Eintrag #3 vom 30. Mrz. 2001 13:37 Uhr
Matthias Doettlaff
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Hallo Astrid! Die frühesten Hinweise deuten an, daß Spielkarten in Europa ab dem 14. Jh. vorkommen. Im “Roman de Renard le Contrefait” (vor 1341 entstanden) wird das in den Freudenhäusern übliche Würfel- Karten- und Brettspiel angeprangert. Die frühesten bekannten Verbote des Kartenspiels findet man in der zweiten Hälfte des 14. Jh.; Bern macht 1367 den Anfang… In Basel kommen Karten 1377 in Mode und werden noch im gleichen Jahr verboten. Die Farben der Karten entsprechen weitestgehend den späteren Fassungen des Tarot, also Schwert (eigentlich ein Krummsäbel), Kelch oder Pokal, Stab oder Knüppel und Münze. Daraus ergibt sich dann ein Blatt mit 52 Karten. Das ist aber Variabel, da je nach Spielvariante die Zahl der Könige und Königinnen etwa zwischen 2 und 6 pro Farbe schwanken konnten. Im 15. Jh. entstand das Tarock, bei dem 22 durchnummerierte Trümpfe das Blatt auf 78 Karten ergänzten. Das älteste erhaltene Tarock-Blatt ist das Visconti-Tarot, dessen einzelne Karten wie eine Buchmalerei ausgeführt sind. ßhnlich wie Schachfiguren aus Bergkristall ist dieses Kartenspiel als Schatz auf frühen Listen des Familienbesitzes aufgeführt. Die Quellenlage ist aber unklar, ob das Deck nun 1415 oder 1432 entstanden ist. Das florentinische “minichiate” ist mit 97 Karten das größte Blatt, mit dem gespielt wurde. Von den 41 Trümpfen sind 35 durchnummeriert, die übrigen 6 sind mit Sternbildern illustriert. Karten, mit denen auch gespielt wurde, waren in der Regel Holzschnittdrucke, zum Teil nachcoloriert. Divinatorische Praktiken sind mit Ausnahme der Astrologie während des Mittelalters und der frühen Neuzeit in den meisten Teilen Europas verboten (was aber nicht ihre Beliebtheit mindert…). Dabei handelt es sich dann aber meistens um Lose ziehen, Handlesen oder Wetterorakel, unter den Gebildeten der Zeit ist auch Spiegelmagie zur Divination beliebt (mit der Zeit sind daraus die “schwarzen Spiegel” und die Kristallkugel geworden). Karten scheinen bereits sehr früh für die Wahrsagerei verwendet worden zu sein. In Indien wurden Karten zu sakralen Zwecken verwendet und der Hindu-Gott Ardhanari hat die Attribute Kelch, Zepter, Schwert und Ring, so daß der Schluß naheliegt, daß hier sowohl die Herkunft für die spätmittelalterlichen Karten Europas liegt wie auch die Verbindung zur Wahrsagerei ihren Ursprung hat. Die Spielkarten heißen arabisch zudem “nabas” (hebräisch “naibes”), der Wahrsager “nabi”. In Italien wurden die Karten “naibi” und im Spanischen “naipes” genannt. Fazit: Es gab für divinatorische Techniken im Mittelalter zwar einen Bedarf, ebenso wie an anderen magischen oder zauberischen Praktiken, nur wurde das fast immer im Verborgenen getrieben, da die Kirche dieses als ein Paktieren mit Dämonen betrachtete. Im Mittelalter brachte einem das Bußgebete, zusätzliche Fastenzeiten und öffentliche Auspeitschungen ein, in der frühen Neuzeit den Scheiterhaufen. Was Du in Deinem Zelt tust, wird niemand beobachten, aber als Teil des nach außen sichtbaren Lagerlebens sind magische Praktiken ziemlich ungeeignet. Literatur zum Thema Karten: Walter Endrei: “Spiele und Unterhaltung im alten Europa”, Verlag Werner Dausien, Hanau 1988 Literatur zum Thema Magie und Zauberei: Richard Kieckhefer: “Magie im Mittelalter”, Deutscher Taschenbuch Verlag 1992 Johannes Hartlieb: “Das Buch der verbotenen Künste”, Eugen Diederichs-Verlag, München 1998, Neuausgabe des Buches von 1456 Ich hoffe, das hilft ein bischen weiter. Grußvoll, Matthias Topasius
