Joachim, für solche kurzen, pränanten, informativen Beiträge liebe ich Dich.
So macht das Hobby gleich 100% mehr Spaß. Ein weiterer Beweis, wie toll und befriedigend eine intensive Quellenforschung und ein ernsthafte Einstellung zu unserem Hobby ist.
Von wegen Leute mit “A”hnung und dem Focus auf dem großen “A” haben keinen Spaß! Jeden der das behauptet soll der Blitz beim schei*en treffen…
Die Johanniter stellten regelrechte Invalidenpässe aus. Für einen 1177 verwundeten Kreuzfahrer, ist einer erhalten geblieben:
“…Aber weil der Bittsteller unsere Leiden mit uns duldet und im Namen Christi seine Kraft und sein Blut dargebracht hat, und er mit verstümmelten und zerfetzten Körper zurückblieb, arbeitsunfähig und unnütz für andere Dinge, bitten wir um Barmherzigkeit aller und jedes einzelnen, daß ihr seine Bedürfnisse gütig wahrnehmen wollt, auf daß er durch die Zuwendung eurer Almosen seinen Weg fortsetzten kann.”
Der Orden kümmerte sich auch darüber hinaus für die dann heimgekehrten Invaliden. Immer wieder interessant, wie dieser Orden so manche heutigen sozialen Dienstleistungen vorweg nahm.
hallo zusammen auf einem MA-Markt bei Wuppertal habe ich einen Menschen getroffen, der auf Grund seiner echten, schweren Behinderung perfekt einen verkrüppelten Gaukler dargestellt hat. Ich habe bei ihm einen bewundernswerten Lebensmut festgestellt, glaube andererseits aber auch tiefe Traurigkeit gespürt zu haben. Wenn wir jetzt noch das Sozialsystem unserer Zeit wegdenken, haben wir die Situation im Mittelalter. Bei den germanischen Völkern war das “heil” ein sehr wichtiger Faktor. Wer gewann, hatte “Heil”, wer verlor, hatte keins, bzw. Unheil. Unheil färbte ,im germanischen Denken jedenfalls, ab, so daß diese Leute gemieden wurden. Ranghohe, bewährte Krieger waren, wenn sie durch den Verlust von Gliedmaßen kampfunfähig wurden, nichts mehr wert, dies ist mehrfach überliefert. Wer allerdings trotz schwerer Verletzung weiterkämpfte und so am Sieg beteiligt war, kam zu höchsten Ehren. Kriegskrüppel wurden von der Sippe verpflegt, galten aber als unheil bringend. Im HMA waren kriegskrüppel eher eine unangenehme Last, wie es bis heute noch der Fall ist. Gruß
Hallo Leute! In der Cronik zu dem Leben des Papstes Johannes XXII. wird als Grund der Verfolgung der Fratizellern behauptet, daß “Landstreicher, Diebe, versehrte Landsknechte, …..” unter anderem diesen Zugehörten “….der Abschaum der christl. Herde war dort zu finden”. Demnach scheint mir, daß Invalieden hauptsächlich betteln mußten. Durch die Unterscheidung von Bettlern und “versehrte Landsknechte”, scheinen diese aber trotzdem mehr anerkannt worden zu sein wie der “normale” Bettler. Gruß v. Arlen “Das Leben Johannes XXII” de Claudés, Paris 1898
Hallo alle zusammen, seit kurzem spiele ich Drehleier und habe irgendwo (wahrscheinlich im Netz, daher ist das keine sehr sichere Information) während meiner Informationssuche bezüglich der Drehleier gelesen dass Drehleiern an Kriegsversehrte ausgegeben wurden um sich so ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ich schau noch mal nach woher ich es habe (auch wegen der zeitlichen Einordnung). Ich hoffe ich finde es nochmal. Viele Grüße HJ
In den Ritterorden wurden die kranken und verdienten Brüder umsorgt und gepflegt. ßrzte und Brüder hatten sich um ihr Wohlbefinden zu kümmern, zumindest sprechen davon die DO-Regeln. Gruß, Kai
Hallo Jan, speziell zu Deiner Frage nach den Wikingern hier ein Spruch aus der Hávamál (Kapitel aus der Edda): Wer hinkt, kann reiten, ein Armloser Hirt sein, sogar der Taube taugt zum Kampfe. Blind zu sein ist besser als begraben; ein Toter ist zu nichts mehr nütze. Das dürfte die Einstellung der Wikinger verdeutlichen: jeder hat mit seinen (verbliebenen) Fähigkeiten seinen Platz in der Gemeinschaft. Durch die starke Sippen- und Familienorientierung mußte auch keiner Angst haben, wegen einer Behinderung ausgestoßen zu werden. Gruß
Hi, sicher kennt jeder den Görtz von Berlichingen, nicht den von Goethe, sondern den Echten, denn den gab es wirklich, er verlor im Krampf seine rechte Hand und “soll” trotzdem munter weitergekämpft haben, natürlich mit seiner Protese der berühmten Eisernen Hand. Gur das war ein Adliger, wie es allerdings mit dem “Gemeinen” od Bauer oder Söldner ausgesehen hat ist mit Sicherheit nirgend niedergeschrieben, ich glaube aber, daß das auch von den einzelnen Kriegsherren abhing, wie ja allgemein das Schicksal der einfachen Leute sher von den Launen und Wohlwollen der herrschenden Klasse abhing. Aber vielleicht lässt sich noch mal was finden. Gehab Dich wohl
Ich sehe da ein paar Probleme, warum man diese Leute selten sieht. Einmal finden es wohl die wenigsten lustig, einen “Krüppel” zu spielen / jemanden einen solchen spielen zu sehen. Dann die Quellenlage, mir ist nichts bekannt, was auf dem Umgang mit Kriegsversehrten oder anderen geschädigten hinweißt. Auch die Frage, ob man schwer verwundet eine Schlacht überhaupt überlebt hätte, spielt wohl eine Rolle. Z.B. ein (durch Waffengewalt oft offener) Bruch dürfte denjenigen im Nachhineein per Wundbrand getötet haben. Als letztes einfech das technische Problem, als gesunder Mensch ein Behinderung dazustellen. Ich schaffe es nicht, z.B. über längere Zeit zu humpeln. Intressant ist dieser Aspekt aber sicher.
Es gibt Leute die diese “Kriegskrüppel” darstellen. Nicht nur im Reenactment, sondern sogar auf gewöhnlichen Mittelaltermärkten. Jörg Fraske “spielt” solchen einen verkrüppelten Kreuzritter, der sich nun als Bettler durchs Leben schlägt. Eine echt sehen- und hörenswerte Darbietung! Grüße Henry
Guten Tag! Mir ist aufgefallen, dass es auf MA-märkten hunderte von edlen Kriegern gibt, aber bisher habe ich noch keinen einzigen Reenactor gesehen, der jemanden darstellt der eine Schlacht zwar überlebt hat, dies aber nicht unversehrt. Deswegen stellte sich mir die Frage, wie das damls denn so mit den Opfern des Kriegs war. Waren sie z.B. bei den Wikingern angesehen da sie in einer Schlacht gekämpft hatten, oder empfand man sie als wertlos? Wieso gibt es eigentlich niemanden der solche Personen darstellt?
Möget ihr dennoch viele Schlachten Heil überstehen - Skjalg