Ausführlicher als “Die Franken. Wegbereiter..” widmet sich “Das Gräberfeld von Pfahlheim und das Reitzubehör der Merowingerzeit” dem Thema. Publikation zur aktuellen Ausstellung “Die Reitergräber von Pfahlheim” des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg. Es wird auch ein alternatives Konstruktionsprinzip, der “Pritschensattel” erörtert.
Dieser leitet sich wohl vom spätrömischen Militärsattel ab und hat im Ggs. zum Trachtensattel keine durchgehende Kammer, sondern nur im Bereich des Widerrists. Der Trachtensattel wird als aus Osteuropa, der Pritschensattel als aus dem Mittelmeerraum stammend betrachtet.
Der Schlußsatz des entsprechenden Kapitels:
“Ungebrochen setzt sich die Tradition der römischen Satteltypen in der Merowingerzeit fort, die als ”missing link“ zu den mittelalterlichen Krippensätteln überleiten. Die Jahrhunderte anhaltende, kontinuierliche Sattelbautradition im alteuropäischen Kulturraum wurde im frühen Mittelalter nicht plötzlich durch den überschätzten steppennomadischen Einfluß unterbrochen.”
Dem Titel entsprechend wird auch das übrige Geschirr behandelt, wie Vorder- u. Hinterzeug, Steigbügel etc. Aber nicht HMA. (Was mich nicht stört) ;-)
Ich gerade 67 (oder so) “Ausschnittvergrößerungen” mit Sätteln (Teilweise ohne Reiter) aus der Kreuzfahrerbibel in die neue “Manesse” - Suchmaschine gepackt. Einfach wie gehabt suchen…
Vielleicht ganz interessant (wenn auch keine Primärquelle) in der aktuellen CAVALLO (Reitsportzeitschrift) ist ein Bericht über Wolfgang Krischke (Tjoster), der laut Bericht auch MA- und Renaissance-Sättel nach Originalvorlagen nachbaut.
Entschuldigung, Ruth: Du hattest die beiden von mir angeführten Bücher ja schon genannt (wie peinlich für mich! Man sollte eben immer auch die ganzen Einträge lesen und nicht nur den oder die jeweils letzten, wozu allerdings - damit versuche ich mich jetzt herauszureden! - die Funktion anregt).
Ann Hyland, The Medieval Warhorse from Byzantium to the Crusades, Sutton Publishing, Stroud 1994 (ISBN 0-7509-1243-X) mit etlichen Sattelabbildungen
sowie (zu - fast - allem anderen, aber leider keinen Sätteln; trotzdem lesenswert):
John Clark, The Medieval Horse and its Equipment c. 1150-1450 (Medieval Finds from Excavations in London 5), Museum of London, HMSO, London 1995 (ISBN 0-11-290485-8).
Im Boeheim “Handbuch der Waffenkunde” von 1890 handelt das 10. Kapitel über Pferdezeug. Ist zwar nicht allzu speziell, aber für`n Einstieg wird es reichen.
ISBN habe ich leider nicht. Das Buch ist aber im Bertelsmann Club zu bekommen…
zeitlich vielleicht etwas früh: im Ausstellungskatalog “Die Franken - Wegbereiter Europas” aus dem Theiss-Verlag ist ein nach Originalfunden rekonstruierter Sattel beschrieben und abgebildet.
Dabei handelt es sich um einen Maultiersattel. Geborgen wurde er aus einem Frauengrab. Die Konstruktion ist identisch mit der noch heute verwendeter Packsättel.
Ansonsten unter www.manesse.de mit Stichwort “Sattel” die Suche starten, dann erhältst Du alle Abbildungen von Reitern. Auffällig ist, daß es anscheinend nicht nur Sättel mit festen Galerien (“Rückenlehne”) gab, sondern auch Stoffrollen zum Aufpolstern im vorderen und hinteren Bereich verwendet wurden.
“The medieval warhorse from Byzantium to the crusades”, Ann Hyland. 1996, Combined Books, Pennsylvania, ISBN 0-938289-84-5
“The Medieval Horse and Its Equipment c. 1150-1450”. Medieval Finds from Excavations in London series, No. 5, ISBN 0112904858 (meines Wissens nur noch antiquarisch erhältlich)
Wer kann mir bei der Suche nach Vorlagen und Abbildungen für die Rekonstruktion von historischen Sätteln weiterhelfen? Ich bin an Sattelmodellen des Hoch- und Spätmittelalters Europas und des Osmanischen Reiches interessiert.