Die Probleme wurden ja schon angesprochen. Auf der einen Seite gibt es unterhaltende Romane, die zwar leicht zu lesen sind, aber von “historical correctness” nicht viel wissen wollen, zum anderen gibt es einige wenige Versuche, die historische Wahrheit als Grundlage zu nehmen für eine Geschichte. Bei letzterem kam dann allerdings so etwas wie “Der Name der Rose” heraus - ich denke, die wenigsten Leute haben das Buch gelesen, denn es ist weitaus komplexer und anstrengender als der (wirklich eindrucksvolle) Film es vermuten lässt.
Gerade bei einem Projekt wie dem euren, das ja mit Vorurteilen, Klischees etc. aufräumen soll, halte ich es für unsinnig, den Massengeschmack auf Teufel komm raus weiterhin bedienen zu wollen, indem man leicht verdauliche, aber leider auch ebenso fehlerhafte Romane empfiehlt.
Bevor man also dem Publikum (das SO dumm gar nicht ist!) aber einen Eco-Roman (der manchmal wie eine Sammlung des kompletten philosophisch-theologischen Wissens des Autors über das MA wirkt)in die Hand drückt, den man aufgrund fehlenden Basiswissens nur halb genießen kann, plädiere ich für ein Angebot an einführenden Fachbüchern. Die hier genannten sind allesamt auch für interessierte Laien verständlich und lesbar geschrieben. Ich möchte nur noch die Reihe von Dieter Breuers ergänzen (glaube, die wurde noch nicht genannt) - dort finden sich sogar romanhafte Ansätze in Form von “Augenzeugenberichten”.
Eine Alternative, die mir sehr gut gefällt, aber einiges an Arbeit voraussetzt, ist die Anwerbung eines heimatgeschichtlich interessierten Autors. Bei uns in der Gegend gibt es ein paar von dieser Sorte und die meisten schreiben auf einem sehr passablen Niveau (keine Weltliteratur, versteht sich). Die entsprechenden Romane sind gut recherchiert und liegen deshalb in den hiesigen Museen aus. Ich selbst plane auch mal was zu Papier zu bringen, das sich mit der Historie “meiner” Heimatburg befasst…
Aber wie gesagt, das braucht natürlich einige Vorlaufzeit.
PS: Was mir gerade noch einfällt - die Thematik ist eigentlich eher auf das mittlere 14.Jh. ausgelegt,aber sowas ginge voll in eure Richtung:
E.W. Heine, Toppler. Ein Mordfall im Mittelalter, Zürich 1992 (Diogenes-Verlag). Behandelt Aufstieg und Fall eines Rothenburger (o.d.T.) Bürgermeisters und beschreibt ganz nebenbei die allgemeinen Lebensumstände der Zeit (quasi die komprimierte Fassung des “Fernen Spiegels” von B. Tuchmann ;)). Top-Buch!
Hallo an alle, vielen Dank erst mal für die Tipps. Es gefällt mir gut, dass es hier offenbar verschiedene Herangehensweisen an das Thema Mittelalter gibt.
Ich persönlich finde die Diskussion mitnichten hohl (*klar*), da es mir -auch- darum geht, unseren Besuchern ein Bild davon zu vermitteln, wie das Leben im HMA zT vermutlich, zT belegbar war. Und da muss ich miteinrechnen, welche Bilder diese Menschen mitbringen, die eben auch durch die entsprechenden Romane vermittelt werden. Und wenn ich nun annehmen kann, dass es eine Reihe Bücher aus diesem Genre gibt, die dem realen Bild ganz gut nahekommen, ist das doch ok zu sagen, lies mal das, oder? Aber wie gesagt, mir gefallen auch die anderen Ideen.
(Unser Projekt ist übrigens keine Ausstellung, sondern eine richtige nachgebaute 1:1 Holz-Turmburg mit Vorburg. Das ganze wird noch dieses Frühjahr eröffnet).
… ist ja nicht schlecht, aber wer hat danach noch Lust diesen Roman zu lesen? Ausserdem finden sich Klischee´s zur Genüge in den Köpfen der Menschen. Romane dürfen BILDER vermitteln! Es ist keine Fachliteratur, und darum ist diese Diskussion eigentlich recht hohl.
David Seitlitz hat einige Einträge vor diesem hier mal gesagt, dass viele Romane nur Vorurteile übers Mittelalter transportieren und man deswegen nur diese Klischees revidieren müsste.
Da kam mir eine Idee. Ich weiß nicht inwiefern Du darauf einfluß aus üben kannst, aber warum nicht in genau diesem Punkt ansetzen? Man könnte doch in dieser Ausstellung bewusst Klischees aufgreifen und anhand der Exponate zeigen, dass es nicht so war. Vielleicht auch aus diesen mehr oder weniger Korrekten Romanen zitieren und genau auf den Unterschied zur Historischen Wahrheit verweisen. Das hätte den Vorteil den Besucher mehr oder minder persönlich anzusprechen, und ihm ein bleibenderes Bild vom Mittelalter zu vermitteln.(Denn aus Fehlern wird man klug)
Wie das rechtlich funktioniert kann ich allerdings nicht sagen. Ich glaube allerdings nicht, dass es so ein Problem darstelt schließlich handelt es sich ja um eine wissenschaftliche Arbeit die sich kritisch mit diesen Romanen auseinandersetzt.
Was mir aber immer noch gut gefällt, ist “Der Name der Rose” von Umberto Eco.
Ein Buch, das mir auch gut gefallen hat, ist: Connie Willis: “Die Jahre des Schwarzen Todes”. Das Buch spielt in England. In einer nicht ganz fernen Zukunft wird eine Historikerin ins 14. Jahrhundert geschickt. Und während sie nach und nach feststellen muß, daß sie durch einen Fehler des Technikers ausgerechnet im Jahr 1348 gelandet ist, in dem die Pest ausbrach, wird auch das moderne Oxford von einer tödlichen Grippe-Epidemie heimgesucht, so daß der Irrtum erst spät bemerkt wird…
Was mir daran besonders gut gefallen hat, ist, wie der Historikerin nach und nach klar wird, daß nicht alles, was sie im Studium gelernt hat, auch zutrifft (das könnte vielleicht auch verhindern, daß die Leser nun alles, was in dem Buch steht, für bare Münze nehmen). Außerdem wird zeitlich und räumlich ein so kleiner Ausschnitt gezeigt, daß es wenig Spielraum für Fehler gibt.
Aber vielleicht ein ganz anderer Vorschlag: “Romane” gab es ja auch im Mittelalter. Vielleicht könntest Du den Leuten auch ßbersetzungen mittelalterlicher höfischer Romane empfehlen! Ich weiß allerdings nicht, in welchen Ausgaben besonders lesenswerte ßbersetzungen stehen. Dieter Kühn hat ja vor noch nicht allzulanger Zeit eine ßbersetzung des “Tristan” von Gottfried von Strassburg herausgebracht, aber seine ßbersetzung vom “Parsifal” hab ich schon ein paar Jahre im Schrank stehen, und immer noch nicht gelesen.
Ich stimme Esca und David zu, Romane sind nicht geeignet.
Zum Medicus: Vergiss es. Nicht mal die soziologischen Verhältnisse stimmen, von den Details ganz abgesehen. Es ist für jemanden, der ein bisschen Ahnung von der Zeit hat, in der das Buch angeblich spielt, eine Quälerei. Brrrr.
ich glaube nicht, daß Romane geeignet sind um Begleitliteratur zu eurem Projekt zu stellen. Schließlich ist ein historischer Roman nicht geschrieben worden um detailiert vom Alltagsleben der Menschen zu berichten, sondern um eine Geschichte zu erzählen. Teilweise lenkt genau das vom eigentlichen historischen Sachverhalt ab. Politisch und soziologisch mögen sich einige Romane durchaus an den Quellen orientieren, aber nur so lange wie es in die Handlung passt. Bei den Kleinigkeiten finden sich massenweise Fehler, was nicht schlimm ist, denn es ist halt nur nen Roman.
Versucht doch nach eigener Recherche Infoblätter zu bestimmten Themen zu erarbeiten.
Ich denke das Romane die Klischees vom Mittelalter nur verstärken, und wenn ihr da ein museumspädagogisches Projekt aufziehen wollt werden sich die Inhalte beissen.
Hallo, die Museumspädagogik findet statt in der kompletten Neukonstruktion einer Burganlage, die historisch vermutlich (noch) Anf. 13. bis Ende 14.Jh. existierte. Die Konstruktion des hölzernen Wohnturms orientiert sich an Funden aus 1271, die Gebäude der Vorburg sind Mitte/spätes 14.Jh. Das ganze wird als Teil eines Archäoparks professionell vermarktet.
Es werden viele der Besucher ein bestimmtes Bild vom Mittelalter im Kopf haben, das aus Romanen, Filmen, Spielen, usw herstammt. Das heisst doch, ich kann eine gewisse Bereitschaft voraussetzen, zu lesen. Aber eben vielleicht doch nicht gleich Fachbücher. Ich habe die Idee, dass wenn es historisch korrekte, einigermassen, Romane gibt, dass wir sie den Leuten empfehlen könnten. Ich bin aber auch gerne bereit mich eines besseren belehren zu lassen.
Romane stellen für gewöhnlich wirklich keine guten Quellen dar. Schließlich wollen sie ja zumeist unterhalten sollen. Ein Autor muss also immer versuchen eine Balance zwischen historischer Realität und Unterhaltungswert halten. Das gelingt bei weitem nicht immer. Deshalb lese ich auch nicht sonderlich viele “Mittelalter-Romane”.
Einer der aber zumindest vor meinem Auge bestehen konnte war “Timeline” von Michael Crichton.
Nur bin ich kein Historiker und kann somit kein Hundertprozentiges Urteil abgeben. Aber immerhin wurde hier die kleidung schon so detailliert beschrieben, dass solche Dinge wie Bruche und Beinlinge erwähnt werden (Das ist doch schon ein Anfang)
…sind wohl eher für die Vermittlung eines geschichtsnahen Bildes ungeeignet, auch wenn es einige wenige gibt, die in den geschilderten Umständen und Details nicht fernab der Quelllage sind.
Gerade für ein museumspädagogisches Projekt halte ich Romane für ungeeignet. Als Literaturliste täte ich fachspezifische und Soziologie-verwandete Bücher empfehlen,
“Stadtluft, Bettelmönch, Hirsebrei-Die Stadt im Spätmittelalter” z.B.,
“Alltagsleben im Mittelalter”, “Hirsebrei und Hellebarde- die Schweiz im Spätmittelalter” z.B
Wobei auch hier eine zeitlich genauere Eingrenzung sehr wichtig ist, denn die Soziologie (wo ist auch wichtig) des frühen 13ten unterscheidet sich z.B. stark von der des frühen 14ten.
Gruss,
Jens Börner
IG MiM - Interessengemeinschaft Mensch im Mittelalter e.V.
www.ig-mim.de
Hallo, es würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen kann. Ich bin auf der Suche nach Romanen, deren Handlung im 13./14. Jahrhundert “in Süd-Deutschland” spielt. Wichtig ist mir, dass der/die Autor/in die geschichtlichen/kulturellen Rahmenbedingungen der Zeit berücksichtigt. Ist zum Beispiel der Medicus so geschrieben, wie es hätte sein können? Oder:
vermitteln die Säulen der Erde ein realistisches Bild der Zeit? Was gibt es für (unbekanntere) Titel.
Zur kurzen Erklärung: ich brauche das nicht für ein gemütliches Lesestündchen, sondern in einem museumspädagogischen Projekt des HMA, das auch Erwachsene ansprechen soll. Und dafür soll eben eine Literaturliste enstehen, die unbedingt auch unter dem strengen Auge eines Historikers Stand hält. *geht das überhaupt?*
Ich hoffe, mit meiner banalen Frage niemanden zu nahe getreten zu sein.