Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Künstler aus moderaterem Stand? Gibts sowas?

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Eintrag #1 vom 05. Feb. 2004 01:42 Uhr Kai W. Körber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kai W. Körber eine Nachricht zu schreiben.

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Moin.
Ich bin neu hier, und, schlimmer noch, Larper.
Das bedeutet, nicht allzu überraschend, daß meine bisherigen Sachen eher in die martialische Richtung gehören.
Kurz, früher oder später ist selbst fürs Larp eine anständige Zivilklamotte erforderlich, und vernünftige Beinkleider kann ich auch zu dem ganzen Metallgeraffel gebrauchen - und wenn, dann kann ich es auch gleich richtig machen, denn, wie etliche Leute schon bemerkten, eröffnet einem das ein paar neue Spielplätze.
Nun dazu, wie ich dann ausgerechnet auf *Künstler* komme.
IMHO ist es kein schlechter Ansatz, sich eine Rolle zu suchen, in der man mittelfristig auch mehr tun kann als nur die Klamotten spazieren zu tragen. Welche Fertigkeiten z.B. der Darsteller eines Schmiedes mitbringen sollte, dürfte auf der Hand liegen.
Meine ßberlegung war folgende:
Ich spiele kein Instrument, hohe Stände sind teuer/extrem aufwendig, Militärausrüstung auch, und auch wenn ich handwerklich nicht wirklich ungeschickt bin, fehlen mir doch jegliche beruflichen Fortgeschrittenkenntnisse.
Mein Studienfach hat mit MA nicht das geringste zu tun (Es sei denn, ich versuche mit HMA-Mitteln und 20.-Jhd-Kenntnissen den Wright Flyer für den vierten Kreuzzug zu realisieren - Konstantinopel wir kommen :)).
Allerdings gibt es Leute, die von mir behaupten, ein guter Zeichner zu sein. Mit Bleistift und Papier natürlich meistens, und auch in Kunstgeschichte bin ich bisher nur oberflächlich bewandert, aber ich behaupte mal ganz frech, lernfähig und -willig zu sein, was frühere Methoden angeht. Außerdem ist bei dieser Tätigkeit nicht unwahrscheinlich, daß es mir Spaß machen könnte.
Also, die Eckdaten sind damit hergeleitet:
- Kein zu hoher Stand, aus, wie ich denke, im Forum oft genug genannten Gründen, es geht ja erst mal um Anfängerequipment
- Zeichner. OK, wahrscheinlich neuzeitliches Wort, deshalb etwas näher umrissen: Jemand, der Bilder mit recht einfachen, transportablen Mitteln herstellt, mittels eines Vorläufers heutiger Zeichenutensilien.
- schadet auch nicht, wenn die Gewandung auch etwas allgemeiner verwendbar ist
Bewusst habe ich keine Epoche genannt (hätte aber nichts gegen SMA in Norddeutschland - aber bei weitem kein erschöpfendes Kriterium), denn es geht, wie gesagt, eher ums schnuppern, und in welche Zeit ich mit diesen Vorstellungen passe, ist eher Teil der Fragestellung.
Also:
Wie, wo und wann hat es solche Leute gegeben?
Was für Aufgaben hatten sie, und wer bezahlt jemanden fürs Bildermachen?
Von Gewandungsschnittmustern bin ich noch ein Stück weg, ich sammle erstmal Ideen.
Und, wenn es nichtsdestotrotz auf eine der hinreichend dokumentierten Standardklamotten hinausläuft, bin ich trotzdem für Input dankbar, denn schließlich interessieren mich zum guten Teil Ort, Zeit und Rolle.
Wenn (falls?) ein paar Antworten zusammenkommen, kann ich anhand derer mir einen etwas besseren ßberblick verschaffen und die Frage präzisieren.
Nebenbei: Es überrascht mich irgendwie, daß es in der Taverne Unmengen von Klamottenstandard-Threads gibt, aber nichts in der Richtung
“Will nen Weber darstellen, bin aber Bürokaufmann, was sollte ich lernen, wissen und mitbringen?”
oder “Gardemaß für Landsknechte - bin ich zu groß/klein/dick etc. ?”.
Kurz: Beurteilt ihr bei der Rollenauswahl Eure eigene, ich sag mal, Eignung, mit der selben Akribie wie die Klamotte? Was ist mit Leuten, die, wie obiger Bürokaufmann, aus Berufsgründen kurze Haare haben müssen? Stellen die primär Priester und Geächtete dar?
Beim Larp ist es absolut logisch, und im Rahmen des Spiels lebensnotwendig, daß z.B. jemand als Kundschafter körperlich halbwegs beieinand sein sollte, sonst wird das halt nix mit dem stundenlang im Wald liegen und Patrouillen weglaufen.
Naja, etwas am Thema vorbei gelabert, ging eigentlich um was anderes, interessant würd ichs schon finden.
Machts gut, und Danke im voraus
Kai W. Körber

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Eintrag #2 vom 05. Feb. 2004 09:03 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Kai,
willkommen bei den “Verrückten” ;-)
Dein Ansatz ist gut, mal sehen was man draus machen kann.
Um Deine “Zeichenkunst” zu nutzen, gäbe es verschiedene Möglichkeiten.
Du könntest z.B. in einer Bauhütte (beim Bau einer Kathedrale) tätig sein und in der Glaswerkstatt die Bilder für die Glasfenster vorzeichnen. Damit wärst Du auch gewissermaßen mobil und würdest mit Deinen Glaserkollegen von Baustelle zu Baustelle ziehen, jenachdem wo gerade Glaser gebraucht werden.
Oder Du könntest im klerikalen Bereich im Scriptorium Bücher kopieren und mit Malerei verzieren. Für den Scriptoriumsbereich kannst Du mal bei www.mysterium-scribendi.de vorbeischauen, vielleicht ist das was für Dich.
Oder Du bewegst Dich als Maler im Spätmittelalter.
Das erst mal als Anregung, vielleicht haben die anderen mehr.
Gruß
Ameli

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Eintrag #3 vom 05. Feb. 2004 09:04 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Kai,
Spätmittelalter ist da schonmal keine schlechte Idee.In der Malerei beginnt um 1350 eine neue Maltechnik: Erst jetzt gab es ßlfarben und damit die Möglichkeit der Tafelmalerei. Malerei wird nun meist Malerei auf Leinwand oder auf Holz; damit beginnt auch der Siegeszug der Altäre mit den Retablen in den Kirchen.
Die Darstellung der Figuren wird realistischer; auch Landschaften werden realistischer gemalt.
Und: Von dieser Zeit sind die Schöpfer von Kunstwerken nicht mehr anonym, sondern sie werden - jedenfalls gelegentlich - als Künstler namentlich genannt und mit ihren Werkstätten bekannt
Dazu kann ich als Einstiegslektüre empfehlen:
Ehrenfried Kluckert:
Vom heiligen Hain zur Postmoderne.
Eine Kunstgeschichte Baden-Württembergs.
Theiss-Verlag 1997
SPßTMITTELALTER AM OBERRHEIN. Maler und Werkstätten 1450-1525. Katalog, hrsg. von Sönke Lorenz & Thomas Zotz. Karlsruhe 2001/02
Ob dann aber letztendlich eine “einfache” darstellung dabei herauskommt, kommt natürlich auf die Bekanntheit des Künstlers und seine Auftragslage an. Den mit Bleistift und Papier bewaffneten “Wanderkünstler” kann man aber getrost vergessen, denke ich.Gruß Wolf
www.bauer-und-bonde.de

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Eintrag #4 vom 05. Feb. 2004 09:13 Uhr Wolf Zerkowski  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Wolf Zerkowski eine Nachricht zu schreiben.

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Hab nochmal nachgeschaut, was da für dich zum lesen in Frage kommt……;-)
Prof. Dr. Franz Irsigler Uni Trier
Aufsatz:
Kunsthandwerker, Künstler, Auftraggeber und Mäzene im spätmittelalterlichen Köln, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 63, 1992, S. 1-54.
Gruß Wolf
www.bauer-und-bonde.de

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Eintrag #5 vom 05. Feb. 2004 14:45 Uhr Kai W. Körber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kai W. Körber eine Nachricht zu schreiben.

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Moin nochmal.
@Wolf: Hatte ich schon fast befürchtet, daß das so direkt nicht realisierbar ist. Trotzdem danke für die Literaturempfehlungen, mal sehen, was sich ergibt.
War die schnelle Zeichnung wirklich nicht üblich?
Keine Sorge, vom Gedanken an Bleistifte hatte ich mich schon beim Eingangsposting gelöst.
Nebenbei: Folgt aus der Nichtnennung des Künstlers in früheren Epochen nicht ein niedriger Stand oder zumindest ein niedriges Einkommen?
Intuitiv würde ich erwarten, daß in jedem Handwerk (oder Kunst) ein hoher Bekanntheitsgrad dem Reichtum förderlich ist.
Ist dieser Umkehrschluss für diesen Fall zulässig?
@Ameli: Sehr interessanter Gedanke, bin ich noch gar nicht drauf gekommen. In welche Zeit passt denn dieses Tätigkeitsfeld?
Lass mich mal kurz aus meiner (noch) Unkenntnis heraus reflektieren:
Der geschilderte Beruf ist de facto ein Handwerker mit besonderer Aufgabe, die Rolle also im Prinzip ähnlich in Bezug auf Stand, Gewandund und die Darstellung mit Ausnahme der ausgeübten Tätigkeit. Er hätte im entsprechenden Handwerk, hier also der Glaserei, Kenntnisse, wenn auch nicht viel Praxis, und würde in allem anderen leben und anpacken wie seine Kollegen - er wäre also quasi das ßquivalent eines heutigen Bauzeichners, spezialisiert auf Fenster.
Wäre interessant, wenn Du da zeitlich und regional noch genauere Eingrenzungen hast, denn:
Wie man an meiner Mailadresse sieht, ist das hier eine *technische* Universität, und deshalb ist von den geschichtlichen Bereichen die Architekturgeschichte in der UB recht gut dokumentiert.
Käme also recht schnell an etwas speziellere Sachen ran.
Werde bei der Gelegenheit auch gleich mal nach verwandten Berufen schauen.
Wenn Du mich da gleich in eine ergiebige Richtung schubsen kannst: Wer hat denn im Hoch- und SMA konstruiert und das ganze dokumentiert?
@alle: Sorry, daß ich Euch da derart löchere, aber in meinem Optimismus hoffe ich mal, daß solches Interesse hier grundsätzlich nicht nervt.
Naja, das Interesse ist geweckt, mal sehen, was die UB hergibt.
Gruß
Kai W. Körber

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Eintrag #6 vom 05. Feb. 2004 18:17 Uhr Karen Thöle  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Karen Thöle eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo!
Die Buchmalerei ist wahrscheinlich die Form mittelalterlicher Malerei, die am meisten überliefert ist. Daneben ist noch die Freskenmalerei wichtig - vor allem aus dem 14. Jahrhundert kenne ich da verschiedene Beispiele - aber das ist natürlich als Teil eines Mittelalter-Hobbies nicht gut zu machen. Beispiele von Tafelmalerei vor dem 14. Jahrhundert sind extrem selten, ich weiß aber nicht, ob da einfach mehr weggekommen ist, oder ob das einfach nicht üblich war.
Also zur Buchmalerei:
Der Großteil an Büchern des Früh- und Hochmittelalters stammt aus kirchlichem Umfeld; wie es mit Buchherstellung und Buchmalerei im höfischen Kontext aussah, weiß ich nicht - vielleicht kennt jemand ja Beispiele.
Im Spätmittelalter gab es in den Städten Werkstätten, die Bücher angefertigt haben, und die auch Miniaturenmaler in ihrer Werkstatt hatten. Eine der vielleicht am besten erforschten Werkstätten dieser Art ist die von Diebold Lauber aus dem 15. Jahrhundert. Bücher über seine Werkstatt, die es hier in der Göttinger Uni-Bibliothek gibt, sind diese:
1.Spätformen mittelalterlicher Buchherstellung: Bilderhandschriften aus der Werkstatt Diebold Laubers in Hagenau. Lieselotte E. Saurma-Jeltsch. Wiesbaden: Reichert, 2001
2.Bücher gar húbsch gemolt: Studien zur Werkstatt Diebold Laubers am Beispiel der Prosabearbeitung von Bruder Philipps “Marienleben” in den Historienbibeln IIa und Ib. Andrea Rapp. Bern [u.a.]: Lang, 1998
Ich habe mich allerdings auch noch nicht mit Lauber beschäftigt und weiß also nicht, was es da über die Buchmaler zu sagen gibt.
Zumindest um 1400 in Frankreich muß es auch Buchmaler gegeben haben, die selbständig arbeiteten. Auftraggeber waren Leute, die ein Buch hatten, das den Text schon vollständig eingetragen hatte, und die nur noch die Bilder brauchten. Wir hatten das schon mal in dem Thread “Darstellung” > “Kunstmaler und ihre Utensilien”
Bis denn
Karen Thöle

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Eintrag #7 vom 06. Feb. 2004 09:51 Uhr Ameli (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ameli eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Kai,
ein Spezialist, der “nur” zeichnet, wärest Du mit der Glaserdarstellung nicht. Sondern der Handwerker, der den Gästen gerade diesen einen Teil seiner komplexen Tätigkeit zeigt.
Skizzen und Vorzeichnungen haben auch die Steinmetze und Bildhauer benötigt und selbst angefertigt.
Die Tätigkeit als Handwerker ist gut ab der Gotik (Bau der großen Kathedralen mit ihren Bauhütten) einsetzbar.
Als “reiner” Maler solltest Du Dich auf das Spätmittelalter oder den klerikalen Bereich (dann aber auch früher möglich) beschränken.
Karen und Wolf haben Dir ja schon eine Menge Einstiegsliteratur und -ideen geliefert.
Gruß
Ameli

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Eintrag #8 vom 07. Feb. 2004 19:41 Uhr Kai W. Körber  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kai W. Körber eine Nachricht zu schreiben.

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Danke an alle Beteiligten. Hat mich von der Richtung her auf jeden Fall weitergebracht.
Vor weiteren Schritten muss ich mich in den genannten Richtungen jetzt ohnehin erst mal schlaulesen.
Die Eingangsfrage ist in meinem Sinne jedenfalls beantwortet.
Sollte ich noch was neues herausbekommen, poste ich es auf jeden Fall hier
Gruß
Kai W. Körber

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