Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Kleidungsmaterialen und Unterkleidung im 14ten: Definition und Unterscheidung

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Eintrag #1 vom 22. Sep. 2003 10:56 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Ich würde hier gerne einmal Stoffe und Definitionen für “Unterkleidung” und “ßberbekleidung” behandeln, im späten 13ten bis Mitte 14tes, da ich angesichts von Meinungsaustausches mit anderen Darstellern ind er Zeit etwas unsicher geworden bin.
Und zwar geht es mir darum, was war Unterkleidung, was nicht, und was verwendete man für Material?
Da für die Unterkleidung traiditonell eher leinen verwendet wurde, ist die Definitionsfrage schon eine wichtige, war die Cotte eine Haupt-oder Unterbekleidung, war sie eher gefüttert oder nicht?
Wenn ich z.B. die Herjolfness-Funde richtig interpretiere, waren die meissten Cottas ungefüttert, nur: waren das nun Hauptbekleidungsstücke oder wurden sie über einen anderen Kittel/Cotta getragen?
Meine bisherige Definition einer Bekleidung im einfachen Stand um sagen wir mal 1330 sieht so aus:
-Chemise(franz.)/Hemdelin(mhd)=Leibhemd Oberschenkel/knielang, naturfarbenes Leinen
= _Unter_kleidung.
-Cotta/Kittel aus Wolle, optional gefüttert?
= Hauptbekleidung. Kann auch ohne was drüber getragen werden. Die Unterkleidung kann auch weggelassen werden. In seltenen Fällen war die Cotta Leinen(?) aber niemals Unterkleidung, d.h. man trug sie offen.
-Optionales _ßbergewand: Surcot, Cotahardie. Wolle, _meisstens_ gefüttert(?). Diese wurde nur getragen…tja wenns kalt war, aus besonderem Anlass etc. Aber nicht zwingend
Später ersetzte dann das Wams (so ab ca. 1340)
die Cotta, jedenfalls bei dem modebewussten Mann.
Bei der Frau ähnlich:
Unterkleid/Hemd aus Leinen natur,
Hauptkleid/Cotte/Cotehardie aus Wolle, ohne Futter,
ßberkleid/Surcot/Cotehardie darüber, mit Höllenfenstern wer modisch war, mit Eingriff wenn der Gürtel drunter getragen wurde, meisst gefüttert (also Wolle mit Leinenfutter).
Korrekturen? Anmerkungen? Detaillierungen?
Wann war die Hauptkleidung aus Leinen, war sie das überhaupt? Mir ist kein Fund bekannt, bei eng geschnittenem wird das ob der geringen Dehnfähigkeit eh schwer; ab 1340 soll das Wams ja meinen Infos nach zur Unterkleidung geworden sein und aus 2 Schichten Leinen bestanden haben.
Gruss, Esca

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Eintrag #2 vom 22. Sep. 2003 12:59 Uhr Thorsten (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Thorsten eine Nachricht zu schreiben.

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Moin Esca,
das Problem für mich an der Kleidung dieser Zeit ist, das die Terminologie sehr unklar ist. Ich verwende jetzt mal zur Einfachheit unsere gruppeninterne Terminologie, die von tatsächlichen Gegebenheiten abweichen kann. Wir verwenden sie aber als “Arbeitstitel”, um wenigstens gruppenintern einheitliche Namen zu haben.
Hemd: Unterhemd aus Leinen, bis oberschenkellang
Kotte: ßberkleidung, Tunikaschnitt - eher selten in unserer Zeit
Cotehardie: auf Form geschnittene Oberbekleidung in verschiedenen Varianten
Doublet: Wams (Pourpoint) aus Leinen, an dem die Beinlinge befestigt werden
Paltok: westenartiges Kleidungsstcük aus zumeist ungefärbtem Leinen, an dem die Beinlinge befestigt werden.
Das meiste, was ich hier jetzt von mir gebe, sind Interpretationen, die ich aufgrund der wenigen Funde und der Illustrationen mache.
Wie Du schon gesagt hast, kommt das Doublet gegen 1340 auf. Dazu passen auch die Wardrobe accounts Edwards III., nach denen die Doublets aus min. zwei Lagen Leinen angefertigt und mit Baumwolle gestopft wurden. Das würde zur Mode mit den halben ßrmeln bei der Cotehardie passen. Ich vermute, daß das Wams auch aus edlerem Stoff angefertigt werden konnte, ich habe z.B. eine Grabplatte eines Kaufmanns um 1360, die einen brokatähnlichen Stoff zeigt.
Der Paltok ist mir nur aus zeitgenössischen Schriftquellen bekannt, bietet sich aber bei einer langämeligen Cotehardie an. Das Material wird dort als Leinen bezeichnet, zwei Lagen bieten sich auch hier an, werden afaik auch erwähnt …
Hemd ist nach Bildern möglich und bis oberschenkellang.
Bei der Fütterung der Oberbekleidung ist es manchmal schwierig da etwas genaueres zu sagen, da ja Leinen leicht verrottet. Einige der Londoner Funde zeigen eine Leinenfütterung, auch bei den oben genannten Wardrobe-accounts wird darauf hingewiesen. Auch Seide scheint möglich gewesen zu sein. Ich meine auch hier was bei den Londoner Funden gefunden zu haben, habe aber die Unterlagen gerade nicht zur Hand. Was die Hjerlofsnes-Funde angeht, so habe ich leider nicht die Fundberichte, vielleicht ist es ja teilweise möglich gewesen, daß sie trotzdem gefüttert waren, ich meine. Ich habe bezüglich der gefundenen Hüte ßberlegungen mitgekriegt.
Weitere, wichtige Fütterungen scheinen Pelze gewesen zu sein, je nach Stand entsprechend preiswert. Es gab auch einen regen Handel mit gebrauchten, ausgelösten Pelzen. Grauwerk (Eichhörnchen) scheint jedoch recht verbreitet gewesen zu sein.
Was die Hjerlofsnes-Funde angeht, fehlt mir leider eine Beschreibung des Fundzusammenhangs. Daran könnte man erkennen, ob z.B. mehrere Teile übereinander getragen wurden. Ich denke aber, daß der Fundzusammenhang in den Gräbern nicht allzu aussagekräftig ist. Z.B. werden die Leute vielleicht in ihren Alltagsklamotten begraben worden sein, doch machte es für die Verwandten keinen Sinn, z.B. gefütterte ßberbekleidung (seien es Cotehardien, Jacken, Heuken oder Guarnaches) mit ins Grab zu legen - schließlich war Grönland schon lange christlich.
Was die Cotehardie angeht, so gibt es bei den Wardrobe accounts auch Rechnungen auf eine komplette Sommergarderobe aus grüngefärbtem Leinen (Kleider und Cotehardien). Länge kann beim Mann übrigens von oberschenkel- bis knöchellang sein.
Die optionalen ßberbbekleidungen sind noch schwerer zu definieren, als der Rest. Einige der Hjerlofsnes-Funde würde ich als Jacken interpretieren, das paßt auch zu Abb., die ich habe. Weiterhin gibt es die schwer definierbare Heuke - es scheint sich um ein ponchoartiges Kleidungsstück mit und ohne Kapuze zu handeln; es gab die Guarnache, die teilweise nicht vom Gardekorps des ausgehenden 13. Jhdts. zu unterscheiden war und vermutlich auch einfach eine zusätzliche Cotehardie, wenn es nötig war. Mäntel kenne ich relativ wenig, meist eher im ritterlichen Bereich (z.B. auf der Schulter geknöpft), Frauen scheinen sie öfter getragen zu haben.
So das war´s erstmal in aller kürze, Quellen kann ich bei Bedarf nachreichen. Ich habe mich jetzt erstmal auf die Mitte des 14. Jhdts. beschränkt, meine Mittagspause ist nicht unbeschränkt ;-)
Bis denn
Thorsten

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Eintrag #3 vom 22. Sep. 2003 13:48 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Habe auch die Fundberichte von Herjolfsnes nicht dabei. Aber soweit ich mich erinnere, wurden die gefundenen Kleidungsstücke in den meisten Fällen nicht von den Bestatteten getragen, sondern diese waren darin eingewickelt. Das erklärt, warum es pro Grab normalerweise nur ein großes Kleidungsstück gab (neben den Gugeln, die, soweit ich mich erinnere, um die Füße gewickelt waren, kann das sein? und den wenigen Hüten). Funktionen als ßber- oder Unterbekleidung lassen sich daraus also leider nicht ableiten.
Wer den Grabungsbericht hat, möge mich ergänzen oder korrigieren.
Bis denn
Karen Thöle

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