Hallo an alle, da ich selber versucht habe, mich durch Handwerksrecht und deutsche Bürokratie zu wühlen, um das Schmiede-Handwerk von der Pike auf zu lernen, kann ich da nur abraten. Ich habe über 3 Jahre versucht, bundesweit eine echte Lehrstelle zu bekommen, war nichts zu machen! Entweder man landet in einer Schlosserei und darf den lieben langen Tag Treppengeländer aus Fertigteilen verschweißen, oder der gute Schmied bildet nicht mehr aus! Ich habe mir meine Kenntnisse im Selbstversuch und beim Abgucken und Mitmachen bei den alten Schmieden aus der Umgebung beigebracht! Das war zwar extrem nervig, aber nach ca 5 Jahren habe ich auch sehr viel gelernt und da für mich der offizielle Weg über Lehrling,Geselle und Meister aus zeitlichen Gründen eh nicht in Frage kam, bin ich jetzt mehr als zufrieden. Das größte Problem beim Schmieden ist übrigens die liebe Nachbarschaft, die alten Werkzeuge zu bekommen und das ganze dann auch noch vom Schornsteinfeger genehmigt zu bekommen! Aber auf keinen Fall die Handwerkskammern anhauen, die schützen nur ihre tollen Schlossereien und ich mußte mir anhören, daß es A-keine Ausbildungsstelle gibt, ich aber B- den nicht vorhandenen Schmieden ohne Meisterbrief Konkurenz machen würde und dann mit extremen Geldstrafen zu rechnen hätte! Deshalb arbeite ich momentan offiziell im Bereich der Metall-Gestaltung und Reperatur! Kai
Hallo erstmal, ich weiß ja nicht ob Sie´s schon wußten, aber… …in Deutschland darf man ohne Meisterbrief komerziell nicht einmal Tapetten von den Wänden kratzen oder gar einen Hammer in die Hand nehmen. Darum, wenn man sich selbständig machen will zunächstmal dringend über Nischen in den verschiedenen Zweigen informieren. Beispiel: Schmied geht nicht, Metalldesign ist okay. Das beste Buch zu diesem Thema: Michael Wörle, Selbständig ohne Meisterbrief, Econ & List Verlag 1993, ISBN 3-612-21302-4, 16.90DM Auf keinen Fall würde ich die Handwerkskammern als erste Anlaufstelle empfehlen. Die Informationen sind, nach meinen Erfahrungen, je nach Tageslaune des Sachbearbeiters mal richtiger mal nicht.
Hallo Julia, erstmal viel Erfolg in der Suche nach einer Lehrstelle. Bei mir in der Gegend gibt es eine Sattlerei, die sowohl Sattel (wie der Name schon sagt) als auch Scheiden für Mittelalterwaffen macht. Sowie auch noch einiges mehr. Denke das ist nicht der einzigste der sich so mit dem Mittelalter beschäftig. Versuchs doch mal bei so jemanden. Gruß Babsi P.S. ich habe auch 2 Berufe gelernt bevor ich jetzt angefangen habe zu studieren.
Hey, danke für die viele Anteilnahme! Und studieren, das überleg ich mir noch, schließlich kann ich auch alleine lesen, oder wenn´s denn sein muss, als Gasthörer in die Vorlesung. Gehe morgen jedenfalls zur Handwerkskammer, wegen informationes zum Thema Meisterpflicht(???)usw… Stefan, was bist du denn letztendlich “geworden” ? Und arbeitest du jetzt in Richtung MA? Was für Probleme können denn noch auftauchen, angenommen man kann schon was und will jetzt sein eigenes Geschäft aufbauen? Tut mir leid, die Frage ist schon sehr allgemein gefasst, aber hier besser dumm fragen als gar nicht, ich bitte um Nachsicht!!
Hallo Stefan, ich geb´s ja zu, die 20 Semester sind eine “leichte” ßbertreibung. Ein guter Freund von mir studiert allerdings seit 1993 Psychologie und ist noch nicht fertig, aber auch nicht der allerlangsamste unter seinen Kommilitonen. Aber Psycho ist auch off-topic. Wollte nur den erforderlichen “Mut” kontrastieren. ;-)
10 Jahre Studium ergo 20 Semester *kratz am Kopf* solche Leute gelten dann wirlich als “Lebende Geschichten”, aber welcher Studiengang das sein soll ist mir schleierhaft, wir in der Medizin brauchen schon lange, aber auch bei uns ist nach 14 Semstern schluß; Natürlich ist heute kein Ausbildungsberuf “living historie”, wie auch da ist ja ein kleiner Unterschied zwischen früher und heute, und das Hobby besteht ja gerade daraus per Quellestudium früheres zum Leben zu erwecken (halt living Historie) aber ein modernes Hanwerk, welches es früher, natürlich in anderer Form, schon gab, bietet halt eine sehr gute Grundlage. Nachtrag zu unten: Als studium wäre z.B. Mediävistik in Verbindung mit Germanistik (Mittel- und Althochdeutsch) und Informationswissenschaften (um mal irgendwie Geld zu verdienen) eine interessante Kombi.
Hi Julia, es ist bestimmt kein Fehler, ein Handwerk zu lernen. Es kommt halt immer darauf an, was man draus macht. Ein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt ist eine abgeschlossene Berufsausbildung auf keinen Fall. Allerdings ist meiner Meinung (und Erfahrung) nach kein Handwerk heutzutage noch richtig “urtümlich”. Es geht überall mit moderner Technik und rationalisierten (entfremdeten?) Arbeitsschritten zu. Also keiner der Handwerksberufe, die ich gestreift habe, ist “living history”. (Steinmetz, Holzfäller, Zimmerer, Handweber, Schreiner, habe in jedem dieser Berufe meinen Unterhalt verdient, aber nur den Zimmerer gelernt.)Zum Schmied habe ich mal eine Lehrstelle gesucht, aber bei 15 Metallbaubetrieben hätte ich Schweißen, Flexen und Schneidbrennen gelernt, das, was ich Schmied nenne, nur bei einem Betrieb, der einen sehr guten Ruf hat und für Ausbildungsplätze damals eine Warteliste von 4 Jahren. Die in Deinem ersten Posting genannten Tätigkeiten mit Leder werden heute in mehreren Berufsbildern ausgeübt, Du kannst also nicht im Handwerk einfach Lederverarbeitung erlernen, sondern entweder Sattler (Reitsport) oder Sattler (Polsterer) oder Täschner oder Schuster oder Schneider. Aber gleichwie, wirst du nach einer Lehre einen souveräneren und fundierteren Umgang mit dem Werkstoff Leder haben als ein reiner Autodidakt.(Nur als Beispiel) Die freie Ausübung des erlernten Berufs ist allerdings durch die Meisterpflicht erschwert. Aber da ist z.B. die Theaterkostümschneiderei ein möglicher Ausweg, außerdem sind die kreativen Künste frei, und der Verkauf von Produkten ausschließlich auf “gewidmeten Märkten”, wozu die Mittelaltermärkte wohl gehören sollten. Aber selbstverständlich kann man ein Handwerk nicht nur als Hobby ausüben, sondern davon leben. Wenn Du Talent und den Willen dazu hast, hat Handwerk immer noch goldenen Boden, und genauso erfordert es Mut, nach der Schule noch eine fast zehnjährige akademische Ausbildung anzuschließen, also mit hoher Wahrscheinlichkeit mit knapp 30 immer noch keinen “ordentlichen” Beruf auszuüben. Also nur zu, die zwei oder drei Jahre Lehre schaden bestimmt nicht, auch wenn sie Dich nicht zum historischen Handwerk zurückführen werden. Was sich meiner Ansicht nach lohnt, ist allerdings, sich die in Frage kommenden Betriebe vorher anzuschauen, z.B. in einem Praktikum, und lieber ein halbes Jahr auf der Suche bleiben als gleich mit dem falschen anzufangen. Wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück,
Hi Julia zwar wäre Schmied ein etwas ungwöhnlicher Beruf für Frauen, aber wer läßt sich davon schon abschrecken; denn als Schmied bekommst du den Dreh zwischen Hobby und Berufsleben hin; im Rahmen der Freizeitgestaltung gibt es viele Reitvereine, Hufschmiede sind derzeit ernsthaft Mangelware (frag mal beim Arbeitsamt) und auf Märkten sind Schmiede auch immer gerne gesehen. Gleiches gilt für die Schreinerei, hier kannst du künstlerisch tätig werden, und sollte dir das irgendwann nicht mehr reichen, in die fabrikmäßige Produktion gehen… und so gibt es noch etliches. An Deiner Stelle würde ich überlegen worauf du Lust hast und nebenbei solltest du überlegen, das MA - Darstellung ein tolles Hobby ist, aber der Reiz auch im Ausbruch aus dem Alltag liegt und du dich mit einem Schritt Hauptamtlich in die Szene zu gehen um eben diesen “Ausbruch” bringst…
Hallo Julia, der Plan ein Handwerk zu lernen ist auf jeden Fall gut. Ich habe nach der Schule Glaser gelehrt. Nach einigen Jahren Praxis und einer kaufmännischen Zusatzausbildung arbeite ich als tech. Kalkulatorin im Flachglasgroßhandel. Man auch in den künstlerischen oder Retorationsbereich gehen. Hier sind die Voraussetzungen dann allerdings viel Erfahrung, die nötige Begabung und sehr viel Glück. Gelegenheit in dem Bereich sichere Exsistenz und sichere Rente zu gehen hat man so alle Mal, wenn der Beruf nicht zu exotisch ist. Am besten ist es nach einer Pratikumsmöglichkeit zu suchen und den Beruf genau anzusehen. Ich wünsche Dir viel Glück! Und (ich darf das als “Altgeselle” sagen) Lehrjahre sind keine Herrenjahre - Aber da muß man dann leider durch…. Sylvia
Warum so pessimistisch? Ich möchte nicht der sicheren Rente wegen meinen Beruf wählen, oder wie siehst du das, Marcus? Welche Berufe haben denn schon Zukunft? Bankkauffrau? Oder sollen besser alle in die Biotechnologie? Man muss sich ja nicht auf absolut originalgetreue Nachbildungen beschränken, und je mehr Variationen es gibt, desto besser wird doch der “Trend zur Individualisierung” bedient - wenn schon Prognosen! Vielleicht werden Leute den genormten Massendreck irgendwann satt haben, vielleicht wird ihnen irgendwann wichtig sein, wo die Dinge, die sie tragen, essen, benutzen, herkommen. Und irgendwer muss diesen kleinen Prozentsatz doch unterstützen, man darf doch nicht immer nur nach dem finanziellen Gewinn gehen! Mir ist klar, dass man in dem Beruf nicht gerade reich werden kann, aber es muss doch Menschen geben, die damit über die Runden kommen! Und ich möchte wissen, wie sie das schaffen! Wo fängt man da an? Jedenfalls danke Friedhelm für den Tip mit der Handwerkskammer, ich werd auch mal im Theater bei der Kostümwerkstatt anfragen, die können alles.. Bitte mehr praktische Ratschläge!! Abbringen lass ich mich davon eh nicht!
Viele, handwerklich gefrtigte Dinge werden heute aus Indien, Pakistan und Osteuropa importiert. Kaum noch jemand kann und will sich deutsche Handwerksware leisten. Wenn Du nun auf der Mittelalterschiene Taschen und Gegeln machst, was machst Du in 10 Jahren, wenn niemand mehr sowas will oder Leder (wie nun bei BSE) infolge irgendeiner Viehseuche knapp wird? zukunftssicher schätze ich den Beruf nicht ein, ebensowenig wie Kürschner. denk vielleicht über eine Berufsausbildung und dann ein Jahr Praktikum in Deinen 2Traumberufen" nach. Dich grüßt, Marcus
Hallo Julia, wenn Du Dich für einen historischen Handwerkberuf interessierst dann nimm doch mal Kontakt mit der Handwerkskammer Wiesbaden bzw Mainz auf. Es gibt meines Wissens viele alte Berufe die unter Nachwuchssorgen leiden, Beispiele wären hier Sattler,Schmiede und Kürschner um nur einige zu nennen. Aber es erfordert wohl ziemlich viel Mut einen solchen Beruf zu ergreifen, denk ich. MfG Friedhelm
Leider habe ich es noch nicht geschafft, alle threads durchzulesen,hoffentlich wiederhole ich nichts. Mich würde aber speziell die Frage interessieren, ob man ein Handwerk nicht nur als Hobby auf Märkten ausüben sondern auch als ernsthaften Beruf betreiben, sprich:davon leben kann. Da ich nächstes Jahr endlich fertig werde mit der Schule, muss ich mich entscheiden, was zu tun ist, und da mich Handwerk und Geschichte am meisten begeistern, wäre ich sehr dankbar für alle guten Ratschläge! Besonders wenn´s um Lederarbeiten geht, also Schuhe, Taschen, Gugeln, Rüstungen u.ä.! Gibt es z.B. Ausbildungs-, Praktikumsstellen? Wo könnte ich nachfragen? Gibt es überhaupt was Hilfreiches zu dem Thema in Raum Wiesbaden/Mainz? Was könnte ich eventuell studieren? Vielen Dank an alle, die antworten, es ist mir sehr wichtig.