Hi Patrick, Kurgane sind die Grabhügel der Skythen. Dort findet man sehr gut erhaltene Filzarbeiten. Gab in den 80er Jahren mal eine tolle Ausstellung über das Gold der Skythen, hab den Katalog leider gerade nicht im Haus.
Hallo Patrick, Aus Russland liegen verschiedene Nachweise für aufwendige Filzmaterialen aus Hügelgräbern vor. (Details reiche ich bei Interesse gern nach). Befunde von Filz-Teilen (bzw. Fragmenten) könnten auf jeden Fall weiterhelfen. (meißten Untersuchen werden oft erst beim Spinnen richtig genau). Gestern habe ich Proben von (modernem) Kardenband, Vlies und Rohwolle als Vergleich versponnen. In Garn und Zwirn kann ich so allerdings nur die unterschiedlichen Woll-/Schafarten unterscheiden. Leider kenne ich keine Befunde von “echten” (nicht verwebtem) Filzteilen aus den hiesigen Raum. Die russischen Befunde sind zwar sehr schön, ich bin mir aber nicht sicher in welchem Maß man die Techniken auf den hiesigen Raum übertragen kann. (Siehe Beispiel Stricken) Sylvia
Hallo . Kurgan? Heisst so nicht der Bösewicht aus Highländer I ? Nein, ganz im Ernst - handelt es sich um Textilfunde? Ich kenne den Fund nicht. *neugierig* Patrick.
Der Ansatz “Filzen” ist eine gute Idee. Ich werde mal unter Volkkunde weitersuchen. Eventuell sind Vergliech zu Funden aus Kurgan-Hügeln möglich (?) Sylvia
Hallo. Zum Kämmen der Wolle meine zwei Pfennig: Das Filzen ist ein altes Handwerk, das einfach ohne “gekämmte Wolle” nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen führt… Meine Erfahrungen (ich habe nun schon des öfteren versucht nur mit gewaschener und gezupfter Wolle zu filzen) zeigen, dass man zwar ein Gewebe herstellen kann, welches aber keine homogene Dicke besitzt und einfach “nicht wirklich taugt”. Bei meinem Hut z.B. regnet es oben ein wenig durch :0) Erst durch kämmen der Wolle in EINE Strichrichtung, lässt sich durch bewußtes Versetzen dieser Richtungen ein gleichmäßiges Fliess herstellen, dass sich gut zum Filzen eignet… Obige “Erkenntnisse” beweisen zwar nicht, dass auch im MA so verfahren wurde, lassen es aber stark vermuten… Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass mit Karden Wolle gekämmt wurde. Grüße, Patrick.
Hallo Aisling, Kardendisteln in *rauhen* Mengen wachsen am der Autobahn A 52 kurz vor der Ausfahrt Lintorf auf dem Lärmschutzwall. Ich habe gestern folgendes vergessen: Es gibt in verschiedenen Befunden mit Dornen (oder Metallzinken) versehene Bretter, die als Fachshechel oder Wollkamm gedeutet werden. Wie beschrieben lassen sich diese erwärmt auch zum Wolle kämmen benutzen. Zur Wollvorbereitung schweigen sich leider die meißten Werke aus. Was Befunde die nach 1200 datieren angeht, bzw. Quellen kenne ich mich leider fast überhaupt nicht aus. Sylvia
Hallo Patrick hallo Steffi! Wenn ihr eure Unstimmigkeit bzgl. des Besitzstandes beigelegt habe, dann habt ihr schon einen Abnehmer dafür gefunden….. micht. Sind das jetzt nur Rauhgeräte, wie Sylvia geschrieben hat? Was wurde denn sonst zum kämmen der Wolle benutzt? Ich kann mir nicht vorstellen, das im Mittelalter nur gezupfte Wolle verwendet wurde. Gibt es da irgendwelche Quellen??? Neugierig Aisling
Hallo Steffi. Soll das heissen, Du hast MEINE getrocknete Karderdistel zerbrochen und ihren Samen herausgerissen??? :0) Warte nur ab - alle neu herangewachsenen Disteln gehören folglich mir. Vielleicht darfst Du dann ein oder zwei behalten, weil sie ja in Deinem Garten wachsen… Grüße, Patrick.
Moin Aisling, ich hab in einer alten Kardedistel noch Samen gefunden und in diesem Frühling ausgesät. Sind auch ganz gut angegangen, nur der letzte Regenguß hat sie ziemlich geplättet. Sollten sich die Pflanzen wieder erholen, kannst Du gerne welche abhaben. Ansonsten kann ich auch nur auf die Düppel- Bücher verweisen. Grüße Steffi
Grüß Euch, wegen der “echten ” Kardendistel, wende Dich ans Freilichtmuseum Düppel, die haben dieses Gewächst nachgezüchtet, und verwenden es auch….sind nette Leute, die gerne helfen!
Nach dem Artikel von Anelies Goldmann handelt es sich bei diesem Gerät um ein Rauhgerät zum Anrauhen des fertigen Gewebes. (vergl. Bildtafel aus “Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung” 1521) Karl der Große schreibt den Anbau der Kardendiestel für die Pfalzhöfe vor, allerdings wird meines Wissen nach nicht auf die Anwendung eingegangen. Es gibt eine Methode Wolle mit heißen Drahtstiftkämmen zu bearbieten, leider habe ich für diese Technik bisher keine Belege gefunden. (Wird durch den “Hamburger Troß” vorgeführt.) Nach eigener Erfahrung läßt sich gezupfes und gereiniges Vies sehr gut verspinnen. (Deutsche Landschaf und Schnucke) Interessant wären zu wissen seit wann überwiegend Wolle aus Schafschur verwendet wird. Gezupfte Wolle von langhaarigen Rassen soll sich besser spinnen lassen als die geschorene Wolle moderner Rassen, was ich allerdings noch nicht aus eingener Erfahrung bestätigen kann. Sylvia
Dein Mißerfolg ist aber scheinbar genau der Weg, der gegangen wurde! Wenn Du jemanden in, oder bei Berlin wohnen hast, laß Dir mal folgendes Werk aus dem Museumsdorf Düppel mitbringen (leider versenden die nix): FANSA, Mamoun (Red.): “Neues aus dem Mittelalter - Experimentelle Archäologie im Museumsdorf Düppel.”; Isensee Verlag, Oldenburg 1996 Ich hab auch noch die Verlagsadresse irgendwo `rumfliegen, kannst Dich ja melden, wenn Du sie brauchst. Naja, dort ist der Nachbau eine Karde im Gebrauch abgebildet. Prinzipiell muß man sich das Ding wie folgt vorstellen: ein langer Mittelstiel, der auch als Griff fungiert, ca. 50 cm lang, daran sind vier Querhölzer befestigt, sodaß sich drei “Fächer” (bzw. sechs, drei rechts und drei links des Mittelholzes) ergeben, in die die Distelkardenköpfe gepackt werden, und es sieht tatsächlich so aus, als ob sie nur eingezwängt wären. In diesem Gerät befinden sich nun im unteren und mittleren Fach jeweils sechs Kardenköpfe (also drei rechts und drei links), nur im obersten Fach sind´s vier (klar, je Seite zwei). That´s it! Schönen Gruß, Kai
Hallo! Ich möchte in der nächsten Zeit auf Veranstaltungen zusätzlich zum spinnen, nähen und weben auch das Kämmen der Wolle mit Karden vorführen. Aber ich habe bisher noch keine Anleitung zum basteln Originalgetreuer Karden gefunden. Und die getackerten Dinger, die man überall kaufen kann, sind einfach zu ´neumodisch´. Kennt einer eine Vernünftige Anleitung, bzw. Quellen im Net? Oder hat jemand eine Idee, wie man damals Karden hergestellt hatte? Bitte verwechselt die Karden nicht mit den Hecheln für die Flachsverarbeitung. Ich weiß, das der Name Karde sich von der Pflanze Karde ableitet Ich habe auch schon mal versucht mit dem Kopf der Pflanze Wolle zu kämmen. Es war aber ehr ein Misserfolg. Tschüs Aisling