Für mich ist es keine Realitätsflucht, sondern ein kleiner Urlaub vom Alltag. Mal ganz anders als zu Hause zu sein und zu leben, andere Prioritäten zu setzen. Festzustellen, was wir alles haben, das wir nicht brauchen und Dinge schätzen zu lernen, die man nicht unbedingt braucht, aber genießt (z.B. eine warme Dusche nache einem verregneten Wochenende, überhaupt eine Dusche, um wieder “gut” zu riechen….)
Dann ist jedes andere Hobby genau so eine Flucht…
Es geht wohl eher darum, seine Interessen auszuleben und sich eine Auszeit zu nehmen. Ob nun im “Mittelalter”, bei Eisenbahn-Bauen, beim Malen in der Toscana oder bei einem anderen Hobby.
Ich geb Thomas Recht - durch ein solches Hobby lernt man die normalen Dinge des Alltages wieder etwas mehr schätzen.
Dinge die für uns selbstverständlich - aber in vielen Teilen der Welt unvorstellbarer Luxus sind.
Sei es nun medizinische Versorgung, die Tatsache wenn man Hunger hat einfach was essen zu können oder einfach nur Trinkwasser zu haben.
Flucht würde ich dieses Hoby nicht nennen - nicht mehr als jedes andere Hobby. Eher eine Möglichkeit abzuschalten.
Realitätsflucht ist im meinen Augen eher wenn sich jemand jeden Abend völlig zuschüttet um die Umwelt und die damnit verbundenen Sorgen nicht mehr wahrnehmen muss - oder aber eben jene die das nicht mit Alkohol sondern mit anderen Rauschmitteln erreichen.
Interessant ist daß es vergleichbare Threads in nahezu allen Foren gibt die sich mit dem Thema Mittelalter befassen - aber ich habe noch nie ein einem Gärtnerforum einen “Sind wir anstaltsreif weil wir Primeln pflanzen” Thread gefunden :-)
Ach ja - da war noch was…. die klare Antwort auf die Frage: Nein !
Naja..also ich denke, für viele ist es das durchaus, wenn man DAS Hobby mal weit fasst.
Für mich ist es auch manchmal eine kleine und kontrollierte “Flucht” aus einem Alltag, oder wenigstens eine Art “kleiner Urlaub” davon.
Für viele, die gern mal Ritter, Graf, Papst oder sonstwas tolles sein wollen, ist das sicher nichts anderes oder sogar genau das, was der Verfasser fragt:
Eine (zeitlich begrenzte) Realitätsflucht.
Und ebenso ist es für nicht wenige aus der “Living History” Richtung eine Möglichkeit sich zu profilieren und eine Form von Respekt, Ansehen oder Prestige zu erlangen, die ihnen vielleicht sonst nicht entgegen gebracht würde.
Das muss - in Maßen - sogar nicht einmal schlimm sein, solange man dabei keinen Rausch bekommt.
Auch dafür fallen mir ganz spontan genug Beispiele ein, zeitweise gehöre ich selbst sogar dazu.
Aber das zuzugeben verlangt vielleicht für die meisten doch zuviel Ehrlichkeit und daran haperts ja bekanntlich in unseren Tagen..
Es lehrt einen wie gut wir es doch in der heutigen zeit in vielen dingen haben!!!!
Gegenüber damals ziemlich luxuriös wie ich finde!!
Bei mir hat die beschäfftigung mit dem Thema Mittelalter dazu beigetragen mich auch mal wieder auf das wesendliche im leben zu konzentrieren bzw das oder vieles andere nicht als selbstverständlich anzusehen!!!
Gesund, Satt, Warm, Sicher.(reihenfolge beliebig und erweiterbar)
Lebe nur mal drei wochen draußen, mit nur ganz wenig, und Du wirst feststellen A: wie wenig es braucht um zu überleben, und B, was wirklich wichtig ist. Keine Microwelle,keine zentralheizung, keine Auto!!ectect
Ich persönlich flüchte nicht aus der !Realität!, sondern das Hobby hilft mir über die !Realität! mal kritisch nachzudenken!!
Grüße
Thomas
P.S.
Wir sind und bleiben Menschen des 21jhd. Dagegen können wir nichts machen!! Und da hilft auch keine Realitätsflucht!