ich würde das “wandern” so interpretieren, daß sie anfänglich im SChulterbereich getragen wurden, und sie dann nach und nach immer tiefer getragen wurden - erst Bauch, dann Oberschenkelbereich. Und “grundsätzlich” heißt wohl “in ziemlich jedem Stamm” :))
Es gibt ein ausführliche Verzeichnis zu den verscheidenen Fibel-Trachten. Die Dissertation von Ernst-Günter Strauss beinhaltet sowohl ein umfangreiches Befundverzeichnis, als auch eine Typolgie der Fibeltrachten.
Wer sicher sehr eingehend und etwas trocken mit dem Thema befasen mag: ISBN 3-7749-2590-9
Studien zur Fibeltracht der Merowingerzeit/Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie
Mit den Zeichungen hast Du schon recht, Anette. Vieles ist nicht tragbar und sieht nie so auch wie auf der Zeichung. Es haben sich schon mehrere Frauern trotzdem drangewagt und es gibt einige schöne Ergebnisse, von Kati Engelhardt und Gesine Kunze z.B.
Grundsätzlich wandern die großen Bügelfibeln fast (Ausnahme z.B. Angelsachsen) immer von den Schultern erst in die Bauchgegend und dann in der Oberschenkelbereich. Das Gürtelgehänge trägt sich eigentlich sehr bequem und ist recht praktisch, selbst wenn man eine zusätzliche Bergkristallkugel an einem Band an den Bügelfibeln trägt.
Ich persönlich tendiere zu einem oder mehren Unterkleidern aus Wolle und Leinen, langen Stümpfen und einem vorne offenen Mantelkleid, an dem die Fibeln sitzen. Es gibt aber noch andere Varianten - ein geschlossenens Kleid mit einer breiten Schärpe oder Rock und Bluse als eine Weiterführung der Loenne-Hede Tracht(Museum Silkeborg, Jütland)
Vor zwei Wochen habe ich in Soest meinen ersten richtigen Vortrag zu bei einer Tagung zu Trachten der Völkerwanderungszeit gehalten. Die Ableitung beginnt mit der germanischen Tracht ab dem 1. Jahrh. u.Z. und gibt einen Ausblick in die Karolingerzeit. Dazu sind im letzten Jahr eine komplette Sätze Bekleidung für Männer und Frauen (einschl. der Schuhe) entstanden.
Mit etwas Glück gibt es das Ganze zu Herbst hin als selbstgebastelte Broschüre mit Zeichungen und Foto´s. Leider habe ich unsere Seite noch nicht on-line. Da soll es eine Vorabfassung geben.
Mit etwas Glück ist die Literaturliste ab Ende dieser Woche komplett - die könnte ich per Mail verschicken. Karin Prusseit hat nach diesen Vorlagen eine Frauentracht, Köln 6. Jahrh. und eine Männertracht Gelleb 5. Jahrhundert gezeichnet (mit richtigem Faltenwurf und so auch tragbar).
ich habe auch seit einem halben Jahr eine neue ewige Baustelle, genannt “Fränkisch-merowingisches Frauenkleid”. Außer den einschlägig bekannten Rekonstruktionszeichnungen suche ich verzweifelt nach zeitgenössischen Abbildungen, die etwas mehr als “Frauen in verknitterten Bettlaken” zeigen. Rekonstruktionsversuche anhand der Lage der Fibeln im Grab bieten nämlich erschreckend viele Möglichkeiten, ein Kleid zu basteln: Werden z. B. die beiden oberen Fibeln senkrecht getragen, könnten sie Untergewand, Obergewand (oder beides) oder ein Schulter- oder Kopftuch verschließen. Auf irgendeiner ganz dusseligen Re-Zeichnung (ich fürchte, vom Ellwangen-Flyer) sollten sie sogar ein Manteltuch halten, aber dazu sind die Fibeln eindeutig nicht brauchbar - zu klein, werden vom Mantelstoff verbogen. Und viele andre Rekonstruktionen sehen auf dem Papier nett aus, sind aber im “normalen Leben”(höhö)nicht unbedingt tragbar.Ich find’s aber auch ganz schön, daß man sich nach Auseinandersetzung mit der Befundlage mal richtig kreativ betätigen kann - und wenn ich mir anguck’ wo bei welchem Skelett welche Fibeln rumlagen (da gibt es bei den großen Fibeln auf ein und demselben Friehof (z. B.Gräberfelder von Klepsau und Pleidelsheim) ganz unterschiedliche Tragweisen) oder auch nicht rumlagen (es gibt auch ungestörte Gräber, in denen gar keine Fibeln drin waren), werden die damals auch nicht alle in “Einheitstracht” rumgelaufen sein. Solange die Befundlage so aussieht, können wir die Phantasie innerhalb dieses Rahmens gnadenlos spielen lassen ;-)
400 bis 650… das ist eine ganz schön lange Zeit, das sind fast 3 bedeutende Zeitabschnitte in der Geschichte:
~350-470 Hoch Alemannische Zeit
~470-550 frühe Merowingerzeit
~550-70 späte Merowingerzeit….
(sehr grob, zugegeben)
was den Begriff Alemanni angeht, so stammt der Name Alemannia von einem röm. Geschichtsschreiber, der 294 berichtet, daß Rom das ehem. Dekumatsland Germanien endgültig aufgegeben hat (260 drängten langsam die freien Elbgermanen in dieses Gebiet)und mit dem Bau des Iller-Donau-Rhein Limes das autonome Land Allemannia annerkent.
Was die scheibweise angeht, so ist arlaubt was gefällt: Allemanenn, Alemanen, Alamannen…
auf unserer Homepage www.piscis-gallicus.de findest Du unter Museen → Texte und Bilder eine Kurzbeschreibung und eine Skizze der alemannischen Frauentracht. Dies sollte Dich allerdings nicht vom Besuch des Museums entbinden ;-) , es ist absolut sehenswert!
So schwer ist das doch gar nicht. Jetzt erstmal ein paar Museen, wo du was finden kannst: Freiburg ist ein gutes museum, ich weiß grad leider nicht wie es heißt. dann Stuttgarter landesmuseum, Alamannenmuseum Ellwangen (sehr zu empfehlen). auch sehr hilfreich ist der ausstellungskattalog zu einer Ausstellung im Landesmuseum stuttgart, der ist recht umfangreich und bietet einen guten ßberblick.
Es kommt auch ein bischen darauf an, welche zeit der alamannen. Denn die frühen Alamanneninnen (vor 400 v.chr.) trugen vermutlich noch Peplos.
Die späteren trugen ein etwa knielanges Unterkleid, eventuell einen Mantel (Oberkleid) ähnlich wie ein Wikinger klappenrock. dazu genähte knielange Strümpfe mit “Wadenwickeln”. Aber das hängt ebemn auch wieder von der Zeit ab, wie auch die Art, diverse Fibeln zu tragen. Wenn du genaueres wissen willst, ich versuche gerne weiter zu helfen, müßte dann aber einen etwas engeren Zeitrahmen haben, da sich die zeit der alamannen auch auf etwa 700 Jahre erstreckt.
ich versuche derzeit, ein bißchen was über die Kleidung der Suevi (oder auf der andern Seite der Grenze: Allemanni) rauszufinden.
Leider ist sowohl das Internet als auch die hiesige Bücherei nur mäsig informativ.
Was ich bisher in der Bücherei gefunden habe, beruht auf Grabfunden. Dort wurde die Kleidung der Männer der Wikinger entsprechend angenommen, während die Frauentracht aus einem etwa wadenlangen Rock mit einem bis zu den Schenkeln reichenden Obergewand bestand. Auch scheint es einteilige Kleider mit Wadenlänge gegeben zu haben.