspezifische Kleidung, Schmiedeschürzen mal abgesehen, gab, jedenfalls sind mir keine bekannt; Trachten die Zunftspezifisch waren kamen erst sehr viel später auf.
Geht man also mal von einer Bürgerin in eine Stadt wie Nürnberg aus, die nicht unbedingt einem wenig einträglichen Gewerbe nachgeht, so um 1330, würde das wohl
-Hemdelin, Leinen, weiss/natur
-Cotte/Kittel/Kleid Wolle, gedeckte Farbe, auch rot/blau/grün, aber nicht intensiv, optional mit Leinen gefüttert (eher Leinen natur oder weiss, wenn farbig, dann leicht zu färbende Farben benutzen! Leinen ist mit Naturfarben nicht so leicht zu färben)
-ßberkleid/Surcot ohne Arm/Dreiviertelarm Wolle/optional gefüttert (Futter siehe Cotte)
-Schürze, Leinen → hier sieht man in zeitgenössischen Abbildungen öfters einen “Kruseler” oder eingewebte Verzierungen an der oberen Kante (siehe Luttrell Psalter, wird an der hüfte gebunden), aber regionale Mode beachten
-wendegenähte Schuhe braun/gedeckte Töne
-Trippen, Nürnberg bekam Plasterung erst so ca. 1370…
-Haube aus Leinen
-evtl. Wollhaube, _keine_ Gugel (Wollhaube siehe Luttrell Psalter, ist wie eine Gugel ophne Kragen und Zipfel, kann aber auch typisch englische Mode sein, hier lokale Trachten beachten/mit dt. vergleichen)
-Gürtel aus Leder oder Borte, mit Eisen oder Zinnschnalle und/oder Beschlägen→ eher nicht lang herabhängend, da bei der Arbeit störend, dies wäre eher Sache von Leuten, die nicht körperlich arbeiten
→ am besten lokale Funde (germanische Nationalmuseum, Burgmuseum) beachten
-Kniestrümpfe aus Wolle, genäht
-Strumpfbänder aus Wolle
-2-Finger Wollhandschuhe (evtl. Nadelbindung) für echt mieses Wetter (siehe Luttrell Psalter, aber auch Sachsenspiegel)
-Halbkreismantel aus Wolle, evtl. mit Wolle oder Leinen gefüttert
Generell gilt: Seide und andere Stoffe, sowie farbiges Leinen bedeuten mehr Geld. Je nach Beruf und Geldbeutel wohl möglich, aber hier Stadtverordnung beachten
-In Nürnberg gabs um 1330 noch keine Zünfte, soweit ich weiss, die waren durch den Rat unterdrückt, dies müsste man mal checken
Bitte die Kraemer nicht mit den im 19. Jh ueblichen “Buckelkraemern” verwechseln.
Kraemer zogen nicht von Stadt zu Stadt, sondern waren in einer Stadt ansaessig. Sie hatten halt nur ein bestimmtes Sortiment. Sozusagen der Einzelhandel fuer Kleinteile, die keine Lebensmittel waren. Genaueres muesste ich noch mal nachlesen.
von Stadt zu Stadt. Was verkaufte sie so, außer z.B. Nesteln, Haarbändern, Kämmen, Garnen, Nadeln …? Wie war sie gekleidet, wie eine Städterin oder besser/schlechter?
aber sicher kannst Du eine Kleinhändlerin darstellen. Frauen waren in Handel und Handwerk durchaus vertreten, oft ließen Stadt- und Zunftrecht Frauen explizit in den Kleingewerben (Kurzwaren etc.) zu.
Schau auch mal weiter unten in den Thread “Weibliche Rollen auf Märkten”, da findest Du bestimmt Anregungen und Literaturhinweise.