Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Freie Ritterschaft und andere Gruppenbezeichnungen

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Eintrag #1 vom 10. Feb. 2004 07:24 Uhr Leroy McNair  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Leroy McNair eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
Ich beschäftige mich noch nicht Lange mit dem Thema
Mittelalter-Reenactment, aber mir ist etwas aufgefallen, was
mich nicht ganz ruhen lässt. In der Szene tummeln sich
etliche “freie Ritterschaften zu Irgendwo” oder “freie Ritter”.
Da frage ich mich jetzt als mässig schulgebildeter Laie: Was ist das?
Soviel ich weis, hatte ein Ritter doch stets einen
Lehnsherrn, oder? Somit ist der “freie Ritter” eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. Oder gabs tatsächlich so was wie unabhängige Ritter?
Leroy McNair
Leroy McNair

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Eintrag #2 vom 10. Feb. 2004 07:53 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht warum heute (fast) alle Ritter & Söldner frei sein müssen

Ja, was soll das sein??? Gute Frage!!!
Ein Klärungsversuch: Das Wort FREI hat für viele, die glauben (…) sich mit MA zu beschäftigen, eine enorm wichtige Bedeutung, da diese Leute von heutigen Denkmustern ausgehen. Heute wollen wir alle frei, unabhängig sein, niemand soll uns vorschreiben, was wir zu tun haben. Dies ist an sich ja auch ein hübsches Ideal, hat mit MA hingegen recht wenig zu tun. Damals versuchte man sich eher möglichst eng und umfassend in die Gesellschaft einzugliedern, denn das bedeutete Sicherheit. Das Wort “Vogelfrei” ist in diesem Zusammenhang ja schon oft herangezogen worden. Kurz, ich gehe davon aus, daß entsprechende Gruppen mit dem Zusatz “frei” in der Regel eher ihre ganz individuelle Vorstellung vom MA verfolgen, als daß es ihnen wirklich um die manchmal durchaus unbequeme Realität geht. Vielleicht haben sie auch einfach nur zu viele Robin Hood Filme gesehen, was weiß ich. Vielleicht ist der Name auch nur noch ne Altlast. Denn würde ich dann aber schnell über Bord werfen, denn damit disqualifiziert man sich nur.
Grüße
Joachim, nicht mehr frei, sozusagen vergeben
MB 1260
Freies märkisches Leben zur Zeit der Askanier
PS
Es gibt ja nicht nur freie Rittergruppen, sondern auch freie Söldner usw. usw.
Ich sehe gerade, draußen am Taxistand steht ein Taxi ohne Fahrgast rum. Das ist noch frei. Ich denke, der Besitzer würde aber gern auf das “frei” pfeifen und nen Fahrgast an Bord nehmen…

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Eintrag #3 vom 10. Feb. 2004 12:38 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
interessante Analyse Joachim! Vor allem das mit dem Taxi ist ein echter Nachdenker. Es könnte tatsächlich an unserem heutigen Bedürfnis “frei zu sein” liegen, daß es so viele “Freie Pipapo” gibt. Aber richtig frei ist auch heute niemand, aber es wird gern behauptet.
Das Attribut -frei/e- steht bei manchen Gruppen auch für: frei von Wissen, oder frei von mittelalterlichem, oder frei von Belegen, oder auch frei von Hirn ;o) .
Grüße,
David
familia ministerialis - Alltag um 1280
www.familia-ministerialis.de

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Eintrag #4 vom 10. Feb. 2004 13:05 Uhr Gunter Krebs  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Gunter Krebs eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Frei?

Joachims Kommentar hat mich ein wenig über die Bedeutung des Wortes “Frei” im Mittelalter nachdenken lassen. Mir sind jetzt eigentlich nur zwei Bedutungen im MA Kontex geläufig:
- Frei im Gegensatz zu Leibeigen, aber nicht unabhängig
- Frei im Sinne von Vogelfrei (also aus der Gesellschaft ausgestossen)
Der heutige Freiheitsgedanke war im MA noch gar nicht geläufig (und wahrscheinlich auch nicht verständlich). Auch geistige Freiheit oder freies Denken war, falls es mal auftrat (z.B. Pierre Abaelard) etwas, was unterdrückt werden musste. Von Religions Freiheit gar nicht erst zu reden.
Interessant, wie so unmittelalterliche Begriffe sich in der Szene in den Gruppennamen breitmachen.
Aber zu Leroy: Ritterschaft scheint mir auch so etwas zu sein, was eine Spätere erfindung ist. Ich glaube nicht, dass es so was wie Vereinigungen von Rittern oder so gab.
Und noch was am Rande: Kommt es mir nur so vor, oder haben gerade einige “freie Ritterschaften” eine besonders ausgeprägte Gruppenhierarchie?
Gunter Krebs - turba-delirantium.skyrocket.de

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Eintrag #5 vom 10. Feb. 2004 13:23 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Zu Gunter:
Es gab Ritterorden, geistlich wie weltlich (Siehe Thread Ritterorden ) was man ja schon als “Vereinigung” bezeichnen könnte.
Wobei zumindest die geistlichen Orden strenge Regeln hatten, die dem Wort “frei” mehr als deutlichen gegenüberstehn.
Und die weltlichen Orden sind nicht als Ritterschaft imn Pulk durch die Lande geeiert, sondern zu denen gehörten Ritter, die ganz bodenständig zunächst einmal ihr Lehen verwaltet haben.
Und eine rückfrage:
Was verstehst du unter “ausgeprägter Gruppenhierachie” ?
10 Ritter, 7 Hofdamen, eine Magd, ein Söldner, ein Lotterpfaffe.
Das ist die Standesverteilung der “freien Ritterschaften”, die ich kenne.
Gruß, Ivain

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Eintrag #6 vom 10. Feb. 2004 13:48 Uhr Gunter Krebs  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Gunter Krebs eine Nachricht zu schreiben.

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Ich meinte “Vereinigungen ausserhalb der Orden” - man sollte halt auch schreiben, was man meint ;-)
Und zur Hierarchie meinte ich eigentlich: Ritterdarsteller hat mehr zu sagen als Knappendarsteller etc.
Klar, die Hierarchiestruktur die Du meinst, kommt leider auch sehr häufig vor.
Gunter Krebs - turba-delirantium.skyrocket.de

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Eintrag #7 vom 10. Feb. 2004 13:58 Uhr Thorsten (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Freiheitsbegriff

Das Problem das viele dieser sogenannten “freien” Gruppen haben, ist, daß sie den modernen Freiheitsbegriff - wie immer dieser nebulöse Begriff bewertet wird - auf das Mittelalter übertragen.
“DIE” Freiheit gab es nicht, doch gab es Freiheiten, die am besten als Rechte sozialer und regionaler Gruppen zu definieren sind. Z.B. kämpften in den Bauernkriegen Bauern nicht für Ihre Freiheit , sondern für die Beibehaltung von Freiheiten (wie z.B. Fischereirechte, Holznutzungsrechte etc.).
Meines Wissens nach gab es so etwa wie eine “freie Ritterschaft” im Mittelalter nicht, die ritterlichen Gesellschaften, die ich kenne (z.B. Jörgenschild) waren fest in soziale Gefüge eingebunden und hatten ein striktes Reglement in den verschiedensten Bereichen. Sollte es aber so etwas gegeben haben, lasse ich mich gerne eines besseren belehren - bitte dann aber mit der Erklärung was dieses “frei” dann ausmacht.
Thorsten

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Eintrag #8 vom 10. Feb. 2004 14:10 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht ja, ja das Frei *g*

Meines Wissens nach würde ich das frei in unserem Gruppennahmen als Altlast bezeichnen.
Der Name war ein Schnellschuß.
Die Anfänge der Gruppe liegen im Dunkel des Fantasy.
Das frei zu überdenken werde ich heute die letzte Möglichkeit nutzen für die Jahreshauptversammlung eine Eingabe zu machen.
Ansonsten könnte ich mir den Sinn von “frei” darin vorstellen das man einen eigenen Großmeister hat der das Recht hat Ritter zu ernennen.
Wäre ja ziemlich umständlich dazu zum jeweiligen Landesherrn zu tingeln. *g*
Insoweit wohl auch frei von den Realitäten des Mittelalters.
Ich bin nun auch schon ein paar Jährchen dabei und wenn ich den Ausrüstungsstand von 1997 mit heute vergleiche hat sich da wirklich viel getan.
Ebenso was das Wissen angeht. Wobei sich da noch einiges mehr tun könnte.
Dennoch muß ich uns als Schausteller bezeichnen. Denn unsere Schaukämpfe die in Theaterstücke integriert sind sind eben das. Schaukämpfe bei denen Klinge auf Klinge geklopft wird.
Das wir das mit einem vergleichsweise hohen Sicherheitsstandart machen sieht man ja nicht, und historischer wirds dadurch auch nicht.
Die Tänze und Gesänge die wir vorführen sind auf Grund der Quellenlage auch nicht alle aus dem Zeitbereich den wir darstellen.
Zum Glück behaupten wir nicht authentisch zu sein.
Was nicht ausschließt das einzelne durchaus diese Meinung vertretenmögen, weiß ich aber nicht.
Dann aber aus Unwissenheit.
Ich weiß, das ist eine traurige Ausrede.
Ich glaube ich muß mir auch mal eine wirklich konkrete Darstellung erarbeiten. Am wohlsten fühle ich mich allerdings in einer einfachen Gewandung z.b. eines Knechtes. macht auch wenig Arbeit. *g* Nebenbei könnte ich schaun was wirklich an Wissen bei meinen Mitstreitern vorhanden ist.
Da hat es schon welche die über einiges verdammt gut Bescheid wissen. Mal schauen ob wir im Training auch mal Wissenstransferrunden machen können. Auch ein guter Vorschlag für die Hauptversammlung.
Gute Tage
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden

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Eintrag #9 vom 10. Feb. 2004 14:30 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht mutig

Moin Harald,
schönes, mutiges Posting….danke.
Leider gibt es zu wenig “Freye”, die auch frei genug sind das zuzugeben was du getan hast.
Gruß Wolf
www.bauer-und-bonde.de

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Eintrag #10 vom 10. Feb. 2004 16:00 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Das einzige “frei” was mir in Bezug auf Ritter bekannt ist, ist “frei von Lehen” aka schwerbewaffneter (Panzerreiter) im nicht-Verwaltungsdienst, z.B. in Solddiensten, von Stadt, Handelsorganisation etc.
Das ist aber genauso wertbar wie beim Taxi, und war nicht grad erstrebenswert.
Eine “Ritterschaft” ist insofern auch nicht mit der mittelalterlichen Form des Wirkens und Denkens eines Rittern vereinbar, da er hiervon keinen Vorteil zieht. Der Ritter ist ein Einzelkämpfer, insofern er sich, auch gerade wenn “frei” von Lehen profiilieren muss, um diesen Zustand zu ändern.
Weltliche Ritterorden hatten meisst den Zweck, dass ein höherer Herr treu zu ihm stehende um sich schart, und diese ungebunden dann davon profitieren, ein typisches Merkmal der Zeit, als der “Stand” der Ritter dabei war, seine gesellschaftliche und militärische Bedeutung zu verlieren.
Der Begriff “Frei” ist z.B. in dem Satz “Stadtluft macht frei” zu finden, der mit Aufkommen des Städtewesens auftaucht; hier sollte man aber auch nicht von einer heutigen Freiheit ausgehen, sondern eher von alten Bindungen, evtl. auch von Frondiensten, jedoch nicht von Standesdingen, die in einer Stadt durchaus nicht aufgehoben waren, und da von einer göttlichen Ordnung ausgegangen wurde, auch nicht zwangsläufig auf dem Wunschzettel standen.
Insofern sind besonders moderne Deutungen romantischer Sicht von “vogelfrei” à lá Robin Hood
ziemlicher Unsinn, denn daran war nichts erstrebenswertes.
Gruss, Esca

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Eintrag #11 vom 10. Feb. 2004 16:29 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht vogelfrei zu sein ...

war keineswegs immer erstrebenswert und freiwillig (m.E. bedeutet dies ja v.a. “außerhalb des Gesetzes” - jederman darf einen Vogelfreien töten ohne selbst Strafe befürchten zu müssen).
Aus unserer Sicht mag das Leben der Leute um Robin Hood heute mit “romantisch” verwechselt werden (und vielleicht auch durch einige filmische Darstellungen so gestützt werden), aber wer die vielfältigen literarischen Umsetzungen der “Robin-Hood-Geschichte” kennt, weiß, dass seine Getreuen (und sicher auch damals vielen in der Realität) nur unfreiwillig zur “Vogelfreiheit” geführt wurden.
Aber “Vogelfreiheit” war ja auch gar nicht die Frage von Leroy.
Gruß, Ingo

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Eintrag #12 vom 10. Feb. 2004 20:05 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Das im Mittelalter allgegenwärtige Abhängigkeitsverhältnis der Stände ist vielleicht auch beidseitig. Also ich meine, der Landesherr (wie auch immer) war in gewisser Weise auch von den Bauern abhängig. Schließlich ernährten sie ihn. Daraus resultierte ein Interesse des Landesherren/ Lehnsnehmer/ Ministerialen o.ä. seine “Leute” zu schützen. Davon hatten nun auch die Bauern etwas.
Frei im eigentlichen Sinne war im MA niemand, vielleicht der Pabst.
Grüße,
David
familia ministerialis

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Eintrag #13 vom 11. Feb. 2004 08:14 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht freie Fahrt für freie Bürger - befreites MA für freie Bürger

Es gab da noch eine Art von Ritter-Gesellschaften. Einige Ritter schlossen sich zu einer Art Turniervereinigung zusammen. Die war aber zeitlich begrenzt und sollte nur dazu beitragen, das finanzielle Risiko dieses “Sports” aufzufangen. Aber dies nur am Rande.
Zurück zur heutigen Verwendung des Begriffes FREI. Ich hatte zumindest früher regen Kontakt zur Markt-Szene. Und immer wieder stieß ich dabei auf Leute, denen gerade dieser Begriff FREI enorm wichtig. Oft sprach ich mit ihnen über ihre Darstellung, über Fehler und Möglichkeiten. Aber wie gesagt, diese Option auf das FREI mußte immer vorhanden sein, sonst zickten sie rum. Ich dufte z.B. niemals den Begriff KriegsKNECHT benutzen, da hatte ich gleich verloren. Söldner hörte sich da schon viel besser an. Dienen - nein Danke. Rumsöldner - aber gerne. :-)
Und auch von diesen unzähligen FREIEN Rittergruppen kenne ich viele persönlich. Wenn man sich mit den Verursachern dieser Gruppen unterhält, erfährt man schnell, daß es Menschen mit ideologisch sowie sozial brauchbaren Idealen sind, einige engagieren sich sogar massiv sozial. Das ist alles gut und schön, nur mit MA hat es leider nichts zu tun… Vorbild hierfür sind eher diese Ritter“orden” und Vereinigungen, die sich während des Historismus bildeten. Ganz charakteristisch ist dabei das hier schon erwähnte Standesgehabe. Der Kassenwart heißt dann halt Kanzler oder Hofmarschall usw. Man kann davon ausgehen, daß es diesen Menschen vor allem darum geht, ihr (…) mittelalterliches Weltbild/Ideal wirklich und wahrhaftig zu leben. Das ist wie gesagt auch auch nicht schlimm, nur mit MA hat es halt nichts zu tun. Lediglich mit Romantik und Historismus.
Grüße an alle freien, unfreien und an alle denk-, sowie merkbefreiten
Joachim (nicht mal Edelfrei)

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Eintrag #14 vom 11. Feb. 2004 09:49 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch,
kleiner Nachtrag. Ritterbünde und -gesellschaften gabs durchaus im ausgehenden 14. bis ins 16. Jhdt. mit bitterernstem Hintergrund, so z.B. die “Schlegler” im Süddeutschen. hier gings um die Bildung eines Bundes gegen Reichs- und Städtepolitik, die den letzten Rittern durch die umlaufende Geldwirtschaft endgültig den Boden entzogen.
Begriffe wie Reichsfreiheit und -unmittelbarkeit spielten da wohl eine Rolle.
Auch früher, in der ersten Hälfte des 13. Jhdt. gab es wohl kleinere Bünde, so z.B. der Bärenbund oder -orden, ein nichtreligiöser Verband von reichstreuen kaiserlichen Vasallen, über den ich allerdings herzlich wenig in den Quellen finde, ebenso die Verbindungen, die sich innerhalb von Burgmannen fanden.
Alles das hat aber nichts mit den schon von Joachim beschriebenen Gruppierungen zu tun, die sich “frei” im heutigen Ma-Bereich nennen. Oder wars gar der Begriff Freiheit aus den Bauernkriegen, der “freie Ackermann”, der hier mit reinspielt?
Zu Bedenken sei all jenen Leuten noch, daß der Begriff “Frei” auch bedeutet, keinen Herren zu haben, d.h. nicht im sozialen Gefüge des MA eingeflochten zu sein, was schlichtweg Heimatlosigkeit, Recht- und Schutzlosigkeit bedeutet.
Ein freier Ritter hat kein Lehen, keinen Besant, keinen Diensteid und keinen Herren, der ihm Brot und Hilfe bietet. Ein armes Würstchen…höchstens sowas wie ein Söldner, aber die waren ja auch nicht frei, sondern dienten unter dem Kontrakt als Waffenknechte…nicht frei, aber bezahlt und verköstigt.
Also im übertragenen Sinne ist eine “Freie Ritterschaft” ein Fall fürs Sozial- und Arbeitsamt ;-))
Ars Militia - Euer Haduwolff

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Eintrag #15 vom 11. Feb. 2004 17:18 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Nix da, wir haben ja noch unseren Kassenwart der auch nur so heißt und nicht Kanzler o.ä. *g*
Noch einen kleinen Nachtrag zur Hirarchie.
Haben wir. Wer die festgelegten Leistungen erbringt (Ausrüstung, Tänze, Gesänge, Schach) steigt mit der Zeit auf.
Gelebt wird dieser “Standesunterschied” aber nicht.
Höchstens wenn wir ein Schauessen veranstalten oder unsere Erhebungen haben, die sind aber eigentlich nach Marktschluß und sind nur der feierliche Rahmen für die erbrachte Leistung.
Ansonsten kämpft wer einen abgenommenen Kampf hat, ob er Ritter oder Knappe ist. Und jeder hat höfische und bauerliche Kleidung weil wir höfsche und bäuerliche Tänze und Gesänge haben.
Sich auf eine einzige Darstellung festzulegen und die durchzuziehen ist also nicht drin.
Das ist eigentlich der gewichtigste Punkt weswegen ich der Meinung bin das wir Schausteller sind.
Gute Tage
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden

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Eintrag #16 vom 11. Feb. 2004 21:49 Uhr Magdalena Wohlgemuth  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Magdalena Wohlgemuth eine Nachricht zu schreiben.

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ßhm… vielleicht noch zum ersten Beitrag…
es gab im Mittelalter diverse Abstufungen von frei zu unfrei. Ich empfehle hierzu die Artikel “Adel” und “Unfreie” im Kleinen Lexikon des Mittelalters von Wilhelm Volkert, weil ich jetzt zu faul bin die ganzen verschiedenen Gruppen rauszusuchen.
Nur zu Rittern:
Z.B. Ministeriale konnten so am ßbergang zum Spätmittelalter auch Ritter werden. Ein Ministerialer ist ein unfreier; zu diesem Zeitpunkt aber schon zu quasi-adligem Stand aufgestiegen.
Und: Wenn ein Ritter frei und adlig geboren wurde, aber in einem Lehnsverhältnis stand, war das zwar eine Form von Abhängigkeit, aber keineswegs dasselbe wie unfrei! Davon abgesehen haben sich die Lehensverhältnisse mit der Zeit auch ziemlich aufgeweicht. Beispiel: bei der Schlacht von Worringen (1288) war der Herzog von Burgund, “Oberfeldherr” auf der einen Seite, im Grunde genommen ein Vasall seines Gegners, des Erzbischofs von Köln, der die Lehen der Kölnischen Kirche ausgab. Niemand wird aber behaupten, daß der Herzog von Burgund, ein seehr mächtiger Mann, sich irgendwie abhängig oder unfrei von seinem Lehnsherr, dem Erzbischof, gefühlt hätte.
Kleiner Beitrag zu sehr kompliziertem Thema.

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Eintrag #17 vom 12. Feb. 2004 08:14 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

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Na gut, dann kopiere ich mal schnell den entsprechenden rechtsgeschichtlichen Eintrag aus dem Lexikon des Mittelalters hier rein, dann haben wir es konzentriert beisammen.
Die Freiheit (F.) gehört seit langem zu den zentralen, aber auch kontroversen Themen der Geschichtsschreibung. Angesichts der eminenten Funktion des F.sbegriffs in der modernen Verfassungsentwicklung wird dabei das deutliche Durchscheinen zeitgebundener Leitbilder verständlich. Die Literatur ist nahezu unübersehbar. Die Diskussion bewegt sich vornehmlich zu Fragestellungen der Genese, der Kontinuität und Metamorphose sowie zu Inhalt und Formen des F.sbegriffs. Als erstrebenswertes Ideal trifft sich die F. mit dem Gleichheitsbegriff. Eine gewisse, immer wieder zu Konflikten führende Zweispurigkeit zieht sich insofern durch die Geschichte, als seit der Stoa die F. als Postulat der Ethik anerkannt ist, während andererseits eine Beseitigung der Unfreiheit als Element der Gesellschaftsorganisation kaum als in die Praxis umsetzbar erschien. Dieser Widerspruch äußert sich entweder in Kritik an der Unfreiheit wie z. B. im Sachsenspiegel und in der Reformatio Sigismundi, oder er wurde durch Spiritualisierung des F.sbegriffs aufgelöst und damit aus dem realen Gesellschaftsgefüge eliminiert.
Etymolog. geht »frei« auf die gleiche Wurzel wie »Friede« und »Freund« zurück, woraus sich ein Bedeutungsursprung im Sinne von ‘geliebt’, ‘geschont’, ‘geschützt’ erkennen läßt. »Frei« ist also zunächst ein Begriff des häuslich-verwandtschaftl. Bereichs, der sich durch Analogisierungen auf einen immer größeren Adressatenkreis erweitert hat. Seit dem 4. Jh. ist »frei« als Entsprechung zu lat. »liber/ingenuus« nachzuweisen. Seitdem gehört die römischrechtl. Dichotomie »liber/servus« zur Tradition des abendländ. Denkens.
Die ältere Lehre sah in den germ. Freien die wirtschaftl. autarke, persönl. unabhängige und rechtl. gleiche Schicht der gemeinen Landeigentümer (Gemeinfreie), die durch genossenschaftl. Zusammenschlüsse zum Träger größerer Organisationen wie der Markgenossenschaft und des Staates geworden sind. Diese Lehre von den Gemeinfreien wurde seit den Dreißigerjahren dieses Jahrhunderts nachhaltig erschüttert und durch die Lehre von den Königsfreien ersetzt, wonach der Freie als Gewaltunterworfener definiert wird, der Königsland bebaute und in kgl. Aufgebot stand. Inzwischen hat auch diese Lehre scharfe Kritik erfahren, die sich in der Ablehnung einer einseitigen Homogenität des F.sbildes der alten wie der neueren Lehre einig ist. Vieles weist darauf hin, daß der F.sbegriff ein Produkt der germ. Ethnogenese und einer Akkulturation darstellt und seine Formung durch die röm. Begrifflichkeit erfahren hat. Damit wird gegenüber der Einseitigkeit früherer Lehren eine Offenheit erzielt, die dem Einheitsbegriff des »liber/ingenuus« - oft unterteilt in minores, mediocres, optimates, so z. B. die Lex Burgundionum - der germ. Stammesrechte wie der Vielgestaltigkeit der Urkundenbefunde gerecht wird. Obwohl sich die F. stets als Abgrenzung zur Unfreiheit verstand, bildeten sich doch schon früh Zwischenpositionen der Minderf. oder Halbf. aus, entwicklungsträchtige Bewegungsräume für sozialen Aufstieg oder Abstieg.
Die Kontinuität des F.sbegriffs vom FrühMA zum HochMA gehört zu den viel erörterten Problemen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich mit der Herausbildung der hochma. Ständegesellschaft Umstrukturierungen ergaben, in deren Verlauf auch die alten Kategorien »frei/unfrei« ihre Zuweisungsgehalte stark veränderten. Verstand sich der Adel grundsätzl. als Inhaber der Altf., so verwischten sich schon nach unten hin die Konturen durch Aufstieg der Ministerialen und durch Abstieg der Edelfreien in die Ministerialität. Die umstrittene Qualifizierung der Schöffenbarfreien des Sachsenspiegels hat hier ihren Ort.
Eine eigene Form der F. bildete sich mit der Entwicklung der Städte und ihrer Lebensformen heraus. Seit dem 12. Jh. hoben sich die Städte und ihre Einwohner immer deutlicher vom Land dadurch ab, daß sie sich aus dem Geflecht der grund- und leibherrlichen Beziehungen herauslösten und daß sich ein aus privaten und öffentl. Rechten gebündelter spezif. Status der städt. F. herausbildete. Die ursprgl. nur als Zuordnungskriterium verstandene Maxime »Stadtluft macht frei«, die auch den unfreien Neuzuziehenden nach Jahr und Tag in den Genuß dieser F. setzte, wurde Bestandteil des Stadtrechts.
Weitaus schwieriger ist es demgegenüber, den F.sbegriff auf dem Lande auf einen ähnlichen - notwendigerweise stets vereinfachenden - Nenner zu bringen. Zwar besteht kein Mangel an quellenmäßig belegten »Freien« und »F.en« auf dem Lande, jedoch erschwert deren konkrete Ausgestaltung die Einordnung in zusammenführende Kategorien. Soviel läßt sich zunächst feststellen, daß es ein altfreies Bauerntum, wenn überhaupt, dann nur in geringem Maße gegeben hat. Dagegen wurde die Binnen- und Ostsiedlung (Landesausbau und Kolonisation) durch vielfältige rechtl. Vorzugsstellungen begünstigt, so daß der F.sbegriff eine Neubelebung erfuhr (sog. Neufreiheit oder Rodungsfreiheit).
F. wird weitgehend als soziale Besserstellung verstanden, wie überhaupt F. die dt. Entsprechung für »Privileg« ist. In diesem Sinne können dann auch ältere Besitzstände, die mit meist genossenschaftl. Anrechten ausgestattet sind, gegenüber jüngeren Positionen als F. und deren Träger als »Freie«, »freie Gotteshausleute« u. ä. bezeichnet werden. F. ist stets das Attribut bestimmter sozialer und lokaler Gruppen, die sich damit aus ihrem Umfeld oder von anderen Gruppen abheben. Entsprechend bleibt der F.sbegriff relativ und ist inhaltl. für jede Gruppe nur konkret zu bestimmen. Daraus erklärt sich auch das breite begriffl. Spektrum und das weitüberdeckende Wortfeld. F. steht also in einem jeweils zu ermittelnden Beziehungsgeflecht, das sich aus der Sicht der Berechtigten vom F. gewährenden einerseits bis zu den damit Benachteiligten andererseits erstreckt.
Eine enge Verbindung läßt sich zw. bestimmten Gruppierungen von Freien und der Gerichtsbarkeit feststellen. Unter Bezeichnungen wie Freigft., Freigericht, Freiamt, Freivogtei u. ä. werden Gebiete oder Personenverbände angesprochen, die über eine eigene Gerichts- oder Selbstverwaltungsorganisation verfügen. Westfäl. Besonderheiten sind die Ausdrücke Freistuhl und Freiding für das Gf.en- und Landgericht (in Strafsachen Femgericht; Feme), dem der Freigf. vorsitzt und in dem die landbesitzenden Freischöffen als Urteiler fungieren. Alter, Inhalt und Ausmaß der Eigenständigkeit der gen. Freizonen können wieder ganz verschieden ausgestaltet sein. Die Forschung steht hier vor zahlreichen ungelösten oder doch kontrovers diskutierten Problemen, die meist im Zusammenhang mit der Fragestellung nach Ursprung, Status und Entwicklung der jeweiligen Freienverbände stehen. S. a. Immunität, Libertas (Ecclesiae).
C. Schott

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Eintrag #18 vom 18. Feb. 2004 21:30 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Tja, wie die Hauptversammlung ergab. auch in Vereinen gibt es Legendenbildung.
Laut eines der Gründungsmitglieder war der Name durchaus recherchiert was den Begriff “freie Ritterschaft” angeht.
Ich gebe mal kurz wieder was mir da so zu Ohren kam.
Ich hoffe der Betreffende sucht auch wirklich die Quellen raus, so dass ich Genaueres nachliefern kann.
Die zweiten und dritten Söhne von Adligen, die ebenfalls das Waffenhandwerk gelernt hatten waren ja quasi ohne Erbe. Von denen die die nicht gewillt waren sich an einen Lehnsherrn zu binden fanden sich scheinbar nicht wenige zu “freien Ritterschaften” oder Ritterbünden zusammen die zweckorientiert waren und sich heren Zielen verschrieben. z.B. den Weg ins heilige Land freizukämpfen und zu sichern.
Ihre Zeit war nur kurz, so 60-70 Jahre. Sie waren aber die Wurzeln der Ritterorden.
Der Ritterbund Graubünden, der Bund der Rechtlosen oder die Schlegler fielen als Stichworte.
Ich schließe mit der Bitte die Schreibe als Ansatz zu nehmen, aber mit Vorsicht, da es eine jahrealte Erinerung ist.
Wie gesagt, habe ich Genaueres liefere ich nach.
Gute Tage
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden

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Eintrag #19 vom 18. Feb. 2004 21:50 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Morgen am Donnerstag den 19.2.2004 findet in Sachsen heim im Kulturhaus um 20 Uhr ein kostenloser Vortag statt mit dem Titel:
Zur Geschichte der Reichsritterschaft im Landkreis Ludwigsburg
Referent ist Roland Schulz, Kreisarchivar in Ludwigsburg.
Adresse www.sachsenheim.de/web2/inh24/24.htm
Hier nachschaun.
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden

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Eintrag #20 vom 19. Feb. 2004 11:55 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Der Schleglerbund (v. Schlegel = Kampfhammer/Streitkolben) war ein am Martine 1366 als Gegenpol zum Schwäbischen Städtebund und den grossadeligen Mächten, von “Gleißend” Wolf von Wunnenstein (“geleißend” bezog sich wohl auf seinen modernen weissen Harnisch, siehe “white companies, Italien, spätes 14tes) gegründeter Bund schäbischer reichsunmittelbarer Ritter kleinadeliger Abstammung, der 1395 von Eberhard III in Heimsheim besiegt wurde. Dessen Ziele waren aber sicher nicht so her, zudem ein typisches Kennzeichen des im 14ten auftretenden Konfliktes der an Macht gewinnenden Städte mit dem Landadel, der mitnichten gar nur aus zweiten oder dritten Söhnen bestand.
”Ritter“ impliziert ja schon die Ritterschaft an sich, die sich eben selbige zweite oder dritte Söhne immer seltener leisten konnten, und daher auf Knappenstatus verblieben, und sich als anwerbbare Truppen verdingten.
Die Mitglieder eben jenes Bundes, auf den die Bezeichnung ”frei“ nicht zutreffen mag, trug als Abzeichen drei silberne Schlegel/Keulen im Schild/ auf dem Jupon, und kämpfte vor allem gegen die als Emporkömmlinge empfundenen würthembergischen Fürsten. Sie taten dies aus reinem Machterhalt, und wurden daher im 18Jhd gern dem Raubrittertum (begrifflich erst 176x erwähnt) nahegestellt, da sie sich u.A. auf das Fehderecht beriefen.
Jeder einzelne war jedoch unabhängig und man teilte sich nicht Behausung, Lager, Bedienstete oder dergleichen. ßhnliche Kleinbünde loser Natur sind tatsächlich im 14ten lokal zu beobachten, dienen aber vielmehr dem Erhalt und der Machtsicherung, denn als ”Auffangbecken“ von ”durch das System" (welch moderne Formulierung) gerutschten Rittern.
Die Vorstelungswelt, dass Söhne von Ritter auch automatisch solche sind, ist imho der wesentliche Denkfehler; Ritterschaft war nicht erblich, und als Titel (der im 14ten gar käuflich wurde), Ehrenbezeichnung und auch Berufsbild nicht bezeichnend für einen ganzen Stand. Gut belegbar (hierzu möchte ich später evtl. noch Statistiken nachliefern) ist die Deffundierung landadeligen Nachwuchses ohen Erbe in die Städte und in klerikale Stellungen.
Gruss, Esca

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Eintrag #21 vom 19. Feb. 2004 22:35 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Der Begriff frei bei der freien Reichsritterschaft, die eigentlich schon keine Sache des Mittelalters mehr ist bezieht sich auf die Reichsunmittelbarkeit der selben.
D.h. sie sind dm Kaiser direkt unterstellt was verschiedenste Privilegien angeht und nicht ihrem örtlichen Lehensherrn.
Die anfänge liegen Anfang des 15Jhd. in den bereits erwähnten Ritterbünden. Etabliert wurde der Stand 1566 vom Kaiser. War aber eigntlich nur im deutschen Südwesten ein Thema.
Das Ende kam dann 1806 als die Würtenberger den Vertrag mit Napoleon zum Anlass nahmen die Güter der Verbliebenen der über die Zeit hinweg durch Verarmung eh schon ausgedünnte Reichsritterschaft komplett zu übernehmen und sie mehr und mehr in ihren Rechten zu beschneiden.
Das war die Kurzfassung des Vortrags heute Abend.
Das Vortragsmaterial liegt schon unter dem Nagel an dem ich reiße. *g*
ßber mögliche Ritterbünde vor den Ritterorden konnte ich leider nichts erfahren. Das Fachgebiet des Vortragenden ist die Neuzeit.
Gute Tage
Harwalt von Biberach, freie Ritterschaft Baden

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Eintrag #22 vom 20. Feb. 2004 20:32 Uhr Roland Schulz   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht @ Leroy "Freie Ritterschaft und andere ßbel"

Hi Leroy,
die freihen Ritterschaften sind meiner persönlichen Meinung nach für die deutsche Hochmittelalter“szene” ungefähr das, was die Natur dem Zwitterwesen “angetan” hat.
Zur Begründung:
1. Problematik im HoMi: Fast jeder will ein Ritter, Baron, Graf, Herzog, König oder sonstwas sein.
Ergo, man fummelt sich irgendwie eine mehr oder weniger brauchbare Pseudoadelsklamotte zurecht und nennt sich fürderhin eben Graf Koks oder Baron de Crétin oder de Mornay oder so.
2. Niemand will sich was sagen lassen, man hat ja Freizeit, ist unabhängig und schließlich ist ja alles nur ein Hobby, oder?
Ergo, man muss aus dem Feudalsystem (siehe auch Brockhaus) ausbrechen und da bietet sich doch ein Freiherr oder Freifrau oder Freier Ritter oder sowas an.
Voila, geboren ist die Freie Ritterschaft Sowieso, keinem verpflichtet und von edler Herkunft.
Eigentlich fürs HoMi ein relatives Unding, aber naja…
Und leider, Nomen est Omen, sind nicht nur die Namen der allermeisten Ritterschaften mehr als fragwürdig, sondern auch ihr Kleiderschrank.
Die Fragwürdigkeit wird oft noch durch das Unvermeidliche “Marktsprech” untermauert.
Allerdings möchte ich hier auch mal eine Lanze brechen für jedenfalls eine Ritterschaft hier aus meiner Gegend.
Dort zeichnet sich allmählich eine positive Veränderung und ein Umdenken in Richtung “mehr Qualität und Hintergrund” ab.
Wenigstens ist dies bei etwa der Hälfte der Leute zu sehen und es wär doch schön, wenn diese die anderen mitziehen.
Man darf gespannt sein. Viel Erfolg dabei! :-)
Gruß,
Will

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Eintrag #23 vom 14. Sep. 2004 16:01 Uhr Michael Kramer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Kramer eine Nachricht zu schreiben.

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Einen guten Tag an die Herren und Damen dieser Runde.
Mich irritiert etwas an dem vorangegangenen Beitrag:
Unsere Ritterschaft heißt “ Freie Ritter zu Köln e.V.” wo wir auch das Wort “ FREI” verwenden.
Allerdings hat dieses nichts mit einer “Pseudo-Ritterschaft” zu tun, wie Will sich in seinem Beitrag ausläßt.
Wir leben in unserem Lager das Leben des Jahres 1288 ( Schlacht um Worringen) nach und halten uns traditionell ( so gut es geht ;-)) an Vorlagen aus Büchern und Archiven.
Das beinhaltet nicht nur Namen sondern auch Stand, Gewandung, Rüstzeug, Lagerleben, etc…
Wir sind zwar klein, aber fein.
Ergo haben wir auch einen standardgemäßen “Kleiderschrank”
Das einzige was wir auslassen, sind die pompösen Reitertuniere, Schaukämpfe. Dies überlassen wir dann lieber den größeren Ritterschaften in und um Köln.
Das Wort “ frei” muß also nicht zwangsläufig aus dem MA kommen sondern kann, wie in unserem Fall, auch gegenwärtliche Gründe haben.
Heinrich von Montabaur

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Eintrag #24 vom 14. Sep. 2004 17:29 Uhr Olaf Kirchert  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Olaf Kirchert eine Nachricht zu schreiben.

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Den Eintrag versteh ich nicht. Was sind “gegenwärtliche Gründe” Seid ihr frei im Sinne von nicht inhaftiert? Oder wie ist das gemeint?
Olaf
MB1260

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Eintrag #25 vom 15. Sep. 2004 11:55 Uhr David Seidlitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um David Seidlitz eine Nachricht zu schreiben.

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Nun ja,…
… was mit der Bezeichnung “Freie Ritterschaft” (egal ob im zweifelhaften historischen Bezug, oder im noch zweifelhafteren modernen Bezug) oft einhergeht ist das inflationäre Auftreten von “Ritterdarstellern” innerhalb dieser Gruppen.
Das find ich eher merkwürdig…
Im ßbrigen bin ich ernsthaft an der Antwort auf Olafs Frage interessiert.
Gruß,
David
www.familia-ministerialis.de

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Eintrag #26 vom 15. Sep. 2004 16:23 Uhr Maik Elliger  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Maik Elliger eine Nachricht zu schreiben.

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nun muss ich auch mal meinen senf dazu geben….
ich habe dieses thema über die ganze zeit verfolgt und interessiert über das eine oder andere zitat nachgedacht.
ich rede jetzt mal über unseren verein- oh ein verein und keine gruppe…
wir haben uns im jahre 1999 gegründet- und das ist wichtig wegen der namensfindung- da sind 10 personen aus einen anderen verein ausgetreten weil man der meinung war einiges anders und auch besser machen zu wollen und zu können.
da wir uns von den anderen thüringer ritter…. unterscheiden wollten nannten wir uns -freier ritterbund thüringen-
der name hat wenig mit historischen bezügen zu tun das ist klar- soll er auch nicht- er ist eine klare abgrenzung zu denen die wir als -heute- unfrei betrachten.
wir stehen dazu.
übrigens gibt es ganauso viele andere gruppen mit historisch korrekten bezeichnungen und leeren inhalt- der name sagt nichts aus- man muss differenziert den inhalt betrachten und euere verallgemeinerungen sind genau das was das wort bedeutet.
übrigens gibt es bei uns vom bader, buchmaler, knecht, ritter graf eine recht große bandbreite der darstellung- von 60 mitgliedern haben wir übrigens 9 ritter.
und wenn jetzt ein paar leute unsere homepage und gezielt nach “fehlern” suchen - ok-, der weg ist das ziel - ich finde bei jeden fehler wenn man sucht aber da ist die szene ja spitze darin….
trotzdem viel spass
maik
comes henrici de svarzberc
www.ritterbund-thr.de
schwarzburg

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Eintrag #28 vom 15. Sep. 2004 18:45 Uhr Michael Knapp  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Knapp eine Nachricht zu schreiben.

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Mir stellten sich folgende Frage bezüglich “Ritterschaften”:
Ist das nur eine Gruppe …
… die sich einfach nur so nennt ?
… die ähnlich wie die diversen Ritterschaften/-Bünde im 18.,19. Jhdt organisiert sein möchte ?
… die sogar sich einen Ritterorden aus dem 12. Jhdt als Organisationsvorbild nimmt.
Die erste Assoziation war immer mit diversen heute existierenden Burschenschaften, die ebenfalls hierarchisch organisiert sind. Mitunter durch ähnliche Bezeichnungsweisen von diveresen organisatorischen Dingen.
Deswegen schrecken mich persönlich schrecken solche Gruppen immer ein bißl ab, die intern so eine stark hierarchische Struktur haben.
MfG, Michael

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Eintrag #29 vom 15. Sep. 2004 20:22 Uhr Timo Krisch  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Timo Krisch eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo miteinander,
lieber Michael - zu Deinen Fragen:
“Ist das nur eine Gruppe …
… die sich einfach nur so nennt ?
… die ähnlich wie die diversen Ritterschaften/-Bünde im 18.,19. Jhdt organisiert sein möchte ?
… die sogar sich einen Ritterorden aus dem 12. Jhdt als Organisationsvorbild nimmt?”
Ich erlaube mir, dazu mal auf Frage 3 zu antworten: niemand, der sich ernsthaft mit Ordensritterdarstellung befaßt, wird mit der Bezeichnung “Freie Ritterschaft” ohne heftige Kopf- und Magenschmerzen glücklich werden.
Und auch die Bezeichnung “Ritterschaft” wäre so nicht korrekt, sondern muß eher a la “Bruderschaft” lauten.
Anm. dazu: bin selbst Johanniterdarsteller 1220/50…
Bitte dabei unbedingt zu bedenken, daß sich die Organisationsstruktur eines Ritterordens anders zusammensetzt als Lehenspyramide, in welcher sich weltliche Ritter einordnen!
Meiner Ansicht nach sind beide Formen für eine ernsthafte Darstellung notwendig (je nachdem, ob man nun Ordensritter oder weltlichen Ritter darstellt), allerdings setzt dies eben die richtige Einstellung zur ernsthaften Darstellung voraus.
In diesem Sinne
Timo aka Timotheus von Falkenbach

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Eintrag #30 vom 15. Sep. 2004 20:52 Uhr Michael Knapp  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Knapp eine Nachricht zu schreiben.

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Ich meine da nicht die “MA-Organisationsstruktur” sondern um die “Real-Life-Organisation”. Bei manchen Ritterschaften,-bünden etc. scheint die Hierarchie-Organisation auch im Real-Life zu gelten.
MfG, Michael

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