bin ebenfalls auf der Suche nach brauchbarem Material fuer’s Kammweben (vor allem Muster). Bin auch schon etwas fuendig geworden, muss allerdings dazu erwaehnen, dass ich die Muster-Beschreibungen (Aufziehen der Faeden usw) unglaublich kompliziert finde (vielleicht denke ich nicht in den richtigen “Faeden”? *grins). Hier also die Web-site:
Wie gesagt, ich tu’ mich ein bisschen schwer damit. Uebrigens: Kammweben ist definitiv nicht erst seit dem Mittelalter bekannt: Bodenfunde aus Hallstatt (!!!) belegen deren Gebrauch, ebenso hat man einen Webkamm in einem roemischen Legionaersgrab in UK gefunden (ich weiss leider nicht die genaue Datierung, kann aber logischerweise nicht wirklich juenger als 450 BC sein). Bei mehr Infobedarf koennt ihr mich anmailen, ich versuche dann das Bild des Webkamms zu finden, einzuscannen und zuzuschicken (die Muehe mache ich mir sonst nicht … *lach*).
Also, hier die Infos aus den Kapiteln “Techniques used in textile production” bzw. “Narrow wares”. In: Elisabeth Crowfoot, Frances Pritchard and Kay Staniland. Textiles and Clothing. C.1150-c.1450. Medieval finds from excavations in London series, 4. New edition. Boydell Press, Woodbridge, 2001:
Kammgewebte Bänder tauchen in englischen Ausgrabungsfunden aus dem 10. und 11. Jahrhundert, und dann erst wieder im späten 14. Jahrhundert auf. Die kammgewebten Bänder wurden beispielsweise dazu benutzt, um Schnittkanten an Kleidungsstücken zu verstärken oder zu versäubern (nach Art des modernen Nahtbandes)
Alternativ zum Spannen der Kettfäden zwischen einem Fixpunkt und dem Körper des Webers konnte das Kammweben auch mittels fester Webvorrichtungen erfolgen. Für das Brettchenweben sind Webvorrichtungen bekannt, bei denen zwei drehbare, vertikale Stäbe durch eine horizontale Stange “auf Abstand” gehalten werden, Kettfäden und fertiges Gewebe wurden jeweils von einem Stab ab- bzw. aufgewickelt. ßhnliche Konstruktionen können sicherlich auch für das Kammweben eingesetzt worden sein. Außerdem gab es noch eine Webvorrichtung, die das Weben auf dem Schoß ermöglichte: der “Kastenwebstuhl” (engl. box loom). Dabei wurden die Kettfäden zwischen zwei drehbaren Stäben aufgezogen, dazwischen befand sich der bestückte Webkamm. Im Laufe des Webvorgangs wurden die Fäden nun auf der einen Seite nach Bedarf abgewickelt und das fertige Gewebe auf der anderen Seite aufgewickelt. Solche kleineren Webrahmen sind für das 13. und 14. Jahrhundert belegt.
Nach einem norwegischen Fund (13./14. Jahrhundert) konnten in den längsverlaufenden Streben des Webkamms zusätzliche Löcher zur Aufnahme von Fäden vorhanden sein - wahrscheinlich wurden auf diese Weise komplexere Muster erzielt (Literatur:I. Oye. Textile Equipment and ist Working Environment, Bryggen in Bergen, c. 1150-1500. The Bryggen Papers Main Series 2, Bergen, 1988).
Webkämme scheinen erst relativ spät aufzukommen. Mir ist bis zum Ende des 12. Jahrh. kein Befund bekannt. (Webbrettchen kommen in Mengen vor).
Von der Technik her bringe ich den Webkamm eher mit dem Senkrechtwebstuhl in Verbindung, der in Norddeutschland der für das 12. Jahrh. angenommen wird.
Nach einem Vergleich zwischen den Fotos der Textilbefunde von Haitabu (Wadenwickel) und einem fertigen Kammgewebe sehe ich aber so wenig Unterschiede. (Das kann aber auch an der Qualität der Bilder liegen, oder am bisher fehlenden Vergleich mit einem fertigen Gewebe von Senkrechtwebstuhl)
Die schmalen Bänder werden gegen alle als Brettchengewebe bezeichnet. (nach Inga Hägg, Textilfunde von Haitabu)
in “Textiles and Clothing” von Crowfoot et al. wird Kammgewebtes erwähnt… dieses Buch liegt leider genau wie mein Besucherhandzettel zu diesem Thema, den ich mal zusammengestellt habe, zu Hause…. :-(
Ich kann mich aber z.B. an eine Abbildung einer Kammweberin aus dem 14. Jahrhundert erinnern, und für das 13. Jahrhundert gibt es auch Belege. Näheres liefere ich dann morgen nach.
ich habe mir aus einem Museum in Oslo einen Webkamm mitgebracht. Auf der Beschreibung stand was von “erste Funde in Norwegen im 15. Jhdt.”. So ganz glauben kann ich das nicht, da wie bereits gesagt die Beinwickel typische Kammwebprodukte sind.
Vielleicht endeten alle früheren Webkämme einfach als Kienspan oder Feuerholz….. ;-)
Wer noch Belege hat, bitte melden, interessiert mich auch.