Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Gefüttert/ungefüttert - Wolle/Leinen?

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Eintrag #5 vom 27. Apr. 2004 18:53 Uhr Ulrike Hofmockel  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrike Hofmockel eine Nachricht zu schreiben.

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… für die schnellen Antworten. :-) Jetzt bleibt für mich nur noch als Frage, warum Leinen teuerer war als Wolle. Flachs zu brechen und zu verarbeiten ist doch kaum mühsamer als Wolle vom Schaf weg zu Garn zu machen, oder doch?
Gruß Ulrike

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Eintrag #4 vom 27. Apr. 2004 18:11 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Leinengewand... zu warm?

Im Thread “Farben und ihre Symbolik” hatte ich (als Beispiel für blaue Stoffe) mal was aus einer Maere von dem Stricker zitiert, da kam auch ein leinenes Gewand für eine Bäuerin vor; vom ganzen Kontext her war das aber was Besonderes - aber immerhin auch etwas durchaus Mögliches.
Allerdings: Die Sorge, daß ich mich in einem Wollkleid totschwitzen würde, hatte ich auch mal. Erinnere Dich an den letzten Sommer: Heiß und trocken bis zum Umfallen, und an einem der heißesten Wochenenden war das Treffen in Torgelow. Und, wie vorauszusehen war: Ich habe geschwitzt in meinem Leinenunterkleid und meinem Wollkleid. Und als die Veranstaltung offiziell vorbei war, hab ich mein Wollkleid ausgezogen und über das Unterkleid mein altes Leinenkleid gezogen: Ergebnis: Ich habe geschwitzt wie vorher. Kein bißchen luftiger.
Ergebnis: Es stimmt nicht, daß Wolle immer wärmer ist als Leinen. Es kommt auf auf die Dicke des Stoffes an. Für Winter und wetterfeste ßberkleidung kann es dann ruhig etwas dickerer Loden sein, für alle Gelegenheiten vielleicht eine Köperbindung, die ähnlich dicht ist wie Jeansstoff, und für den Hochsommer ein ganz leichter und luftiger Wollstoff.
Bis denn
Karen Thöle (und: Sag niemals nie)

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Eintrag #3 vom 27. Apr. 2004 17:13 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Leinen ist als Oberbekleidungsstoff ist nachgewiesen - aber hier ist halt der Stand, Ort und Anlass von Bedeutung (siehe "Fashion in the Age of the Black Prince, italienische Schreiber, ca. 1345).
Wenn ich keine andere Garderobe besitze, und Leinen sündhaft teuer ist, ist es wohl unwahrscheinlicher, da Wolle einfach wärmt, und im Zweifel die Klamotte im Winter warm halten muss.
Daher schliesse ich mich im Grossen und Ganzen meinen Vorredner an…
Gruss, Jens, IG MiM e.V.

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Eintrag #2 vom 27. Apr. 2004 16:41 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Also....

Vorneweg: Du sprichst in deinem Beispiel die Zeit um 1350 an, ich gehe also davon aus, daß die gesamte Frage auf diese Zeit abzielt.
Gut, dann der Reihe nach:
Den Terminus “IMMER”, vor allem fettgedruckt und in Stein gemeißelt, den sparen sich die meisten Leute, die sich länger mit der Recherche allgemein beschäftigen.
Niemand kann sagen, was IMMER war. Aber man kann mit großer Wahrscheinlichkeit nach gewisser Recherche sagen, was zumeist/die Regel gewesen ist.
Und in der Regel war die Oberbekleidung aus Wolle.
Wolle hat für Oberbekleidung so einige Vorteile.
Wolle läßt sich besser färben, Leinen nimmt im Vergleich nur sehr wenige Farben an und diese auch nur schlecht.
Wolle ist glatter, hat einen leichten Glanz, ist dichter, fällt besser, wirkt edler.
Aus eigener Erfahrung:
Selbst bei mehr als 30° kann man in der Wollcotte noch gut unterwegs sein, der Temperaturhaushalt in Wolleklamotten ist sehr gut.
Auf die Frage “wer kann beweisen, daß es nichts aus Leinen gab?” gehe ich garnicht weiter ein, damit läßt sich alles herbeireden, das muß nicht sein.
Zum Füttern:
So wie ich die Quellenlage im Kopf habe, gibt es eine bunte Mischung von gefütterter und ungefütterter Ober(zwischen)kleidung.
Ich würde die Schichten folgerndermaßen aufbauen:
1) Leibhemd aus Leinen
2) Kotte/Kleid aus Wolle, optional gefüttert
3) Surcot aus Wolle, gefüttert.
Das Leibhemd als einziges Kleidungsstück höchstens bei schwerer körperlicher Arbeit, in der Regel mindestens die Kotte als Oberbekleidung, Surcot optional als Ausgehkleidung.
Wie gesagt, das nur als “Regel” regionale und situationsbedingte Abweichungen hat es mit Sicherheit gegeben.
Aber damit ist man für die Darstellung auf der sicheren Seite, eine seltene Ausnahme darzustellen, davon kann ich nur abraten.
Gruß, Ivain

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Eintrag #1 vom 27. Apr. 2004 16:05 Uhr Ulrike Hofmockel  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrike Hofmockel eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Mal was generelles zum besseren Verständnis...

Ich finde es noch etwas verwirrend, genau zuzuordnen, was nun wohin gehört. Irgendwo habe ich gelesen, daß Oberbekleidung IMMER gefüttert ist, Oberbekleidung soll ja auch IMMER aus Wolle sein.
Frage a) Kann im Sommer eine Kotte über dem Hemd nicht auch aus Leinen sein, vor allem in der Stadt? Denn wenn man nicht im Hemd rumlaufen durfte und es hat 30 Grad kann ich mir nicht vorstellen, daß da jeder begeistert in Wolle rumgelaufen ist. Und: wer kann beweisen, daß es nichts aus Leinen gab?
Bei Bauern kann ich es mir aus Kostengründen vorstellen, daß alles aus Wolle war, bei besseren Handwerkern und allem davon aufwärts könnte doch durchaus ein “Sommerkleid” drin gewesen sein?
Frage b) Wenn alle Oberbekleidung gefüttert ist, dann hieße das doch um 1350 z. B.
- Kotte alleine gefüttert
- Kotte mit Surkot nur Surkot gefüttert
- Cotardie gefüttert
Hat jeder, der einen Surkot besitzen kann zwangsläufig mehrere Kotten, nämlich gefüttert und ungefüttert, und ist bei jedem, der sich keinen Surkot leisten kann die Kotte somit immer gefüttert? Oder ist das auch abhängig von der Qulität der Wolle (dünne Wolle - immer gefüttert/dicke Wolle - es geht auch ohne)?
Vor allem im Sommer ist mir das Wolle auf Wolle tragen bei Kotte und Surkot nicht so plausibel. Obwohl ich auch nicht weiß, was für Temperaturen in einem mittalalterlichen Stadthaus geherrscht haben (hat jemand, der genug Geld für einen Surkot hatte ein Steinhaus oder war das noch eine Nummer zu groß?), so daß Wolle auch im Sommer ganz angenehm ist, wenn man nicht ständig draußen ist.
Vielleicht kann jemand meinen Vorstellungen etwas auf die Sprünge helfen.. Merci.
Gruß Ulrike

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