Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Körpergröße der Menschen im Mittelalter

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Eintrag #1 vom 16. Apr. 2004 16:55 Uhr Michael Oeser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Oeser eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo zusammen,
ich bin ein Frischling in dem Thema und warscheinlich wurde die Frage schon sehr oft gestellt, aber ich konnte übber die Suche keine zufriedenstellende Antwort bekommen.
Gibt es denn nun eine klare wissenschaftlich fundierte Aussage darüber, wie groß die Menschen im Mittelalter wirklich waren? Und warum waren sie kleiner (wenn dem so ist)? Hatten sie generell eine “sportlichere”, kräftigere Statur (könnte man ja annehmen)?
Gruß

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Eintrag #2 vom 16. Apr. 2004 18:08 Uhr Michael Tegge  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Tegge eine Nachricht zu schreiben.

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Moin
Ich kann Dir etwas über Friesische Funde berichten:Die Ausgrabungen Wüstung Kloster Barthe (Landkreis Leer) , 13. Jahrhundert ,ergaben bei den untersuchten Skeletten eine durchschnittliche Körpergröße bei den Frauen von 1,65 m und bei den Männern von 1,75. Einige waren sogar 1,80 groß.
Also ungefähr wie heute. Nun kann man aber davon ausgehen , daß die Friesen “recht groß ” waren , da es hier kaum Mangelernährung gab.Die Friesische Landwirtschaft hatte schon im 12. Jahrhundert einen enormen Produktionsüberhang an Vieh , Käse und Getreide. Da das durchschnittliche Wachstum auch mit der Versorgung Heranwachsender mit ausreichend Eiweiß zusammenhängt und gerade die Kombination Getreide- Milch ,sich als wachstumsfördernd erweist , ist meiner Meinung nach eine regionale Durchschnittsgröße mit von dem Nahrungsreichtum des Landstriches abhängig.
Michael de Egge,de Fresena

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Eintrag #3 vom 16. Apr. 2004 22:22 Uhr Harald Sill  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Harald Sill eine Nachricht zu schreiben.

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Du kannst davon ausgehen das die Leute im Mittelalter nicht so unheimlich viel kleiner waren. zumindest nicht im Schnitt.
Ich habe in eine Museum enmal eine Grafik genau dazu gesehen. Dabei ging es um Menschen in Deutschland, ich weiß nicht mehr ob generell oder Regional.
Das ist eine langsam aber stetig ansteigende Kurve mit zwei Zacken über einige Jahre (Jahrzehnte?) hinweg wo die durchschnittliche Körpergröße um gut 15 cm absackte.
Mangelernährung war der Grund, ich weiß jetzt aber auch nicht mehr welches die auslösenden Ereignisse waren.
Ich könne mir immer wieder in den Hintern beißen das ich nciht mehr weiß in welchem Museum das war.
Gute Tage
Harwalt von Biberach

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Eintrag #4 vom 17. Apr. 2004 08:09 Uhr Oliver (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Oliver eine Nachricht zu schreiben.

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Auch die Skelette der Toten der Towton Massengräber hat man auf die Körbergröße untersucht. Der Schnitt lag dort bei etwas über 1,70 Meter, der Größte war so ca 183.
Turtle

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Eintrag #5 vom 17. Apr. 2004 12:31 Uhr Roland Schulz   Nachricht

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Hallo Michael,
ich beziehe mich hier mal auf den frühmittelalterlichen Bereich des Mittelalters (etwa 500 - 1500), speziell die Zeit zwischen etwa 500 und 700 n. Christus.
“Die Franken unterschieden sich, soweit dies nach dem Knochenbau zu beurteilen ist, nicht von anderen frühmittelalterlichen Volksgruppen wie Thüringern, Alamannen und Bajuwaren.
Die durchschnittliche Körpergröße von Männern betrug 171 cm, von Frauen 162 cm.
Diese relativ hohen Werte lassen sich mit einer gleichmässigen und ausreichenden Ernährung mit viel Fleisch erklären.”
Zitat “Die Franken -Wegbereiter Europas”, Katalog Handbuch in zwei Teilen, Verlag Philipp von Zabern, Mainz. ISBN 3-8053-1819-8
Diese Aussage begründet sich in den gefundenen Skeletten oder Skelettresten zahlreicher Gräberfelder in West- und Nordwestdeutschland, ebenso wie Gräberfeldern in Mittel- Südwestdeutschland (Alamannen, Thüringer) und Südostdeutschland (Bajuwaren).
Der häufig gut erhaltene (weil dickste) menschliche Oberschenkelknochen reicht Anthropologen aus, um die Größe eines Menschen mit einer sehr hohen Genauigkeit festzustellen.
Das soweit zum frühmittelalterlichen Zeitraum.
Hugh. *g*
Gruß,
Hroudland
Leben und Handwerk der Alamannen I.G.
www.oliver-schulz.de/alamannen

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Eintrag #6 vom 19. Apr. 2004 07:46 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Schuhgrößen

Abgesehen von der Körpergröße, scheint die Schuhgröße aber wesentlich kleiner gewesen zu sein. Ich habe neulich eine ßbersicht für die männliche Bevölkerung gesehen, wonach der Durchschnitt bei ca. 37 lag, heute liegen wir bei Männern ja weit jenseits der 40. Ich weiß nicht, inwiefern Schuh- und Handgröße zusammenhängen. Aber einige Grifflängen europäischer Einhandschwerter sind auch auffallend knapp bemessen.
Grüße aus der Mark
Joachim
Marca brandenburgensis AD 1260
Märkisches Leben zur Zeit der Askanier www.brandenburg1260.de

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Eintrag #7 vom 19. Apr. 2004 08:38 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Ursachen der Mangelernährung

Hallo,
die durchschnittlichen Körpergrößen einiger Jahrhunderte waren ja schon genannt. Ursache für das “Schrumpfen” war z.B. auch aufkommende einseitige Ernährung, sprich Wechsel von verschiedenen Getreidesorten auf Weizen als alleiniges Getreide. Wenn ich meine Informationen im Kopf richtig sortiere, lag eine “Schrumpfungsperiode” im 12./13. Jhdt. Neben der Ausrichtung auf Weizen wurden auch die Einschränkungen im Jagdrecht und der Rückgang des Fleischverzehrs bei breiten Bevölkerungsschichten genannt. Auch die Verstädterung trug zu einer Verringerung der Körpergröße bei: der Wald als Nahrungslieferant (Honig, Kräuter, Wildfrüchte, Kleintiere) rückte in räumlich größere Ferne, der einseitigen Ernährung wurde weiter Vorschub geleistet.
Nachzulesen in Dieter Breuers “Ritter, Mönch und Bauersleut” oder auch in “The Year 1000” von Robert Lacey/Danny Danziger.
Gruß
Ameli

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Eintrag #8 vom 19. Apr. 2004 11:00 Uhr Mike Wendl  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Mike Wendl eine Nachricht zu schreiben.

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wers genau wissen will:
Ausgrabungen In Schleswig
Band 12
Kirche und Gräberfeld des 11.-13. Jhdts
Wachholz Verlag
gut 200 Seiten nur Skelettuntersuchungen, Statistik etc..
Grüsse
Lui

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Eintrag #9 vom 19. Apr. 2004 17:07 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Der Hintergrund für die Anfangsfrage ist ja sicher der oft (unkritisch) dahergebetete Hinweis auf die kleinen Ritterrüstungen in Museen.
Ich habe mal irgendwo (auch bei mir ein Hinternbiss nötig, *g*) gelesen, dies wären “alles nur Zierrüstungen” und da wäre “nie ein Ritter” drin gewesen. Nun ich habe die Blechhaufen nicht alle nachgemessen, aber für einige mag das schon zutreffen - hat jemand hier Vergleichsmessungen als Ableitungen von Rüstungsmaßen?
Gruß, Ingo

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Eintrag #10 vom 19. Apr. 2004 17:13 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Alles nur Zierde?

Bestimmt nicht, denn in Zeughäusern hätten Zierrüstungen keinen Platz, ausserdem hätten solche keine Beschussmarke (Plattenpanzer wurden oft und gern durch Bolzenbeschuss geprüft). Desweiteren passe ich in einige gut rein, und bin mit 1,80+ nicht klein geraten.
Die “kleinen” Rüstungen, auf die gerne verwiesen sind, sind meisstens wesentlich später. Kein MA.
Gruss, Jens, IG MiM e.V.

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Eintrag #11 vom 20. Apr. 2004 14:15 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

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Als Ausgangspunkt einer kleinen Recherche zu anthropologischen Untersuchungen zur Körpergröße im MA empfehle ich die Webseiten der
Gesellschaft für Archäozoologie und Prähistorische Anthropologie (GAPA) www.gapa-kn.de
bzw. deren Publikationsreihe: Beiträge zur Archäozoologie und Prähistorischen Anthropologie
Unter anderem im jüngst erschienenen Band (noch nicht auf der HP) ist ein kritischer Beitrag von einigen Jenaer AnthropologInnen um Dr. Horst Bruchhaus zur Abschätzung der Körpergröße enthalten.
Auch läßt sich das nicht so allgemein sagen, daß die Menschen im Mittelalter stets kleiner waren. Ganz grob mag das zwar zutreffen, aber wichtig ist zu wissen, wann, wo und insbesondere in welcher gesellschaftlichen Schicht. Die durchschnittliche Größe und noch mehr die Lebenserwartung sind dahingehend nämlich recht unterschiedlich.
Viele Grüße Roman

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Eintrag #12 vom 20. Apr. 2004 14:28 Uhr Roman Grabolle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Roman Grabolle eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Rüstungen in Museen

Nicht wenige der ausgestellten Rüstungen in Museen und Burgen sind meines Wissens tatsächlich Zier- oder Kinderrüstungen und von denen wiederum eine ganze Reihe jüngere Herstellungen, v.a. des 19. Jh.
Einer der Fachleute in Sachen Rüstungen ist Dr. Axel Gelbhaar, Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
Publikationsliste: www.uni-bamberg.de/~ba5am1/info/gelbhaar.htm
Viele Grüße Roman

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Eintrag #13 vom 21. Apr. 2004 13:12 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kleine Rüstungen

Hallo,
sehenswert ist die Rüstungssammlung im Schloß Ambras oberhalb von Innsbruck/Tirol. Dort gibt es auch etliche Kinderrüstungen.
Bei den Blechteilen sollte man eines nicht vergessen: meist sind sie auf Ständer montiert bzw. die Einzelteile zum besseren Aufstellen miteinander verbunden. Nun hat aber nie Platte an Platte gesessen (z.B. Oberarm-, Ellenbogen- und Unterarmschützer), ein bißchen Luft muß schon dazwischen sein, damit überhaupt Bewegung möglich ist.
Voilá, schon werden die vermeintlichen Panzerzwerge ein paar Zentimeter größer ;-)
Also schaut gleich, wie die Rüstung auf-/ausgestellt ist.
In Ambras werden z.B. Puppen in die Kinderrüstungen gesteckt.
Gruß
Ameli

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Eintrag #14 vom 20. Okt. 2004 07:52 Uhr Florian Meißner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Florian Meißner eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
zudem gibt es auch relativ große Rüstungen. Auf der Churburg in Südtirol steht eine, die eine Höhe von 2,10 Meter hat.
Der Link zur Homepage: www.churburg.com
Mit Herz und Schwert Florian

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Eintrag #15 vom 20. Okt. 2004 12:39 Uhr Michael Knapp  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Michael Knapp eine Nachricht zu schreiben.

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Ich empfehle da den Besuch der “Hofjagd und Rüstkammer” in Wien, wo hunderte (Turnier-)rüstungen in allen Größen (für Leute von 150 - 200cm) zu sehen sind.
MfG, Michael

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Eintrag #16 vom 25. Okt. 2004 13:16 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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Um von den Rüstungen noch mal weg und wieder zum Menschen hin zu kommen. Eine grundsätzliche (kein Grundsatz ohne Ausnahmen) Regel besagt bei Haustieren: unter dem Einfluss der Domestikation (Haustierwerdung) erfolgt idR auch eine Streckung der Knochen, die meisten heutigen Haustiere sind größer als ihre Verwandten aus dem Mittelalter und die Urformen. Ursache ist multifunktional neben degesicherten Ernährung, fehlender Feindruck, künstliche Auslese durch den Menschen, gesteigerte gesundheitliche Betreuung u.ä., neben der Körperstreckung sind auch weitere Veränderungen im Habitus erkennbar: Rückgang der Behaarung, vermehrtes Aufkommen von Scheckung in der Körperzeichnung, Rückgang der Gehirnmasse bzw. -windungsanzahl.
Und was hat das jetzt alles mit den Menschen im Mittelalter zu tun? In gewisser Weise sehr viel.
Der Mensch unterliegt nämlich selbst einer Art der Domestikation. Auf seinen Körper wirken vergleichbare Einflüsse. Die Entfernung von seinen natürlichen Wurzeln, die schwindende Abhängigkeit von Natur und Naturgewalten, die natürliche Auslesemechanismen wird immer stärker zurückgedrängt, all das bewirkte im Lauf der menschlichen Entwicklung auch anatomische und physiologische Veränderungen - der Mensch wurde (durchschnittlich betrachtet) größer, die Lebenserwartung steigt ständig. Berücksichtigt werden muss dabei aber, dass dies Erkenntnisse aus einer großen Stichprobenanzahl stammen - Hinweise wie: “Bei der und der Ausgrabung sind aber ganz viele große Skelette gefunden worden” sind idR auf lokale und auch genetische Besonderheiten zurückzuführen.
Vor ein paar Wochen kam z.B. ein Bericht über die Suche nach dem Wahrheitsgehalt der biblischen Geschichte von David und Goliath im Fernsehen, dabei wurde auch auf ungewöhnlich große Skelette in einer lokal begrenzten Region verwiesen - so etwas gab und gibt es immer wieder (statistische Ausreisser).
Noch einen schönen Tag
Gruß, Ingo

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Eintrag #17 vom 04. Nov. 2004 17:58 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo,
ich möchte dazu noch anmerken, daß sich die Körpergröße einer Population rasend schnell verändern kann, sofern ein Selektionsdruck gegeben ist (man denkt immer, Evolution ginge so langsam).
Das erkennt man am Beispiel des afrikanischen Elefanten. Im letzten (äh, gemeint ist das 19. Jahrhundert) waren die meisten Elefanten so groß, wie man sich heute ein Mammut vorstellt. Durch die Großwildjagd (natürlich immer auf die schönsten und größten Elefanten) entstand aber ein so starker Selektionsdruck auf die Elefanten, daß die heutigen Exemplare damals als “Mickerlinge” gegolten hätten.
Es kann also sein, daß es innerhalb der 500 Jahre des Mittelalters durchaus große Schwankungen gegeben haben könnte.
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #18 vom 04. Nov. 2004 17:59 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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gemeint sind natürlich die _1500_ Jahre des Mittelalters!
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #19 vom 04. Nov. 2004 18:01 Uhr Anna (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Anna eine Nachricht zu schreiben.

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Die Jahre 500 - 1500 Mittelalter, so nun ist aber richtig :-/
Liebe Grüße, Anna

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Eintrag #20 vom 06. Jan. 2010 20:14 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Die Hospitalier von Toulouse

vom Orden Saint-Jean de Jerusalem haben 1160 die Erlaubnis des Papstes erhalten, an der Kirche ihrer Priorei einen Friedhof anzulegen. In einem Artikel von 2004 der Histoire Medievale wurden lediglich die mittelalterlichen Gräber in die Untersuchung einbezogen. Zur Untersuchung gelangten 59 Skelette. 38 % waren von Erwachsenen. Unter ihnen gab es einen Überhang an Männern, die für ihre letzte Ruhe die Nähe zum Orden suchten. Es handelte sich weitestgehend um alte Personen aus wohlhabendem bis priviligiertem Milieu, soweit an den Knochen erkennbar. Diese wiesen weit fortgeschrittene, altersbedingte Veränderungen auf. Für beide Geschlechter gemischt wurde eine durchschnittliche Körpergröße < 170 cm ermittelt (obwohl mehr Männer- als Frauenskelette vorlagen), wobei die Größe homogen war, d.h. keine besonders kleinen oder großen Individuen.
Im Vergleich dazu heute (2005):
www.destatis.de/[…]/Koerpermasse,templateId=render[…]
Heute liegt der gemittelte Durchschnittswert zwar auch nur bei 171 cm (und das bei größerem Frauenanteil, also mehr kleineren Personen), betrachtet man die Körpergröße jedoch nach Altersgruppen, ändert sich das Bild. Die über 65jährigen, die also bis Kriegsende/während des Krieges/der Kriege geboren wurden, liegt deren Körpergröße (Mangelernährung) zwischen 165 und 169 cm. Im Gegensatz dazu haben die 18 bis 40 jährigen eine durchschnittliche Körpergröße von 174 cm (für Männer und Frauen). Ausreißer nach oben und unten sind in der Tabelle unten auf der Seite von Wikipedia de.wikipedia.org/wiki/Körpergröße (Statistik: Körpergröße der Bundesbürger)gut zu erkennen. Dort kann man sehen, dass beispielsweise lediglich 4,6 % der Frauen eine Körpergröße von weniger als 154 cm haben.
MfG
Nicole

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Eintrag #21 vom 08. Jan. 2010 00:10 Uhr Claudia (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Claudia eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Körpergröße nach Alter

Was man auch noch berücksichtigen sollte, ist die Größenveränderung mit fortschreitendem Alter. Meine Mutter hat dieselbe Größe im Personalausweis stehen wie ich, ist aber inzwischen locker 6 cm kleiner.
Der Größendurchschnitt heute wird aus den im jugendlichen Alter gemessenen Größen ermittelt (d.h. bei Erreichen der maximalen Größe). Für mich stellt sich hier die Frage, wie genau die Größe von Verstorbenen anhand ihres Skeletts bestimmt wird?

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Eintrag #22 vom 08. Jan. 2010 01:43 Uhr Theodor Rosentreter  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Theodor Rosentreter eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Wenn ich mich nicht ganz irre ...

… werden gewisse Knochen vermessen udn aus den Werten kann man mittels einer kombinationsformel die Körpergröße die warscheinlich ist ermitteln … sicher mit abweichungen ;)

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Eintrag #23 vom 08. Jan. 2010 10:00 Uhr Julia Rode  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Julia Rode eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Differenzieren

Wenn schon alles in einen Topf geworfen wird, dann bitte auch noch regionale Unterschiede, Klima, sozio-ökonomischer Status und Ernährung.
Wer sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigen mag (und dazugehörige references):
Bio-cultural effects in medieval populations
Economics & Human Biology, Volume 1, Issue 3, December 2003, Pages 367-377
Marianne Schweich, Christopher Knüsel

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Eintrag #24 vom 08. Jan. 2010 15:06 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Vielen Dank für die Quelle.

Soweit aus dem Abstract des Artikels ersichtbar handelt es sich um einen Größen-Breiten-Gliedmaßenlängenvergleich bezogen auf eine Leprösen-, monastische und normale mittelalterliche, männliche Bevölkerung. Dort (im Abstract) ist nicht ersichtbar, um welchen Zeitraum es sich handelt und wie die Größen konkret aussahen.
Interessanterweise kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass sich Klimaveränderungen nicht auf die Körpergröße auswirken.
Es handelt sich leider nicht um ein Open-access Journal. Daher wäre es nett, diese Infos nachzureichen, falls der Artikel bei irgendwem in der Fulltext-Version vorliegt.
Bezogen auf die Region Toulouse, also mediterranes Klima, wohlhabende Bevölkerung (sozio-ökonomischer Status) ohne oder mit geringen Nahrungskarenzen (Zahnbefund) ergeben sich aus dem Abstract keine anders- oder gleichlautenden Befunde.
Die im Alter verminderte Körpergröße hängt mit den Bandscheiben zusammen. Diese verlieren im Laufe des Lebens die Fähigkeit, Flüssigkeit zu speichern und werden u.a. dadurch immer dünner. Kann man bei sich selbst im kleineren Rahmen beobachten, nachts werden sie wieder “aufgefüllt”, darum ist man morgens bis zu 1 cm größer als abends, nachdem den ganzen Tag Gewicht auf der Wirbelsäule und damit den Bandscheiben gelastet hat.
Ein Faktor, der heute eine Rolle spielt, ist, dass neben der fleischhaltigen Ernährung (die es bei jagdbasierter Lebensweise durchaus auch gibt) die hormonell beeinflusste Mast der fleischliefernden Tiere nicht ohne Auswirkung auf das menschliche Wachstum bleibt.
MfG
Nicole

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Eintrag #25 vom 10. Jan. 2010 11:46 Uhr Julia Rode  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Julia Rode eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe leider keinen VPN-Tunnel daheim, ansonsten aber Zugriff auf die meisten Paper. Werde das PDF aber im Laufe der nächsten Woche mal auswerten und das dann gern hier einstellen.

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Eintrag #26 vom 10. Jan. 2010 12:39 Uhr Patrick (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Patrick eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Klimaveränderungen

Dass sich Klimaveränderungen nicht auf die Körpergröße auswirken finde ich jetzt nicht erstaunlich. Es ist ja nicht so, dass die Körpergröße der Menschen mit zunehmendem Abstand zum Äquator konstant zu- oder abnimmt. Im selben Journal findet sich eine Studie derzufolge die Körpergröße zu 80% genetisch, und zu 20% durch Umweltbedingungen wie Krankheiten und Ernährung bestimmt wird. Vererbung, Ernährung und Gesundheit sind daher wohl die wichtigsten Faktoren, die die Körpergröße bestimmen. Das erklärt auch, warum es im Mittelalter aber auch in anderen Epochen Gesellschaftsgruppen mit über- oder unterdurchschnittlichen Körpergrößen gab.

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Eintrag #27 vom 13. Jan. 2010 15:25 Uhr Frank (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Frank eine Nachricht zu schreiben.

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Wieso wirken sich Klimaveränderungen nicht auf die Körpergröße aus?
Im 11-13 Jhd. wissen wir ja heute das die Menschen nicht kleiner waren als heute…
Es war eine Warmperiode, außerdem hielten Verbesserung in der Landwirtschaft einzug, was zu einer besseren und reichhaltigeren Ernährung führte.
Die dann (aus dem Kopf) um 14xx einsetzten Kaltperiode, auch kleine Eiszeit genannt, schlechte Ernten usw, führte wiederum zu einer verminderten Körpergröße deren populärste Vertretter ja der kleine korsische Diktator war.
Eine Klimaveränderung wirkt sich nicht wegen der Wärme, Kälte oder Niederschlagsmenge auf die Körpergröße aus, sondern die Klimaveränderung und die dadurch veränderte Menge an Nahrungsmitteln wirkt sich auf die Körpergröße aus.
Ich bin mir nun nicht ganz sicher, aber war die Klimaerwärmung im 9. Jhd. nicht der Grund für die Bevölkerungsexplosion in Skandinavien und dadurch das ewige Problem von Bevölkerungsexplosionen… junge Männer die weder Arbeit, noch Hof, noch Frauen finden… und dann nach aussen migrieren müssen…

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Eintrag #28 vom 13. Jan. 2010 17:44 Uhr Dr. Nicole Schneider  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Dr. Nicole Schneider eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Kannst Du das

“Im 11-13 Jhd. wissen wir ja heute das die Menschen nicht kleiner waren als heute…”
bitte belegen? Genau wie deine anderen Aussagen auch? Denn genau darum geht es in diesem Thread, Quellen und Belege für oder gegen diese Hypothese zu finden?
Bevölkerungsexplosion hat nichts mit Größe zu tun. Lediglich damit, dass mehr Kinder überleben. Und wieso finden sie keine Frauen? (Ob man das Geld hat, einen Hausstand zu gründen, ist eine ganz andere Frage.)
Statistisch gesehen werden mehr Mädels als Jungs geboren. Das hat genetische Gründe. Dass in manchen Weltregionen heute ein Männerüberschuss vorhanden ist, hat meist mehr religiöse oder finanzielle Gründe. Und hängt mit Abtreibung weiblicher Embryonen oder dem Töten weiblicher Säuglinge zusammen.
Danke!
Nicole

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Eintrag #29 vom 17. Jan. 2010 19:54 Uhr Wilfried Masberg   Nachricht

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Hi, nun fragt mich nicht nach dn Quellen, aber in Norwegen und Dänemark galt des Erstgeburtsrecht und es gab die MehrEhe ( Vielweiberei)
Also, kein Hof, keine Frau und somit über

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Eintrag #31 vom 18. Jan. 2010 10:57 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Wilfried, irgendwie sind deine Posts ziemlich unverständlich.

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