Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Gewandung einer Adligen um 1000

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Eintrag #1 vom 02. Okt. 2002 20:55 Uhr Aniara Bertelt   Nachricht

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Hallo !
Ich weiß nicht warum, aber irgendwie habe ich niergendwo wirklich KONKRETE Angaben zur Kleidung im (ich glaube es ist noch) Frühmittelalter gefunden. Auf einer Seite steht, dass zu der Zeit der Kleiderschnitt noch nicht erfunden war. Was heißt das konkret ?
Ich spiele eine wirklich sehr reiche Adlige im Jahre 1002. Was für Möglichkeiten habe ich da für die Gewandung und Accessoires. Ich besitze ein Hochmittelalterkleid, dass ist aber tailliert. Wie siehts damit aus ? Vielleicht kann mir jemand helfen. Ich bin noch nicht so lange im Mittelalter und hab bis jetzt das Gefühl, dass meistens nur Hochmittelalter gespielt wird.
Bis dann
Aniara

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Eintrag #2 vom 03. Okt. 2002 09:56 Uhr Henry Skodell   Nachricht

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Wie reich?
Wenn´s wirklich sehr reich sein soll, sieh Dir das Diözesanmuseum im Bamberger Dom an. Oder den aktuellen Ausstellungskatalog Heinrich II.
Da siehst Du was die WIRKLICH Reichen im Jahre 1002 getragen haben. Und mach Dir keine Hoffnungen, sowas ist glaube ich nicht finanzierbar…
Wir stellen übrigends auch Reich um 1000 dar. Manchmal.
Grüße
Henry

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Eintrag #3 vom 03. Okt. 2002 20:23 Uhr Aniara Bertelt   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht nicht übertreiben...

Naja, es sollte schon im Rahmen des machbaren liegen. Das Problem, dass ich nur habe ist, dass die meisten Schnittmuster die es gibt ja schon tailliert sind oder sogar mit Trompetenärmeln.
Wie sieht es aus mit Borten ? Und mit ßberkleid/Unterkleid ? Wie aufwendig darf das sein ?
Aber ich werde mich nach den angegebenen Quellen auf jeden Fall mal umsehen. Vielleicht finde ich da ja die Inspiration. Dankeschön
Gruß Aniara

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Eintrag #4 vom 20. Aug. 2003 09:25 Uhr Oliver (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Oliver eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Frauenkrawatte?

Es ist schon ein wenig her, das es hier was geschrieben wurde, aber interessant ist es schon!
In der ottonenzeitlichen Frauenkleidung fallen diese frontalen Mittelstreifen auf den Kleidern auf, welche vom Auschnitt bis zum Saum gehen. In Meppen am Wochenende habe ich eine schöne Rekonstruktion davon gesehen. Dort war dieser Streifen aufgenäht, eine andere Theorie besagt dieser Streifen wird als eine Art Schal oder Krawatte separat vom Kleid getragen!? Eine weitere das dies wohl auch einen klerikalen Hintergrund hat!?! Weiß jemand mehr darüber, mir ist auf alle Fälle aufgefallen, das der gehobene Stand damit herumlief! Gibt es einen Namen für das Ding?
Gruß
sascha.klauss.bei.t-online.de

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Eintrag #5 vom 20. Aug. 2003 13:18 Uhr Angharad Beyer   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Zierborten

Der “Mittelstreifen” des Frauenkleides hat seinen Ursprung kostümgeschichtlich in den römischen Clavi, zwei Längsstreifen, die auf der Tunika neben dem Halsausschnitt von den Schultern nach unten verlaufen. In der Spätantike verschmolzen diese Streifen z.T. zu einem mittigen Streifen, zudem kamen Verzierungen um den Halsausschnitt, an
den Schultern und ßrmeln auf. ßber Byzanz gelangte diese Dekoration dann wieder nach Westen, in der karolingischen Mode sehr gut zu erkennen. Die Frauenbilder im Stuttgarter Psalter zeigen diese Zierborten z.B. sehr gut.
Es gibt Vermutungen, daß besonders in Byzanz und im deutschen Königs-/Kaiserornat diese Streifen tatsächlich nicht auf das Kleid/die Tunika aufgenäht waren, sondern extra getragen wurden. Schwere, feste Seidenstoffe wurden mit Edelsteinen und Goldfäden so besetzt, daß sie zu steif waren für Bewegungen. Die hohen Damen (und Herren) hängten sich also das ganze Ding, bestehend aus Kragen, zwei Streifen vorne und hinten sowie dem
Saumstreifen, einfach über. Das würde auch erklären, warum auf vielen Abbildungen die Kleider in reichen Falten gemalt sind, wogegen die
“Besatz”streifen völlig faltenlos sind. Wenn ich lange genug suche, finde ich auch noch die Textstelle, wo ich das gelesen habe ;-)
Wer nicht gerade die Kaiserin darstellt, kann jedoch guten Gewissens aufgenähte und ggf. bestickte Borten verwenden. Für reiche Leute ist natürlich Seide gerade richtig ;-) Hier ein Bild: www.rete-amicorum.de/projekte/tracht/[…]/th_dame.J[…]
Mit klerikaler Bedeutung kenne ich mich nicht aus, aber der römisch-katholische Priesterornat stammt ja aus der spätantiken/mittelalterlichen Bekleidung und hat daher auch Schmuckelemente übernommen.
Angharad

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Eintrag #6 vom 20. Aug. 2003 13:27 Uhr Oliver (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Oliver eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Theophanu

Danke für die Info,
soweit ich mich an die Führung durch die Magdeburger Ausstellung über Otto den Großen erinnere, wurde dort erklärt, das der Halsschmuck der Theophanu auf eine Art stoffbezogenen Brett (bestimmt nicht aus Holz) um den Hals der Kaiserin getragen wurde.
Das würde mit der Theorie der separaten Streifen übereinstimmen…?
Gruß
sascha.klauss.bei.t-online.de

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Eintrag #7 vom 17. Apr. 2005 13:48 Uhr Carina Schmid  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Carina Schmid eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
wie sah denn ein Kleid für eine Adelige nun aus, über den Mittelstreifen wissen wir ja jetzt Bescheid, aber waren diese Kleider tailliert, also geschnürt, war das Unterkleid länger und hatte eine kleine Schleppe, während das Oberkleid Hängeärmel hatte und kürzer war? War das Oberkleid kontrastfarbig gefüttert und das Unterkleid nicht? Wie sieht es mit der Kopfbedeckung aus? Aus welchen Stoffen konnten all diese Kleidungsstücke sein?
Liebe Grüsse, Carina

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Eintrag #8 vom 27. Apr. 2005 15:15 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Carina!
Auf den Bildern aus der Ottonenzeit gibt es verschiedene Varianten:
Oberkleid kürzer als Unterkleid: man sieht also einen Teil des Unterkleides
Oberkleid länger als Unterkleid
ßrmel d. Oberkleides länger als ßrmel des Unterkleids
ßrmel des Oberkleides kürzer als ßrmel des Unterkleides: sie sind dann nur etwa T-Shirt-ßrmellang oder gehen bis zur Armbeuge. Die ßrmel sind dann auch weiter als der eng anliegende Unterarmsärmel.
Tailliert werden die Kleider mit einem Gürtel.
Ich schätze mal, daß die in Frage kommenden Stoffe wie immer Wolle, Leinen und Seide sind. Samt gab es noch nicht.
Quelle für diese Bemerkungen ist vornehmlich das Buch “Europas Mitte um 1000” und bezieht sich auf die Abbildungen darin.
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #9 vom 02. Mai. 2005 17:02 Uhr Carina Schmid  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Carina Schmid eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Anna,
vielen Dank, jetzt hab ich endlich mal eine konkrete Vorstellung ;-)
Liebe Grüsse, Carina

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Eintrag #10 vom 14. Mai. 2005 15:39 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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Als Kopfbedeckung (hab ich bei der ersten Antwort übersehen) wurde meistens ein Kopftuch getragen, das an einer Seite irgendwie lang runterhängen gelassen wird. Wie genau das gebunden wird, weiß ich auch nicht. Es gibt auch die Möglichkeit offener Haare, wenn Du (Deine Darstellung) noch unverheiratet bist.
Hängeärmel kamen übrigens (leider! Die sind doch so schick!) erst später auf, ich würde schätzen 12. Jahrhundert.
Das Unterkleid war meistens weiß und aus Leinen und das Oberkleid farbig. Wenn Du (Deine Darstellung) reich bist hast Du mehrere Kleider übereinander an, wenn Du nicht ganz soviel Geld hast, schummelst Du vielleicht dadurch, daß Du auf Dein Unterkleid eine Zierborte nähst, so daß es aussieht, als würdest Du unter dem Oberkleid noch eine Schicht tragen, obwohl das schon das echte Unterkleid ist. Das Unterkleid kann in diesem Fall auch farbig sein, denke ich.
Um sich ein Bild von ottonischer Mode zu machen bietet sich ein Buch über ottonische Kunst an, oder “Europas Mitte um 1000” - da sind allerdings auch viele Funde und Bilder aus Ungarn und Polen.
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #11 vom 15. Mai. 2005 21:07 Uhr Christoph (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christoph eine Nachricht zu schreiben.

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Zusätzlich zu Europas Mitte um 1000 sollte man, wenn möglich, den Egbert Codex zu rate ziehen der gerade vom Faximile Verlag Luzern verlegt wird. Dabei handelt es sich um einen Codex der im Jahr 980 im Skriptorium der Reichenauer Abtei gefertigt wurde.
Unter umständen läßt sich dieser Codex auf günstigere Weise als durch den kauf in Luzern erwerben (wenn auch nicht so schön)
Eintrag folgt
Christoph

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Eintrag #12 vom 16. Mai. 2005 00:40 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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…also die 4.980 bis 6.500 Euro hätte ich auch nicht so locker mal über… ;-)
Liebe Grüße, Anna

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