Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Kutschen im MA

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Eintrag #1 vom 26. Nov. 2002 13:43 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Wie sahen sie aus?

Hallo!
Wie sahen Personenkutschen im HMA/SMA aus?
Waren sie teuer, so daß sich Kleinadelige diese nicht leisten konnten? Wenn ja, wie kamen diese dann von ihrem Gut, wenn sie alt und gebrechlich waren?
Nutzte der Hochadel diese Kutschen auch zu Repräsentatienszwecken oder auch nur im Krankheits- Altersfalle?
Wer hat Informationen, Quellen darüber?
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #2 vom 27. Nov. 2002 13:01 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Soweit ich weiss...

…gab es kaum oder gar keine. Soweit mir bekannt ist, verfielen nach Ende des römischen Reiches die Strassen ziemlich arg, und vor dem SMA wurden die nicht ausgebessert. Da die Kutschen im gesamten MA nicht gefedert waren, und soweit ich weiss die Räder noch keine eisernen Radreifen hatten, nahm man das Pferd.
Jedoch würden mich Details auch interessieren.
es grüsst, William Paul Esca McAdden

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Eintrag #3 vom 27. Nov. 2002 14:33 Uhr Larissa Fröhlich   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Wagen nicht Kutsche

Hallo,
im Mittelalter spricht man nicht von Kutschen (Erklärung des Wortursprungs am Ende des Eintrags) sondern ganz einfach vom Wagen.
Für die Zeit des ßbergangs von der Antike zum MA wird - wegen des Verfalls des röm. Straßennetzes - ein Rückgang der Benutzung von Wagen angenommen und als Beleg dafür auch auf die Verarmung der Terminologie hingewiesen (im klass. Lat. sind etwa 17, im ma. Lat. um 850 nur noch ca. fünf Bezeichnungen für W. gebräuchl.). Gleichwohl sind sie in der Merowingerzeit als das übliche Landverkehrsmittel für die Transporte klösterlicher Grundherrschaften bezeugt, und das Capitulare de villis (um 800) erwähnt auf Heereszüge mitgeführte W., die mit Leder bedeckt und - selbst bei der Durchquerung von Furten - wasserdicht zu sein hatten.
Die Zunahme des W.verkehrs seit dem 13. Jahrhundert wird u. a. auf die verbesserten Bedingungen für den rollenden Verkehr durch den Straßenbau und auf neue Techniken zurückgeführt, die die Beförderung größerer Lasten ermöglichten. Denn während lange Zeit und in vielen Gegenden auch weiterhin der zweirädrige Wagen das übliche Transportmittel war, kommt seit dem 11. Jh. der vierrädrige Wagen, der die doppelte und im Verhältnis zu den Tragtieren die vierfache Last zu befördern vermochte, vermehrt in Gebrauch. Dies wird gewöhnlich mit der Verbreitung des Kummets in Verbindung gebracht, das eine bessere Ausnutzung der Zugkraft erlaubte, sowie mit der Ablösung des Ochsen als Zugtier durch das ausdauerndere und schnellere Pferd. Doch ist auch das Hinzukommen von weiteren Neuerungen in Rechnung zu stellen, wie die Verbreitung des Ortscheits seit dem 11. Jh., mit dem die Zugkraft auf einen Punkt konzentriert wurde, oder die Weiterentwicklung des Speichenrads zum Sturzrad im 13. Jh., das das Rad weniger bruchanfällig werden ließ, und die Beschlagung der Lauffläche mit Nägeln oder Eisenreifen, wodurch die Felge widerstandsfähiger wurde.
Der Verbreitung des verbesserten Transportmittels standen im 13. und beginnenden 14. Jh. Vorbehalte der Kaufleute entgegen, die für bestimmte Warentransporte - etwa in Frankreich bzw. von Frankreich nach Italien - die Beförderung auf Wagen vertraglich ausschlossen. Solche Reserven mögen einer der Gründe dafür gewesen sein, daß in den mediterranen Ländern in vielen Gegenden Saumtiere weiterhin das wichtigste Transportmittel blieben, worin sie der islam. Welt zu ähneln scheinen, die den Wagen praktisch bis in die NZ nicht gekannt haben soll. Die Transportkapazität dürfte zeitl. und räuml. und auch von Wagentyp zu Wagentyp stark variiert haben. Die Transportgeschwindigkeit über längere Strecken beträgt in England am Ende des 13. Jh. knapp 20km am Tag; in Frankreich sind es im 19. Jh. 24-32km. Die Wagen werden allg. von ein bis zwei Pferden gezogen, denen man auf schweren Strecken weitere Pferde vorspannte. Größere Lasten wurden von sechs bis acht Pferden, in manchen Gegenden auch von Ochsen, gezogen.
Zu den techn. Verbesserungen, die dem Personentransport zugute kamen, zählt die Trennung von Fahrwerk und Wagenkasten und die Aufhängung des letzteren mittels Ketten - später Gurten - an Kipfen, was die von der Straße verursachten Schläge in das Schwanken des W.körpers umsetzte und diesen Gefährten den Namen chariot branlant (frz.), whirlicoat (engl.) bzw. hangelwagen (dt.) einbrachte. Besondere Beachtung erfuhren die im ungarischen Kocs hergestellten leichten Reisewagen, die später den »Kutschen« ihren Namen gaben. Diese Verbesserungen sind dafür wohl verantwortl. zu machen, daß der W., der bis dahin im Personentransport nur für Alte und Kranke üblich war und im Brauchtum allenfalls der Verunglimpfung diente, allmähl. das Odium der Unehrenhaftigkeit verlor und vermehrt auch von Reisenden - seit dem 14. Jh. von Frauen und seit dem 15. von Männern - gebraucht wurde.
(nach Lexikon des Mittelalters)
Literatur (leider nur wenig):
W. Chr. Schneider, Animal laborans. Das Arbeitstier und sein Einsatz in Transport und Verkehr der Spätantike und des frühen MA (Sett. cent. it. 31, 1985), 457-578
W. Janssen, Reiten und Fahren in der Merowingerzeit (Unters. zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtl. Zeit in Mittel- und N-Europa: T. V, hg. H. Jankuhn, W. Kimmig, E. Ebel, 1989), 210-221.
Grüße, Larissa

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Eintrag #4 vom 27. Nov. 2002 14:40 Uhr Larissa Fröhlich   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Nachtrag mit Literatur

Ich habe noch etwas gefunden:
Einfache Reisende wußten es zu schätzen, wenn sie ein Stück Weges auf das Tier eines Viehhändlers oder den Karren eines Fuhrmannes steigen durften. Wohlhabende und Mächtige reisten hoch zu Roß; wer Demut bekunden wollte, begnügte sich mit einem Esel, wie Jesus. Maulesel waren wegen ihrer Trittsicherheit im Gebirge geschätzt. Frauen und Kranke wurden, wie ggf. auch Verbrecher, auf Karren oder Wagen gefahren; seit dem SpätMA gab es überdachte Reisewagen mit verschließbaren Fenstern und Vorrichtungen zum Auffangen von Erschütterungen. Im Winter zog man nach Möglichkeit den Schlitten vor.
LexMA)
Nicht zu vergessen der Klassiker:
N. Ohler, Reisen im MA, 1988
da findet sich zum einen viel weiterführende Literatur und bestimmt auch einiges zum Wagen als Verkehrsmittel im Mittelalter
Grüße, Larissa

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Eintrag #5 vom 27. Nov. 2002 21:23 Uhr Christoph Bitter   Nachricht

nach oben / Zur Übersicht Neinnein!

Es geht mir nicht um Warentransportmittel, diese Wagen (Leiter- Wand- usw.) kennt man ja.
Es geht mir einzig um die Wagen, welche der Adel benutzte, und zwar der nicht mehr zum reiten fähige Adel, also Greise. Die mußten manchmal schließlich auch wohin.
Ist wohl kaum annehmbar, das sich ein 90 J. Mann von hohem Adel auf einen Leiterwagen setzte. Das mußte ja irgendwie “von Stand” sein, oder?
Larissa erwähnt die “Kastenform”. Ein Gefährt, wie es bei dem Film “Der Name der Rose” der Großinquisitor benutzt? Ist dieses Gefährt im Film tatsächlich rekonstruiert oder eine Erfindung Hollywoods?
Wenn aber dieser, grobe, hölzerne Wagen in Kastenform tatsächlich recherchiert und rekonstruiert sein sollte, wie sahen dann die Wagen aus, die ein edler Greis vor dem 14. Jhd. und nach diesem benutzte?
Gibt es wirklich so wenig Informationsmaterial über Personenkutschen?
Gruß
v. Arlen

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Eintrag #6 vom 28. Nov. 2002 07:34 Uhr Joachim Meinicke  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Joachim Meinicke eine Nachricht zu schreiben.

nach oben / Zur Übersicht Lancelot und Heinrich II

Es gibt diese Geschichte vom dumpfen Lancelot, der sich zur Bewältigung eines seiner Abenteuer auf einem Karren in die Stadt fahren lassen muß. Die damit verbundene Erniedrigung/Demütigung wird recht eindrücklich geschildert!
Le Morte Darthur von Sir Thomas Malory aus dem 15. Jh.
Ferner:
Ich bin in engl. Geschichte nicht so bewandert, wenn ich mich aber recht erinnere, zog sich Heinrich II eine Beinverletzung (?) zu, an der er schließlich 1189 starb. Wenn ich mich weiter recht erinnere, war gerade mal wieder Krieg und Heinrich mußte bis kurz vor seinem Tod durchs Land ziehen (korrigiert mich bitte, falls ich irre). Hier könnte man ja mal nachforschen, wie man einen nicht mehr reitfähigen König angemessen transportierte.
Joachim

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