hat Innozenz III. die erste, von der Kirche geleitete, Hexenverfolgung angeleiert. Die lebte aber nicht lange, da sein Inquisitor von ergrimmten Adeligen erschlagen wurde.
Erst 30 Jahre später unter einem anderen Papst gings dann richtig los.
Die Bezeichnung Hexe gabs da aber immer noch nicht. Dafür aber genug Möglichkeiten, Kranken, körperlich Behinderten, Kräuterfrauen und anderen Leuten was anzuhängen mit der Begründung, mit Satanas im Bunde zu sein. Für diese Anklage benötigt man das Wort “Hexe” nicht.
Was ebenfalls gegen Deine Behauptung spricht, daß es schon im 9. Jhd. “Hexenverfolgungen” gegeben hat, wiederspricht sich in dem verhalten der damals noch nicht sehr starken kath. Kirche gegenüber den heidn. Priesterinnen in Bayern:
Dort wurde, wenn sie denn erwischt wurden, nur das Heiligtum zerstört und die Priesterin vertrieben. Und dies war während der Regierungszeit Karl d. Kahlen.
Christoph, bestätigt Dein Einwurf den Sachverhalt: Wenn’s den Begriff der Hexe erst im 14./15. Jhdt gibt, kann’s auch erst dann Hexenverfolgung gegeben haben….
Andere der zahlreichen Synonyme sind strega, wicca (, saga) und hagazussa. Den Beschuldigten wurde u.a. vorgeworfen, auf einem Besen durch die Luft zu reiten, daher spielt der Name vielleicht eher eine ungeordnete Rolle.
Wir können wohl davon ausgehen, dass der Text, auf den Nicole sich bezieht, im Original Lateinisch war. Jetzt wäre es interessant zu wissen, welcher Begriff dort benutzt wird, um “Hexerei” oder “Hexen” zu bezeichnen.
Da Sprache einem steten Wandel unterworfen ist, ist es ja durchaus denkbar, dass ein Autor des 9. Jahrhunderts diesen Begriff anders übersetzt hätte als ein Autor des 14. Jahrhunderts - das aber trotzdem beide das selbe Phänomen gemeint haben können.
ist etwas, dass es im MA nicht gegeben hat. Um 900 wurde im 2. Episcopalen Konzil der Glaube an Hexerei und Hexen unter Strafe gestellt. Wenn ich mich nicht völlig irre, wurden von Karl dem Grossen zwei “überraschende” Urteile gefällt. Diejenigen, die jemand anders der Hexerei bezichtigten, wurden unter Androhung des Todes auf dem Scheiterhaufen wegen Heresie dazu verpflichtet, von ihren Beschuldigungen abzulassen. Heresie für den Zweifel an der Allmacht Gottes und seine Herrschaft auch über den Teufel (und aufgrund der Tatsache, dass Leute, die auf dem Besen reiten in der Bibel nicht erwßhnt sind). Die richtige Hexenverfolgung begann erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, gängige Theorien sind, dass Schuldige für die Missernten gesucht wurden, genau wie für die Pest (deshalb setzte zu dem Zeitpunkt auch die Judenverfolgung “Brunnenvergifter” ein, während sie in der vorhergehenden Welle unter dem Vorwand “Gottesmörder” verfolgt worden waren, by the way).Glaube an Hexen, Hexenverfolgung liefen paralell zu einem gesellschaftlichen Wandel: Zunehmende Macht der Kirche, Zunahme der Macht der Städte, auch in einer ßnderung der Kriegsführung und nicht zuletzt in einer Dämonisierung der Frauen durch die Kirche, spielt sich u.a. auch in den Hebammenordnungen wieder (und einigem mehr, nicht zuletzt im ßbergang vom Herrensitz zum Damensitz beim Reiten).
Im 13. Jhdt hatten die Hebammen durchaus das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, die Nottaufen durchzuführen, während sie im weiteren Verlauf der Geschichte mehr und mehr in die Rolle einer Denunziantin gedrängt wurden. Ohne der Komplexität der Thematik auch nur ansatzweise gerecht werden zu können oder zu wollen.
Zu speziell der Psychologischen Verfassung und den Hintergründen der Hexenverfolgungen oder des Hexenwahns empfehle ich Aldous Huxleys “Die Teufel von Loudon” bzw. “The Devils of Loudon” (gab es mal bei Piper als Taschenbuch).
Der Autor ist ein dezidierter Kenner der Hexenprozesse (und hat nicht nur “Brave New World” und “Lord of the Flies” geschrieben ;-) und rekonstruiert in diesem Roman aufgrund erhaltener Dokumente den Prozeß gegen einen jesuitischen Geistlichen Anfang des 17. Jhdts. Meiner Meinung nach eine der packendsten psychologischen Studien zu diesem Thema ohne spätfeministische oder verallgemeinernde Tendenzen, die ja leider ziemlich verbreitet sind.
Zum Thema Hexen/Hexenverfolgung hab ich mal ein wenig zusammengetragen.
Im Volksaberglauben stehen die Hexen mit dem Teufel im Bunde und fügen Menschen und Tieren schaden zu. Gewöhnlich hält man sie für hässliche, alte Weiber, aber auch als Hexenmeister. Man nahm an, das die Kräfte der H. am stärksten in der Walpurgisnacht, Osternacht, Johannisnacht, in den Zwölften und am Georgs-bzw. Andreastag sein. Die hexen sollten alljährlich auf dem Blocksberge ihre Hexensabbatte mit den Höllenwesen feiern und dort entweder auf einem Besen oder Ziegenbock reitend erscheinen. Der Glaube an Hexen hatte im MA einen riesigen Umfang angenommen, daraus entwickelte sich dann später die sog. Hexenverfolgung. Die päpstl. Inquisitoren Heinrich Institoris und Jakob Sprenger errichteten in ihrer Schrift “MALEUS MALEFICARUM” dem hexenhammer 1489 ein ganzes Lehrgebäude des Hexenwahns und der Hexenbekämpfung. Unter dem Einfluss des Hexenhammers setzte eine Hochflut von hexenprozessen ein. neben den oft durch Folter erzwungenen Geständnissen diente als ßberführungsmittel auch die Hexenprobe (~Gottesurteil). Die verurteilte H. wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Erst gegen Ende des 18. Jhdt. ließen die Hexenprozesse allmählich nach. So viel von meiner Stelle
sicherlich ist Dir bewußt, daß viele Urteile gegen sogenannte “Ketzer” oder “Hexen” aus reiner Geldgier der Kirche gründeten. Das führte oft zur völligen Ausrottung ganzer Familien (damit kein Erbe mehr da war)
Desweiteren kann ich diese “Theorien” dieses, anscheinend Nordamerikanischer Nationalität angehörigen Autor nicht viel abgewinnen. Der “Hexenhammer” sagt eigendlich mehr darüber aus.
Auch ist die Verfolgung der Katharer/Albigenser durchaus nicht mit der Begründung des Beweises Gottes zu sehen, sondern einfach damit, daß diese Gruppen eine Gefahr für die “Einzig Wahre kath. Kirche” darstellten.
Und schließlich noch: Ist es ein Beweis Gottes, ein Schwein auf Grund von Zeugenaussagen eines Hasen und eines Hahns auf den Scheiterhaufen zu bringen?
Dann bitte ich um Entschuldigung, dass ich es nicht gefunden habe.
Ansonsten hier eine neue Nachricht. Ich bin zwar mit den dort angeführten Thesen nicht ganz einverstanden bzw. halte die Sicht für etwas sehr verkürzt, aber Informationswert hat die Meldung sicher, deshalb sei sie hier angeführt:
“Hexen wurden verfolgt, um die Existenz Gottes zu beweisen
Vom ausgehenden Mittelalter bis in die frühe Neuzeit wurden immer wieder Frauen als Hexen oder Männer als Hexer verbrannt. Dabei trug nicht nur das gemeine Volk zu Hexenglauben und Hexenverfolgung bei. Auch hochgelehrte Theologen waren sich nicht zu schade, in ihren Werken die reale Existenz von Hexen und Dämonen nachzuweisen zu versuchen. In seinem soeben erschienen Buch zeigt Walter Stephens von der Johns Hopkins University auf, dass die Theologen einen ganz besonderen Grund dafür hatten, Hexen als real anzusehen und sie zu verfolgen: Real existierende Hexen dienten als Gottesbeweis in einer Welt voller ßbel.
”Ohne Hexen hätten spätmittelalterliche Theologen der Frage gegenüber gestanden, warum Böses geschieht“, erklärt Stephens. ”In ihrer vorwissenschaftlichen, bibelbasierten Weltsicht gab es zur Erklärung des ßbels mit Hexen und Dämonen nur eine Alternative: Man müsste annehmen, dass Gott nicht mächtig genug sei, um das ßbel in der Welt abzuschaffen oder dass er es nicht genügend versucht habe. Diese Denk-Alternative musste natürlich unterdrückt werden, und das Resultat ist die Rechtfertigung ihrer Hexenverfolgungen. Im Grunde ist es ziemlich freudianisch: Die Gedanken, die man sich weigert zu denken, agiert man in einer gewalttätigen, ganz unlogischen Weise aus.“
Nicht nur ein dem ßbel ohnmächtig gegenüber stehender Gott durfte nicht gedacht werden. Viel schlimmer wäre es gewesen, die Existenz Gottes wegen des ßbels in der Welt ganz in Frage zu stellen. ”Die Theologen wollten an die Realität der geistigen Welt glauben“, sagt Stephens. ”Unstimmigkeiten zwischen Christen beunruhigten sie aber auch, und so begannen sie unabsichtlich zwei und zwei zusammen zu zählen. Sabotage von Leuten, die in körperlicher Verbindung zu Dämonen standen, war eine gute Erklärung für das ßbel in der Welt und eine gute Möglichkeit, dogmatische Zweifel zu überwinden. Die Leute, die diese Traktate schrieben, waren sich nicht bewusst, dass sie die Verleumdung nutzten, um eine wissenschaftliche Hypothese zu beweisen.“
Dass durch die psychische Verfassung von Glaubenszweiflern solche Hirngespinste wie Hexen, Teufel und Dämonen aufgebaut werden können, kann Stephens auch mit Beispielen aus der Gegenwart belegen: ”Heutzutage ist die Furcht vor Hexen am stärksten verbreitet unter Christen, die ihren Glauben in die buchstäbliche Wahrheit der Bibel und an Satan schützen müssen."