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Eintrag #1 vom 17. Okt. 2000 20:11 Uhr Udo Brühe   Nachricht

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Was ist ein Minnekästchen? Wozu diente es? Waraus war es gemacht? Fragen über Fragen!
Udo

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Eintrag #2 vom 18. Okt. 2000 00:59 Uhr Ivo Malz (IMMS)  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ivo Malz (IMMS) eine Nachricht zu schreiben.

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Moin, Udo. Meines Wissens ist der Begriff des “Minnekästchens” eine Erfindung des romantischen 19. Jahrhunderts, die in diesem Kistchen einen Aufbewahrungsort für die Gedichte sah, die ein Ritter seiner Dame schrieb. Er wurde meist als Sammelbegriff für alle aus kostbaren Materialien (Gold, Silber, Elfenbein, Juwelenschmuck, kostbar geschnitzte Oberflächen etc.) gefertigeten Kistchen verwandt, die sich nicht eindeutig als Reliquiar o.ä. einordnen ließen. Die sogenannten Minnekästchen dienten vermutlich als Schatulle für persönliches Eigentum höhergestellter Persönlichkeiten, Schmuckkästchen oder als repräsentative Verpackung kostbarer Gastgeschenke, bzw. von Gaben einer höhergestellten person an seine Untergebenen. Nur mein Senf, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen :o) Gruß Ivo

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Eintrag #3 vom 18. Okt. 2000 15:14 Uhr Ruth (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Ruth eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Udo, ich habe einen Ausstellungskatalog, in dem Minnekästchen aus dem 13. und frühen 14. Jh (und zwar auch für diese Zeit explizit als solche bezeichnet) aus dem Gebiet um Konstanz abgebildet sind. Bei Bedarf könnte ich diese einscannen und schicken. Erläuterung und Gebrauch dieser hochmittelalterlichen Minnekästchen deckt sich mit Ivos Beschreibung. Ruth

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Eintrag #4 vom 20. Okt. 2000 14:10 Uhr Jens Neumann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jens Neumann eine Nachricht zu schreiben.

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Eigentlich haben doch die Damen solche Schreiben “gut versteckt” unten in ihrem Nähkästchen aufbewahrt; daher konnte jemand, der dort gestöbert hat, ja auch “aus dem Nähkästchen plaudern…” Separate Minnekästchen in dem Sinne wären mir neu und auch unsinnig, da sie zu offensichtlich der Aufbewahrung genau dieser “heimlichen” Dinge dienen. lasse mich aber gerne belehren. mfg
der Barde vom Glan

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Eintrag #5 vom 23. Okt. 2000 10:54 Uhr Sascha Sturm   Nachricht

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Hallo! Könnte doch durchaus sein, daß das Nähkästchen im Grunde eine “Weiterentwicklung” des Minnekästchens ist, so wie in Norddeutschland die sogenannte Lade auch als allgemeine Fortsetzung des adeligen und patrizischen Minnekästchens in der Neuzeit betrachtet wird?? Das offenbacher Ledermuseum hat übrigens ein Minnekästchen mit aufwendig gearbeiteter (natürlich;-) Lederoberfläche. Herzlichen Gruß Sascha

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Eintrag #6 vom 27. Okt. 2000 14:32 Uhr Jens Neumann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jens Neumann eine Nachricht zu schreiben.

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Wenn, dann wohl eher umgekehrt… und bloß, weil ein Stück bei einer Ausstellung eine bestimmte Bezeichnung (wie zB Minnekästchen) verpasst bekommt, heißt das nicht, daß es auch im Original so hieß… Wie Ivo schon angedeutet hat, wurde im 19. Jhdt ganz schön mit Begriffen jongliert, und einige davon haben sich in der Literatur bis heute gehalten, weil die Herren Professoren nicht ständig neue Namen für ein und dasselbe in den wissenschaftlichen Sprachgebrauch übernehmen möchten. Ich erinnere mich da an keltische Hiebmesser aus sog.“Fürstengräbern” (eigentlich “reiche Gräber”), die ganz klar zum Eßbesteck gehören, “Rasiermesser”, mit denen man alles machen konnte, außer rasieren (es sei denn durch den Hals…) uvm. Man sollte also Vorsicht walten lassen, wenn man aus dem (heutigen) Namen Schlüsse ziehen möchte… mfg
der Barde vom Glan

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Eintrag #7 vom 27. Okt. 2000 15:53 Uhr Ranes Haduwolff  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ranes Haduwolff eine Nachricht zu schreiben.

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Grüß Euch, nagut, ich benutze das Ding als Schmuckkästchen…Briefe bekomme ich eh nur noch als eMail. Ein Minne-eMail-Kästchen? Aber gut. Das als Minnekästchen in der Austellung “Heinrich der Löwe” gezeigte Stück konnte alles mögliche beinhalten. Au f der Rückseite war übrigens ein rot-weiß gestreiftes Zelt à la Past-Tent abgebildet. Wenn die Leute im MA soviel Krimskrams wie wir heute hatten, sind diese Schachteln doch sehr normale Alltagsgegenstände.
Euer Haduwolff

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Eintrag #8 vom 28. Okt. 2000 11:26 Uhr Jens Neumann  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Jens Neumann eine Nachricht zu schreiben.

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Genau mein Gedanke… Vorschlag: nennen wir´s doch “kleine Kästechen zur Aufbewahrung verschiedenster Gegenstände”… das dürfte es ungefähr treffen. mfg
der Barde vom Glan

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Eintrag #9 vom 16. Nov. 2000 17:57 Uhr Nikolaj Thon  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Nikolaj Thon eine Nachricht zu schreiben.

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Einige m.E. recht überzeugende und zudem durch zahlreiche Abbildungen dokumentierte Aussagen zum “Minnekästchen”, die größtenteils das schon in diesem Thread Gesagte bestätigen, finden sich bei: Michael Camille, The Medieval Art of Love, Laurence King Publishing, London 1998 (dt. Ausgabe: Die Kunst der Liebe im MA, Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 2000). Ich zitiere (s. 42 f.): “Kästchen wie dieses waren Geschenke im Spiel des Werbens, Behältnisse, in denen der Bräutigam seiner zukünftigen Braut Schmuck übersandte - dies geschah, bevor die beiden einander gesehen hatten, aber die Heirat bereits von den Eltern arrangiert war. … Der Begriff ´Minnekästchen´ wurde im 19. Jahrhundert zur Bezeichnung solcher Objekte geprägt, die zu ihrer Zeit noch coffrets oder Kistelin genannt wurden. Sie bestanden meist aus Holz, das geschnitzt, mit Metall beschlagen oder mit geprägtem Leder überzogen wurde; ihre Verzierung ergab sich aus ihrer werbenden Funktion”.
mit besten Grüßen und Wünschen Nikolaj aka Argl. Rhisiart ap Maredudd

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