zum Schnitt kann ich leider auch nix sagen, so genau hab ich zugegebenermaßen nch gar nicht drauf geachtet.
Mir ist eine Abbildung bekannt, auf der ein Totengräber mit “offener” Bundhaube dargestellt ist, ansonsten ist sie stets geschlossen. Du gibst mir da einen recht interessanen Gedankenanstoß… Wir haben uns immer nur Gedanke darüber gemacht, ob denn stets die Bändel geschlossen sein müssen (und unverknotete irgendwie als anstößig oder so galten), aber die Idee mit dem durchgägigen Band finde ich gar nicht so abwegig.
Vielleicht findet sich ja noch jemand mit näherem Wissen hier ein…
Ich bin bei meiner Kleidungsnäherei inzwischen auch bei den Bundhauben angelangt. Da vor dem Nähen die Recherche steht, habe ich zunächst alle mir bekannten Abbildungen des 13. Jhd. betrachtet (Manesse, Mac u.a.) und dabei ist mir Folgendes aufgefallen:
1. Auf fast allen frontal oder im Halbprofil abgebildeten Köpfen ist an den Hauben mittig über die Fontanelle nach hinten führend eine Linie zu erkennen, die ich als Naht deute. Ich schließe daraus, dass die Bundhaube (anders als in Schnittmustern veröffentlicht) aus zwei gleich großen zusammengenähten Teilen besteht, wobei die Naht in der Mitte der Stirn beginnt und längs über den Kopf nach hinten zum Nacken führt. Das scheint mir auch die stoffsparendste Variante zu sein.
2. Auf keiner der Abbildungen kann ich herunterhängende Bänder, Schleifen oder Knoten und dem Kinn erkennen. Das lässt den Schluß zu, dass die Bundhaube nicht mit zwei verknoteten oder verschleiften Bändern verschlossen wurde, sondern nur ein an beiden Seiten angenähtes Band hatte, dass beim aufsetzen der Haube über das Kinn gezogen wurde.
Mich interessieren Eure Meinungen über meine vorgenannten Theorien.
(Ich hoffe, dass ich keinen einschlägigen Thread übersehen habe).
Wer einen der allseits beliebten filzernen Klappsdeckel braucht- geht doch mal auf den Flohmarkt oder in den Second Hand Shop und haltet nach alten Loden- oder Filzhüten ausschau. Mit etwas Glück findet sich einer, und der läßt sich nach entfernung von Hutband und Innenfutter (eh meist Plastik) unter Einsatz von heißem Wasser und Kernseife in die gewünschte Form bringen.
Kitschig? - Ich glaube, Du mußt, willst Du das Hobby ernsthaft betreiben, die heutigen Modegewohnheiten über Bord werfen und Dich den damaligen Modegewohnheiten unterwerfen. Kommt halt manchmal nicht so cool rüber, anders geht´s aber nicht.
Oder, solltest Du zu viel Probleme damit haben, siehst Du einfach über die Bundhaube noch eine andere korrekte Kopfbedeckung drüber, ob nun militärisch oder ziviler Natur. Macht besonders im Hochsommer gleich noch viel mehr Spaß :-)
Außerdem: beim ersten mal tut´s noch weh, danach setzt Du das Ding automatisch auf. Ich schlafe inzwischen sogar damit, wenn´s kühl wird.
steh einfach über solchen Dingen, sie sind es nicht wert, sich darüber aufzuregen. Du kannst Dir ja Deine eigenen Gedanken über solche Leute machen.
Die Haube gehört nunmal dazu, ohne wenn und aber. Wenn mit das nicht paßt, suche in mir halt eine andere Epoche oder eine Persona, bei der das Tragen einer solchen Kopfbedeckung unüblich war.
Also die Baundhaube mit dem heutigen Modeempfinden zu beurteilen und sie abfällig als Babyhaube zu bezeichnen finde ich arg daneben. Immerhin schützt sie das Haar vor all den netten Sachen die man im MA ausgesetzt war. Straßenstaub, Stroh, Schmutz von Tieren, Läuse des ein oder anderen. Bzw man hat seine eigenen Läuse etwas besser zusammengehalten.
Im weiteren wurde ja schon geschrieben das es einfach früher (noch Anfang des gerade vergangenen Jahrhunderts) absolut unüblich war ohne Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen. Für MA halte ich sowas auch für denkbar.
Im Sachsenspegel ist auch die Verwendung von Strohhüten - hier nur für Bauernmeister bzw. Schultenheissen - verzeichnet. Nach eig. Erfahrung sind die besonders im Sommer mit ggf. feuchter Bundhaube (kühlt ungemein) ein Segen für den überhitzten Schädel.
Gruß
Frank
+PAX! Fr. Hermann ab Monastre - Cellerarsgehilfe zu Werden
also, mal aus eigener Erfahrung (naja, der meines Mannes ;-)):
Gerade wer eine adlige Haartracht trägt (also irgendetwas zwischen kinn- und schulterlang, vernünfigt gestutzt, versteht sich), wird auf die Coife wohl kaum verzichten wollen. Ohne Häubchen flattern einem nämlich ständig die Haare im Gesicht rum!!! Kannst Du Philipp ja mal nach fragen - der würde am liebsten in Real Life auch mit so einem Teil rumlaufen… ;-)
Dass bei den Skulpturen bei Männern durchaus öfter unbedeckte Haare zu sehen ist, kann man sich vermutlich damit erklären, dass diese Statuuen repräsentativ sein sollten. So hat man sich einen Adligen bei einem Hoffest o.ä. vorzustellen, die sind da nicht unbedingt in ihrer Alltagskleidung abgebildet. Und bei einem Hoffest z.B. ist man ja auch nicht unbedingt Wind und Wetter ausgesetzt. Wenn das Ganze in geschlossenen Räumen stattfand, kann man natürlich auf das Käppi verzichten, und draussen kann man die schlichte Coife eben wie gesagt mit einem anderen Hut kombinieren.
Was die Verziehrungen angeht: bisher habe ich nur weiße Coifen auf Abbildungen gesehen. Mag ja sein, dass Herr Oberprotz die aus Seide fertigen ließ ;-) ???
Man hat damals einfach viel öfter Kopfbedeckungen getragen als heute, das war vor 60/70 Jahren noch so. Schließlich hat man sich damals auch nicht so oft die Haare waschen können (Dralle Beauty Ultra Mild gab’s noch nicht ;-)). Und im Zweifelsfall sieht eine Kopfbedeckung besser aus als fettige Haare. Außerdem schützt so etwas - wie auch Ruth schon sagte - vor Wind, Sonne, Kälte, Staub, Dreck und lässtigen Haaren im Gesicht.
Was das “inflationäre Auftauchen” dieser Kopfbedeckungen auf heutigen Veranstaltungen angeht: Das ist immer noch besser, als die modernen Frisuren, die die Männers so mit sich rumtragen.
Was die langen Haare bei Männer angeht: für länger als schulterlang fällt mir jetzt so spontan kein Beleg ein (HMA, wohlgemerkt) - und wenn, war’s wohl eher ein Sonderfall. Einen Pferdeschwanz habe ich jedenfalls im HMA noch nie gesehen (also, ich meine so als Frisur ;-)).
Ich kam eigentlich nur auf die Frage, eil mir die inflationäre Präsenz der Babyhauben auf Märkten merkwürdig vorkommt. Gerade die Wohlhabenden trieben ja ziemlich Aufwand mit ihrer Kleidung, da erschien es mir nicht plausibel, das alle diese Haube aufgehabt haben sollen, wie manchmal verbreitet wird.
Was die Kettenhemden angeht muß ich natürlich Ameli rechtgeben, das macht Sinn. Aber gerade beim Adel wären dann doch wohl aufwändig dekorierte Bundhauben Usus gewesen, oder?
Trotzdem, Dank an joachim und Dich für die Recherche.
Explizite Kleiderordnungen aus dem 13. Jahrhundert, die sich mit der Bundhaube befassen, sind mir nicht bekannt.
Wenn wir mal den gesunden Menschenverstand einschalten, macht es unter Berücksichtigung der damaligen Lebensumstände durchaus Sinn, bei der Verrichtung der alltäglich Arbeiten den Kopf (Wärmeverlust über den Kopf; Schutz vor Sonne, Wind und Wetter)zu schützen… zu anderen Anlässen kann die Bundhaube auch mal wegfallen - als Beispiel seien Bauern oder Bauernmeister vor Gericht genannt, die im Sachsenspiegel für diese Situation /ohne/ Kopfbedeckung und mit gepflegter Haartracht abgebildet werden. ßberhaupt werden im Sachsenspiegel verschiedene Stände auch über die Kopfbedeckung und die Haartracht identifiziert: Landarbeiter und Hirten tragen immer Kopfbedeckungen, freie Bauern meist gepflegte Haare bis über die Ohren, slawische Bauern ausrasierte Nacken, Markgrafen längere gelockte Haare mit Krone etc….
noch mal konkret: Solche Fragen wie “wurden überall nur Bundhauben getragen” kann /keiner/ beantworten… ;-)
Die “üblichen” Kopfbedeckungen variieren erheblich je nach Zeit, Region, Stand, Religion, Geschlecht, und und und… !
Amelis These wird anderen Autoren unterstützt, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den zivilen und den rüstungs-bedingten Kleidungsbestandteilen sehen. Eine Variante ist z. B., daß die Bundhaube das zivile ßquivalent der gefütterten Haube ist, welche unter der Kettenhaube getragen wurde….
Generell kann man einfach mal festhalten, daß die Bundhauben /weit verbreitet/ erst in Quellen des 13. Jahrhunderts auftauchen, und daß vornehmlich niedere Stände und Personen bei der Verrichtung alltäglicher Arbeiten mit dieser Kopfbedeckung abgebildet werden.
Höhere Stände und reichere Personen, die in “stilisierten Posen” abgebildet werden, tragen in der Regel keine Bundhaube, sondern sehr gepflegte Haartrachten (/nicht/ unbedingt lange Haare) oder aufwendigeren Kopfputz wie Hüte, Gugeln etc., unter denen aber auch Bundhauben getragen werden können.
eine ganze Reihe Darstellungen zeigt Männer mit adrett gestutzten Pagenköpfen. Vor dem Hintergrund der Kettenhauben mit der von Dir aufgeführten Argumentation finde ich das Betreben von Männern, sich für’s Mittelalter die Haare lang zu züchten, zumindest fragwürdig.
anderer Denkansatz zum Aufkommen der Bundhaube: die Verwendung von Kettenhauben. Wessen Haare sich einmal im Kettengeflecht verfangen hatten, weiß wie sehr das ziepen kann. Wäre die Bundhaube also nicht denkbar als Utensil des Ritters/Adligen und dann als modisches Accessoire übernommen von der übrigen Bevölkerung?
Das würde vielleicht auch die merkwürdige normannische Haartracht mit dem ausrasierten Nacken erklären: wo keine Haare sind, kann am Kettenansatz des Helms auch nichts ziehen…
Das mal so in die Runde gefragt, korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege.
Im Thread Zopf züchten ist ein Link auf durchaus interessante Stifterfiguren des Naumburger Doms, der einige der Stifter ohne Kopfbedeckung aber mit interessant und aufwendig gestalteter Haartracht zeigt. Allerdings ist das schon um 1250 wenn ich mich recht entsinne.
Da ich auch dem Bundhaubenzwang nicht so ganz glauben und folgen mag stellt sich mir inzwischen die Frage: Was war denn nun damals Usus? gibts Belege (z.B. Stadtordnungen etc) die Kopfbedeckungen vorschreiben (wurde bei anderen Kleidungsstücken gemacht…). Denn, das überall nur Babyhäubchen getragen wurden erscheint mir unglaubwürdig.
regional kann ich meine Aussagen nicht eingrenzen, doch zumindest einen ßberblick geben, mit dem Du nicht allzu falsch liegen solltest.
Zu diesem Zeitpunkt scheint Kopfbedeckung noch nicht zum “guten Ton” gehört zu haben, ich kenne viele Darstellungen, die gerade Zivilisten ohne Kopfbedeckung zeigen. Die Bundaube ist afik erst gegen 1200 aufgekommen, lasse mich da aber gerne belehren.
Die Gugel (NICHT mit langer Spitze) gab es schon seit der Wikizeit. Auf Darstellungen scheint sie aber eher den ärmeren, draußen arbeitenden Schichten vorbehalten gewesen zu sein (Bauern, Hirten, Soldaten), was nicht heißen soll, daß sie nicht als Reisekleidung getragen werden konnte.
Aus Abbildungen kenne ich halbrunde Kappen; einfache Kalotten die anscheinend bestickt wurden - was auf eine Stoffkappe hinweisen könnte - oder die wohl aus Filz bestanden. In Reiseberichten wird auch ein breitkrempiger Filzhut erwähnt, der vielleicht den einfachen Seppelhüten nicht unähnlich gewesen sein könnte und auf die es auch schon Hinweise aus der Wikizeit gab (Odin wird oft mit einem solchen Hut beschrieben oderabgebildet).
Das war´s im groben, was ich zu dieser Zeit weiß. BTW vermute ich, daß sich die Bundhaube aus den Hemwattierungen entwickelt hat, da sie aufkommt als die Helme geschlossener werden und eine Rundumwattierung nötig machen.
Bis denn
Thorsten
(der sich über jeden freut, der sich mit der interessanten, salischen Zeit befaßt :-)
Ich denke da an einen einfachen Händler oder Handwerker um 1100 herum (Norddeutschland, um genau zu sein Raum Hildesheim, bin aber auch dankbar für Hinweise aus anderen Regionen).
Trug “Mann” den Gugel (mit kurzem Zipfel) oder eine Bundaube ? Was gab es sonst noch?