Sorry, wenn ich den alten Thread ausgrabe, aber ich experimentiere seit einiger Zeit mit Nadeln aus Hirschgeweih. Die Nadeln lassen sich recht dünn (⇐ 1mm Durchmesser) feilen, sind dabei aber immer noch relativ flexibel. Bruchgefahr ist natürlich gegeben. Die Hauptgefahr ist hier, dass man die Nadel zu fest zwischen die Finger quetscht und dadurch ungünstig belastet.
Ich habe meine neue Wolltunika komplett damit genäht, was wunderbar funktioniert hat. Die Nadel rutscht einwandfrei durch den Stoff, auch mehrere Lagen Stoff waren kein Problem.
Leinen lässt sich ebenfalls verarbeiten, die bestandene Härteprobe war festes, handgewebtes dickes Leinen.
Das Nadelöhr ist nicht gebohrt, sondern geschnitzt/geschabt.
Seid einiger Zeit stellen wir Knochennähnadeln her. Sehen könnt ihr sie unter www.knochennadeln.de.tf . Wir haben auch Nadeln aus (freiverkäuflichem) Mammutelfenbein, da dieses biegsamer ist als Rinderknochen…
Ich stelle selber Gegenstände aus Knochen her und meine bisher dünnste Nadel aus knochen geht von 1mm auf 0,7-0,8 mm runter.
Dünner geht kaum mehr, da ein dünneres Nadelöhr auch recht unwahrscheinlich ist.
Das es im mittelalter(HoMi) schon sehr feine Feilen und so etwas gab ist mir bekannt, wie fein die Bohrer gingen weiß ich leider auch nicht genau.
Das keine Nadeln von 1 mm gefunden wurden sollte einen nicht entmutigen sie zu gebrauchen, denn wie schnell vergeht ein 1mm breites und 4 cm langes Stück Knochen?!
Ich gehe da meist auf die Wüscnhe derjenigen ein, die eine Nadel von mir gemacht bekommen möchten.
Also ich habe mal irgendwo gelesen, dass man das Nadelöhr bei Knochennadeln mit einer glühenden Metallspitze reinbrennen soll, weil Knochen so spröde sind und sie sonst splittern. Außerdem soll so das ßhr innen ganz glatt sein, was natürlich besser für den Nähfaden ist. Nuja, ich werde weiter mit modernen Nadeln nähen und ich gebe auch ganz ehrlich zu, dass ich mein Gewand, (mein erstes!!!) an dem ich gerade arbeite, mit der Nähmaschine genäht habe.
ok, nochmal: FMA weiß ich nicht, such ich noch, HMA, SMA: mir sind keine Funde von KnochenNßHnadeln bekannt. Und anderen, Fachbuchautoren über Beinverarbeitung, anscheinend auch nicht. Siehe unten zitierter Satz.
Also wenn jemand Funde aus diesen Zeiten kennt - bitte melden!
Funde von Eisennadeln und Nadeln aus Bronzelegierung gibts einige.
“Messing” ist eine Kupfer-Zink-Legierung, “Bronze” ist eine Kupfer-Zinn-Legierung. “Gunmetal” läßt sich mit Rotguss übersetzen und sind in den Legierungsdiagrammen im “Dress Accessories” Kupfer-Zinn-Zink-Legierungen. Sämtliche dieser Legierungen konnten auch noch Blei beinhalten. Die modernen Definitionen für Kupferlegierungen sind halt nur begrenzt anwendbar. Eingegangen auf diese Problematik wird u.a. im “Dress Accessories” und in “Buntmetallfunde nördlich der Alpen”.
Grüße
Martin
S. Krabath; “Die hoch- und spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen : Eine archäologisch-kunsthistorische Untersuchung zu ihrer Herstellungstechnik, funktionalen und zeitlichen Bestimmung”; Verlag Marie Leidorf;Rahden, 2002
G. Egan, F. Pritchard,; “Dress Accessories”, The Boydell Press, Woodbridge, 1991, 2002
tatsächlich ist es erst seit dem 18. Jahrhundert möglich Zink, als einen Bestandteil von Messing, zu isolieren. Nichtsdestotrotz gibt es schon sehr frühe Nachweise von Messing. Das LexMa schreibt dazu:
“Eine M.(..essing . anm. von mir) produktion entwickelte sich in mehreren Regionen Europas, die über Zinkerze, im Verbund mit Blei- und Kupfererzen, verfügten, insbes. in der Gegend um Aachen (»Aachener Reich«). Zu Zentren der M.verarbeitung wurde im MA v. a. eine Reihe von Städten mit traditionsreichem Kupfergewerbe wie Dinant (Dinanderie), Köln, Braunschweig, Lübeck und Nürnberg (s. a. Apengeter, Gelbgießer; Gießerei). Seit dem späten 7. Jh. (frk. und burg. Grabfunde) sind M.auflagen (als Ersatzstoff für kostbare Metalle, bes. Gold) auf eisernen Objekten belegt.”
Es gab sogar das Berufsbild des Gelbgießers, der sich mit Messingguß befasste.
In “Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch” werden auf Seite 433/434 Messingfunde erwähnt, unter anderem eine Messingaale und zahlreiche Messingstecknadeln.
Dann besorg dir doch Nähnadeln aus einer härteren Legierung, das dürfte doch nicht so ein Problem sein. Außerdem ist reines Messing meines wissens nach unA, da man zur Gewinnung von Messing Strom braucht.was es gab sind zufällige Bronzelegierungen die einen gewissen Anteil an Messing mit beinhalten. Die werden in den Spämifunden aus London als Gunmetal bezeichnet. Zum Thema Knochennadeln, kann ich nur da sBuch über die Kunst der Inuitfraune empfehlen, die haben sich Nadeln aus Gräten gebaut.
Bronzenadeln waren mir immer etwas zu weich, Wolle geht noch, aber bei Leinen bogen jedesmal die feinen Spitzen um. Mit Messingnadeln habe ich da wesentlich bessere Erfahrungen (anzuschauen unter: www.familia-ministerialis.de/nadeln.htm ).
Knochennadeln scheinen mir für die mitunter schon recht feine und ausgefeilte Nähtechnik im HMA auch recht ungeeignet. Natürlich besteht durchaus die Möglichkeit das diese im ländlich- bäuerlichem Bereich weiterexistierten.
Mit medieval ist im Englischen meines wissens nach das Hochmittelalter gemeint, nicht das Frühmittelalter. Außerdem schleift man Knochennadeln auf dem Tisch, also man bewegt das Schleifmaterial über das zu bewegende Werkstück und nicht umgekehrt. Dadurch kann man wesentlich mehr Druck ausüben, ohne Gefahr zu laufen das Werkstück zu zerstören. In Sachen Belegsuche, kannst du ja mal in den Fundkatalog von Haithabu, Oberflacht, Birka, Würzburg.. reinschauen, da gibt es jede Menge Belege für Knochennadeln. Nadeln aus Metall, gibt es auch im Frühmittelalter, und in der Antike. Die wurden meines Wissens nach aus Bronze gezogen, also NICHT gegossen oder geschmiedet, und mit denen kann man definitiv nähen.
also - ich hab ja selber schon solche Nadeln hergestellt: aber die Frage nach dem Beleg eben… Ich selbst kenne keinen Fund oder anderen konkreten Beleg für feine Nadeln (Nähnadeln) aus Knochen.
Im Gegenteil, bei MacGregor S.193 [1] geht es um dieses Thema, und da steht dann der Satz: “From the opening of the medieval period metal needles entirely displace all those of bone.”
Grüße
Martin
[1] - Arthur MacGregor; “Bone, Antler,Ivory & Horn, The Technology of Skeletal Materials Since the Roman Period”; Barnes&Noble Books, Totowa,
ich mache seit zwei Wochen selbstversuche wie… und wie dünn die Nadeln dich schleifen lassen.
Die letzte hergestellte hat 1 Millimeter erreicht (dievoherige war zu dünn und brach; vielleicht nur für Seide).Die zum jetztigem Zeitpunkt funktionierende…und bisher auch noch haltbare ist MAßE: 2-3 Millimeter breit (am ßhr) und geht auf 1 mm runter……aber…für Leinengeht die auch…..ich weiß wie dünn Aislin (sorry weis nicht ob der Namen so richtig ist) spinnen kann) nur gab es auch schon Bohrer mit 1 Millimeter???)was habe ich davon süße kleine Nadeln zu produzieren wenn es sie garnicht gab????Bitte um Hilfe
ich würde für feinere Nadeln eher Horn nehmen, das ist etwas weniger spröde als Knochen. Ansonsten: Knochen auskochen (ca 1,5 Std) dann nochmals ca 1/2 Std mit Waschpulver auskochen (entfettet) und nadel draus schleifen. es empfiehlt sich, das Loch zu bohren, bevor man die Nadel schleift. ich würde allerdings empfehlen hierführ Mittelfußknochen vom Rind zu nehmen, da diese dichter sind als zb Rippenknochen oder dergl.
meine Erfahrungen mit Knochennadeln haben gezeigt das sie oft zu dick sind. Bei einigen Geweben mag das funktonieren, aber bei Leinen z.Bsp. hinterließ die Nadel fiese Löcher. Bei grobem Leinen oder lockerem Wollgewebe gehts besser. Ausserdem ging mir durch die Dicke der Nadel das Nähen schlechter von der Hand (durchziehen der Nadel), und bei mehrfach- Lagen (Saum) wars ganz vorbei.
Nun waren meine Knochennadeln vielleicht besonders kräftig, die waren von Agil. Vieleicht stellt jemand sehr feine her, oder du versuchst es tatsächlich selbst.
Ich benutzte lieber Messingnadeln, die sind für meine Zeit (1280) belegt und funktionieren super.
Vieleicht kannst du darauf auch zurückgreifen.
Gruß
David, familia ministerialis- Alltagsleben um 1280
selber machen ist eigentlich einfach: Du nimmst ein Stück Rinderknochen und feilst alles weg was nicht nach Nadel aussieht…
Klingt jetzt etwas flapsig aber ist eigentlich so.
Einfacher Markknochen tuts. Ein bis zwei Stunden auskochen, dann einen Span raussägen, so lang wie die Nadel sein soll. Und dann: feilen feilen feilen. (Soll Leute geben die da mit Zieh/Schnitzmesser rangehen, ich kanns nicht so richtig). Das ßr kannst du vorsichtig mit einem ganz dünnen Bohrer (für den Dremel oder so)bohren.Wenn das Ding aussieht wie eine Nadel schön glatt schleifen und evtl. noch mal mit ßl einreiben damits gut gleitet.
ich habe vor, meine nächste Gewandung von Hand mit einer Knochennadel zu nähen. Ich habe aber nicht die geringste Ahnung davon wo man eine solche Nadel herbekommt oder wie man sie selbst anfertigen könnte.