Will den Tread mal wiederbeleben! Hab heute in einem Second-hand-Laden einen karierten Wollstoff gefunden und würde daraus gerne ein Frauenkleid um 1265 schneidern (natürlich nicht für mich *gg*). Es Handelt sich um ein Schachbrettmuster, bei dem 3 unterschiedlich gefärbte Fäden verwendet wurden, wodurch durch ßberlagerung der Fäden in den einzelnen Kästchen 6 verschiedene Farben entstanden sind. Gab es solche Stoffe schon zu dieser Zeit? Wenn ja, wurden sie auch für Gewandung verwendet oder nur für die bereits erwähnten Sitzkissen?
ich beschäftige mich mit dem orientalischen Gewand um 12. Jahrh. Arabische Kavallerie. Die hatten in höheren Rängen sehr reich verzierte Gewänder. Unter Anderem auch angeblich bedruckte (damit ein Muster auf den Stoff kommt). mit welcher Art Farbe wurde so etwas wohl gemacht?
also FMA auf alle Fälle. Karos waren doch der modische Schrei der Kelten schlechthin :))
In der Eisenzeit gab’s Karos auf alle Fälle auch schon, man denke z.B. an Thorsberg.
Wenn das Garn vor dem Weben gefärbt wurde, dann sind die einfachste Art, Farbe ins Spiel zu bringen. Der einzige Grund, uni-farbene Stoffe zu verwenden, wäre das Färben nach dem Weben gewesen.
Wie sah’s damit im HMA aus? Erst Färben, dann Weben oder erst Weben, dann Färben?
…jetzt alles und jeder zu Karstadt rennt um da Baumwolle zu bunkern, sollte man dazun vielleicht erwähnen, das diese Importe nicht die Regel, sondern allenfalls die kostspielige Ausnahme waren, die sich auch nicht jeder leisten konnte.
Das sollte man nicht vergessen, bevor man sich auf mintfgrüne BW mit Paisley-Muster einschießt!
in mehreren Veröffentlichungen ist auch der Import von bedrucktem (!) Baumwolltuch aus Syrien und Palästina erwähnt worden. Leider ohne Abbildungen der Muster…
also im FMA kann ich Dir Versichern, da gab’s karrierte Stoffe. Ich müsste am Wochenende in den Büchern nachschauen um fundierte Quellen zu nennen, kann mich aber auf jeden Fall an einen Mantel erinnern der karriert war/ist (Realienfund aus irgendeinem Grab) Wie das mit Alltags- oder Festgewändern aussah weiß ich allerdings leider nicht. Und zum HMA kann ich auch nix sagen. Falls Dich (oder wen anders) die Quellen interessieren poste ich sie hier.
ich möchte mir bald mein “ERSTES GEWAND” selber nähen. Ich hätte einen wunderschönen, leicht karierten Stoff. Nun die Frage: Gab es im FMA überhaupt karierten Stoff?
Und wie war das im HMA?
Bin gespannt auf eure Antworten, möchte gern Aufgeklärt werden. ;-)
…südlich der Alpen wurden im 13. Jhdt. gerne Kleidungsstücke mit 2-4 farbigen Streifenmustern getragen. Zu sehen im Falkenbuch Friedrichs II. voh Hohenstaufen.
Längsgestreifte und weit geschnittene ßberkleider werden dort von den höfischen Falknern getragen. Dort zumindest eines der angesehensten ßmter, also sozial hochstehende Personen.
Zugegeben, das sieht für unsere Augen seltsam aus, ist aber der damalige modische Schick bei Hofe…
Mich interessiert die Frage der Verwendung von mit einfachen Webmustern wie Streifen oder Karos versehenen Stoffen fuer Kleidung.
Im “Stauferkatalog” habe ich eine Alba entdeckt, die durch die abwechselnde Verwendung dickeren bzw. duenneren Garns fuer den Schussfaden (und damit einhergehende Aenderung der Webdichte) ein streifenartiges Muster besitzt. Die Farbe ist allerdings gleichbleibend. Die Alba ist ausserdem bestickt.
Weiterhin ist mir aufgefallen, dass auf Buchillustrationen die Kissen, auf denen hoehergestellte Leute sitzen, oft kariert sind. In den Karos koennen dann noch weitere Ornamente auftauchen, bei denen nicht klar ist, ob sie eingewebt oder aufgestickt waren. (Dass die Karos gestickt worden sein koennten, nehme ich eher nicht an)
Auch bei der Skulptur des Paares im Magdeburger Dom, von dem man annimmt, dass es Otto I. und seine erste Frau Edgith darstellt, ist das Sitzkissen kariert.
Nun die Frage: Gibt es Belege fuer die Verwendung von gestreiftem bzw. kariertem Stoff fuer Kleidung im HMA?
Ich meine damit nicht unbedingt auffaellig “gewuerfelte” Stoffe wie bei den Sitzkissen, sondern auch eher unauffaellige Karos aehnlich den “Schottenstoffen”.
In einem anderen Thread wurde erwaehnt, dass mit gestreifter Kleidung soziale Aussenseiter gekennzeichnet wurden, aber die Quasi-Streifen der oben erwaehnten Alba zeigen, dass dezentere Varianten gesellschaftlich ok gewesen sein muessen. Gibt es noch weitere Beispiele?
Hat jemand vielleicht diese Alba mal aus der Naehe gesehen?
bei Ebay laufen unter Antiquitiäten → Textilien öfters mal Auktionen von Druckstempeln. Da kann man sich ein Bild vom ungefähren Aussehen dieser Stempel machen.
Moin Ich habe folgendes über Zeugdruck im MA gefunden: Der Zeugdruck begann um 1420 in Europa. Das bzw. die Motive wurden in Linden- oder Buchsbaumholz geschnitzt und mit Farbe auf Stoff gedruckt. Teilweise wurden der Stoff, nach dem Druck noch koloriert. Quelle: Textilkonservierung im Dinste der Forschung Leider gibt die Quelle, nicht die zusammensetzung der üblicherweise verwendeten Farben an. Wer es möge doch bitte sein Wissen preisgeben. Grüße Johann Uhl
Moin zusammen, kurz noch zur Ergänzung von Andreas Posting. Im Gegensatz zu späteren Zeiten scheint zu karolingischer Zeit der Modeldruck doch einigermaßen verbreitet zu sein. Wenn man mal Bilder aus der Zeit ansieht, werden relativ häufig regelmäßige Punktmuster verwendet. Bis dann Thorsten
Moin Andrew, eigentlich liegst du mit den Kartoffeln gar nicht so verkehrt! :o) Textildruck (Zeugdruck) ist eine der ältesten und einfachsten Techniken, um Muster auf einen Stoff aufzubringen (Loschek 476 - 477). Zunächst bemalte man den Stoff einfach mit den Fingern oder einem Pinsel. Die ßgypter entwickelten dann den Reservedruck (Eberle u.a. 90). Der noch ungefärbte Stoff wurde mit Wachs bemalt und anschließend gefärbt. Wo das Wachs aufgetragen war, konnte der Farbstoff nicht in die Fasern eindringen, nach dem Färbevorgang mußte man nur noch das Wachs auswaschen. Eine weitere, sehr alte Form ist der Model- oder Reliefdruck. Ein zunächst irdener (15. Jh. v. Chr.), später auch hölzerner (7./8. Jh. v. Chr.) Stempel wurde in regelmäßigen Abständen (Musterrapport) auf den Stoff aufgedrückt, um das gewünschte Muster entstehen zu lassen. Bis ins späte Mittelalter wurde diese Technik aber nur selten eingesetzt.;vor allem Klöster nutzten diese Technik für sakrale Stoffe. Im weltlichen Bereich nutze man den Zeugdruck hauptsächlich als Grundlage für Stickereien und Tapeten. Das ausgehende Mittelalter brachte eine Verfeinerung der gedruckten Muster mit sich, was auf die Verwendung von Metallstempeln hinweist. Ende des 15. Jh. entwickelte sich der Zeugdruck zu einem echten Handwerk. In Italien gibt es ein kleines Familienunternehmen, das bis zum heutigen Tag Tischdecken mit Holz-Druckstöcken herstellt. Andreas ___ Eberle, Hannelore [u. a.]. Fachwissen Bekleidung. 4., überarb. Auflage. Haan-Gruiten: Europa Lehrmittel, 1995). ISBN 3-8085-6204-8. Loschek, Ingrid. Reclams Mode- und Kostümlexikon. 4. Auflage. Stuttgart: Reclam, 1999. ISBN 3-15-010448-3.
Eine sehr preiswerte Alternative bot sich mir kürzlich beim Türkeiurlaub in Form von derber Baumwolle mit fast orientalischem Druckmuster. Mit nem passenden Obergewand, natürlich uni und passend, sieht das schon recht gut aus. Naja, und wer viel Zeit hat, kann auch Muster sticken. Hab ich früher öfter gemacht, auch großflächig. Ist seeeeehr erholsam und fördert die Geduld, aber bietet auch unglaubliche Möglichkeiten und Variationen.
Wenn Du weisst, welche Muster Du brauchst, schaue durchaus mal in Kaufhaus und in der Restetruhe. Es gibt nichts was es nicht gibt. (Ein bischen Glück gehört schon dazu.) Und für den richtigen Preis gibt es durchaus Handwebereien, die dir alles machen was Du willst.
Tja, und wo bekomme ich diese her? Richtig schicke mittelalterliche Muster lassen sich wohl kaum in der ´Restetruhe´ finden. Ich habe auch schon Weber darauf angesprochen - ohne Erfolg. Soweit ich weiss gab es allerdings neben gewobenen Mustern auch solche, die aufgedruckt wurden. Hatz jemand Ahnung, wie man setwas heutzutage machen könnte (Kommt mir nicht mit Kartoffeldruck!)? Grüsse,