Meines Wissens nach würde ich das frei in unserem Gruppennahmen als Altlast bezeichnen.
Der Name war ein Schnellschuß.
Die Anfänge der Gruppe liegen im Dunkel des Fantasy.
Das frei zu überdenken werde ich heute die letzte Möglichkeit nutzen für die Jahreshauptversammlung eine Eingabe zu machen.
Ansonsten könnte ich mir den Sinn von “frei” darin vorstellen das man einen eigenen Großmeister hat der das Recht hat Ritter zu ernennen.
Wäre ja ziemlich umständlich dazu zum jeweiligen Landesherrn zu tingeln. *g*
Insoweit wohl auch frei von den Realitäten des Mittelalters.
Ich bin nun auch schon ein paar Jährchen dabei und wenn ich den Ausrüstungsstand von 1997 mit heute vergleiche hat sich da wirklich viel getan.
Ebenso was das Wissen angeht. Wobei sich da noch einiges mehr tun könnte.
Dennoch muß ich uns als Schausteller bezeichnen. Denn unsere Schaukämpfe die in Theaterstücke integriert sind sind eben das. Schaukämpfe bei denen Klinge auf Klinge geklopft wird.
Das wir das mit einem vergleichsweise hohen Sicherheitsstandart machen sieht man ja nicht, und historischer wirds dadurch auch nicht.
Die Tänze und Gesänge die wir vorführen sind auf Grund der Quellenlage auch nicht alle aus dem Zeitbereich den wir darstellen.
Zum Glück behaupten wir nicht authentisch zu sein.
Was nicht ausschließt das einzelne durchaus diese Meinung vertretenmögen, weiß ich aber nicht.
Dann aber aus Unwissenheit.
Ich weiß, das ist eine traurige Ausrede.
Ich glaube ich muß mir auch mal eine wirklich konkrete Darstellung erarbeiten. Am wohlsten fühle ich mich allerdings in einer einfachen Gewandung z.b. eines Knechtes. macht auch wenig Arbeit. *g* Nebenbei könnte ich schaun was wirklich an Wissen bei meinen Mitstreitern vorhanden ist.
Da hat es schon welche die über einiges verdammt gut Bescheid wissen. Mal schauen ob wir im Training auch mal Wissenstransferrunden machen können. Auch ein guter Vorschlag für die Hauptversammlung.
Das Problem das viele dieser sogenannten “freien” Gruppen haben, ist, daß sie den modernen Freiheitsbegriff - wie immer dieser nebulöse Begriff bewertet wird - auf das Mittelalter übertragen.
“DIE” Freiheit gab es nicht, doch gab es Freiheiten, die am besten als Rechte sozialer und regionaler Gruppen zu definieren sind. Z.B. kämpften in den Bauernkriegen Bauern nicht für Ihre Freiheit , sondern für die Beibehaltung von Freiheiten (wie z.B. Fischereirechte, Holznutzungsrechte etc.).
Meines Wissens nach gab es so etwa wie eine “freie Ritterschaft” im Mittelalter nicht, die ritterlichen Gesellschaften, die ich kenne (z.B. Jörgenschild) waren fest in soziale Gefüge eingebunden und hatten ein striktes Reglement in den verschiedensten Bereichen. Sollte es aber so etwas gegeben haben, lasse ich mich gerne eines besseren belehren - bitte dann aber mit der Erklärung was dieses “frei” dann ausmacht.
Es gab Ritterorden, geistlich wie weltlich (Siehe Thread Ritterorden ) was man ja schon als “Vereinigung” bezeichnen könnte.
Wobei zumindest die geistlichen Orden strenge Regeln hatten, die dem Wort “frei” mehr als deutlichen gegenüberstehn.
Und die weltlichen Orden sind nicht als Ritterschaft imn Pulk durch die Lande geeiert, sondern zu denen gehörten Ritter, die ganz bodenständig zunächst einmal ihr Lehen verwaltet haben.
Und eine rückfrage:
Was verstehst du unter “ausgeprägter Gruppenhierachie” ?
10 Ritter, 7 Hofdamen, eine Magd, ein Söldner, ein Lotterpfaffe.
Das ist die Standesverteilung der “freien Ritterschaften”, die ich kenne.
Joachims Kommentar hat mich ein wenig über die Bedeutung des Wortes “Frei” im Mittelalter nachdenken lassen. Mir sind jetzt eigentlich nur zwei Bedutungen im MA Kontex geläufig:
- Frei im Gegensatz zu Leibeigen, aber nicht unabhängig
- Frei im Sinne von Vogelfrei (also aus der Gesellschaft ausgestossen)
Der heutige Freiheitsgedanke war im MA noch gar nicht geläufig (und wahrscheinlich auch nicht verständlich). Auch geistige Freiheit oder freies Denken war, falls es mal auftrat (z.B. Pierre Abaelard) etwas, was unterdrückt werden musste. Von Religions Freiheit gar nicht erst zu reden.
Interessant, wie so unmittelalterliche Begriffe sich in der Szene in den Gruppennamen breitmachen.
Aber zu Leroy: Ritterschaft scheint mir auch so etwas zu sein, was eine Spätere erfindung ist. Ich glaube nicht, dass es so was wie Vereinigungen von Rittern oder so gab.
Und noch was am Rande: Kommt es mir nur so vor, oder haben gerade einige “freie Ritterschaften” eine besonders ausgeprägte Gruppenhierarchie?
interessante Analyse Joachim! Vor allem das mit dem Taxi ist ein echter Nachdenker. Es könnte tatsächlich an unserem heutigen Bedürfnis “frei zu sein” liegen, daß es so viele “Freie Pipapo” gibt. Aber richtig frei ist auch heute niemand, aber es wird gern behauptet.
Das Attribut -frei/e- steht bei manchen Gruppen auch für: frei von Wissen, oder frei von mittelalterlichem, oder frei von Belegen, oder auch frei von Hirn ;o) .
Ein Klärungsversuch: Das Wort FREI hat für viele, die glauben (…) sich mit MA zu beschäftigen, eine enorm wichtige Bedeutung, da diese Leute von heutigen Denkmustern ausgehen. Heute wollen wir alle frei, unabhängig sein, niemand soll uns vorschreiben, was wir zu tun haben. Dies ist an sich ja auch ein hübsches Ideal, hat mit MA hingegen recht wenig zu tun. Damals versuchte man sich eher möglichst eng und umfassend in die Gesellschaft einzugliedern, denn das bedeutete Sicherheit. Das Wort “Vogelfrei” ist in diesem Zusammenhang ja schon oft herangezogen worden. Kurz, ich gehe davon aus, daß entsprechende Gruppen mit dem Zusatz “frei” in der Regel eher ihre ganz individuelle Vorstellung vom MA verfolgen, als daß es ihnen wirklich um die manchmal durchaus unbequeme Realität geht. Vielleicht haben sie auch einfach nur zu viele Robin Hood Filme gesehen, was weiß ich. Vielleicht ist der Name auch nur noch ne Altlast. Denn würde ich dann aber schnell über Bord werfen, denn damit disqualifiziert man sich nur.
Grüße
Joachim, nicht mehr frei, sozusagen vergeben
MB 1260
Freies märkisches Leben zur Zeit der Askanier
PS
Es gibt ja nicht nur freie Rittergruppen, sondern auch freie Söldner usw. usw.
Ich sehe gerade, draußen am Taxistand steht ein Taxi ohne Fahrgast rum. Das ist noch frei. Ich denke, der Besitzer würde aber gern auf das “frei” pfeifen und nen Fahrgast an Bord nehmen…