in der Tat wird zum Teil heftigst diskutiert, ob die einfachen Steilkämme tatsächlich als Flachsriffel bzw. Wollkamm genutzt, oder doch als Haarkämme in Frage kommen - sozusagen als ‘billigere’ Version der Haarkämme. Eine weitere Deutung schreibt ihnen eine Funktion als Steckkämme für Hochfrisuren zu. Besonders interessant erschien mir das Argument, daß die einfachen Steilkämme fast überhaupt nicht im dörflich-ländlichen Bereich zu finden sind, während sie sich in Burg- und Stadtarealen relativ häufig finden.
Diskussion und weitere Literatur dazu bei:
Die Funde der archäologischen Untersuchungen auf dem Schrangen zu Lübeck. Uwe Müller. 1996. Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte 24, 53-214
zu den Schleswiger Funden: Material hier ist für Dreilagenkämme vorwiegend Knochen. Bei den Einseitigen Dreilagenkämmen sind von 56 gefundenen Kämmen nur 5 Kämme bzw. Kammteile aus Geweih, einer ist kombiniert. Für die zweiseitigen Dreilagenkämme habe ich so eine Statistik leider nicht gefunden, aber dem Text ist auf jeden Fall zu entnehmen das beide Materialien vorkamen.
Einseitige Dreilagenkämme sind bis um 1100 die einzige Form des zusammengesetzten Kammes, werden dann bis in die 1. Hälfte des 13. Jhs. gleichzeitig mit zweiseitigen Dreilagenkämmen produziert. Gegen Ende des 13. Jh. verschwinden auch die zweiseitigen Kämme aus dem Fundmaterial.
Das gilt so für Schleswig! Vergleichbare Berichte in der Art für andere Grabungen such ich noch!
Die Quelle:
I. Ulbricht, Die Verarbeitung von Geweih, Knochen und Horn im mittelalterlichen Schleswig. Ausgrabungen in Schleswig 3, Neumünster 1984
Zwei zweiseitige Dreilagenkämme aus dem 13. Jh., einseitige Dreilagenkämme aus dem 11./12.Jh wurden auch in Magdeburg gefunden
E. Nickel, Der “Alte Markt” in Magdeburg. Akademie-Verlag, Berlin 1964,
Zum Aufbau der Dreilagenkämme: Dreilagenkämme bestehen aus zwei Beschlagplättchen, zwischen diese Beschlagplättchen sind die Zinkenplättchen genietet (dadurch entstehen drei Lagen: Beschlagplättchen - Zinkenplättchen - Beschlagplättchen). Dabei sind die Beschlagplättchen entweder an einem Rand der Zinkenplättchen, und an einer Seite sind Zinken eingesägt (einseitige Dreilagenkämme), oder in der Mitte, und auf beiden Seiten sind Zinken eingesägt (zweiseitige Dreilagenkämme).
Auserdem gabs natürlich noch einfache Kämme - ein Horn-, Geweih-, Bein- oder Holzplättchen mit eingesägten Zinken.
Langzinkenkämme (Steilkämme) waren wohl eher Werkzeug und nicht für die Haare, die genaue Verwendung wird aber m.W. noch diskutiert.
Material fuer die Dreilagenkaemme ist nach dem, was ich gesehen habe, vor allem Geweih, seltener Knochen.
Die Steilkaemme (meist als Webkaemme angesprochen, obwohl diese Interpretation heute kritisch gesehen wird) sind immer aus Rinderknochen.
Holzkaemme kenne ich erst ab der fruehen Neuzeit. Da ist ein Fund in dem Buch ueber die Holzfunde in Freiberg abgebildet (bei Interesse kann ich Titel und Autor raussuchen), Material war wohl Buchsbaum.
ich habe im letzten Jahr auch ausgiebig gesucht, eben um mir auch einen Kamm anfertigen zu lassen. Ich hatte mit Schwerpunkt im heutigen Sachsen gesucht, da ich “was Oertliches” haben wollte. Das ist mir allerdings noch nicht so ganz gelungen. Der einzige Artikel mit einem Kamm hier aus der Gegend (Freiberg) wurde mir von der Fernleihe ohne Abbildung kopiert *grumpf*.
Die Verzierungen scheinen bei frueheren Kaemmen (Kaiserzeit, VWZ, auch bis 10.Jh) recht reichlich zu sein, Kreisaugenmuster, Schnittverzierungen, etc. Auch wunderschoen verzierte Kammhuellen. Das scheint bis in die VWZ eine Art Statussymbol bei den Frauen gewesen zu sein.
Im 13. Jh. scheint es dann fast ausschliesslich unverzierte Kaemme zu geben. Es treten sowohl zwei- als auch einzeilige Kaemme auf. Ist wahrscheinlich auch regional verschieden.
Die Literatur, die ich selbst gelesen habe, ist folgende:
B. Wachter, Mittelalterliche Knochenschnitzarbeuten von der Weinbergburg in
Hitzacker, Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 4, 1976, 123-130 (leider unergiebig)
Adriaan von Müller & Klara von Müller-Muci, Ausgrabungen und Funde auf dem Burgwall in Berlin-Spandau, 1987, 45 ff. (sehr ergiebig, allerdings nur bis Ende 12. Jh)
Uwe Richter, Mittelalterliche Knochenkämme aus Freiberg. Ausgrab. u. Funde 35, 1990, 37 - 40.
(das ist der Artikel, den ich ohne Bild bekommen habe, da muss ich noch mal nachhaken)
Dann noch zwei Artikel in Baenden der “Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege”, einer zu kaiserzeitlichen Kaemmen, einer zur Rekonstruktion von Kaemmen aus verschiedenen Zeiten. Genaue Titel und Autoren muss ich zu Hause noch mal nachsehen.
Dann war da noch ein Artikel mit Kaemmen aus Luebeck (vorwiegend zweiseitige, einige 13. Jh.), Titel und Autor weiss ich jetzt auch nicht aus dem Hut, muss ich zu Hause raussuchen.
Wahrscheinlich habe ich noch was vergessen - ich seh mal nach.
In Museen sieht man auch gelegentlich welche, ich erinnere mich da noch an einen Kamm aus dem 12. Jh in Goslar im Kaiserpfalzmuseum. Dann noch zwei aus dem 13. in Paderborn in der Kaiserpfalz. Die anderen habe ich allerdings nur in wechselnden Ausstellungen gesehen, da kann man leider keine Hinweise zum Nachsehen geben.
Birgitta Broberg und Margareta Hasselmo, Keramik, Kammar och Skor fran 7 medeltida städer. Fyndstudie. Rapport Medeltidsstaden 30, 1981
Alfred Falk, Knochengeräte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bodenfunde aus Lübeck, in: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 63,1983,105-128
Lena Flodin, Kammakeriet i Trondheim, in: Fortiden i Trondheim Bygrunn:
Folkebibliothekstomten Meddelelser Nr. 14,1989
Gerhard Kohn, Jungslawische Gruben mit Hinweisen auf Kammproduktion aus dem
Stadtkern von Prenzlau, in: Ausgrabungen und Funde 30,1985,128-136
Uwe Richter Die Verbreitung und Funktion der Knochen- kämme des 10. -14. Jahrh. auf dem Gebiet der DDR, unter der besonderen Berück- sichtigung der Langzinken- und zweiseitigen Einlagenkämme, unveröffentlichte Diplomarb.
F. Svoboda, Die liturgischen Kämme, unver. Diss. Tübingen 1972
Wolf-Rüdiger Teegen, Mittelalterliche Steilkämme aus Hameln, Ldkr. Hameln-Pyrmont, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 50,1981,313-319
Wolf-Dieter Tempel, Kämme aus Haithabu (Ausgrabung 1963-1964), in: Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu 4,1970,34-45
Ingrid Ulbricht, Die Verarbeitung von Geweih, Knochen und Horn im mittelalterlichen Schleswig. Ausgrabungen in Schleswig 3, Neumünster 1984
Friedrich Westhusen, Einteilige Kämme aus dem mittelalterlichen Hamburg, ihre Herstellung und ihre Verwendung, in: Hammaburg 5, 1956-1958,198-202
Alfred Falk und Manfred Gläser, Funde aus Knochen, Horn und Geweih. In: 25
Jahre Archäologie in Lübeck (=Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte 17, 1988), 164-168; bes. Abb. 108, S. 167
Uwe Richter, Der mittelalterliche Langzinkenkamm. Zur Verbreitung und Funktion eines speziellen Knochenkammes. Schriftenreihe des Stadt- und Bergbaumuseums Freiberg 11, 1994, XXX-XXX.
Nachdem ich jetzt stundenlang Bücher gewälzt habe, brauche ich dringend eure Hilfe.
Ich bin auf der Suche nach Kämmen aus dem 10. und 13. Jhd. Gefunden habe ich zwar eine ganze Menge, meistens aber früher (6.-9. Jhd. oder ab 15. Jhd.) oder reich verzierte Elfenbeinkämme, die als einfacher Gebrauchskamm für meine Darstellung auch nicht in Frage kommen.
Bisher dachte ich auch immer, im 13. wären Dreilagenkämme noch üblich gewesen, nach dem ersten ßberblick bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wer weiß Näheres zum Aufbau (Einlagen, Dreilagen, einseitig, zweiseitig)und zum Material (Holz, Horn, Knochen, Geweih, Elfenbein)?
Prima wären natürlich Primarquellen mit genauer Datierung (speziell interessiert mich das 10. und 13. Jhd.), sowie Fundort, Material und Abmessungen bzw. genaue Literaturangaben.