ich arbeite zwar an einem Sachsen des 8. Jhdts., habe aber das gleiche Problem, speziell bei den langen Saxen. Ich selber habe noch keine Funde, die definitiv klären, wie das Gehänge konstruiert war, finden können und neige in der Zwischenzeit dazu, das bis auf weiteres als interpretationsnötiges Thema zu behandeln.
Ich habe jetzt gerade den fränkischen Grabstein, den Du vermutlich auch kennst, nicht namentlich im Kopf, doch danach würde ich ein kurzes Sax (bis ca. 30 - 40 cm Klingenlänge) mit den Beschlägen nach oben waagerecht vor dem Körper tragen. Ich bin sogar - nach eingehender Betrachtung der Scheiden im römisch-germanischen Museum in Köln - nicht abgeneigt, zu glauben, daß die Saxe mit den Scheiden einfach in den Gürtel gesteckt wurden. Bei den späteren Langsaxen bin ich mir vollkommen unschlüssig - vielleicht wurden sie ja an einem Schultergurt getragen. Die Funde, die ich kenne, geben da leider überhaupt nichts her.
Ich bin ein “enetrheinischer” Alamanne der seit ‘99 an seiner Ausrüstung arbeitet und habe seit längererer Zeit diese Seiten verfolgt, und werde mich zum ersten Mal wagen in diesem Wirtshaus einen Beitrag zu machen.
Für allfällige Formfehler bitte ich im voraus um Verzeihung.
Ich bin gerade dabei eine Scheide für meinen Sax zu bauen. Der oberflaacher Fund (das Sängergrab, 6. jh) dienete als Vorlage für die Klinge und Scheidenform.
Das Innenfutter meines Saxes ist Lammfell, an der Scheideseite an ein 3mm dicken Streifen Rindsleder genäht - als Scheideschutz. Darüber ist eine Wetterhaut aus gefettetem Ziegenleder, ca. 1mm dick. Die Aussteifung ist mittels einem U-förmigen Silberplattenstreifen an der Schneidenseite verstärkt.
Nun die grosse Frage: wie wurde das Teil an den Gurt befestigt? Im Buch “Die Alamannen” (Archaeologisches Landesmuseum Baden-Würtemberg) sowie in den Publikationen des Museums Basel (“Führer durch das historische Museum Basel: Die frühmittelalteriliche Grabfelder von Basel”)steht absolut nix.
Die Beschläge dr Wikingerfunde von Lauksokla (Grab 304)helfen nicht weiter - da diese ganz andere Scheiden darstellen - und die Osprey publikationen helfen auch nicht weiter. Die germanischen Sax-Scheiden in Köln sind einfache lederscheiden mit bronzeknöofen, und sind auch klar. Aber die “Laschentypen”, welche eine ausgeprägte Oberlasche haben, sind mir noch ein Rädsel.
Ich habe momentan - sozusagen als Provisoium - zwei Laschen an knoten befestigt, von denen das Teil am Gurt hängen kann, aber wer weiss, wie die Dinger wirklich funktioniert bzw,. ausgesehen haben (können)?
fürs erste Jahrhundert habe ich leider nichts, aber für das 11. - 14. Jh. Schaut mal nach in “Ausgrabungen in Schleswig, Berichte und Studien 13. Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale, Riemen, Taschen u.a. Objekte”, C. Schnack, Wachholtz Verlag Neumünster 1998. Dort sind dutzendweise Messerscheiden drin.
Soweit ich das sehen kann, und auch von anderen Abbildungen kenne, umfasst die Scheide immer ein gutes Stück Griff mit, damit ist das Messer vor dem Herausfallen gesichert, bisweilen führten dort noch extra Riemen waagerecht um die Scheide.
Eingenähte Lederstreifen kenne ich nicht. Dafür gabs auch Scheiden die mittels eines Lederriemens vernäht waren.
Es gibt auch Scheiden bei denen die Naht an der flachen Seite der Klinge liegt (m.W. besonders bei englischen Funden, aber auch in Schleswig sind welche dabei). Ich bezweifle das es bei diesen Scheiden vermeidbar ist dabei mit der Schneide Leder zu berühren.
Die meisten Messerscheiden wurden wohl mit Riemen und einfacher Umkehrschlaufe am Gürtel befestigt, ich habe aber auch schon Abbildungen gesehen bei denen das Messer mit Scheide einfach hinter den Gürtel geklemmt war.
Hm, Im Prinzip eine Logische Idee, in die Naht eine Zwischenlage einzubauen.
Aber leider ein Denkfehler!
Die Schneide wird dann nämlich wieder genausoschnell stumpf, wie wenn sie am “Knick” liegt, weil sie eben immer über das Leder gezogen wird.
Optimalerweise sollte die Schneide selbst daher kein Leder berühren (auch wegen Gerbstoffen etc., die den Stahl angreifen und ebenfalls die Standzeit beeinträchtigen können).
Die Lösung ist historisch gesehen häufig eine Scheide, die den Griff ein gutes Stück mit umschließt und so das Messer in der Scheide fixiert. Die Schneide zeigt in Richtung Naht, ohne diese jedoch zu berühren.
aus Haithabu gibt es einen Scheidenfund, der wie von dir beschrieben aufgebaut ist, alledings ist die Naht auf der Schneidenseite. Das Leder der Scheide umschließt auch noch ein gutes Stück des Griffs und hat oben eine kleine ßse zum befestigen mittels Band.
Das Zerschneiden der Naht kann man verhindern, indem man einen schmalen Lederstreifen mit einnäht, man näht also durch 3 Schichten Leder. Ob das bei dem Haithabufund auch so ist, weiß ich allerdings nicht, habe das gute Stück nur in der Vitrine gesehen.
ich sitze heir so gerade vor einem “frisch” geschmiedeten Allzweckmesser, in der Form angelegt an römische Gebrauchsmesser, und frage mich, wie ich diesmal eine Scheide dafür mache.
Bisher hab ich je nach Lust und Laune oder auch dem Messer entsprechend einfache Scheiden aus Lederresten genäht, indem ich ein Stück Leder der Länge nach gefaltet und dann zusammen genäht habe. Die Schneide saß dann immer am Knick, damit die Naht nicht durchgeschnitten wird.
Aber nun frage ich mich gerade, ob diese Konstruktion richtig ist, oder ob es archäologisch gesehen eine nicht existente Form ist.
Gibt es sowas wie eine Grundkonstruktion oder hat man Messerscheiden auch aus dem gemacht, was man gerade hatte, quasi “frei nach Schnauze”, Hauptsache es funktioniert?
Ebenso bei der Befestigung am Gürtel. Gibt es belegte Befestigungsarten von Gebrauchsmessern an Gürteln?
Insbesondere interessiert mich da das erste Jh nach Chr. aber ich denke auch andere Zeiträume sind interessant.