Moin, Moin, an Udo: (auch wenn Dein Betrag älter ist) vielen Dank für Deinen Hinweis auf die Slawen, in diesem Fall Rugarier. Es hat nach Aussage verschiedener Quellen, (z.B. Holmold von Bosau vollendet um 1171 oder Nikolaus von Jeroschin in “Kronike von Pruzinlant” vollendet um 1335-41), im Einflußbereich des Deutschen Hochmittelalters durchaus noch Heiden gegeben, die zu bekämpfen sich gelohnt hat. Zitat aus “Die Chronik vom Leben des Heiligen Ansgar”: » Einige arme, aus chistlichen Ländern geraubte und in Barbarenländer verschleppte Gefangene waren in der Fremde arg gequält worden; in der Hoffnung auf ein Entrinnen flohen sie zu den Christen Nordelbiens, die ja deb Heiden an nächsten wohnen; die aber griffen und fesselten die Ankömmlinge erneut ohne jedes Erbarmen. Einige verkauften sie an Heiden weiter, andere behielten sie zu eigenem Dienst oder verhandelten sie an andere Christen. Der Bischof war von der Kunde über einen solchen Frevel an seiner Diozese sehr betrübt, wußte aber nicht recht, wie er Abhife schaffen sollte; in das ruchlose Verbrechen waren nämlich sehr viele verwickelt, die als mächtig und edel galten.» “Angemerkt sei ,daß den Bischof kein Schuldbewußtsein plagte, als er zuvor einige junge Nordleute und Slawen kaufte um sie für den heiligen Streit heranzubilden” Quelle: Lange, Vineta Sylvia (Dragomira)
Hallo Scorpia! Dies ist zwar ein Uralt-Tread, aber vielleicht schaust Du doch noch mal kurz rein. Im “Stern” Nr. 2/99 vom 7.I. ist ein sehr interessanter Bericht über Ausgrabungen einer slawischen Kultstätte auf der Insel Rügen. Laut Archäologen fiel diese heidnische Kultstätte erst 1168 christlichen (dänischen) Invasoren unter König Waldemar I. in die Hände, die diese dann als gute Christen auch gleich einäscherten. Wenn Du Interesse an dem Bericht hast, den “Stern” aber nicht mehr auftreiben kannst, dann schicke ich Dir gerne eine Kopie dessen.
Hallo Scorpia, es ist nicht abzustreiten, daß im Hochmittelalter wohl der eine oder andere heidnische Brauch praktiziert wurde. Es wird auch gesellschaftliche Außenseiter gegeben haben, die sich heimlich vom Christentum abgewendet haben. Es wird aber keiner ernsthaft behaupten wollen, daß das auch nur annähernd in einem Umfang geschehen ist, wie es heute auf den Märkten zur Schau getragen wird. Zu Deiner Anmerkung bezüglich der “geklauten” Feiertage: Es ist allgemein bekannt, daß im Zuge der Christianisierung Europas viele heidnische Feiertage und Bräuche modifiziert übernommen wurden, um den Heiden den ßbertritt zum Christentum so zu erleichtern, daß sie ihr Gesicht wahren konnten. Doch befinden wir uns auf den Märkten im Hochmittelalter. - Und das war in etwa so christlich wie eine bayrische Kleinstadt um die Jahrhundertwende. Die ursprüngliche Bedeutung der Feiertage stand da nicht im Vordergrund. Ich glaube auch nicht, daß im Hochmittelalter jeder zweite (Ritter und Ordensritter eingeschlossen) mit heidnischen Symbolen geschmückt war, weil es irgendwo ein Kloster Heidenheim gab, in dem eventuell “Mischformen der reinen Lehre” praktiziert wurden. In Wahrheit hat ein heidnisches Symbol am Körper so viel zu suchen, wie eine Armbanduhr. Außer man stellt einen unabhängigen gesellschaftlichen Außenseiter dar. Ich denke, kein Ernstzunehmender möchte irgend jemandem verbieten, auf Freienfels Beltane zu feiern. Frank hatte sich, nachdem er seine eigene Toleranz glaubhaft gemacht hatte, erkundigt, wie er sich auf so einem Fest verhalten solle. Das war alles. Du kannst Dein Schwert also wieder in die Scheide stecken. Ich finde es jedoch schade, daß Du das Streben nach Authentizität (ja, ich benutze dieses Wort) durch die Anwesenheit von Touris begründest. Dann können wir alle nach Feierabend die Campingstühle herausstellen, Maggi Fix für Currywurst in die Teflonpfanne schmeißen, und es uns mit Jeans und T-Shirt zu den Klängen von Hardrock mit einer Dose Coke in der Hand gemütlich machen. Wir machen Mittelalter, weil es uns Spaß macht. Wir stecken viel Freizeit in unseren Kram, denn er soll auch mittelalterlich aussehen. Entsprechend sollten wir auch auftreten, schon um unserer Arbeit genüge zu tun. Philipp Klostermann Was Deine Bemerkung zu den “alten Bärten” angeht: Es gibt schließlich auch Newcomer in der “Szene”, die diese Diskussion noch nicht geführt haben. Außerdem kann es nie verkehrt sein, seinen Standpunkt von Zeit zu Zeit einmal neu zu überdenken. Toleranz gegenüber nicht christlichen Religionen ist zweifelsohne wichtig und richtig, aber es wäre schön, wenn diese Toleranz umgekehrt auch dem Darsteller eines christlichen Ritters entgegengebracht würde. Daß das Christentum im Adel (es ging hier schließlich um Ritter) durchaus gelebt wurde, kann man an der nicht-kirchlichen Literatur - den Heldenepen - erkennen. Diese Epen wimmeln unter anderem auch von heidnischen Symbolen (z.B. im Nibelungenlied oder auch im Parsifal), die Helden an sich sind jedoch immer von bester christlicher Tugend. Das ist natürlich ein Ideal, aber dieses wurde durchaus angestrebt. Die Dichter konnten schließlich nicht auf die Finanzierung durch die Kirche hoffen, sie mußten ihre “Sponsoren” bei Ihrem Publikum suchen. Ergo werden sie ihre Geschichten wohl so verfaßt haben, daß sie den Geschmack ihres Publikums trafen. Ich glaube nicht, daß man einen christlichen Parsifal nur aus Angst vor der Kirche hat gewinnen lassen. Denn wenn das so wäre, dürfte wirklich kein einziger Ritter auf dem Mittelaltermarkt mit Thorshammer o.ä. ´rumlaufen. Ferner muß man bedenken, daß der Nachwuchs in den Klöstern lange Zeit hauptsächlich aus dem Adel stammte. Das hatte zwar durchaus wirtschaftliche Gründe, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß der komplette Adel dermaßen doppeldeutig gedacht hat: “Ich schicke meine Söhne und Töchter ins Kloster und dann gehe ich in den nächsten Buchen- oder Eichenhain und danke Odin für diese praktische Lösung des Erbfolgeproblems.” Das Vorherrschen des Christentum schließt natürlich nicht aus, daß zusätzlich alte Riten lebendig waren (z.B. Fruchtbarkeitszauber, wenn sich der gewünscht männliche Erbe nicht einstellen wollte; frei nach dem Motto: es kann ja nichts schaden, alle Möglichkeiten auszuschöpfen) und/oder man einem gewissen Aberglauben anhing. Beim “einfachen” Volk haben sich heidnische Gebräuche sicherlich stärker und länger gehalten. Oft werden es auch Mischformen gewesen sein, ähnlich vielleicht wie heute in Südamerika, wo sich in der Bevölkerung Elemente des Voodoo mit der christlichen (oder richtiger: katholischen) Heiligenverehrung vermischen. Gabriele Heinzel
Um einige Miß(Mist-)Verständnisse auszuräumen: 1. Ich werde mir dieses Ritual garantiert nicht entgehen lassen, denn - wie ich es eigentlich zum Ausdruck bringen wollte - bin ich kein Eiferer und hoffe daher, nicht allzu verblendet zu sein. 2. Um Aufklärung habe ich ausdrücklich gebeten, habe ich jetzt z.T. schon erhalten, danke dafür. 3. Emotionalität ist hier fehl am Platze, konnte ja nicht wissen, daß ich in einer längst verheilt geglaubten Wunde herumbohre. 4. Mit Nachdruck erkläre ich hier, daß ich keinen Aufruf zum Sprengen des Festes gegeben habe, noch zu sonsteinem Kreuzzug, ich bin ja nicht der Papst! Vielmehr stellte sich mir die Frage, wie gerade Darsteller eines Rittercharakters (im nachgestellten Hochmittelalter) es wagen können - trotz einer am Wappenrock u.U. erkennbaren Zugehörigkeit zu einem Ritterorden - ohne Bedenken auf so ein Fest zu gehen. Die Frage war als Provokation gedacht, mal über die Darstellung eines Ritters etwas nachzudenken und das diese Rolle wohl mehr sein sollte, als “Hau-Drauf”, “Sauf-Aus” und Pochen auf Ritterbürtigkeit, sondern das die anderen Teile des Charakters auch nicht außer Acht gelassen werden sollten. Hoffe, einiges aufgeklärt zu haben. MfG Frank Dierkes
Lieber Frank, Du wühlst hier gerade eine Diskussion auf, die eigentlich schon lange wieder vom Tisch ist. Das Christentum war zwar offizielle Staatsreligion, war aber de facto ein wildes Gemisch aus christlichen Vorstellungen und alten ßberlieferungen (das “Klauen” von Feiertagen sagt da ja alles). Abgesehen davon: “Das heilige römische Reich” ist eine Bezeichnung, die in dieser Zeit überhaupt nicht verwendet wurde, sondern erst in neuerer Zeit aufkam im Zuge einer Rückbesinnung auf “gute, alte Zeiten”. Beltane auf Freienfels zu feiern stellt insofern kein Problem dar, als wir da völlig ohne Touris sind, womit eine A…debatte wohl vom Tisch ist. Nebenbei bemerkt, ist Beltane nachweislich das Fest, das am längsten in seiner ursprünglichen Form gefeiert wurde, wenn auch unter dem Namen der heiligen Walpurga. Diese Dame war die Leiterin des Doppelklosters (Männer und Frauen) Heidenheim (!) und namhafte Historiker vermuten, daß in diesem Kloster noch lange “Mischformen” der ´reinen Lehre´ praktiziert wurden. Man hat übrigens in Rom reichlich Verrenkungen machen müßen, um diesen Tag der Walpurga zuzuordnen. Denn es weder ihr Geburts- noch ihr Todestag, sondern der Tag, an dem ihre zunächst anderswo beigesetzten Gebeine angeblich nach Heidenheim überführt worden sind. Ich habe übrigens zu diesem Fest ausdrücklich Anhänger aller Religionen eingeladen. D.h, daß ich Anregungen, die anderen als meiner eigenen Religion entspringen, durchaus begrüße, nicht zuletzt deshalb, weil sich “ökumenische” Götterdienste in der Vergangenheit sehr bewährt haben. Abgesehen davon, bin ich (und sind wir alle) wohl kaum in der Lage eine “orginalgetreue” Walpurgisnacht zu feiern. Es soll Spass machen und an den ursprünglichen Sinn des Festes erinnern. Sollten dich aber Bedenken religiöser, moralischer oder sonstiger Art von der Teilnahme abhalten: selbst schuld! Ansonsten mein Apell an alle: Austausch und Kommunikation ist klasse, aber brecht doch bitte nicht ständig Diskussionen um des Kaisers Bart vom Zaun! Und um eine mittlerweile recht beliebte Grußformel zu benutzen: Mit im privaten heidnischen, auf dem Markt jedoch eher christlichen Grüßen Scorpia P.S. ßber die Aufforderung zur Sprengung des Festes reden wir noch !!!
Eines gleich vorab, ich bin weder ein Zelot noch sonst irgendwie ein religiöser Eiferer. Nur frage ich mich ab + zu auf den Märkten/Festen/Burgen, wo um Himmels willen ist hier das Nest, aus dem die ganzen Heiden entspringen. Jetzt mal ausführlich. Die meisten Feste/Lager spielen im nachgestellten Hochmittelalter, d.h. so von 1150 bis 1250 (+/- 50 Jahre). Das heißt, die ersten Kreuzzüge waren gelaufen, Jerusalem erobert (oder gerade mal nicht), verbrannt wurden Kartharer, Juden, Ketzer (aber noch kaum Hexen) und das Christentum war per Dekret seit x100 Jahren Staatsreligion. Klar sind die negativen Nebenwirkungen der Christianisierung auf Heilkunde, frühe Wissenschaft u.a.m. bekannt und die zunehmende Indoktrinierung auch (nicht umsonst mutierten die “weisen Frauen” zu Hexen und heidnische Kulttage wie Beltane zum Höllentag Valpurgis). Probleme bereitet mir nur, daß ich oft gerade Ritterdarsteller sehe, die nicht einmal wissen, wie herum ein Kreuz zu hängen hat (fast schon lächerlich, daß diese Personen dann Gewänder von Ordensrittern tragen). Auch grundlegende Kenntnisse der damaligen Staatsreligion des “heiligen römischen Reiches deutscher Nation” sind bei den meisten “Rittern” zu vermissen. Oft dafür bemerkt man aber, daß gerade Mönchdarsteller (hoffentlich können wenigstens die ihren Job) schief angesehen werden und blöde Sprüche zu hören bekommen. Ich bin aber der Meinung, daß sich vielleicht viele Menschen im Hochmittelalter - aus Unkenntnis, aus anderer Ansicht heraus - ihr eigenes Gemisch aus religiösen Ansichten gemacht haben, sich aber gehütet haben, offen “Heiden” zu sein. Ein anderes Verhalten und das nicht-beachten von rel. Regeln (im Zweifelsfall konnte man zum Mönch gehen, oder wurde halt im hohen Alter fromm), hätte rel. schnell einen letalen Ausgang gehabt. Meine Frage in die Runde ist nun, wie man sich als Darsteller eines hochmittelalterlichen Kämpfers zu den ganzen keltischen/ägyptischen/esoterischen Symbolen verhalten soll - ich bin zwar schon mehrfach auf Händler zugegangen und habe ihn nach “seynem heidnisch Zeug” befragt, erntete aber nur blöde Blicke. Auch wie man sich zu Festlichkeiten zu verhalten hat - Bsp. Beltane am 1. Mai in Freienfels - würde mich interessieren. Im Grunde genommen müsste die gesammelte Ritterschaft das Fest sprengen und die Heiden metzeln! Da das nicht Sinn der Sache ist, hoffe ich auf geistreiche Antworten. In diesem Sinne. Hermann de Monasterium (F. Dierkes)