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Eintrag #1 vom 29. Okt. 2001 11:03 Uhr Angelina Von Borcke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Angelina Von Borcke eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo zusammen,
mir ist letzt ein kurzer Text in die Hände geflattert, in dem der “Frisische Mantel” (nicht zu verwechseln mit dem Friesennerz ;) beschrieben wurde.
Er muß um die Zeit Karls des Großen entstanden sein, wurde von ihm jedoch abgelehnt, da er weder “im Bett, noch auf dem Pferd” etwas taugte.
Trotz allem soll er sich später als modische Neuerung durchgesetzt haben.
Wer kennt diese Art Mantel, kennt evtl. Bildmaterial und weiß ihn zeitlich einzuordnen?
Grüße, Angelina.

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Eintrag #2 vom 30. Okt. 2001 20:32 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

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Moin, Angelina.
Bei dem “Friesischen Mantel”, über den Sich Karl der Große äußerte handelte es sich um einen modischen, kurzen Mantel, der außer seiner schieren Existenz anscheinend keinen Zweck erfüllte- weil er zu kurz war.
Karl selbst schien nach Einhard klamottentechnisch eher praktisch bis derb veranlagt zu sein, weshalb er sich über diese Modetorheit äußerst abfällig äußerte.
Ich habe gerade kein vollständiges Zitat parat, aber Karl beklagte hauptsächlich die mangelnde Wettertauglichkeit. So “erstarrten ihm die Beine vor Kälte”, wenn austreten müßte, zu Pferde köne er sich nicht darin einwickeln, und als Bettdecke sei ein solcher Mantel auch zu klein.
Ins blaue geschossen würde ich auf ein gefibeltes Sagum von geringen Ausmaßen tippen, das gerade bis zur Hüfte hinabreichte und vermutlich aus etwas feinerem Stoff bestand als ein “erwachsener” Mantel, der auch als Wetterschutz taugen soll.
Gruß
Ivo

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Eintrag #3 vom 31. Mrz. 2002 17:21 Uhr Thomas Schüttenberg   Nachricht

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Hallo Ihr beiden,
ich stimme Ivo zu, doch über die Art des Stoffes hat er noch nichts gesagt.
In einem Artikel aus den Studien zur Sachsenforschung (s.u.!) habe ich gefunden, das dieses “Friesische Tuch” (pallium fresonicum)seinen Namen vom Herstellungsgebiet hat. Es handelt sich dabei um einen gefärbten Wollstoff in sog. Diamant-Köperbindung, d.h. Kett- und Schußfäden bilden kleine, sehr schmucke Rauten. Beispiele finden sich oft als Hintergründe bei Photos von Repliken, die im Netz angeboten werden; z.B. ein völkerwanderungszeitlicher Gürtel bei HR-Repliken (www.hr-replikate.de/deutsch/index.html). Leider habe ich solch einen Stoff noch nie zu kaufen gesehen, obwohl ich doch auch einen Mantel brauche :-(
Der z.T. in sehr hoher Qualität hergestellte Stoff war eine bedeutende Handelsware und soll auch ein Geschenk Karls an Harun al-Raschid und andere Oberhäupter gewesen sein.
LIT: Bender Jørgensen, L.: “The textiles of the Saxons, Anglo-Saxons and Franks”. IN: Hässler, Hans-Jürgen[Hrsg.](1991):“Studien zur Sachsenforschung”, Band 7. Niedersächsisches Landesmuseum / Abteilung Urgeschichte. S. 11-23.
Schöne Grüße,
ThomaS

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Eintrag #4 vom 26. Jun. 2002 23:23 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Ja, aber...

Moin.
diverse schöne Köperwaren aus Wolle sind schon aus vorkarolingischer Zeit bekannt. Konkret zitieren kann ich nur die Funde von Donzdorf, die aus dem 5.-7. Jahrhundert stammen.
Was Karls schmähung des friesischen Mantels angeht, könnte es neben der mangelnden Größe eventuell auch daran gelegen haben, daß der Stoff zu fein, also für den derben Karl also einfach zu dünne war?!
Nur geraten, nagelt mich nicht drauf fest. Der Text erwähnt nur, daß der Friesenmantel zur kurz war.
Gruß
Ivo

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Eintrag #5 vom 25. Mrz. 2004 00:16 Uhr Alexandra Niebling  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Niebling eine Nachricht zu schreiben.

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Hi Thomas!
Na, endlich mal ne Info zu dem Thema mit Literaturangabe…
ich suche auch schon seit nem Jahr nach dem Friesenmantel.
Grüße,
Alexa von Burgund

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Eintrag #6 vom 25. Mrz. 2004 08:16 Uhr Mike Wendl  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Mike Wendl eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht vollständiges Zitat

“Quid prosunt illa pittaciola? In lecto non possum eis cooperiri, caballicans contra ventos et pluvias nequeo defendi, ad necessaria naturae secedens tibiarum congelatione deficio”
Notger, Gesta Caroli - Quellen zur Karolingischen Reichsgeschichte - Darmstadt 1960
Leider keine Erwähnung explizit als Friesenmantel.
Grüsse
Lui

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Eintrag #7 vom 25. Mrz. 2004 18:42 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

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Die Textilfunde aus Donzdorf finden sich hier:
Der Reihengräberfriedhof von Donzdorf, E. M. Neuffer
Forschungen und Berichte zur vor- und Frühgeschichte in Badenwürtenberg, Band 2
Verlag Müller & Gräff, Kommissionsverlag Stuttgart 1972
darin: Die Textilreste aus dem Reihengräberfreidhof von Donzdorf, H.J. Hundt
Zum friesischen Tuch gibt es recht viele Untersuchungen, die sehr spannend sind.
“Hier liegt also ein Gewebetyp vor, der höchstwahrscheinlich im friesischen Gebiet hergestellt wurde. Der Schluß liegt nahe, daß es sich dabei um das ”Friesische Tuch“. pallium fresonicum, handel könnte, das in schriftlichen Quellen des 8. und 9. Jahrh. mehrfach erwähnt wird” (Am. 12 Monachus Sangallensis. Monumenta Carolina 1867, 677, 699 Bibl. Rerum Germanicorum IV, Red. Phil. Jaffé, Berlin)
zitiert aus
Textilfunde aus dem Mittelelbe-Saale-Gebiet
Lise Bender Joergensen
in Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschcihte Band 71 VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1988
“Seitdem ist in der Fachliteratur fast ausnahmslos die Bezeichung pallium fresonicum mit der Bindungsart Diamantköper assoziiert worden und die Begründungen dafür werden kaum mehr in Zweifel gezogen.”
zitiert aus
Friesisches Tuch, Inga Hägg
in Textilsymposium Neumünster
Archäologische Textilfunde - Archaeological Textiles
4.-7.5.1993 (NESAT V)
Vielleicht helfen diese Texte weiter.
Sylvia
Projekte zur lebendigen Geschichte e.V. (i.G.)

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Eintrag #8 vom 29. Mrz. 2004 16:35 Uhr Michael Tegge  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Tegge eine Nachricht zu schreiben.

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Eala frya Fresena
Korrekt ist die Beurteilung des Pallium Fresonicum als Diamantköper.Ob der “Friesenmantel allerdings auch in Friesland hergestellt oder nur von Friesen gehandelt wurde ist nicht ganz geklärt.Zum einen ist die friesische Herstellung möglich, da die Friesen zu dieser Zeit auch Wolle aus England importierten , diese webten und fertige Tuche wieder nach England exportierten.Andererseits spricht die mangelnde Wettertauglichkeit auch für die Annahme , daß es sich bei den ”Friesenmänteln“ um Orientalische Produkte handelte , die von den Friesen weiterverkauft, oder verarbeitet und weiterverkauft wurden.Das ”Fresum Faciens" hingegen wurde grundsätzlich in Friesland hergestellt.Die Foemina Fresum Faciens war ein im Friesischen Recht besonders geschützter Frauenberuf.Bei diesem Produkt handelt es sich um hochwertige Borte unter Mitverwendung von Gold - und anderen Metallfäden.
Die Kritik Karls am besagten Mantel wurde meines Wissens nach erst laut, als die Friesen anfingen ,um ein Drittel kürzere Mäntel zum gleichen Preis zu verkaufen wie die ursprünglich langen.
Zumindest beschenkte Karl Harun al Raschid - und auch Hofbeamte jährlich mit diesem begehrten Modeartikel.Das Kloster Fulda bezog jährlich 700 bis 800 davon,um sie teilweise mit Gewinn weiterzuverkaufen.
vgl dazu: F.Kurowski-Die Friesen, B.Rohwer-Der fries.Handel im frühen MA.,G.Sello-Fries.Studien
Michael de Egge,de Fresena

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Eintrag #9 vom 30. Mrz. 2004 09:56 Uhr Sylvia Crumbach  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sylvia Crumbach eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
Kannst Du bitte präzisieren wer die These zum Herstellort des “friesischen Tuches” aufgestellt hat, bzw. welche Agumente vorgelegt werden?
Ich verweise in diesem Zusammenhang nochmals auf den , in meinem letzten Eintrag, zierten Artikel von Inga Hägg. Bzw. auf die Kontinuität der Textielherstellung und Exporte aus dem friesischen Bereich.
Sylvia
Projekte zur lebendigen Geschichte e.V. (i.G.)

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Eintrag #10 vom 30. Mrz. 2004 16:33 Uhr Michael Tegge  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Tegge eine Nachricht zu schreiben.

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Moin
Sicher war die Tuchherstellung/Weberei eine der Hauptkapitalquellen Frieslands.Die Bezeichnung“Friesisches Tuch” allgemein bedeutet jedoch nur ,daß diese Ware von Friesen verkauft wurde.Vgl. dazu Barbara Rohwers Inaugural- Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.Für diese Annahme spricht weiterhin , daß “Regensburger” Tuche im 12.Jh.Stoffe italienischer und orientalischer Herkunft waren, die von Regensburger Kaufleuten in England und Frankreich verkauft wurden.Die gleichen Regensburger Händler verkauften auch in Wien “Kölner Tuch”, das aus Flandern nach Köln gekommen war. Die “Kölner Schwerter” des späten Mittelalters stammten aus Solingen,wurden aber von Kölner Händlern vertrieben.Vgl.Rohwer,Heimpel-Das Gewerbe der Stadt Regensburgim MA,Bechtel- Der Wirtschafsstil des D.MA.
Nach Ermoldus Nigellus waren die “Bunten Tuche” die bekannteste Handelsware der Friesen am Rhein(als Markt).
Den Klunazensern verbot interessanterweise ihre Ordensregel das Tragen feiner Tuche ,zu denen auch explizit die Friesischen genannt wurden.
Da von den Friesen jedoch auch Seidenstoffe gehandelt wurden , die dann ebenfalls als Friesisches Tuch galten, steht die Herkunft wirklich nicht fest.Für eine Friesische Herstellung spricht wiederum Friesisches Landrecht (17 Küren und 24 Landrechte ) des 13.Jh., in denen der Hausherrin das alleinige Recht der Aufsicht bei der Herstellung der Blauen Friesischen Mäntel zugesprochen wird.Vgl Die Friesische Freiheit des Mittelalters von Hajo van Lengen.
Farwälje
Michael de Egge,de Fresena

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Eintrag #11 vom 14. Apr. 2004 02:06 Uhr Alexandra Niebling  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Niebling eine Nachricht zu schreiben.

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hmmm…
das klingt alles sehr interessant- ich werde mir Eure Literaturangaben mal rausschreiben und sehen, was die Freiburger Unibibliothek davon so alles ausspuckt.
Vielen Dank für die detaillierten Infos!
Grüßle, Alexa.
Alexa von Burgund

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