ich sehe keinen Widerspruch in dem, was wir beide geschrieben haben.
Klar, regionale Unterschiede gibt es immer; ich habe auch nicht vorgehabt, diese grobe Einteilung als flächen- und zeitübergreifend allgemeingültig darzustellen.
Aber- so wie von mir geschildert war die Regel. Vielleicht hatten sie in den Niederlanden mehr Hanf, weil erhöhter Bedarf an Seilen für den Schiffbau bestand? Und vielleicht haben die Einwohner deshalb aus der Not eine Tugend gemacht und die Verarbeitung von Hanf zu Stoff verfeinert? Keine Ahnung.
Deinen Ausführungen zum Thema Hanf kann ich nicht uneingeschränkt zustimmen. Es gibt da erhebliche regionale Unterschiede.
In Holland und Flandern wurde Hanf in größerem Stil angebaut und verarbeitet, und die dortige Textilkunst ermöglichte die Herstellung von feinem und haltbarem Gewebe, welches den entsprechenden Leinengeweben nicht großartig nachstand….
Für die Mark Brandenburg im 13. Jahrhundert ist beipielsweise für einige Regionen sowohl der Hanfanbau als auch die Fertigung von Hanfgeweben nachgewiesen. Man bringt dies damit in Zusammenhang, daß unter den Askanier auch viele flandrische und niederländische Siedler ins Land kamen, die das Knowhow dafür aus ihrer Heimat mitbrachten, und daß die regionalen Gegebenheiten (Moore, Sümpfe etc.) für den Hanfanbau und die Faserverarbeitung dort günstig waren.
Leinen ist, wie bereits erwähnt, das Produkt aus einer Pflanzenfaser, dem Flachs. Neben Wolle ist es in Europa das älteste bekannte Rohmaterial für Stoff. Bis ins 20. Jhd. wurde aus Leinen ein Großteil der Leibwäsche, fast alle Hemden und wesentliche Teile der Oberbekleidung geschneidert.
Den Unterschie zwischen grob und fein usw. macht in erster Linie die Fadenstärke aus: Aus dünn gesponnenen Fäden kann man auch dünne, also feine Stoffe weben, aus dick gesponnenen eben eher derbe.
Ein weiteres Kriterium ist auch die Webdichte: Je dichter ein Stoff gewebt wird, also je mehr Fäden auf einen Quadratzentimeter verarbeitet werden, desto dichter und fester wird er dadurch. Die Bandbreite reicht bei Leinen von einer Art Schleiertuch, bei dem dünne Fäden locker gewebt werden, bis hin zum Segeltuch, bei dem dicke Fäden dicht gepackt werden.
Vergeßt Sackleinen! Die Säcke, welche wir heutzutage bekommen, sind meistens grobe, ziemlich durchlässige Dinger aus Jute, zu nichts anderem geeignet als zum Transport von Kartoffeln. Und Jute ist eine Kokospflanze und stammt aus dem fernen Osten.
Wer schon einmal einen Getreidesack aus dem letzten oder vom Anfang dieses Jahrhunderts gesehen hat, weiß, was es mit dem “Sackleinen” auf sich hat: Das ist ein sehr fester, dicht gewebter, robuster Leinenstoff. Grund: Früher wurden in Säcken nicht Kartoffeln aufbewahrt und transportiert, sondern, unter anderem, Getreide und Mehl. Und schaut euch mal an, was passiert, wenn man Getreide in einen Kartoffelsack füllt….
Noch ein Punkt: Hanf. Er wurde schon häufig vermutet, daß Kleidung aus Hanfstoff in Ordnung wäre. Mjnein. Hanf ist dem Flachs sehr ähnlich, gedeiht unter den gleichen Bedingungen, braucht die gleiche Pflege und wird genauso aufwendig verarbeitet. Mit anderen Worten, er ist um nichts billiger als Flachs. Aber seine Fasern sind wesentlich kürzer, was bedeutet, das man aus ihm nicht so stabile Fäden wie aus Flachs spinnen kann. Nehmt mal eine Hanfschnur auseinander, dann sieht man es.
Also, Flachsleinen für Stoff, Hanf für Seile, Jute für Kartoffeln. Seid ihr Kartoffeln oder Menschen?
Danke Ulli und Ivain! Erste Informationen, die mich ein wenig weiter bringen…
Ich habe mir die Gambeson-Threads schon angeschaut, aber dort nichts Genaueres über die Materialauswahl gefunden, deswegen auch dieser Extra-Thread… Ich schreibe aber trotzdem mal in einen der Gmabeson-Threads, in der Hoffnung bald mehr über das Material Leinen in erfahrung bekommen zu können, vor allem eine Unterscheidung von Grob und Fein, schwer und leicht, dick und dünn… Denn leider habe ich keinen Soffladen in der Nähe der verschiedene Leinenstoffe in den unterschiedlichsten Dicken auf Lager hat. Ich hatte schon Glück, dass der Laden meines Vertrauens wenigstens einen Ballen Naturleinen dahat, also keine Möglichkeit des Vergleichs…
ich möchte hier einmal die Frage in den Raum stellen, welche Arten von Leinen zum Nähen im 12. Jhd. verwendet wurden. Ich möchte mir sowohl eine “Unterhose” als auch einen mehrlagigen Gambeson aus Leinen fertigen und habe jetzt das Problem der Materialauswahl.
Für die Unterhose denke ich an reinen Leinenstoff in Naturton.
Der Gambeson macht mir da mehr Probleme! Wie sieht es mit Malerleinwand als Außen und Innenmaterial aus und Sackleinen als Füll-Lagen? Wie grob war das Leinen gewebt? und überhaupt, wie genau wird Leinen gewonnen, aus Pflanzenfasern?
Ich würde mich über zahlreiche (belegbare?) Rückmeldungen freuen, da ich (bevor ich tausende von Euro in Material investiere) mich diesemla erst informieren und dann Nähen will… nicht wie so oft andersherum.