Hallo Ruth! Es gab doch eine Zeit, wo die Behandlung und Genesung eines Kranken als Angriff auf den göttlichen Willen galt. Kannst Du mir sagen, um welche Zeitspanne es sich da handelte? Gruß v. Arlen
Hallo, in der Tempus-Vivit-Bibliothek findet sich ein Artikel zur mittelalterlichen Medizin, außerdem gibt es hier in der Taverne schon einen Thread Medizin im MA, ebenso je einen über Wundbehandlung und Krankheiten im MA. Einen Artikel über die Hospitäler und Heilmethoden der Johanniter im MA findest Du auf der Homepage der IG Hospitalis im Skriptorium (www. tempus-vivit.net/hospitalis). Deshalb nur ein ganz kurzer (!) Abriß (für detailliertere Informationen solltest Du mal spezifizieren, für welchen Zeitraum und welchen Kulturkreis Du Dich im Einzelnen interessierst): In der Zeit vom 9. bis 13. Jahrhundert waren Arzt- und Priestertum in Europa eng verschwistert. Die Pflege der Heilkunst lag in dieser Zeit vornehmlich bei den Klöstern. Große medizinische Büchersammlungen entstanden in den führenden Klöstern, die sich zu Pflegestätten medizinischer Wissenschaften entwickelten, bevor Universitäten gegründet und damit auch weltliche ßrzte ausgebildet wurden. Die medizinische Wissenschaft des Mittelalters fußte auf den Lehren der griechischen und römischen ßrzte. Unter dem Einfluß der moslemischen Kultur im heiligen Land fand auch die arabische Wissenschaft, wo im Gegensatz zum christlichen Europa die antiken Lehren bewahrt und erweitert worden waren, vor allem über den Einfluß der Pflegeorden Eingang in die europäische Medizin. Die Grundlage bildete die Humoralpathologie, die von Hippokrates entwickelt und von Galenus erweitert worden war. Danach war die Gesundheit von dem normalen Verhältnis der vier Körpersäfte, Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, abhängig. Galenus ordnete den vier Körperflüssigkeiten die Eigenschaften der vier Elemente zu: Feuer/Hitze, Luft/Kälte, Wasser/Feuchtigkeit, Erde/Trockenheit. Eine Krankheit erklärte man sich als Verschiebung des Gleichgewichtes dieser vier Körperflüssigkeiten (Dyscrasia). Aus der Säftelehre erklärt sich die Wichtigkeit, die man der Harnschau und dem Aderlaß beimaß. Das Harnglas wurde geradezu zum Wahrzeichen ärztlicher Tätigkeit. Deshalb gehörte die Beachtung der Absonderungen und Ausscheidungen zur Grundpflege, insbesondere die Harn- und Stuhlbeschau. Aderlaß und Schröpfen diente der Regulierung des Säftegleichgewichtes. Da allen Nahrungs- und Heilmitteln ebenfalls bestimmte Eigenschaften zugewiesen wurden, erklärt sich auch die große Bedeutung der Diätetik in der mittelalterlichen Medizin. Ruth
Also, als Epilepi hab ich mich ein wenig schlau gemacht über die Behandlung dieser Krankheit im MA. Rausgefunden hab ich folgendes: Der Kranke wurde auf einen Stuhl gefesselt, der Arzt nahm ein Meißelähnliches Gerät, das von einem Priester erstmal geweiht wurde. Dann wurde diese Meißel dem Pazienten in den Kopf geschlagen, damit der böse Geist daraus entweichen kann. Das Ergebnis war unglaublich: 2% der Kranken wurden tatsächlich geheilt!!! (der rest überlebte nicht oder wurde wahnsinnig) Gruß v. Arlen