Moin zusammen. das Tragen von Kopfbedeckungen hat auch einen ganz normalen praktischen Wert. Wenn man in früheren Zeiten- und die gehen bis weit in unser Jahrhundert hinein- sein Haus verließ, war man der Witterung mit all´ ihren Unwägbarkeiten ausgesetzt. Heute ist das kein Problem: Wenn ich in der Stadt vom Regen überrascht werde, gehe ich zu Hertie oder in´s Cafe. Oder setze mich in´s Auto oder stelle mich bei McD. unter. Mit dieser Infrastruktur kann ich leicht im T- Shirt und ohne Kopfbedeckung rumlaufen. Solche Möglichkeiten bot das MA nicht, und deshalb war man gut beraten, den erwähnten Unwägbarkeiten des Wetters mit seiner Kleidung vorzubeugen. Sprich: Wenn ich aus dem Hause gehe, setze ich meinen Hut auf, ziehe meine ßberjacke an und stecke meine Gugel ein; wenn es regnet oder kalt wird, bin ich gerüstet, wenn nicht, kann ich die Jacke immer noch ausziehen. Ohne Hut und nur im Hemd in der Stadt oder auf dem Lande vom Regen überrascht zu werden, kann wenigstens einen nassen Pelz, möglicherweise aber auch eine Erkältung oder Schlimmeres bedeuten. Selbstverständlich werden auch Moralapostel, Kleriker und die “öffentliche Meinung” ein Wort mitgeredet haben, aber zu klären zu versuchen, was von was kam, wirft mal wieder die Frage von Ei und Henne auf. Interessanterweise scheint die einzige Zeit außerhalb der zweiten Hälfte des 20. Jhd., in der man völlig ohne Kopfbedeckungen- von Strohhüten für die Landbevölkerung mal abgesehen- ausgekommen zu sein scheint, die römische Antike gewesen zu sein. Warum auch immer. Dietrich
Hallo allerseits, m.E. nach war eine Kopfbedeckung für verheiratete Frauen im MA durchaus üblich. Belege dafür gibt es nicht nur bei den sogenannten Moralaposteln sondern auch in der “weltlichen” Literaur (will sagen Heldenepen). Von Krimhild (als Witwe) wird im Nibelungenlied berichtet, daß sie ihr Gebende löste, um Etzel zu begrüßen. Auch auf den bildlichen Darstellungen werden verheiratete Frauen mit Kopfbedeckung dargestellt (z.B. Manesse). Dabei gibt es natürlich Abstufungen im Grad, in dem die Haare bedeckt wurden: Vom strengen Schleier, der kein Haar sehen ließ bis hin zum Gebende der Manesse, das die volle Haarpracht sichtbar ließ, je nach Geschmack und/oder anderen äußeren Einflüssen (z.B. Mode, regionale Unterschiede, Stand, Moralapostel in unmittelbarer Nähe u.ä.). Außerdem muß man sich überlegen, daß bis in unser Jahrhundert hinein das Tragen von Kopfbeckungen für Männer und Frauen ganz normal war (heute gilt das Tragen eines Hutes entweder als altmodisch oder extravagant (nein, ich meine nicht den mysteriösen Barden;-)). Da sich die Leute damals nicht so oft die Haare gewaschen haben, waren sie vielleicht auch ganz froh über eine Kopfbedeckung. Es heißt ja nicht umsonst auch Kopfputz (also im Sinne von Kopfschmuck), weil man das eben schön fand (In den 70´ern fand man ja auch Schlaghosen schön, alles eine Frage des Zeitgeschmacks;-)). In der Kirche mußten übrigends auch Jungfrauen die Haare bedecken, und das ist in den südlichen Ländern Europas bis heute durchaus gebräuchlich. Als Farbe für Hopfbedeckungen (Ausnahme sind Hüte wie z.B. der Pfauenhut) scheint tatsächlich weiß getragen worden zu sein. Es gibt allerdings such wieder ßberlieferungen von den allseits beliebten Moralaposteln, die das Tragen von gelben Schleiern verdammen. Von anderen Farben habe ich nie etwas gehört oder gesehen (war vermutlich wieder so eine Frage des Zeitgeschmacks). Gelb war jedoch die Farben der damaligen gesellschaftlichen Außenseiter (Dirnen und Juden z.B.), sollte also von einer “ehrbaren” Frau nicht getragen werden. Hallo Volker, also für das richtige MA-Feeling würde ich für die Darstellung einer verheirateten Frau eine Kopfbedeckung empfehlen (ich selber trage wahlweise Gebende oder Schleier, man gewöhnt sich daran). Frauen, die mit moderen Frisuren und/oder Haareifen (ich meine hier nicht das Schapel der MA-Jungfrau) gibt es schon genug. Bis denndann Gabriele
Hallo Olaf, ich finde Deine Ausführungen sehr interessant, besonders, da sie meine Annahme stützen, daß Frauen des früheren Mittelalters wohl noch nicht dem buchstäblichen “unter die Haube kommen” entsprachen. Doch ganz konkret muß ich noch nach dem 13. Jh. fragen, da meine Freundin und ich ein Paar genau aus dieser Zeit darstellen wollen. Wenn sie mir als Ritter Verlobte oder Weib sein will, was muß sie auf dem Haupte tragen??? Gibt es vielleicht sogar bestimmte Farben oder ßhnliches? Im Bilde kenne ich nämlich nur weiße Kopfbedeckungen. Hat dies etwas zu bedeuten? Für Eure Antworten danke ich im Voraus Volker
Hallo Hartmut ! Die generelle Kopfbedeckung der Frau mag ja für das späte MA Fakt sein, allein fehlen mir für das hohe MA hier die schriftlichen Belege es gibt mir bekannt hier nur einige moraltheologische Forderungen aber eine generelle gesetzesgleiche Regelung ist mir nicht bekannt. Der Aussage, daß im MA durchweg auch die Männer Kopfbedeckung trugen kann ich so nur entschieden verneinen. Als Beleg hierfür möchte ich die uns wohl allen als primär Quelle bekannte Heidelberger Liederhandschrift anführen. Auch Eike von Repkows Sachsenspiegel (1.Hälfte 13.Jh.) weist keine männlichen Kopfbedeckungen auf. Hierbei nehme ich Amtstrachten und Helme aus. Allerdings muß man sagen, daß als Hinweis auf die Behauptung der generellen Kopfbedeckung bei Frauen, bei allen durch Paragraphen als Ehefrauen kenntlich gemachten Frauendarstellungen tatsächlich ein Kopftuch vorhanden ist.Es gibt noch zahlreiche Belege die gegen eine generelle Kopfbedeckung bei Männern im hohen MA spricht, angefangen vom Stuttgarter Psalter ( Ende 8.Jh) bis zur Schah Abbas Bibel ( Mitte 13.Jh). Eike von Repkow mag als eindeutiges Argument gelten für die allgemein gültige Tragweise der Kopfbedeckung bei Frauen, aber eben allein so nicht als Beweis einer zwanghaften oder moralethischen Gesetzmäßigkeit. Für das frühe MA kann man sagen, daß die Kopfbedeckung bei Männern wie bei Frauen mit Sicherheit nicht die Regel war. Hierbei gilt, daß Kopftücher häufiger bei Frauen waren als bei Männern z.B. die Kappe. Grabfunde belegen aber nur in Teilen von Gräbern Nadeln im Kopfbereich weiblicher Skelette. Als Belege hierfür möchte ich die Gräberfunde Köln und Niederstotzingen angeben. Solltest Du aber noch andere Belege haben, die Deine Aussage bestätigen, so wäre ich sehr daran interessiert. Henning leitet sie an mich weiter. Danke im voraus Tschüß Olaf
Hallo Volker! “Unter die Haube kommen”! Darum gehts! Jede ehrbare, verheiratete Frau hat selbstverständlich ihr Haar bedeckt. Einzig Junkfrowen durften ihr Haar offen tragen. (oder gewisse “Damen”) ßbrigens haben auch Männer durchweg eine Kopfbedeckung auf dem Schädel! Gott zum Gruße, Hartmut
Hallo zusammen, sicher ist einer unter Euch, der sich mit den Kopfbedeckungen der Frau im Mittelalter bestens auskennt. Mir ist aufgefallen, daß Frauen, die keine Kopfbedeckung auf Mittelaltermärkten trugen immer wieder schief angeschaut, oder sogar deswegen angesprochen wurden. Nun meine Frage: Trugen speziell Edeldamen zu jeder Zeit etwas auf dem Kopfe? Wenn ja, was, insbesondere im 13. Jh? Wie verhielt sich das Ganze mit dem Familienstand (ledig, verlobt, verheiratet)? Ich würde mich über genaue Ausführungen hierzu sehr freuen. Bis bald Volker