Bodenfunde sind vermutlich alles Grau-in-grau, falls sich etwas finden läßt. Aber gibt es evtl. farbige Bilder, die erahnen lassen, wie die Netze farblich gestaltet waren? Hell, dunkel, “bunt” Passend zum Schleier oder im Kontrast?
Für mich ist wieder mal das FMA (Alemannin) interessant :)
das Foto ist echt genial, aber wie ich so ein Teil mache hätte ich davon alleine leider auch nicht rausgefunden… aber immer wieder gut zu wissen, daß man jemanden wie Dich hat, der 2/3 der Szene persönlich kennt :-))
Was mich interessieren würde: Sind die mittelalterlichen Netze ganz eigene Entwicklungen oder wurden Netze kontinuierlich unter dem Schleier getragen und werden erst im “freizügigen” 13. Jahrhundert wieder sichtbar? Angenommen die Schleiermode ist letztendlich aus der von den Franken übernommenen römischen Palla entstanden. Mantel und Schleier getrennt treten mit den karolingischen Modeentwicklungen auf. Noch im Stuttgarter Psalter sind Frauen mit unbedeckten Haaren gezeigt, die Haare aufgesteckt und mit Bändern umwunden. (Es gibt eine Beschreibung einer solchen Frisur von Einhard). Römische Haarnetze sind ebenfalls, im Gegensatz zu den einheimischen, geknüpft (wie ein Fischernetz) und auch teilweise mit Perlen eingelegt. Ein solches Netz ist auf dem Portrait einer jungen Frau aus Pompej zu sehen.
Interessante Frage?
Hat jemand Nachweise oder Beschreibungen aus der Zeit zwischen der späten Antike oder Karolingerzeit um 800 und dem Mittelalter? Oder sind die späten Netze eine unabhängige Entwicklung wie Luren und Barocktrompeten?
Sylvia
Projekt Folgari
PS.
Schöne römische Frisuren und auch ein herrliches Haarnetz habe ich bei der römischen Modenschau zum Saalburgfest 2001 sehen. Das nachgeknüpfte “Pompej-Netz” ist mit Perlen eingelegt und sehr fein gearbeitet. Es lasst sich angeblich angenehm tragen und ist aber nur schwer selbst anzulegen.
danke für die rasche Antwort. Ich denke, ich werde mich jetzt mal über die Knüpftechnik versuchen cshlau zu machen, dea diese ja anscheinend für “mein” Zeit (14.Jhdt.) passend ist. Danke nochmal+ Euch auch viel Spaß beim Finger zerknoten ;-))
Sylvia: das nennt man wohl freundlich unter Zugzwang setzen… :-)
Haarnetze finden sich in verschiedensten deutschen, französischen und englischen Bildquellen des 13. Jahrhunderts, so daß
wir beruhigt davon ausgehen können, daß sie in diesem Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet waren. Aus London existiert sogar
ein recht gut erhaltener Fund, datiert auf das späte 13. Jahrhundert. Dieses Haarnetz (und weitere aus dem 14. Jahrhundert)
sind in einer Knüpftechnik gefertigt, die der allgemein am weitesten verbreiteten Netzherstellungstechnik entspricht - also so,
wie auch heute noch zum Beispiel Fischernetze handgeknüpft werden, eine Schlingentechnik, die mit einer speziellen Knüpfnadel ausgeführt wird. Sowohl eine Abbildung des Originalfundes als auch eine Anleitung zum Knüpfen finden sich in
dem Buch: Textiles and Clothing. C.1150-1450 von E. Crowfoot et al., Medieval Finds from Excavation sin London Series No. 4, Boydell Press, Woodbridge, 2001 (Re-edition), S. 146-147
Sprangnetze in 13. Jahrh. - Naja, ich glaube eher nicht.
Aber das 13. Jahrh. ist auch nicht wirklich mein Thema. Ruth Hirschberg schreibt eine Ausarbeitung zur Kleidung im 13. Jahrh., die nachdem was ich schon gelesen habe, ausführlich und fachlich großartig wird , Eventuell dort nachfragen!
Wie vorher schon geschrieben nach den spärlichen Befunden würde ich eher Fechtnetze annehmen. Sobald ich wieder etwas Zeit habe, werde ich dem mal nachgehen.
Hallo Ines,
Dann ist es klar. Es gibt auch Netze, die mit einer eine Brettchenwebekante haben, mit Bindebändern und Bommeln. Bei der Datierung bin ich spontan nicht ganz sicher. (Bronzezeit oder vorrömische Eisenzeit)
Eine Spranganleitung auf Deutsch findest Du in dem Buch “Wolle vom Schaf”, ISBN folgt! (ist aber auch bei Traub zu haben)
K. Schlabow beschreibt zwei Netze in seiner Abhandlung über eisenzeitl. Trachten. Ich habe ein Faltblatt der Midgard-Gesellschaft zur germanischen Tracht. Hier ist zwar ein sehr gutes Schnittmuster für die Thorsberghose zu finden, aber die Zuordnung und Datierung der Funde ist etwas zweifelhaft. (Ich habe meine eigene Meinung zu germanisch/völkischer Esoterik)
Sprang ist schon eine kniffelige Technik. Mich macht das Fadengetüddel am Rahmen jedenfalls nicht froh. Die Netze tragen sich wirklich gut und auch mit nur schulterlangen Zöpfen lässt sich eine passabele Frisur machen. Wir haben in der Gruppe sowohl Netze für das erste Jahrhundert u.Z. als auch für die Bronzezeit (Wolle, leider kein Pferdehaar) in Verwendung.
Auf der Seite www.cohors.de findest Du ein Foto von mir beim Weben mit einem roten Haarnetz.
ich bin mal den Links nachgegangen und hab´(denke ich) das Grundsystem verstanden… (Die nächste Frage ist, ob ich mir dabei nicht die Finger verknote oder es dann aussieht als hätte ich ein augeribbeltes Wollknäuel auf dem Kopf! ;-) )
Aber ich bin immer noch nicht schlau geworden, für welche Zeit genau die Netze in dieser Form den “a” sind? Darf ich die so denn um 1330 tragen?
Tja, das kommt davon, wenn der Rechner in der Wohnung, die ganzen Bücher aber im Laden sind.
Also ich meinte nicht den G&S Verlag, sondern den VS Books mit dem Wikingerbuch. Da ist aber nur ein Foto drin, wie wer mit Naalbindung gerade Socken macht. Leider keine Anleitung. Das mit dem Haarnetz hatte ich im Heft “Germanische Kleidung” der Heidnischen Gemeinschaft von Berlin gesehen. Wie du schon sagtest wird da die Spangtechnik angeführt. Zwischen zwei Schnüren, die die Begrenzung des Haarnetzes sind, werden die Fäden durch Naalbinding zusammengestrickt. ßhm ja.
Gibt’s dazu keine deutschen Links? Bin des englischen nicht mächtig und hab auf die Seiten geschaut wie ‘ne Kuh wenn’s donnert. Die Fotos sind ja recht ansehnlich, sieht recht einfach aus, aber wenn man näher hinschaut und den Verlauf des Fadens verfolgt, verknoten sich meine Hirnsynapsen.
Ich denke, ich werde einfach so lange Schlingen legen und rumprobieren, bis was dabei herauskommt, was nicht gleich wieder auseinanderfällt. Das ist doch dann das was man unter Experimentalarchäologie versteht, oder ;-) ?
auf der gleichen Seite ist auch ein Link zu einer Sprang-Anleitung. Hier findet sich auch ein Foto von einen Haarnetz. In der Wikiger-Handwerkzeit von Rona Krekel ist ebenfalls eine ausführliche Anleitung. Ich wüsste nicht wer so was anfertigt. Den Hinweis auf Haarnetze in Nadelbindig in der Publikation von M. Hald von der Nadelbinde-Seite werde ich heute Abend nachschlagen. Einen Gugel in Nadelbinde-Technik findet (oder fand sich mal) auf der Düppel-Home Page (mit den Hinweis, das ein Nachweis fehlt). Weite Info´s finden sich auch in den Heften “Experimentelle Archäologie”, ich glaube auch eine Schlafmütze aus SMA/frühe Neuzeit.
Ich muss allerdings sagen, ich habe verzweifelt versucht mir ein Haarnetz zu machen aber es klappt einfach nicht, meine Finger scheinen für solche Feinarbeit nicht gemacht zu sein. Wenn also jemand einen Tip hat wo ich ein Haarnetz herbekomme, immer her damit.
Ist ein direkter Nachweis für Nadelbindenetze angegeben? Welche Befund ist dargestellt?
Zu den “germanischen Haarnetzen”:
Alle dies Netze und Bänder datieren in die Bronzezeit, die römische und vorrömische Eisenzeit.
(Vergl. K. Schlabow, M. Hald, Gr. V. Oxenstirna). Alle diesen Netzen sind in der sog. Spangtechnik hergestellt. Das ist eine Flechttechnik, keine Schlingentechik.
Die Datierung liegt erheblich für als die “Wikingerzeit”!
Die mittelalterlichen Haarnetze scheinen, wie die römischen, in Flechttechnik hergestellt worden zu sein. (vergl. Befunde vom Friedhof “Judendorf” dat. 13.Jahrh.
Bitte Veröffentlichungen der Midgard Gesellschaft, Herrn H. Radegeis oder andere ältere oder einschlägige Literatur vor Verwendung überprüfen.
Vielfach sind die Datierungen verwirrend oder die Zuordnung der Befunde fragwürdig.
Sylvia
Projekt Folgari
PS.
Alle Literaturangaben gern per mail, da ich nicht von zu Hause aus schreibe.
Ist zwar jetzt auch keine direkte Hilfe. Aber die Germanenfrauen hatten eine Art Haarnetz, das sie durch Naalbinding bewerkstelligt hatten. Ich hab das glaube ich in dem Wikingerbuch von G&S Verlag gesehen. Wie dieses Naalbinding allerdings funktioniert, damit das Netz dann auch dehnbar ist, hab ich nicht so ganz begriffen. Kann mir das jemand erklären oder mir Linktips geben?
Ein Buchtip über mittelalterliche Haartrachten, vorallem Flechtfrisuren wäre auch nicht schlecht?!
kann mir jemand einen Tipp geben, in welchem Buch ich eine Anleitung für ein Haarnetz (13. Jhd.) finden kann?? Oder gibt kennt jemand eine Seite im www mit einer guten Anleitung??
Ich mache mir gerade darüber gedanken, ab wann es Haarnetze gab. Wahrscheinlich schon bei den Griechen und Römern, vermute ich. Wie schaut es im Mittelalter aus. Für das 13. Jahrhundert habe ich Quellen gefunden. Für das 12. Jahrhundert nicht.
Hat noch jemand einen Tip, aus was man alles Haarnetzt flechten kann und ob es da verschiedene Varianten gab? Gibt es irgendwo eine interessante Homepage darüber?
Weiß noch jemand eine interessante Quelle, wo man sich schöne Frisuren, sowohl für den Mann als auch für die Frau, anschauen kann. Meine einzige Quelle hierfür ist: