äh - “auf Teufel komm raus eine andere Möglichkeit suchen”
Braucht man doch nicht - es sind genügend Beispiele belegt.
Wie gesagt, Recherche ist gerade vor dem regionalen Hintergrund wichtig, denn z.B. Handwerkergattinnen war es in bestimmten Regionen nur erlaubt, den Betrieb des verstorbenen Mannes weiterzuführen, wenn sie binnen eines Jahres entweder den Gesellen (=Vorarbeiter) heirateten oder einen anderen Meister ehelichten.
Soooo einfach ist es mit der Witwendarstellung also auch nicht.
Für eine schlüssige Darstellung kommt man also um die Recherche nicht herum.
Ich kann den Wunsch verstehen eine selbstständige Händlerin darzustellen. Ich sehe nur die Gefahr einer Rückprojektion von neuzeitlichen Vorstellungen. Witwen sind nachgewiesen. Warum auf Teufel kommraus eine andere Möglichkeit suchen? Für eine Doktorarbeit ist das ein tolles Thema, aber für die Darstellung?
Ich schließe mich Ameli an, daß es wohl sehr große, regionale und nationale Unterschiede gab. Fakt ist aber allerdings, daß zeitweise die Textilwirtschaft praktisch ein Frauenmonopol ist, und daß es diverese Gildenverordnungen u.a. aus dem 13. und 14. Jahrhundert gab, die besagen, daß man doch bitte die weiblichen Mitarbeiter auf Familienangehörige beschränken solle. (s. “Medieval Women”, auf den Namen der Authorin komme ich gerade nicht).
In Anbetracht dessen, kann ich mir nicht vorstellen, daß nur Witwen im Handel tätig waren.
gerade das Buch von Erika Uitz liefert eine Menge Informationen zum Kapitel Frauen als Fernhändlerinnen. Ich denke, daß es kein so großes Problem sein dürfte, als geschäftstreibende Dame aufzutreten.
Belege aus dem 14./15. Jhdt. über z.B. Tuchhändlerinnen oder Reederinnen oder Kommanditistinnen (Auftraggeberinnen für Kauffahrten) und auch Komplementärinnen (die, die das Geld für kauffahrerische Unternehmungen gaben) gibt es genug.
Wollt Ihr wirklich, daß ich das ganze Kapitel mit all den vielen Namen abtippe? ;-)
ich glaube, was Du vorhast ist wirklich eher schwierig….aber überleg Dir doch mal folgende simple Lösung, wenn Dir das Witwentum nicht zusagt: Dein Mann, der Kaufmann, ist abwesend. Fertig! Das kam ziemlich häufig vor, weil die Kaufmänner (gerade die hansischen) in anderen Kontoren weilten, auf Einkaufsfahrt waren etc., und das zum Teil über Jahre. Währenddessen führte dann die Frau seine Geschäfte zu Hause weiter, war kreditwürdig etc. Hiervon gibts eine Reihe Briefe zwischen Ehemann und Eheweib, ist also reichlich belegt.
So ganz single…..hmmmm……seh ich als arg schwierig an…. hab auch noch nichts davon gehört….was ja aber nichts heissen muß.
Vielen Dank für die Anregungen und Büchertipps. Sie werden mir bestimmt weiterhelfen.
Ob ich als Witwe permanent trauern möchte, weiß ich nicht so recht. Es muss doch auch noch andere Wege geben… Ich muss mich mal über das “Vererben” schlau machen. Wie war das denn, wenn ein Kaufmann starb? Normalerweise übernahm seine Frau oder sein Sohn (wenn er denn einen hatte) oder ein männlicher Verwandter wohl den Posten. Was aber, wenn er gar nicht verheiratet war (oder selbst Witwer meinetwegen), ohne eigene Kinder und seine Verwandschaft aus nichts als… hmmm, sagen wir mal einer Nichte besteht (oder mehrerer…die sich auch noch gut verstehen und das Geschäft übernehmen wollen). Ging denn das? Muss ja alles schlüssig sein… Vielleicht hilft mir ja das Buch von Karen weiter. Ach als Frau im Mittelalter ist es wirklich nicht leicht *seufz*…(aber Spaß macht’s trotzdem)
Maria Luisa Minarelli, Die andere Hälfte des Kapitals - Europäische Unternehmerinnen vom 6. bis zum 18. Jhdt., Eichborn Verlag, ISBN 3-8218-0972-8
Erika Uitz, Die Frau in der mittelalterlichen Stadt (11.-15. Jhdt.), ISBN 3-926243-02-3
Gerade in diesem Buch sind massenweise Beispiele benannt, in denen Frauen als Handwerkerinnen, Händlerinnen, Kauffrauen, Fernhändlerinnen, Unternehmerinnen auftreten.
Lesen ist praktisch nie verkehrt:o), aber ich erinnere mich aus einer Vorlesung daran, daß das mit der zeitlichen Befristung auf ein Jahr Witwenzeit vor allem die Handwerkerzünfte waren, beim Handel scheint es da weniger Schwierigkeiten gegeben zu haben.
Vielleicht off topic:
In Basel im 15. Jahrhundert gab es allerdings die Einrichtung “Frauenvogt”, der die Frauen vor allem in Rechtsangelegenheiten unterstützen sollte, und den sich die Frau, auch verheiratete Frauen, aussuchen konnten, und es sollte eben nicht der eigene Ehemann sein. Gelesen habe ich das in “Vorsorgen - vererben - erinnern” von Gabriela Signori über Testamente im Basel des 15. jahrhunderts.
“Die Frau in der mittelalterlichen Stadt” von Erika Uitz. Habe ich über Verlag zweitausendeins bekommen, Du kannst es aber auch bei Amazon oder über zvab.de versuchen.
Dieses Buch beschäftigt sich mit der Stellung der Frau in der Stadt, im besonderen aber auch mit den Möglichkeiten z.B. bei der Berufstätigkeit sich boten.
“Die zweite Hälfte des Kapitals” o.ä., da´muß ich nochmal nachschauen, das Buch steht bei mir im Regal, ich habe es aber noch nicht gelesen. Es beschäftigt sich mit frühen Unternehmerinnen.
Genauer Titel und Autor/in folgt noch.
Der Tip, das Zunftrecht und Gildenrecht zu studieren ist goldrichtig, denn hier gab es regional SEHR große Unterschiede. So sind z.B. manche Handwerkszünfte in bestimmten Regionen NUR Frauen vorbehalten, in anderen Regionen haben Frauen keine Möglichkeit den elterlichen Betrieb oder den Betrieb des verstorbenen Ehemanns weiterzuführen.
Joachims Vorschlag, eine Witwe darzustellen, schließe ich mich an. Ich rege allerdings an, mal das Stadt- oder Kaufmannsgildenrecht Deiner Region zu studieren.
Die ßbernahme des Geschäfts des verstorbenen Ehegatten durch die Witwe konnte zeitlich begrenzt sein (z.B. auf ein Jahr). Innerhalb dieser Frist musste die Frau dann einen neuen Gatten finden. Möglicherweise befindest Du Dich dann also permanent im Trauerjahr … ;-)
Was das Gewerbe angeht, wende Dich vertrauensvoll an Deine örtliche Gemeinde- oder Stadtverwaltung (Gewerbeamt). Wenn Deine Darstellung nicht Erwerbszwecken dient und die Gelegenheitsverkäufe eine bestimmte Summe nicht überschreiten, dürfte es keine nennenswerten Auflagen geben.
Joachim, mit so einer zünftigen Konservendose auf dem Ritterhaupt bleibt man halt lange frisch … :-)
ich würde in diesem Fall eine Witwe darstellen, die das Geschäft von ihrem verstorbenen Mann übernommen hat. Das SMA ist nicht so meine Zeit, glaube aber, daß das da schon möglich/gebräuchlich war. Damit bist Du dann auch eine gute Partie. Die Männer werden Dir in Scharren hinterherlaufen. (würde ich auch, ich dürfte zu Deiner Zeit aber schon gute 175 Jahre auf dem Buckel haben).
Das größere Problem seh ich in den Waren. Wenn Du wirklich Wert auf korrekte Repliken legst, mußt Du unter Umständen größere Beträge investieren, zumal Du die ja nicht wirklich verkaufen willst, wenn ich das richtig verstanden habe.
Und dann ist die Frage, was Du mit “Schauraum” meinst. Am besten würde sich dafür halt ein belebtes Gebäude in einem Museumsdorf eignen.
Das was ich geklärt haben möchte ist etwas schwierig zu beschreiben, ich versuche es trotzdem mal, ich hoffe, Ihr könnt mir folgen…
Auf der Suche nach einer passenden Darstellung als alleinstehende Frau um 1400 bin ich über die “Kauffrau”/“Fernhändlerin” gestolpert, die während eines Marktes diverse Waren (also eben nicht “nur” Leder- oder Töpferware beispielsweise) im Angebot haben könnte. Nun stehe ich vor der Frage, in wieweit sich das verwirklichen lässt und ob das historisch überhaupt korrekt ist…so als Frau ohne männlichen “Hauptaktuer” War sie überhaupt “kreditwürdig” Nahm man sie in ihrem Beruf ernst?, War sie ins Zunftwesen integriert?, etc. Und wenn ja: War man als Händlerin auf etwas spezialisiert oder konnte frau mit allem handel treiben, was ihr gerade in die Finger fiel… Sooo viele Fragen…Wer kann mir mit Literatur weiterhelfen?
Und so ganz nebenbei… rein rechtlich gesehen, an wen muss ich mich in der “Jetzt-Zeit” wenden, um herauszufinden, ob es sich schon um ein Gewerbe handelt, wenn ich eine Art “Schauraum” errichten will, in dem diverse Waren zwar zu sehen sind (beispielsweise Gürtel, Tongeschirr, Felle, Salben, Gewürze…), diese aber eher dokumentieren sollen, mit welchen diversen Waren Handel getrieben wurde und nur wer UNBEDINGT will, auch mal etwas kaufen kann. Es soll also kein richtiger Verkaufsstand sein, sondern ein Einblick in eine Art mobiles Handelskontor - wenn es sowas denn gab…
Und nun haut mich nicht gleich, wenn ich hier was falsches darstellen will. Ich will es ja richtig machen und brauche dazu Euer wertes Wissen ;-)