Danke für die prompten Reaktionen, auch wenn ich als Frau natürlich mit dem Pontifikalornat und dem Kardinalshut nicht viel anfangen kann ;o)
Also, ich bin zunächst mal beruhigt, denn bisher liege ich mit den Sachen, die ich schon habe, nicht gar so falsch: hellgraues Kleid, schwarzes Skapulier, weißes “Wimple” (wie heißt das Ding wohl auf Deutsch?), schwarzer Schleier.
Nach den Farb-Informationen stünden mir also (bei Berücksichtigung der von Nikolaj angesprochenen Farbunterschieden bei weißen Schafen) die Franziskaner, Kamaldulenser, Kartäuser, Prämonstratenser und Zisterzienser offen. Oder gibt es da Probleme mit der Farbkombination mit dem schwarzen Skapulier?
Ich habe mich noch ein bißchen im Netz umgesehen. Tatsächlich zeigen die Bilder von Hildegard von Bingen sie alle (mit Ausnahme des “Wimples”) ganz in Schwarz. Schade. Wenn ich ihr musikalisch nacheifern möchte, muß wohl doch noch ein dunkles Kleid her.
Noch eine Anmerkung, die ich vergaß: Wenn Du, Carsten, schreibst, dass die Farbe des Zisterzienser-Habits grau sei, so ist dies insofern sicher richtig, als in der Tat in der MA-Literatur die Zisterzienser gelegentlich als der “graue Orden” bezeichnet werden.
Allerdings hat die erste spezielle Regel des Ordens, nämlich die Papst Paschalis II. zur - dann auch erlangten - Bestätigung des damit von Molesme abgelösten “Novum monasterium” von Cisteaux vorgelegten vorgelegten Statuten (“Instituta monachorum Cisterciensium de Molismo venientium”) des hl. Alberich noch eine braune Ordenstracht vorgesehen; diese wurde dann, wohl um einen Gegensatz zu den Cluniazensern zu bilden, unter Beibehaltung des dunklen Skapuliers mit einem weißen Gewande getauscht.
Wieso also “grau” bzw. wieso auch bei den Cluniazensern, die doch Benediktiner sind, “braun”,nicht schwarz?
Der Grund liegt in der Beschaffenheit des Stoffes: Beide sollen nämlich ungefärbte Wollstoffe verwenden - und die sind nun mal je nach den lieben Viecherln etwas verschieden, nämlich bei dunklen Schafen schwarz bis (dunkel-) braun oder bei weißen eben weiß bis grau.
Will sagen: Die eigentliche Farbe der Zisterzienser ist weiß, das Skapulier dunkelbraun bis schwarz. Wenn aber die Schafe keine strahlend weiße, sondern eher dunkelweiße (= graue) Wolle haben, wird halt darauf in der Praxis grau.
Den Zisterziensern ist dabei nach der Regel von Anfang an jeder andere Stoff, also auch Leinen, untersagt als Luxus.
So, ich hoffe, Du hältst mich nicht für kleinlich, aber ich wollte doch erklären, warum auch heute noch Zisterzienser (und die später aus ihnen erwachsenen Trappisten) weiß tragen.
hier eine schnelle Antwort (Du wirst sicher verstehen, dass ich nicht die ganze Geschichte des Kardinalats hier ausführen möchte - trotz meiner bekannte Vorliebe für lange Postings!).
Die Bezeichnung ist erstmals um 500 für die zur bischöflichen (= päpstlichen) Kurie Roms gehörigen Geistlichen bezeugt, und zwar für die (zuerst 7, dann 12, dann 18) Kardinal- (= Regional-) Diakone.
Seit dem 8. Jh. haben wir dann auch die “Kardinalpriester”, also die Pfarrer (bzw. ranghöchsten) Priester der (ursprünglich 25, dann 28) Titelkirchen.
Etwa zur gleichen Zeit erhalten die sieben suburbikarischen (= um Rum herum gelegenen und zu seinem Metropolitanbezirk gehörenden) Bischöfe mehr und mehr Aufgaben an der Lateranbasilika St. Johannes (= der alten päpstlichen Kathedrale bis 1870; erst dann wurde es der Petersdom!) und werden jetzt - erst gelegentlich - als “eposcopi cardinales” bezeichnet.
Somit “steht” seit dieser Zeit das im Prinzip bis heute gültige System der Kardinaldiakone, -priester und -bischöfe, wenn es auch bis ins 11. Jh. noch gelegentlich Kardinalsubdiakone gab.
Seit der 2. Hälfte des 8. Jh. sind Kardinäle auch in über 40 Diözesen Italiens, aber auch des “Auslandes” (Deutschland, England, Frankreich, Spanien) nachweisbar, d.h. es wurde das Amt nun nicht mehr nur wie im Anfang den eigentlichen römischen Klerikern, sondern als Ehrentitel bzw. -amt auch ausländischen Würdenträgern verliehen. In Deutschland waren dies nachweislich Bischöfe von Aachen, Köln, Magdeburg, Trier. Sie hatten zuerst nur wenige Ehrenrechte in ihrer jeweiligen Diözese. Ab jetzt deckten sich Weihegrad und Grad im Kardinalskollegium nicht mehr (so bis heute: mancher wirkliche Erzbischof ist im Kollegium nur “Kardinalpriester” = nominaler Pfarrer einer römischen Stadtkirche oder gar nur “Kardinaldiakon”).
Der ßbergang des Kardinalats von der primär stadtrömischen Funktion zur gesamtkirchlichen erfolgt im 11. Jh., besonders als Nikolaus II. den Kardinälen in seinem Papstwahldekret von 1059 eine besondere Stellung gibt. 1179 wurde durch ein entsprechendes Dekret Alexanders III. den Kardinälen die Papstwahl ausschließlich reserviert.
Die Ernennung bzw. ganz genau “Erschaffung” (“creatio”) eines Kardinals ist schon (wie bis heute) dem Papst frei überlassen; allerdings bilden sich im Laufe der Zeit bestimmte Gewohnheitsrechte heraus, d.h. bestimmte Sitze erhalten i.d.R. stets das Kardinalat (so heute in Deutschland Köln, München, Berlin - in der Nachfolge von Breslau).
Obwohl sie schon seit dem 13. Jh. generell Sitz und Stimme auf den “ökumenischen” Konzilien der Römischen Kirche bekommen (vgl. De Synodo l. 3, c. 10, n.1 Benedikt XIV.), konnten erst im 15. Jh. die Kardinäle den generellen Vorrang vor allen allen Klerikern durchsetzen. Ihre Ehrenvorrechte waren zuerst liturgischer Art, d.h. sie hatten das Recht auf Pontifikalien, auch wenn sie keine Bischöfe waren. Erst seit Urban VIII. (1630) führen die Kardinäle übrigens den Titel “Eminenz” bzw. ursprünglich eigentlich “eminentissimus princeps”, um damit die Gleichrangigkeit der “Fürsten der Kirche” mit den weltlichen Prinzen zu betonen. Früher bezeugte Titel sind - ähnlich denen der Bischöfe - “illustrissimus” oder “reverendissimus”
Die Zahl der Kardinäle schwankt im Laufe der Geschichte beträchtlich. Im HMA sollen es nach 1100 (noch der stadtrömischen Funktion entsprechend!) 53 sein (die zuerst sieben, dann sechs suburbikarischen Bischöfe, 28 Priester und 18 Diakone). Im 14. Jh. wird die Zahl reduziert - nach der Wahlkapitulation von 1322 auf nur 20, nach dem Konzil von Konstanz 24, allerdings aus aller Welt, durch Sixtus V. auf 70 (6 + 50 + 14), wie es in der Praxis bis Johannes XXIII., der die Zahl 1958 erstmals überschritt, und in der Theorie bis zu Paul VI. blieb, der die Zahl auf 120 erhöhte, was im Prinzip auch heute gilt, wenngleich Johannes Paul II. die Zahl deutlich überschritten hat, nicht zuletzt deshalb, weil die Papstwahlordnung Pauls VI. die Teilnahme der Kardinäle an der Papstwahl altermäßig auf die bis 80-Jährigen beschränkt!).
Noch kurz zur Gewandung: der rote (eigentlich purpurne!) Hut wird im HMA zum Zeichen der Kardinäle schlechthin, wobei die von Dir gemeinte, bis heute - zumindest bei der Kardinalserhebung, auf Wappen und bei der Grablegung - benutzte flache, extrem breite Hutform mit den 15 Flocken (= Quasten) in der Tat erst dem HMA angehört!). Er wurde in einer leicht antikeren Form den Weltklerikern bereits von Innozenz IV. auf dem 1. Konzil von Lyon 1245 zugebilligt, den Ordenskardinälen allerdings erst 1591.
Die Regularkleriker (bzw. Sekularkardinäle) erhielten dann von Paul II. auch das Recht auf ein rotes Biret.
Den roten (purpurnen) Talar (auch die entsprechenden Schuhe) - abgeleitet von der ursprünglichen päpstlichen Kleidung - übernahmen die Kardinäle aus dem Weltklerus generell wohl erst im 16. Jahrhundert, die Ordenskardinäle tragen ihn bis heute nicht, sondern den roten Hut (bzw. den Pileolus = Scheitelkäppchen) zu ihrer Ordenstracht.
Weitere den Kardinälen im Laufe der Zeit verliehene Zeichen waren u.a. der Ring mit Saphir, seit Paul II. die weiße damastseidene Mitra und die rote Pferdedecke.
So, das möge erst mal genügen!
Noch eine Anmerkung zu der von Dir, lieber Carsten, geschilderten “Bischofstracht”: Es handelt sich um den Pontifikalornat, der natürlich nur beim feierlichen Gottesdienst getragen wurde; auch wenn viele MA-Darstellungen bischöfliche Personen generell in ihm zeigen, auch an des Königs Tafel, so wurde natürlich im “Alltag” ein einfacher Talar getragen (und auch die Bischöfe, die in die Schlacht zogen, taten das in “normaler” Rüstung, nicht in den Pontifikalgewändern, interessanterweise seit dem 13. Jh. oft mit einer Mitra als Zier auf dem Topfhelm).
Dies ist Dir sicher bekannt; ich wollte es nur betonen, damit uns nicht demnächst auf einem MA-Markt ein Bischof in Pontifikalornat am Wurstchenstand begegnet …
wißt ihr auch, ab wann es den Kardinalsposten gab, ab wann den Kardinalshut (ich habe erst Abbildungen von diesem auf Wappen des 15. Jhd. gefunden) und von wann bis wann und ob überhaupt Kardinäle rosa, bzw. rosa Schuhe trugen?
o. Albe (vom Cingulum gehalten) p. Pontificalschuhe und Strümpfe
Der Bischofsstab (mlat. virga pastoralis, pedum)
Seit dem Frühmittelalter Abzeichen der bischöflichen Würde. Er gilt als Symbol der Sorgfalt und Milde aber auch der Strenge und Züchtigung. Der lateinische Begriff pedum deutet die ßhnlichkeit der oberen Krümmung mit den Hirtenstab an. Ursprünglich wurde er aus Edel-hölzern gefertigt. Die Krümmung besteht seit der Zeit der Ottonen aus Elfenbein, zuweilen auch aus Silber oder Gold.
Amikt (mlat. amictus)
Schultertuch, seit dem 8. Jh. Bestandteil des bischöflichen Ornats.
Pallium (lat.)
Eigentlich ein rechteckiges Stück Tuch, das um die Schultern, Brust und Rücken getragen wurde. Entwickelt sich allmählich zu einem langen Band; aus weißer Wolle mit zwei bis fünf schwarzen Kreuzen oder dem Monogramm Christi bestickt.
Stola Charakterisches Abzeichen, Insignie der empfangenen Weihe.
Manipel (mlat. manipulus, mappa, mappula, fano)
Zierstreifen mit einem Kreuz in der Mitte, wird seit dem 12. Jh. aus Seide gefertigt mit Goldstickerei und Perlenbesatz.
Ursprünglich war es ein zu einem Streifen gefaltetes Tuch.
Mitra (mlat. infula) auch Infel Bischofsmütze
Mitra 12. Jahrhundert a. - Mütze b. - Infulae, Fanones bzw. Vittae
Die aus dem Phrygium entstandene pontifikale Kopfbedeckung ist in ihrer ältesten Form eine kegel- bzw. kalottenförmige Mütze aus weichem Stoff mit Zierbesatz und Bändern, die vom unteren Rand der Hinterseite herabfallen. Die um die Mitte des 10. Jh. in Rom erstmals nachweisbare Mütze ändert im 12. und 13. Jh. ihre Form, es kommt zu seitlich ausgeprägten Bauschen und Hörnern.
Hergestellt wird sie aus Leinen, aber auch aus weißem Byssus (feines schleierartiges Gewebe aus Leinenfäden), Damast und Seide. Viele Mitren sind mit Perlen und Edelsteinen geziert.
Im 12. Jh. ist die Mitra bei den Bischöfen allgemein in Gebrauch.
Kasel (mlat. casuala - kleines Haus) Meßgewand
Die Kasel ist bis zum 13. Jh. glockenförmig und ohne Schlitz, überdies dermaßen weit und lang, dass sie auf Armen und vor der Brust in Falten gelegt werden muß (Glockenkasel). Die Spitze der Kasel wird für den Kopfdurchlass abgeschnitten.
Die Kasel wurde vorwiegend aus Seide, Brokat oder Damast hergestellt mit Stickereien aus Gold oder farbiger Seide.
Der vertikale Bordürensatz auf dem Vorderteil der Kasel heißt Stab oder Kaselstab.
Die Albe ist aus der römischen Tunika entstanden. Ursprünglich aus weißem Leinen (Sinnbild der Reinheit) gefertigt. Seit dem Ende des 12. Jh. stimmt die Farbe der Besatzstücke der Albe mit jener der Kasel überein.
Wird unter der Kasel getragen. Materialien ursprünglich Wolle und Leinen, jedoch seit dem 12. Jh. aus Seide.
Mit der Ausbildung des liturgischen Farbkanons im späten 12. Jh. wird die Farbe der Dalmatik den übrigen gottesdienstlichen Gewändern angeglichen.
Tunika (mlat. dalmatica minor, tunica subtile)
Ursprünglich über den Kopf gezogenes Gewand mit einem rechteckigen Schnitt.
Seit dem 13. Jh. Bestandteil der Pontifikalkleidung aus Leinen oder Seide im enganliegenden Schnitt, engen ßrmeln und Zierstreifen am ßrmelsaum.
Pluviale (mlat.) auch Cappa
Chormantel
Die liturgische Cappa erfährt im 11. Jh. eine Modifikation; sie wird vorne aufgeschlitzt und mit Hilfe eines Pektorale oder mittels Haken und ßsen zusammengehalten. Das P. wird lange Zeit vornehmlich aus Seide, seit dem 13. Jh. auch aus Goldbrokat hergestellt; Fransen werden als Verzierung am Saum angebracht und Aurifrisien aufgenäht.
Die ursprünglich an der Cappa vorhandene Kapuze bildet sich zum Schild (Pluvialschild - mlat. clipeus) zurück, der in gleicher Weise figural und ornamental bestickt ist. Das P. zählt zum liturgischen Obergewand des Bischofs und Priesters und findet bei allen Feierlichkeiten Verwendung (Prozessionen, Segnungen, feierliche Vespern, Begräbnisse etc.), bei denen die Kasel nicht gebraucht werden darf.
Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung Harry Kühnel
Habit (lat. habitus) = Kutte (mlat. colobium) Untergewand
Bezeichnet ein bis zu den Knöcheln reichendes, gegürtetes langärmeliges Gewand, das zumeist mit einer Kapuze versehen ist. Die Kutte wird von Mönchen und Nonnen getragen und ist je nach Ordensregel von unterschiedlicher Farbe.
Benediktiner: Schwarz Franziskaner: Grau
Kamaldulenser: Weiß Minoriten: Schwarz
Kartäuser: Weiß Prämonstratenser: Weiß
Zisterzienser: Grau
Kukulle (mlat. cuculla)
Ursprünglich eine Wetterhaube, entwickelt sich zu einer zur Tracht einiger Orden gehörenden tütenförmiger Kapuze mit Schulterkragen.
Skapulier (mlat. scapularium)
Ein über Brust und Rücken getragener, ursprünglich seitlich durch mehrere Knöpfe oder Laschen geschlossener, später offener ßberwurf der weiblichen und männlichen Ordenstracht, z.B. bei den Benediktinern und Dominikanern.
Im Anschluß an den Eintrag der Schwester Ruth möchte ich feststellen, daß - nach den meisten Kostümkundlern, von deren Werken ich bisher gelesen habe, der Grundsatz gilt: “In der mittelalterlichen Kleiderordnung gleichen die Männer und die Frauengewandungen einander, mit Ausnahme der Kopfbedeckungen”.
Du hast (natürlich!) recht mit dem Wimpel und dem darüber getragenen (großen!), zumeist schwarzen (allerdings gelegentlich offensichtlich entweder weiß gefütterten oder mit einer weißen Borte am Rande abgesetzten) Schleier.
Aber wie einige Abbildungen, etwa der hl. Hildegard von Bingen, zeigen, wurde wohl auch gelegentlich das Gebende getragen - selbstverständlich ebenfalls mit einem großen Schleier darüber.
Diese Aussagen gelten für das 12./13. Jh. und die Benediktinerinnen.
schau doch mal in den Thread “Kurzvorstellung der christlichen Orden im Mittelaler”, da findet sich vielleicht einiges zur Kleidung - wenn auch meist für die männlichen Ordensleute ;-).
Ich kann mich dunkel an diverse mittelalterliche Abbildungen von Nonnen erinner, Details müßt ich aber noch mal nachschauen.
Ich glaube, ich lehne mich aber nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß wohl die meisten Ordensfrauen ein weißes oder gebleichtes Wimple (Kopf- und Hals-umschießende, enganliegende “Haube”) und darüber einen mindestens bis über die Schulter reichenden Schleier getragen haben.
Ich glaube, über die Kleidung von Mönchen gibt es schon was. Was aber trugen die Nonnen verschiedener Orden und die Kanonissen? Ich interessiere mich vor allem für das 14. Jhd.; aber auch Angaben zu anderen Zeiten sind erwünscht.
Weiß einer von Euch Bücher, die Abbildungen von mittelalterlichen Nonnen o.ä. enthalten, oder gibt es Beschreibungen in Ordensregeln, die Rückschlüsse auf die Kleidung zulassen?
Gibt es vielleicht in der Szene sogar eine Frau, die eine Ordensfrau darstellt?
Auf viele Informationen und frohes Diskutieren freut sich