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Eintrag #1 vom 04. Mai. 2004 15:44 Uhr Christian Spalthoff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Spalthoff eine Nachricht zu schreiben.

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Ich möchte mir gerne eine Heuke nähen, die etwa im ausgehenden 15. Jahrhundert eingeordnet sein soll.
Konkret vorgestellt habe ich mir ein Kleidungsstück wie das das “Boten” aus dem Hofämterspiel (Bild z.B. in H.Kühnel, “Alltag im Spätmittelalter”, Seite 73) nur mit dem Verschluss auf der rechten anstatt der linken Seite.
Da ich allerdings nicht hundertprozentig firm in spätmittelalterlicher Kleidung bin, und natürlich ungerne grobe Schnitzer begehen möchte, hätte ich hier noch ein paar Fragen und wäre für Hilfe sehr dankbar:
Erstens das Material. Wolle ist klar, doch welche Art von modernem Wollstoff bietet sich da in Sachen Optik, “A” und Tragekomfort an? Walkloden?
Zweitens das Futter: Allein wegen der hochwertigeren Optik würde ich gerne ein Futter einnähen, und hatte hierfür an Leinenstoff gedacht. Was nehme ich da am besten für eine Qualität und Stärke? Wurde Barchent auch als Mantelfutterstoff verwendet, und ist das dafür eventuell besser geeignet? Wo kann ich so etwas möglichst erschwinglich herbekommen? Soweit ich weiss ist ja handlesübliches Halbleinen genau umgekehrt gewebt. Wie unterscheidet sich das in Optik und Griff, wäre das eventuell eine brauchbare, wenn auch nicht hundertprozentige, Alternative?
Auf einer Abbildung eines ähnlichen Mantels in Embeltons “Ritter und Söldner im Spätmittelalter” auf Seite 70 sieht es so aus, als wäre zumindest an der Kante unter den Knöpfen der Mantel gefüttert, unten ist er es jedoch nicht. Gibt es vielleicht Belege für Mäntel bei denen (stoffsparend)nur die Schulterpartie gefüttert ist und der Rest nicht?
Drittens der Verschluss: Ich hatte an zwei Knöpfe gedacht, an der Kante des rechten Saums angenäht. Auf der sicheren Seite wäre ich vermutlich mit stoffüberzogenen Holzknöpfen, aber ich hätte eigentlich lieber Zinnknöpfe.
Gab es da besondere Formen, oder besondere Formen nicht? Die einzigen Zinnknöpfe die ich sicher kenne sind die kugelförmigen kleinen, aber auf dem obengenannten Photo aus dem “Ritter und Söldner” scheint der Mantel flache, große Zinnknöpfe zu haben. In einer Bezugsquelle, die ich gefunden habe, gibt es ähnliche, allerdings aus dem 18.Jahrhundert: https://ssl.kundenserver.de/[…]/0484_200x104.jpg
Haltet ihr die für brauchbar?
Vielen Dank im Voraus!
Christian Spalthoff

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Eintrag #2 vom 11. Jul. 2004 23:23 Uhr Christian Spalthoff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Christian Spalthoff eine Nachricht zu schreiben.

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Ich hätte da noch zwei Fragen (und die heimliche Hoffnung, dass dieser Thread am oberen Ende der Liste doch noch etwas mehr Beachtung findet):
Erstens die Frage mit den Knöpfen: Wäre es passender, die Knöpfe an der Stoffkante anzunähen, oder war die “moderne” Position, wo die Knöpfe mitten auf dem Stoff angebracht sind, zu dieser Zeit schon gebräuchlich? Ich stelle mir vor, dass bei letzterem durch die breitere ßberlappung der Verschluss etwas dichter ist, was ja durchaus wünschenswert ist.
Zweitens noch mal zum Futter: Ist es überhaupt sinnvoll, einen Wollmantel mit hellem Leinen zu füttern?
Im nachhinein könnte ich mir vorstellen, dass das Probleme beim Säubern geben könnte, wenn man dann Dreckspritzer im Futter hat - Wolle kann man ja ausbürsten, aber Leinen nicht, während ja beim Waschen, um das Leinen sauberzukriegen, die Wolle entfettet wird. Hat damit jemand schon Erfahrung gesammelt?
Christian Spalthoff

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Eintrag #3 vom 12. Jul. 2004 07:38 Uhr Martin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Martin eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Christian,
wie du dir vielleicht denken kannst gibt es keine Pauschalantworten. Das fängt schon mit dem Begriff “Heuke” an, der ist weniger geläufig, und wurde so gut wie nie in der Company of Saint George oder bei 1476 verwendet, aber ich gehe davon aus du meinst einen Radmantel? Beim Material kann man eigentlich nicht all zuviel verkehrt machen wenn es Wolle ist, mußt nur darauf achten das keine syntethischen Zusätze drin sind. Es gab nämlich durchaus mehr Wolltuch-arten als nur walk Loden. Die Mäntel müßen auch nicht unbedingt gefüttert werden, das geht auch ohne weiteres ungefüttert, ist pflege leichter, habe ich fest gestellt.
Wolle mit Leinenfutter ist ein Problem beim waschen da Wolle sich anders verhält als Leinen kann nach dem Waschen das Futter vor schauen da es sich verzogen hat beim Waschen. Aber wenn man nicht unbedingt im Dreck rum wühlt reicht in der Regel ein einfaches Ausbürsten und Lüften. Zu den Verschlüssen, nun ich würde von Zinnknöpfen abraten, werden zwar gerne verwendet, da sich viele auf die Londoner Funde in Bücher wie “Dress Accessories” berufen, aber es gibt hier auf dem Festland kaum Funde von Zinnknöpfen, und in der Malerei sieht man die überhaupt nicht. Ich würde eher zu Stoffbezogeneknöpfe raten, wie im von dir erwähnten Beispiel des Hofämterspiels die Karte des Boten. Zur Posititionierung der Knöpfe das würde ich ähnlich handhaben wie bei einem Wams, nahe an der Kante aber nicht ganz an der Kante ca. 1cm entfernt, bei den Abbildungen kann man relative gut abschätzen wie weit entfernt die von der Kante sind. Ansonsten auch als Mitglied der Company of Saint George rate ich davon ab das Buch “Söldnerleben im Mittelalter” als Vorlage zu nehmen, den das sind sogenannte dritt Quellen, und das Buch soll nur zeigen was machbar ist wenn man es möchte. Ansonsten die Fotos da drin sind über einen Zeitraum von über zehn Jahren gesammelt worden, das heißt da sind auch viele Fehler dabei die heut-zu-tage nicht mehr o.k. wären.
Ist halt einfach ein schönes Bilderbuch mehr nicht.
Zum Radmantel lässt sich noch folgendes sagen es gibt viele verschiede varianten nicht nur mit Knopfverschluß sonder auch mit einer Brosche oder Fiebel verschlossen oder eine zugenähte variante die man sich über den Kopf zieht. Einige Beispiele sieht man im “Hausbuchmeister” oder leichter verfügbar im “Venus und Mars”
Ich hoffe das hilft etwas weiter?
Schmierfink

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Eintrag #4 vom 12. Jul. 2004 23:04 Uhr Mercedes Di Clemente  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Mercedes Di Clemente eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
ein schönes kontrastrierendes Futter kann nicht schaden :-)
Aber zu den Knöpfen, wieso sollte man keine Zinnknöpfe nehmen, nur weil es von der breiten Masse nicht genutzt worden ist, aber doch belegt ist, das man sie doch verwendet hat?
Viele Grüsse, Mercedes

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Eintrag #5 vom 13. Jul. 2004 08:11 Uhr Martin (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Martin eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Mercedes,
nun Belege schön und gut,
aber ein Beleg von damaligen Rand der Welt als Beleg zu verwenden für eine ganz andere Region ist so eine Sache! Im normal fall versuchen die Leute das damals gängige darzustellen, sich dann noch an exotischem ran zu wagen öffnet in der Regel Tor und Tür für alles! Im end effect hat man was man auf den Märkten sieht wie zum Beispiel die Schotten, so häufig wie man die überall rum springen sieht könnte man meinen ganz Europa war Scottland! Ich meine man begibt sich auf sehr dünnem Eis wenn man nur nach dem Motto geht hauptsache Beleg egal von woher, ohne zu berücksichtigen von welche Region das her kommt.
Den früher oder später kommen die Schlauberger mit Belegen aus Afrika, Nordamerika oder Asien nach dem motte ist 15. Jh. der Rest ist egal, das kann es wohl nicht sein oder?
Schmierfink

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