es gibt Abbildungen von David im stuttgarter Bilderpsalter (ca. 820 n.Chr.) wo dieser devinitv eine Tasche (Umhängetasche) trägt. Aber es handelt sich hierbei um die Karolingerzeit, also FMA.
Ich glaube, das Thema hatten wir schon mal in einem anderen Thread… und da war dann nach längerem Angucken der Mac-Bilder das Ergebnis auch, daß das eine Schleuder ist, keine Tasche. Die Abbildung mit Goliath ist einfach eindeutig.
Die “Tasche”, auf die Michael im ersten Eintrag hinweist, muß m.E. nicht unbedingt eine solche sein.
Die erste Abbildung (fol. 25 verso) zeigt David als Hirte bei den Schafen, das ist richtig. Im weiteren Verlauf der Geschichte um David ist er mehrfach mit der “Tasche” zu sehen (fol. 26 recto, 27 recto, 27 verso, 28 recto).
Interessanterweise wird aber diese “Tasche” von David auf fol. 28 verso als Schleuder verwendet, um Goliath mit einem Stein zu töten. Im danebenstehenden Bild trägt David diese Schleuder mit offenen Enden wieder am Gürtel.
Die Schleuder hat an jeder oberen Seite einen charakteristischen Knoten, der auf fol. 28 recto ebenfalls deutlich zu sehen ist (ich beziehe mich auf “Old Testament Miniatures” von Cockerell, die Bilder, die online verfügbar sind, haben leider eine zu geringe Auflösung, um manche Details zu erkennen).
Eine Schleuder wurde im ßbrigen von Hirten bis weit in die Neuzeit mitgeführt, um Raubtiere von der Herde fernhalten zu können.
Die Schleuder mit dem charakteristischen Netz wird weiterhin in der Kreuzritterbibel nur an David (für den ja eben die Schleuder charakteristisch ist) dargestellt, der einzige sonstige Hinweis auf die Verwendung eines Netzes als Tasche findet sich auf fol. 29 verso als “Almosenbeutel” am Gürtel einer Dame im roten Kleid auf der rechten Seite oben.
Eine weitere Abbildung eines Hirten (ohne Tasche und Schleuder, aber mit dem Hirtenstab als Identifikationsmerkmal) findet sich auf fol. 32 recto (Doeg, der Oberhirte von Saul).
Nach meinem Dafürhalten handelt es sich bei der abgebildeten “Tasche” in der Kreuzritterbibel um Davids Schleuder, nicht um eine Tasche. Womit ich die Existenz von Taschen aus Netzmaterial keinesfalls leugnen will ;-)
ßber diese Wasauchimmer bin ich auch schon gestolpert; meist im Bereich Frankreichs, und bisher eigentlich eher im späteren MA. (Bitte, wo liegt dieses Nahem eigentlich?)
Und nachdem ich zu dieser Zeit nach einer billigen Taschenalternative suchte ging ich in einen Laden für Fischereizubehör und kaufte mir dort etwas Netz. Siebensachen in Stoff eingewickelt, Stoff in Netz, Netz um Gürtel, Gürtel am Mann, Mann in der grünen Au… Drunt in der greana - tschuldigung. Durch den Stoff kann ich alle möglichen Kleinteile transportieren und kriege den Effekt hin, daß die in einigen Abb. andersfarbig hinterlegte Netzstruktur erreicht wird.
Nun begebe ich mich zum nächsten Fenster, öffne es und lehne mich weit heraus: Netz zum Vogelfang. Einerseits erklärt das die relativ weiten Maschen, andererseits waren meine Abb. meist aus Gegenden, in denen auch heute noch Singvögel gefangen werden. Das Netz könnte also so eine Art Zusatzmahlzeit für den Hirten darstellen.
Was allerdings den einhandflötenden David angeht habe ich meine Zweifel. Evtl. ein kreisförmig zusammengebundenes Netz, aber wie gesagt schaut es doch arg nach Strohgeflecht aus. Und außerdem hauen mir immer alle Singvögel im weiten Umkreis ab, wenn ich meine Einhandflöte ansetze. Muß an der Flöte liegen…
ich bin bei der recherche zu bäuerlicher Darstellung auch über diese Taschen gestolpert. Allerdings in Spätmittelalterlichen Abbildungen (so Ende 15. anfang 16. Jhd).
Die Tasche hat eine andere Form und erinnert eher an die greulichen Bauchbeutel aus den 80ern, aber die “Maschenoptik” ist die selbe….
Alle Fällen in denen ich diese Tasche in “Mittelalterliches Leben auf dem Lande” (Collins/Davis) gefunden habe sind die Personen entweder eindeutig Schäfer oder es sind zumindest Schafe mit auf dem Bild, so dass naheliegt, dass die Personen Schäfer sind.
ich finde, die Darstellung der ‘Hirtentasche’ in der Kreuzfahrerbibel ähnelt der Darstellung des Geflechts der Strohhüte, oder der Saatkörbe, z.B. hier:
Vielleicht könnte es sich also auch bei den Taschen um Strohgeflechte handeln - das würde auch gut zur Theorie ‘Brot- oder Lebensmittelaufbewahrung’ passen, oder?
soweit ich weiß, findet sich diese Tasche in der KFB haüfiger, aber immer bei Hirten.
Ein Indiz?
Auf den Abb. sieht es nicht gerade engmaschig aus, obwohl die Darstellung sonst recht Detailreich ist. Wenn es allerdings zur Kennzeichnung der Hirten gedacht ist, muß es auch nicht realistisch (engmaschig) dargestellt sein.
Bei der Plastik, sieht es so aus, als wäre etwas drin im Netz…
Ich kenne bisher die Tasche nur von diesen beiden Darstellungen, ich weiß daher nicht, ob sie berufsspezifisch ist.
Zum Thema Essen: Die Steinfigur zeigt tatsächlich einen essenden Hirten, wie die Hand am Mund und die Kurzbeschreibung von Bildindex.de zeigen: “Hirt in Kapuzenrock, […] essend”.
Um zu verhindern, dass etwas herausfällt, müsste das Netz nur feinmaschig genug sein…
gibt es diese Netztaschen nur an Hirtendarstellungen? Wenn ja, war es vermutlich was berufsspezifisches.
Mir sind diese Netze noch nicht an anderen Personengruppen aufgefallen.
Das Argument mit den Lebensmitteln/ Brot macht Sinn, schließlich sind Hirten den ganzen Tag unterwegs…
Allerdings wären Löffel/ Feuerzeug, etc. und anderer Kleinkram nicht gerade sicher aufgehoben. Es besteht die Gefahr, das was durch die Maschen rutscht.
Es gibt ähnliche Taschen auch in der römischen Plastik, wo man spekuliert hat, dass sie entweder zum Transport von Lebensmitteln dienten (Vermeidung von Feuchtigkeit und Schimmel) oder zur Verstärkung von Wasserschläuchen. Genaueres wissen wir leider nicht. Ich fühle mich immer an diese Macramee-Einkaufsnetze erinnert…
Wer weiß etwas über diese Taschen? Waren sie ausschließlich bei Hirten in Gebrauch? Wie waren sie gefertigt? Aus Bast?? Oder ähnlich wie Haarnetze?? Kennt jemand gar eine Anleitung, wie man so eine Tasche selbst herstellen kann?