Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Gefangenschaft & Tod

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Eintrag #3 vom 13. Jan. 2001 19:00 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

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Ist ja toll, Udo, daß Du meinen Text von vor zwei Jahren fast völlig übernimmst! Aber mal sehen, ob Du auch so angestunken wirst wie ich bisher, wenn ich das Thema ansprach. Gruß v. Arlen

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Eintrag #2 vom 13. Jan. 2001 18:13 Uhr Andreas (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Andreas eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Udo, interessantes Thema, das Du da ansprichst. Die Antwort auf die “historischen Fragen” überlasse ich berufeneren Leuten, da das wirklich nicht “meine Zeit” ist. Zu Deinem Vorschlag, solche Gefangennahmen und Lösegeldforderungen in die Schlachtdarstellung im “lebendigen Mittelalter” einfließen zu lassen kommen mir spontan zwei Gedanken: 1. Es wäre schön, wenn sich so etwas mehr Realismus in die Darstellung bringen liesse. 2. Leider wird die Sache wahrscheinlich an der Natur der “Mittelalterszene” in Deutschland scheitern. Auf Punkt 1 muß ich wohl nicht näher eingehen. Zu 2. will ich aber noch was sagen, auch auf die Gefahr hin dafür “getadelt” zu werden. -In historischen Gefechten waren lohnende Opfer für Lösegeldforderungen wohl eher in der Minderheit. Bei “uns” gibt es sie im ßberfluß. Da könnten sich fast alle HMA-Darsteller gegenseitig verhaften. -Da bei uns ja (zum Glück) ohne “tödliche Gewalt” gekämpft wird, steht es zu erwarten, daß viele Teilnehmer an Schlachten sich genauso ungern gefangennehmen wie töten lassen. Die Gefahr, daß “Unsterbliche” in Blutrausch geraten dürfte durch eine versuchte Gefangensetzung erheblich steigen. -Die Behandlung des Gefangenen Gegners setzt eine gewisse moralische Größe des Siegers voraus. Diese streite ich hiermit manchen Aktiven ab. Auch eine Minderheit kann großen Schaden anrichten! -Dieselbe moralische Größe muß natürlich auch der Gefangene aufbringen. s.o. Eigene Erfahrungen (Zum Beispiel beim nächsten “Bauernaufstand” in Herzberg, wo sich ja leider letztes Jahr alle “Nichtbauern” (bis auf einen!) der Gefangennahme widersetzten und sich auf eine Bereicherung der Darstellung in keinster Weise eingelassen haben.)lassen mich befürchten, daß dein Vorschlag (zumindest bei allgemeiner Umsetzung) scheitern müßte. Ich lasse mich aber natürlich gern vom Gegenteil überzeugen, vor allem da dies zu einer Abnahme “der Häuptlinge” und einer Zunahme “der Indianer” (jemand muß ja das Lösegeld aufbringen!) führen könnte. Gruß,
Indy (Tassilos Rache)

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Eintrag #1 vom 13. Jan. 2001 15:24 Uhr Udo Brühe  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Udo Brühe eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe Fragen zur Thematik der Gefangenschaft und des Todes im Kampfe, ganz explizit - und ich weiss, das wird einigen stinken - im Zusammenhang mit der Ritterschaft. Auf Veranstaltungen mit “Schlachten” und “Gefechten” sieht man immer wieder, wie der Ritter bis zum “letzten Atemzuge” kämpft und fällt…folglich ist das Feld mit “Toten” übersäht. Das dies nicht dem historischen Bild entspricht ist zwar klar, dennoch wird - aus welchen Gründen auch immer - der Aspekt der Gefangennahme bzw. der Kapitulation immer wieder freundlich übersehen. (Ich bitte an dieser Stelle die Freunde der anti-ritterlichen Polemik, sich mit ihren tiefenpsychologischen Erklärungsversuchen zurückzuhalten.) Ich kann mir vorstellen, das dieses Moment in der Darstellung von Gefechten einen zusätzlichen, interessanten Aspekt darstellen könnte, wenn man ihn den Leuten nur vermittelt. Meine Frage nun: man liest immer wieder von Schlachten des Mittelalters (Worringen, Poitiers, Crecy, Acincourt…im SMA z.B. Padua) in deren Beschreibungen davon die Rede ist, das eine Anzahl Ritter und Fürsten dem Sieger als Gefangene in die Hände fiel. Zum Teil nach erbitterter Gegenwehr bzw. ßberwältigung, zum Teil auch dadurch, das diese sich dem Gegner ergaben nachdem sie ihre Sache als aussichtslos erkannten (Siegfried von Westerburg bei Worringen 1288 z.B). Daß das Machen von Gefangenen durchaus beabsichtigt war (weil fette Lösegelder oder oder für den Sieger vorteilhafte Verträge winkten), erfährt man unter anderem durch Jan van Heelus Beschreibung der o.g. Schlacht, in der er davon erzählt, wie der Kölner Erzbischof und sein Gefolgsleute in den Kampf zog und Seile und Ketten mit sich führte, mit denen man den Gegner binden wollte. Kann man sagen, daß das Machen von Gefangenen wichtiger war als das Töten des adligen Gegners? War es ehrenvoll für einen Ritter, sich gefangennehmen zu lassen? Wenn ja, gab es da Abstufungen bzw. kam es darauf an, WEM man sich ergab? Von Johann II. von Frankreich weiss man, das er nach erheblicher Gegenwehr von einem flandrischen (?) Ritter gefangengenommen wurde, aber auch erst nachdem er sich weigerte, von einfachen Kriegsknechten oder englischen Rittern entwaffnet zu werden. Konnte man es sich als höherer Herr aussuchen, wem man sich auslieferte? Hatten Bauern, bzw. Soldaten das Recht, Ritter gefangen zu nehmen und von ihnen Lösegelder zu fordern? Wie war es mit dem Ansehen desjenigen bestellt, der nach seiner Gefangennahme und Zahlung eines Lösegeldes wieder in Freiheit gesetzt wurde? Galt es als unehrenhaft, sich vom Felde zu entfernen nachdem die Schlacht verloren war und man sich so einer Gefangenschaft entzog? Die französische Ritterschaft hatte meines Wissens unter einem enormen Prestigeverlust bei der Bevölkerung zu leiden, nachdem Johann II. in englische Gefangenschaft geriet und van Heelu bedenkt den Ritter von Keppel mit verächtlichen Sätzen, da dieser es noch vor Ende der Worringer Schlacht vorzog, das brabantische Lager zu plündern und sich davon zu machen statt dem Westerburger zu Hilfe zu eilen… Jetzt noch was zum Tode auf dem Schlachtfeld: Wurden tote Ritter wie Soldaten in Massengräbern beerdigt? Erhielten sie standesgemäße Begräbnisse in Krichen und Kapellen der näheren Umgebung? (In der Kirche bei Poitiers wurde angeblich nach der Schlacht der Fussboden aufgegraben, um dort die toten Ritter in drei (!) Lagen zu bestatten…stimmt das?) Wurden gefallene Ritter heimgebracht? Fragen über Fragen! Noch was: Wie kann man Gefangennahme bzw. Kapitulation in das Geschehen auf dem “Schlachtfeld” einflechten? Soll man sich vorher absprechen oder dies dem Zufall überlassen? Soll man tatsächlich “Lösegelder” bezahlen oder dies aussen vor lassen? Soll man das überhaupt in “Schlachten” mit einfließen lassen? Euere Meinung bitte!
Udo

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