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Eintrag #1 vom 02. Feb. 2007 15:50 Uhr Thomas Breitkreuz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Breitkreuz eine Nachricht zu schreiben.

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Gott zum gruße.
Immer wieder tauchen belege und quittungen vom kauf riesiger Mengen Rüstungen aus der 2. Hälfte des 15.Jahrhunderts auf. so z.B: als Karl der Kühne von Burgund 1476 nach der Niederlage bei Grandson seinen Halbbruder Anton nach Norditalien entsante, um dort neue Truppen anzuwerben und 2000! Harnische zu kaufen. Dass es sich dabei um Harnische von der stange handelt sollte von vornherein klar sein.
Es waren keine Maßanfertigungen und sie waren auch nicht so schön verziert wie die Harnische Promienenter Personen, aber sie waren sicherlich nicht grob getrieben und Schlampig verarbeitet.
Auch kann ich mir gut vorstellen das Berufssoldaten von ihrem Sold bei der besten gelegenheit einen Halbharnisch gekauft haben, wenn ihr Herr sie nicht selber ausstattete.
Denn man sollte bedenken das das Leben von diesem Eisenkleid abhängen kann. Und wenn der Tod ein ständiger Begleiter ist, sollte man das Geld vernünftig Investieren. Ich will damit nicht sagen das um 1480 alle Fusstruppen Vollharnische trugen, um himmels willen… aber um 1480 waren Plattenrüstungen wirklich keine seltene rarität mehr.
Die Interesannte Frage ist doch,
Wo sind sie alle geblieben, diese tausende von Rüstungen?
Meine vermutung ist einfach und typisch
Menschlich: es waren Gebrauchsgegenstände die mit der Zeit und den immer besser werdenen Feuerwaffen immer mehr an wert verloren. Und was macht der Mensch mit solchen dingen? er wirft sie weg oder verarbeitet sie wenigstens weiter, sogar heute noch werden Metalle fast aller art recycelt.
Das was wir in den Museen zu gesicht bekommen sind zum großen teil Harnische aus dem 16.-17. Jahrhundert. Der Anteil von Rüstungen aus den früheren Epochen ist ziemlich gering.
Und die ausgestellten Exponate sind zum größten teil von historischen Berühmtheiten, die Rüstung des Namenlosen Soldaten bleibt da irgentwie auf der Strecke.
Nun würde ich gerne wissen was ihr davon haltet.
SPßMI aus Leidenschaft

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Eintrag #2 vom 02. Feb. 2007 15:58 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Ich kenne ein paar Leute, die das Glück hatten, in manchen Museen in die Keller und Archive zu blicken.
Dort finden sich ihrer Aussage nach auch einige Exemplare der einfacheren Rüstungen.
Es ist wohl schlicht so, daß diese wenig prunkvollen Stücke als der Präsentation nicht wert erachtet werden.
Also oxydieren sie irgendwo im Dunkeln vor sich hin.
Gruß, Ivain

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Eintrag #3 vom 02. Feb. 2007 19:41 Uhr Dieter Graf  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dieter Graf eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo liebe Freunde,
mit unseren geliebten Harnischen ist es so wie heute mit den Autos. Wieviele VW Käfer wird es wohl in hundert Jahren noch geben? Wahrscheinlich nur noch einige wenige Liebhaberstücke und Museumsobjekte. Auch der Harnisch wanderte in den meisten Fällen, wenn er nicht mehr gebraucht wurde ins Altmetall. Ich kenne mittlerweile eine ganze Reihe von Burg-, Archiv- und Sakristeitüren, die mit plattgehämmerten Brustharnischen oder deren Teile beschlagen sind. Helme wurden als Kochtöpfe oder zur Abdeckung von Turmspitzen verwendet, Schwertknäufe als Laufgewichte von Schnellwaagen, es gibt noch viele solcher Beispiele.
Was die Qualität von einfachen Mannschaftsharnischen betrifft, so kann man z. B. im Münchner Zeughaus (derzeit magaziniert) sehr interessante Beispiele finden. Das Museum besitzt nach Graz, Wien und Solothurn wohl die größte städtische Waffensammlung überhaupt, u. a. auch sehr viele gotische Teile vor 1500. So ist eine ganze Reihe von Knechtsbrüsten ca. 1460 - 1490 erhalten, die die typischen Merkmale einer billigen und schnellen Herstellung aufweisen. Alle auf den ersten Blick sehr formschöne Plattnerarbeiten, zeigt sich doch im Detail, daß auf saubere Verarbeitung hier wenig Wert gelegt wurde. So sieht man an den Rändern, vor allem der Bauchreifen, wie diese nur grob mit der Blechschere herausgeschnitten sind. Das ßberfeilen hat man sich gespart. Die Börtel sind ziemlich ungleichmäßig ausgeführt und die Materialstärke schwankt erheblich.
Erstaunlich ist allerdings, daß z. B. die noch zu hunderten im Grazer Zeughaus erhaltenen Nürnberger Halbharnische (2. H. 16. Jh.), ebenfalls Massenware, solche Mängel nicht aufweisen, einer wie der andere in einer bestechenden Qualität.
Gruß
Dieter

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