Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Hat unser Hobby etwas mit Realitätsflucht zu tun?

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Eintrag #1 vom 03. Mai. 2007 21:42 Uhr   Nachricht

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Jetzt mal ehrlich leute :)
was meint ihr dazu?
Ist Reenactment auch nicht doch ein bisschen
Realitätsflucht?

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Eintrag #2 vom 03. Mai. 2007 22:12 Uhr Walter Ruf  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Walter Ruf eine Nachricht zu schreiben.

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Nein, aber man sollte sich an Diskussionen fern der Realität gewöhnen…
Grimm

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Eintrag #3 vom 03. Mai. 2007 22:20 Uhr Thomas Schlosser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Schlosser eine Nachricht zu schreiben.

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Ehrliche Meinung??
Es lehrt einen wie gut wir es doch in der heutigen zeit in vielen dingen haben!!!!
Gegenüber damals ziemlich luxuriös wie ich finde!!
Bei mir hat die beschäfftigung mit dem Thema Mittelalter dazu beigetragen mich auch mal wieder auf das wesendliche im leben zu konzentrieren bzw das oder vieles andere nicht als selbstverständlich anzusehen!!!
Gesund, Satt, Warm, Sicher.(reihenfolge beliebig und erweiterbar)
Lebe nur mal drei wochen draußen, mit nur ganz wenig, und Du wirst feststellen A: wie wenig es braucht um zu überleben, und B, was wirklich wichtig ist. Keine Microwelle,keine zentralheizung, keine Auto!!ectect
Ich persönlich flüchte nicht aus der !Realität!, sondern das Hobby hilft mir über die !Realität! mal kritisch nachzudenken!!
Grüße
Thomas
P.S.
Wir sind und bleiben Menschen des 21jhd. Dagegen können wir nichts machen!! Und da hilft auch keine Realitätsflucht!

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Eintrag #4 vom 03. Mai. 2007 23:02 Uhr Roland Schulz   Nachricht

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Naja..also ich denke, für viele ist es das durchaus, wenn man DAS Hobby mal weit fasst.
Für mich ist es auch manchmal eine kleine und kontrollierte “Flucht” aus einem Alltag, oder wenigstens eine Art “kleiner Urlaub” davon.
Für viele, die gern mal Ritter, Graf, Papst oder sonstwas tolles sein wollen, ist das sicher nichts anderes oder sogar genau das, was der Verfasser fragt:
Eine (zeitlich begrenzte) Realitätsflucht.
Und ebenso ist es für nicht wenige aus der “Living History” Richtung eine Möglichkeit sich zu profilieren und eine Form von Respekt, Ansehen oder Prestige zu erlangen, die ihnen vielleicht sonst nicht entgegen gebracht würde.
Das muss - in Maßen - sogar nicht einmal schlimm sein, solange man dabei keinen Rausch bekommt.
Auch dafür fallen mir ganz spontan genug Beispiele ein, zeitweise gehöre ich selbst sogar dazu.
Aber das zuzugeben verlangt vielleicht für die meisten doch zuviel Ehrlichkeit und daran haperts ja bekanntlich in unseren Tagen..
So, dann werft mal schön Steine. ;-)
Gruß,
Roland
Leben und Handwerk
www.leben-und-handwerk.de

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Eintrag #5 vom 04. Mai. 2007 07:34 Uhr Klaus Hofbauer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Klaus Hofbauer eine Nachricht zu schreiben.

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@Roland
Warum Steine werfen?
Ich gebs gerne zu. Ich bin wirklich froh mal eine Auszeit aus meinem Alltag (Beruf, soziale Verpflichtungen,…) nehmen zu können.
Es macht mir Spaß mal eine Woche oder ein Wochenende ohne den “modernen Kram” auszukommen.
Das ist natürlich mit Einschränkungen versehen, ich gehe trotzdem gerne duschen ;-)
@Christian
Ich würde Dir zustimmen.
Es ist wirklich, wenn auch nur zeitlich begrenzt und in gewissem Umfang, eine Realitätsflucht.
Obwohl mir das “Flucht” nicht ganz passend erscheint.
Ich würds eher als “Alltagspause” bezeichnen.
;-)
Klaus

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Eintrag #6 vom 04. Mai. 2007 07:49 Uhr Daniel Jex  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Daniel Jex eine Nachricht zu schreiben.

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Ich geb Thomas Recht - durch ein solches Hobby lernt man die normalen Dinge des Alltages wieder etwas mehr schätzen.
Dinge die für uns selbstverständlich - aber in vielen Teilen der Welt unvorstellbarer Luxus sind.
Sei es nun medizinische Versorgung, die Tatsache wenn man Hunger hat einfach was essen zu können oder einfach nur Trinkwasser zu haben.
Flucht würde ich dieses Hoby nicht nennen - nicht mehr als jedes andere Hobby. Eher eine Möglichkeit abzuschalten.
Realitätsflucht ist im meinen Augen eher wenn sich jemand jeden Abend völlig zuschüttet um die Umwelt und die damnit verbundenen Sorgen nicht mehr wahrnehmen muss - oder aber eben jene die das nicht mit Alkohol sondern mit anderen Rauschmitteln erreichen.
Interessant ist daß es vergleichbare Threads in nahezu allen Foren gibt die sich mit dem Thema Mittelalter befassen - aber ich habe noch nie ein einem Gärtnerforum einen “Sind wir anstaltsreif weil wir Primeln pflanzen” Thread gefunden :-)
Ach ja - da war noch was…. die klare Antwort auf die Frage: Nein !
Falkenherz

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Eintrag #7 vom 04. Mai. 2007 08:40 Uhr Bettina Drexler  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Bettina Drexler eine Nachricht zu schreiben.

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Für mich ist es keine Realitätsflucht, sondern ein kleiner Urlaub vom Alltag. Mal ganz anders als zu Hause zu sein und zu leben, andere Prioritäten zu setzen. Festzustellen, was wir alles haben, das wir nicht brauchen und Dinge schätzen zu lernen, die man nicht unbedingt braucht, aber genießt (z.B. eine warme Dusche nache einem verregneten Wochenende, überhaupt eine Dusche, um wieder “gut” zu riechen….)
Dann ist jedes andere Hobby genau so eine Flucht…
Es geht wohl eher darum, seine Interessen auszuleben und sich eine Auszeit zu nehmen. Ob nun im “Mittelalter”, bei Eisenbahn-Bauen, beim Malen in der Toscana oder bei einem anderen Hobby.
Johanna

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Eintrag #8 vom 04. Mai. 2007 09:14 Uhr Benedikt (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Benedikt eine Nachricht zu schreiben.

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Ich schließe mich da Roland und Bettina an, sehr schöne Posts.
Ist nicht auch ein Urlaub auf [XYZ] Realitätsflucht?
Natürlich! Sonst würde ja niemand in Urlaub fahren.
> “Sind wir anstaltsreif weil wir Primeln pflanzen”
Der hat mir direkt ein spontanes Schmunzeln eingebracht :)

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Eintrag #9 vom 04. Mai. 2007 09:52 Uhr Christian (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christian eine Nachricht zu schreiben.

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Ich flüchte vor der Realität, jedenfalls ein kleines STück. Und das ist toll und macht Spaß, ist total erholsam. Wichtig ist nur, mOntags den Weg zurück auch wieder zu finden.
Es ist wie immer: Die Dosis macht das Gift! Oder besser gesagt: Es gibt einen gesunden und einen weniger gesunden Weg. Für sich muss da jeder schauen, welchen er geht.
P.S.:
Primelpflanzer sind anstaltsreif! Die Dinger kann man ja nichtmal essen.
Karl

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Eintrag #10 vom 04. Mai. 2007 10:06 Uhr Katrin Auer  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Katrin Auer eine Nachricht zu schreiben.

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Ist ein Tag im Büro realer als ein Tag in einem Freilichtmuseum?
Ist es Realitätsflucht, wenn man versucht (!), die Realität früherer Zeiten zu ergründen - und sie dabei zwangsläufig mit der eigenen vergleicht?
Eine Flucht ist es nur, wenn man verfolgt wird (z. B. von einem alptraumhaften Normaljob…).
Zum verwandten Thema “Sind MA-Darsteller romantisch?” habe ich vor zwei Jahren mal was geschrieben:
lunula.twoday.net/stories/211773
Und ich gebe Euch recht. Es gibt schon ein paar edle Recken oder wilde Wikinger, die irgendwann zu der dargestellten Person mutieren… aber wahrscheinlich gibts auch leicht übergeschnappte Modelleisenbahn-Bahnhofsvorsteher. Alles nicht sehr besorgniserregend.
www.vidforli.org

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Eintrag #11 vom 04. Mai. 2007 10:23 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Der Unterschied zwischen Flucht und Urlaub ist ja nur, daß man aus zweiterem wieder zurück kehrt, oder ?
Ausspannen, abschalten, die Perspektive graderücken.. Japp, da stimme ich den Vorredner schlicht zu.
Negative Ausnahmen gibt es aber leider.
Das reicht von Darstellern höherer Stände, die fest davon überzeugt sind, etwas besseres zu sein, und sich gewisse Dinge gegenüber anderen herausnehmen zu können, bis zu wilden Recken, die wirklich der Meinung sind, ihr Ehre mit dem Schwert verteidigen zu müssen.
Wohlgemerkt rede ich in beiden Fällen nicht von Rollenspiel, sondern von Ernst, der die Menschen an sich betraf.
Aber andererseits ist die Quote diese Idioten in dieser “Szene” (wie weit man sie auch fassen will) auch nicht ausgeprägter als in anderen.
Die Werkzeuge sind etwas anders, da man die Darstellung entsprechend benutzen kann, aber das schafft im Sport die Position in der Aufstellung, in der Feuerwehr die Ränge und Funktionen, und in anderen Hobbys sicher auch irgendetwas.
Es ist ein Hobby.
Für manche ein seltsames, für andere das einzig denkbare, aber von Prinzip her wie jedes andere auch.
Gruß, Ivain

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Eintrag #12 vom 04. Mai. 2007 11:31 Uhr Ulrich Busse  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ulrich Busse eine Nachricht zu schreiben.

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Wenn das Hobby zur Realitätsflucht wird, ist es kein Hobby mehr, sondern eine Krankheit.
Verhaltensauffällige Menschen gibt es allerdings überall …
Grüße aus dem Havelland
Ulli

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Eintrag #13 vom 04. Mai. 2007 21:09 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Moin zusammen,
…es ist Urlaub. Jeder kommt zurück…oder? ODER???
Ich glaube, wenn da doch irgendwann ne Zeitmaschine stehen würde - dann würden die meisten schnell den Rückzieher machen. Zeit ist eine Einbahnstrasse.
Es ist Urlaub, Freizeitgestaltung (ausser man machts zum Job, was dann noch schneller zur Realität zurückführt).
Bei aller Liebe…ich hab keine Lust, ein Legionär zu SEIN, der gleich von den Cheruskern plattgemacht wird…KEINE Lust, ein Ritter zu sein, der in Hattin im Rauch der brennenden Hecken erstickt…KEINE Lust, ein Conföderierter zu sein, der in Gettyburg mit dem Bajonett gemetzelt wird…auch Stalingrad war KEIN lauschiges Plätzchen, ebensowenig mag ich an einem Blindarmdurchbruch elend krepieren oder an der Pest oder auf nem Scheiterhaufen oder in Dresden als Aschehäufchen zu enden.
Geniessen wirs als Ausflug in eine fiktive Welt, egal, wie mans nennt, MA-MArkt, Reenactment LArp oder sonstwie…die Wirklichkeit hat uns schnell wieder.
Zum Glück.
Ars Militia - Euer Haduwolff

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Eintrag #14 vom 04. Mai. 2007 23:45 Uhr Thomas Müller  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Müller eine Nachricht zu schreiben.

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Wie schon deutlich wurde anhand der bisherigen Einträge, bedeutet das Hobby für verschiedene Leute Verschiedenes. Für Manche Realitätsflucht, für Andere Entspannung oder gar Urlaub, wenn man genug Zeit hat.
Ich glaube, in unserer hochtechnisierten Zeit, in der Erwachsene zu lange und zu oft gezwungen sind, den ganzen verdammten Tag im Büro zu verbringen oder sonstwo und dabei praktisch immer das Gleiche zu tun, und zwar ohne frische Luft, Wetter oder Sinneswahrnehmungen, die früher alltäglich waren wie der angenehme Geruch eines offenen Feuers (sofern er draußen stattfand), ist es für so Manche(n) eine Möglichkeit, mal keinen Computer, Fernseher, Telefon, Strom und all das zu sehen und zu verwalten und davon genervt zu sein.
Es gibt hier irgendwo einen Thread “Warum tun wir das?”
Na?
Thomas
Thomas

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Eintrag #15 vom 05. Mai. 2007 10:54 Uhr Walter Ruf  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Walter Ruf eine Nachricht zu schreiben.

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Ich pers. mag Rolands Begriff des Urlaubs sehr!
Das beschreibt doch eigentlich jedes Hobby auf das perfekteste!
Flucht würde ja heissen, dass wir alle in der Realität ein grauenvolles Leben führen, und zumindest ich kann das verneinen!

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Eintrag #16 vom 07. Mai. 2007 04:32 Uhr Patrick (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Patrick eine Nachricht zu schreiben.

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Jaja der Roland,
kleiner Urlaub trifft es sehr gut. Ich genieße die Zeit auf einer VA sehr. Keine Uhr, kein Handy, keinen PC, nichts was mich irgendwie an Termindruck errinert. Ich kann mich in ruhe hinsetzten und esse etwas wenn ich Hunger hab. Nicht weil ich eine Pause hab und es nun 12 Uhr ist.
Gruß Wulf

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Eintrag #17 vom 07. Mai. 2007 09:20 Uhr   Nachricht

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nunja,
nach all dem, was geschrieben wurde,
will ich nur sagen, dass ich dann zu den Leuten
gehöre, die dann das Hobby als “Urlaub machen”
ansehen.
Und das bei mir alles i.O is :)

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Eintrag #18 vom 07. Mai. 2007 17:03 Uhr Wolfgang Stocker  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolfgang Stocker eine Nachricht zu schreiben.

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Flucht find ich ein bisschen übertrieben. Ist nicht jedes Hobby ein bisschen anderswelt, zum ausgleich für eine Welt die wir nicht geschaffen haben, welche uns aber alles abverlangt. Ist es, in unserem speziellen fall, nicht auch ein wenig Sehnsucht nacht alten Werten, nach Echtem und Natur. Wer von uns kennt nicht den Moent wo man stocknüchtern mitten in der Nacht ins Feuer schaut ein verdammt gutes Gespräch mit einem fremden Menschen hat, mit dem man einfach nur das Hobby teilt und es ist einfach ein schönes Erlebnis?? Für mich als Messe und Event Logistiker ist die Orga Arbeit 12 Leute und ein LAger auf einen MA Markt zu bringen keine Realitätsflucht sondern die unbezahlte Vortführung meines Berufes. Meine Darstellung als LAndknecht ist nur mein hiesiger sozialer Status in einer anderen Zeit, daran kanns also nicht liegen, daß ich so gerne meine Zeit im Freien, in Zaltlagern und am Feuer verbringe. Vieleicht ist es einfach nur das gute Gefühl unter Menschen zu sein die nicht den von Massenmedien prophagierten Freizeitspielen nachhängen sondern sich ihre eigene Welt schaffen in einer Welt die zunehmend nicht mehr die der Menschen ist die in ihr leben.
Wolf

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Eintrag #19 vom 07. Mai. 2007 20:53 Uhr Holger Schulte  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Holger Schulte eine Nachricht zu schreiben.

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Ich mag die Kleidung des Mittelalters, sie ist super bequem und ich fühle mich darin sehr wohl. Und da man nun mal ein wenig Probleme bekommen würde,tauchte man in dieser Klamotte im Büro oder so auf, finde ich es einfach nur schön, diese Vorliebe auf diese Weise ausleben zu können.
Ebenso würde ich sicherlich Probleme mit dem Vermieter bekommen, würde ich unser Essen auf der Wiese hinterm Haus über Holzfeuer zubereiten. Ich liebe den Duft des Holzfeuers!!!
Natürlich war es im MA alles andere als romantisch und man kann das Leben damals nicht mit den komfortablen Umständen vergleichen, die wir heute auf einem Markt haben. Geschweige denn das Badezimmer und die Waschmaschine nach einem solchen WE.
Ich fühle mich aber wohl, wenn ich mich mit der Zeit befasse und natürliche Stoffe verarbeite. Es ist ein bisschen wie “Heimweh” oder so.
Ohne jetzt esoterisch zu werden: Vielleicht ist die Vorliebe für dieses Hobby ja eine Art Erinnerung, die in unseren Genen gespeichert ist, und bei manchen ist es die Erinnerung ans deutsche Mittelalter und bei anderen sinds doch vielleicht eher die Römer?
Wie dem auch sei…für mich ist es ein Hobby, das ich auslebe.
Lotte

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Eintrag #20 vom 08. Mai. 2007 20:31 Uhr Matthias Doettlaff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Matthias Doettlaff eine Nachricht zu schreiben.

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Hi!
Realitätsflucht wird es erst, wenn es einen gewissen Stellenwert erhält. Wenn man sich mehr darauf freut, in mittelalterlicher Lebensweise (oder was man dafür hält oder woran man sich anzunähern versucht) seine Zeit zu verbringen als mit dem sonstigen Alltag. Für manche ist es sicher Realitätsflucht, vielleicht für den einen oder anderen, dessen alter ego in der Mittelalterszene den Lebensmittelpunkt darstellt und der Rest der Zeit nur dazu da ist, jenes alter ego zu füttern.
Tschö
Matthias
Matthias Doettlaff

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Eintrag #21 vom 02. Sep. 2007 23:47 Uhr Martin Grimm  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Martin Grimm eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo liebe Mittelalterfreunde,
Ja! Dieses Hobby hat eindeutig mit Realitätsflucht zu tun.
Denn, es gibt eine positive Realitätsflucht und eine Negative: Die Negative ist die Flucht, bei der man die aktuelle Situation im Leben verweigert. Die positive ist die Flucht, die einen bewußt zeitlich begrenzten Abstand vom Alltag sucht, um neue Kräfte für die Herausvorderungen des Alltags zu sammeln.
Ich für meinen Teil weiss sehr wohl, daß ich mit jedem Mittelalterfest, das ich besuche eine kleine Flucht aus dem Alltag mache und darum Uhren, Handys und sonstiges strikt ablehne.
Ich empfehle, bei einer solchen Diskussion die eigenen Empfindungen zu beobachten und ehrlich zu klären, welche Art der Flucht man begeht - und das kann nun wirklich nur jeder selber für sich beantworten.
Martin Grimm

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Eintrag #22 vom 11. Okt. 2007 12:44 Uhr Jan Keupp   Nachricht

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Warum wächst das moderne Mittelalter? An sich eine unnötige Frage, solange es Spaß macht und einfach ein spannendes Hobby ist.
Als akademischer Eierkopf besitze ich aber die unangenehme Eigenschaft, auch auf unnötige Fragen eine möglichst präzise Antwort finden zu wollen.
Warum also die Zeitreise in eine ferne Epoche? Von Seiten der gesellschaftswissenschaftlichen Forschung gibt es nur spärliche Anwortversuche. Sie alle zielen im Kern in die selbe Richtung: Demnach sei die Hinwendung zum mittelalterlichen Alltag vor allem als Flucht vor den Herausforderungen der Postmoderne an das Individuum zu verstehen. Weil wir in einer Zeit der Verunsicherung (Risikogesellschaft, Patchworkidentitäten, politischer Sinnverlust, Konsumwahn) leben, würden immer mehr Menschen ihr Glück in vermeintlich goldenen Zeiten suchen, das Mittelalter als Gegenentwurf zur Moderne betrachten: “Wir leben in einer komplexen Zeit, in der alles gleichzeitig stattfindet: Moden, Glaubensrichtungen, Sinnsuche in verschiedenen Kulturen. Wir haben fast unbegrenzte Möglichkeiten, uns zu entfalten. Für die Seele ist das aber zu viel. Eine Gesellschaft mit klaren Standesschranken, Hierarchien und Zuordnungen erscheint seelisch erholsam, weil überschaubar”, so die Psychologin Gerhild Müller (Psychologie heute 6/2006). Die “Verlorenheit des Einzelnen in unserer modernen Welt” fördere zudem das Bedürfnis nach neuen Identifikationsfiguren, das Lageressen bediente zudem den derzeitigen ßko-Trend, etc.
Vielleicht stimmt das ja. “Legenden und Mythen im Alltag zu haben, das fehlt den Menschen heute. Wir haben damit einen Nerv der Zeit getroffen”, so ein bekannter Szene-Barde (SZ 230/2005) und ein anderer: “Ich gebe den Leuten, wonach sie hungern - Träume” (Spiegel 26/1996). Vom Uni-Schreibtisch aus betrachtet wirkt all das ganz schlüssig. Die These fügt sich besten in die aktuellen sozialpsychologischen Forschungstrends. Nur muß sie darum noch lange nicht mit der gelebten Realität übereinstimmen.
Ist das Mittelalter in den Köpfen heutigen Akteure tatsächlich eine heile, simpel gestrickte Welt? Oder doch ein buntes Sammelsurium aus Ideen und Impulsen, die kaum jemals zu ordnen sind? Entspringt die komplexe Herstellung möglichst authentischer Ausrüstungsgegenstände dem Bedürfnis, die Welt des Einheits-Plastik-Konsums hinter sich zu lassen? Oder geht es vor allem um die handwerkliche Herausforderung? Um ästhetisches Gefühl? Ehrlich gesagt mißtraue ich einfachen Erklärungen von Leuten, die nie Beinling oder Schapel getragen haben. Wie steht es mit Euch? Seid Ihr auf der Flucht oder längst irgendwo angekommen? Wieder mal bin ich auf echtes Insider-Wissen angewiesen!
Jan

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Eintrag #23 vom 11. Okt. 2007 14:41 Uhr Sven Wolfgang Pfeifenberger  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sven Wolfgang Pfeifenberger eine Nachricht zu schreiben.

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Ohje,
obwohl ich eigentlich keine Zeit hab will ich sie mir trotzdem nehmen, Dir diese- wie Du siehst- oft gestellte Frage aus meiner Sicht zu beantworten.
Zuerstmal, wenn du Wissenschaftlich herangehen willst, definiere deine Fragestellung präziser.
Um was geht es? Die Frage wirst Du hier in jedem zweiten Topic neu diskutiert sehen. Aber gerade, wenn Du versuchst, die Motivation für ein solches Hobby zu finden, musst Du definieren, ob es um Marktmittelalter, Faschingscamping, Larp, Fechten, Handwerk, Living History, Militärhistorie …und /oder… etc geht.
Oder geht es Dir um die Frage: Warum Mittelalter, warum nicht Handwerksverein, Pfadfinder und/oder Sportverein?
Ich glaube, dass die Antworten, die Du bei einer differenzierten Erhebung (ich schlage hierfür ein halbstruckturiertes Interview in Kombination mit zb einem Big-Five Itemfragebogen vor), werden genau so vielfältig sein, wie die Definitionen des Hobbys. Denn das Hobby ist für jeden einzelnen genau das, was er/sie draus macht. Die unten stehenden Antworten sind dafür ein prima Beispiel: positive Flucht, Urlaub, einziges Hobby oder doch psychotische Realitätsverschiebung, du wirst alles finden.
Und wenn Du schon dabei bist: mich würde die Frage interessieren: in wie weit lässt sich ein Suchtverhalten bei Reenactern vs Online-spielern diagnostizieren. Wie groß ist die gemeinsame Schnittmenge?
Um Dir auch eine Antwort zu geben:
Für mich ist “Das Mittelalter” (also 1472, 1560 und 1803) eher eine Art Kernthema, um das sich verschiedene Beschäftigungen Drehen:
- Fechten: ich hab an nem schönen Gefecht oder Duell so viel (Adrenalin-)Spass wie andere Leute am Fußball oder Fallschirmspringen. Und es erfodert mindestens soviel Training, sprich Sport.
- Nähen, Schmieden, Holzarbeiten: als Student mit nichthandwerklichen Nebenjobs ist es einfach auch wichtig wenigstens ab und an ein greifbares Ergebnis seiner Arbeit zu sehen.
- Geschichte: fand ich schon immer interessant, weil ich finde, dass die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst, also sollte man darüber Bescheid wissen.
- Kochen: ich koche eh fast täglich und gerne für Gäste, ob das jetzt ein mediterranes, asiatisches oder spätmittelalterliches Rezept ist, ist dabei Nebensache. Und Pastete mit Rotweinsauce zB hat imho eher weniger mit ßkotrend zu tun ;-)
- Lagerleben und kochen auf dem Feuer: gut, Lagerleben gehört halt dazu und Wanderer schlafen auch in Zelten, aber das Kochen über dem Feuer ist hier im Saarland sowas wie Volkssport (ok, klar Grillen wir hauptsächlich, aber Grillsaucen kann man prima im Grapen zubereiten ;-9 - früher wars halt der Alu-Camping-Topf )
- Internationale Kommunikation: eigentlich ist es wie auf nem Festival, wenn man auf Veranstaltungen im Ausland fährt, nur dass die Leute alle wegen dem “Zentralthema Mittelalter” dort sind, statt wegen der Musik.
- Lebendige Geschichte: manchmal macht es Spass, manchmal nervt es, dem geneigten Zuhörer Informationen näher zu bringen, aber das ist wohl immer so, wenn man bei einer eher randständigen Beschäftigung ßffentlichkeitsarbeit betreibt.
Schöne Grüße und gespannt auf einen weiterhin interessanten Diskurs
Sven W.P.

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Eintrag #24 vom 11. Okt. 2007 16:59 Uhr Jan Keupp   Nachricht

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Danke, lieber Sven, für die ausführliche Antwort in knapper Zeit!
Methodisch bevorzuge ich die qualitative vor der quantitativen Sozialforschung - will sagen: keine Fragebögen sondern die geschätzte Meinung von kompetenten “Einzeltätern” wie Dir. Und Du hast natürlich Recht, die Antworten werden überaus vielfältig sein, vielfältiger allemal als eine einfache Schema-F-Lösung ala “Weltflucht”.
Die Frage muß ich tatsächlich präziser fassen und will es mal so versuchen: Ist das “neu”, “gelebte” - wie auch immer - Mittelalter tatsächlich eine einfache Welt? Die 4500 threads allein hier machen auf den ersten Blick nicht diesen Eindruck…
Beste Grüße
Jan

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Eintrag #25 vom 12. Okt. 2007 09:24 Uhr Holger Herzog  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Holger Herzog eine Nachricht zu schreiben.

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Und wieder kann man deine Frage nicht beantworten. Wenn ich jede mögliche vergangene Zeitepoche, MA, Befreiungskriege, WWII und selbst wenn ich das leben in der DDR nachstellen würde und dabei nur die Klischees über diese Zeit nachstelle sind dies alles einfache Zeiten. Es gibt Gut und Böse und Oben und Unten, alles hübsch geordnet. Aber schon wenn ich versuche in einem kleinen Teilbereich tiefer einzutauchen dann wird die Welt komplex und nicht anders als die heutige Welt.
Jeder der nur ein wenig sein Hobby ernsthaft macht kennt das, man such sich ein Thema und beginnt sich damit zu beschäftigen und schnell stellt man fest das es ein Fass ohne Boden ist.
Du wirst natürlich Leute finden die aus dieser (unserer)Zeit flüchten wollen, aber diese Menschen werden dann sicher nur die Klischees nachleben. Der große Teil der Leute die ich kenne betreiben es als Hobby wie Musik, gute Musiker, schlechte Musiker und Techno oder Klassik.
Es macht wohl mehr sinn nach dem Beginn der “MA-Szene” zu suchen. Jetzt ist es ein Hobbybereich wie jeder andere. Es hat sich irgendwann entwickelt und bietet jetzt allen Schichten der Bevölkerung Nischen in die man einsteigen kann.
Holger

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Eintrag #26 vom 13. Okt. 2007 15:15 Uhr Jan Keupp   Nachricht

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Lieber Holger, immerhin hast Du mir gezeigt, daß es offenbar einen Unterschied gibt zwischen dem, was Einsteiger vielleicht suchen (Klischee)und dem, was sie bei tiefergehender Beschäftigung finden (eine komplexe Lebenswelt). Das führte dann zu der Frage, warum sie dabei bleiben. Aber diese Antwort liegt vermutlich auf der Hand, wenn man in die leuchtenden Augen mancher Gewandeter schaut…
Was mich umtreibt ist etwas anderes: Ich vermute, Einsteiger haben in der Regel kein vorgefertigtes Mittelalterbild im Kopf. Ein solches gibt es in der heutigen Zeit nämlich nicht wirklich. Mittelalter kann alles beinhalten, Robin Hood und feudale Unterdrückung, Disney-Prinzessin und Folterkammer, hoher muot und Engstirnigkeit, Naturreligion und gotische Baukunst… Es sind also mehr Fragmente als Klischees. Den einen zieht dieses an, den anderen reizt jenes.
Die These von der “Sehnsucht nach einer Gesellschaft mit klaren Hierarchien und Zuordnungen” scheint mir deshalb verfehlt. Ist es statt einer einfach strukturierten Welt nicht vielmehr der große offene Abenteuerspielplatz, der das “gelebte Mittelalter” so attraktiv macht.
ßbrigens finde ich diese Frage noch viel interessanter, als die Suche nach etwaigen Anfängen oder Wiederentdeckern. Ein paar Freaks mit ausgefallenen Vorlieben gibt es immer. Wenn daraus auf einemal eine ganze Bewegung entsteht, wird es wirklich spannend!
In diesem Sinne: Weiter so!
Jan

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Eintrag #27 vom 15. Okt. 2007 01:28 Uhr Bernd (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Bernd eine Nachricht zu schreiben.

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Ich denke, die Wahrheit ist wie so oft viel profaner als man es eigentlich zugeben will.
Ein großer Teil der “Szene” - und mir ist wohl bewusst, daß es keine “Szene” als solches gibt, denn wir sind alles Individuen - wird meiner Meinung nach nicht durch “ehrliches Interesse an der Thematik” oder einer Romantisierten Fantasiewelt von Feen, Drachen und Rittern rekrutiert, sondern schlicht und ergreifend von der Möglichkeit, Party zu machen.
Insofern ist Lagerleben/Burgbelebung/etc. vieleicht schon eine Art Realitätsflucht, oder wie am Anfang schon erwähnt ein kurzer Urlaub vom Alltag, aber keine Flucht in eine einfach strukturierten Welt einer vermeintlich “besseren” Vergangenheit, sondern eher in die einfach strukturierte Welt der Festivals, Zeltlager oder Klassenfahrten.
Der eine oder andere wird sich dann im Laufe seiner “Kariere” spezialisieren, in diesem großen offenen Abenteuerspielplatz - eine sehr schöne Metapher übrigens - eine Nische für sich finden und es dort zur Perfektion bringen, aber auch dort wird, wenn man ehrlich zu sich ist, eine große Triebfeder die soziale Interaktion sein, das Treffen, Fachsimpeln und Solidarisieren mit Gleichgesinnten, wie halt in jedem anderen Hobby auch.
Viele werden auch einfach irgendwann irgendwie angefangen haben und bleiben dann “hängen”, schlicht und ergreifend weil sie inzwischen privat fast nur noch “Mittelalter-Leute” kennen - wie in jeder anderen Szene/Subkultur auch. Das ist profan, das hört man natürlich nicht gerne, denn schließlich fühlt man sich ja insgeheim schon als Teil einer Elite (streitet dies aber natürlich vehement ab, understatement…), und dann gesagt zu bekommen, man mache das nur, weil man nichts anderes kenne - neeeeee…
Die möglichst authentische Herstellung von Kleidung und Gegenständen ist bei vielen warscheinlich wirklich eher durch die technische Herausforderung motiviert und ab einem gewissen Punkt durch den Ehrgeiz, wie man das noch weiter, noch besser, noch detaillierter teiben könne, (wie bei jedem anderem Hobby auch), als durch den Protest gegen die Plastik-Konsumwelt - so ist es jedenfalls bei mir (wobei es natürlich besonders gut und engagiert klingt, wenn man es als Statement gegen die “unkritisch konsumierende MTV/MC-Donalds-Spaßgesellschaft” formuliert).
Oft ist auch der Konkurrenzkampf, die “Anderen” zu toppen, Teil der Motivation bzw. das Erreichen einer bestimmten Messlatte, um “dazu zu gehören”. Beides niedere und profane Beweggründe, die man natürlich nie in einem Fragebogen (oder Internetforum) zugäbe…
Ich denke mal Soziologen/Psychologen könnten zu jedem Hobby goßartige Theorien konstruieren, bei einem so auffälligem Hobby wie diesem hier bietet sich das halt besonders an (ebenso wie es zu jeder Subkultur eine wissenschaftliche Schublade gibt).
Wissenschafler sind halt auch nur Menschen, können ihre Vorurteile jedoch viel ausgefeilter formulieren - auch eine profane Wahrheit.
“Sehnsucht nach einer Gesellschaft mit klaren Hierarchien und Zuordnungen” - meinen die das wirlich ernst?
ciao - Bernd

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