Jörg, natürlich hast du absolut recht, wenn du von dem nicht in Worte zu fassenden Gefühl sprichst, einmal ein wirkliches Schwert in der Hand gehabt zu haben. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Aber ich wollte mal wissen, wie andere Leute diese Sache sehen. Denn eigentlich sehe ich meist Leute in Gewandung, die sich auch ein Schwert umgegürtet haben. Wie, gesagt, nichts gegen Schwerter, jedoch haben sich wohl kaum viele “Normalbürger” oder Bauern ein Schwert leisten können, genausowenig wie ein Kettenhemd. Und doch hat doch auch bestimmt der Normalbürger teilweise daran gedacht, sich zu verteidigen, meiner Ansicht nach ist dazu ein Stock oder Stab ein probates Mittel (die waffenlosen Kampfarten wurden ja woanders diskutiert…). Gerade dieser Aspekt interessiert mich nun mal…
Tja Niklas, gute Frage… Zumindest beimir ist es so, das die Dinger schon immer eine Faszinaton sondergleichen auf mich ausgeübt haben, ganz besonders die zwei, drei wirklich *guten* Replikate von historischen Schwerterm und die paar Originale (nicht aus dem MA), die ich schon in der Hand hatte, werden zu einer Verlängerung deines Armes, Deines Willens und Deines Geistes. Schwer in Worte zu fassen, muß man erleben. Aber manche Leute sind dafür nicht empfänglich. Was das waffentechnische Angeht, so war das Schwert sicherlich weder die primäre Waffe auf dem Schlachtfeld noch im Zivilleben.
Erst mal vielen Dank für die Beiträge und Quellenangaben (muss ich jetzt mal alles checken). Es ging mir generell um europäisches Stockfechten, da ich auch selber asiatische Kampfkunst betreibe, wollte ich mal sehen ob es nicht auch im eigenen Lande soetwas gegeben hat, oder vielleicht noch alte Schulen existieren. Interessiert bin ich dabei sowohl an Texten über die Verwendung, Abbildungen und Anleitungen. Was mich auch noch sehr interessiert ist, warum sich so viele Mittelalterbegeisterte heute unbedingt immer ein Schwert umgürten müssen (nicht so negativ gemeint, wie´s klingt) und so wenige eher auf konventionelle Bewaffnung, wie z.B. einfach einen Stab, zurückgreifen, wenn man schon bewehrt rumlaufen muss. (Sieht natürlich eindrucksvoller aus, geb ich zu, hab ja selber welche) Vielleicht auch einer Diskussion würdig…
Hi Tom! Asiatische Stabtechniken sind teilweise anwendbar, korrekt. Bojutsu ist ein guter Startpunkt und der phillipinische Sibat, nach dem wenigen, was ich davon weiß, ist ebenfalls brauchbar. Allerdings: Teilweise sind die dort verwendeten Techniken aber nicht in existierenden europäischen Handschriften zu finden. Z.B. wird der Mittel- oder Half-Staff Griff in vielen asiatischen Stockkampfsystemen verwandt, während er in Europa eigentlich höchst selten bis nie vorkommt.
Moin Niklas, moin Andreas! Die “Paradoxes…” selbst geben recht wenig Informationen zu den eigentlichen Techniken, die “Brief Instructions on my Paradoxes of Defense” von Silver sind da um einiges detaillierter, den Link hierzu findest Du ebenfalls unter der von Andreas genannten URL. Ansonsten kann ich Dir noch folgendes empfehlen: 1) English Martial Arts, von Terry Brown. Anglo-Saxon Books, ISBN 1-898281-18-1. Dieses Buch enthält eine Aufebereitung verschiedenster Techniken und Waffen englischer Kampfkunst,u.a. auch den Stab. Mit Photos, und die Texte sind äußerst informativ, da der gute Terry Silver´s für den modernen Menschen doch manchmal arg unverständliche Texte in modernes Englisch übertragen hat. 2.) Link:www.thehaca.com/swetnam.htm Joseph Swetnams Fechtbuch enthält ebenfalls ein Kapitel über den Stab. 3.) Link: www.thehaca.com/spotlight/LEJEUDELAHACHE.htm “Le Jeu de la Hache” ist eine anonyme burgundische Handschrift über den Kampf mit der Mordaxt. Diese ist zwar etwas kürzer als ein Stab, die Techniken sind aber zum großen Teil übertragbar. 4.) Talhoffer´s Fechtbuch von 1467, u.a.erhältlich im Reprint von VS-Books, ISBN 3-932077-03-2, Preis: 32,00 DM. Findest Du auch in der Bibliothek unter “Buchvorstellungen”. Talhoffers Techniken für die “akst” (eigentlich ein sogen. “Luzerner Hammer”) funktionieren -wie bei “Le jeu…” auch teilweise mit dem Stab. Grundsätzlich gibt es über die Verwendung des Stabes als Waffe i.e.S. aus dem MA nur wenig Belege, z.B. folgende Abb. www.thehaca.com/arttalk/at56.htm In der Renaissance wird, z.B. bei Meyer (1570),die Stange als ßbungs- und Simulationswaffe für verschiedene Stangenwaffen verwendet, die kürzere “Halbe Stange” als ßbung für kurze Stangenwaffen wie z.B. Sauspieß, die wesentlich längere “ganze Stange” als ßbungswaffe für die Pike. Dies muß aber nicht heißen, das es den Stab im MA als Waffe nicht gab, die Techniken sind größtenteils so generisch, das sich der Stab als ßbung für fast alle Arten von Stangenwaffen eignet. HUSSA!
…geht es um ´authentische´ Literatur fuer Quellenangaben etc. oder zum Selbststudium oder um andere zu unterrichten? Kann zwar nicht mit Quellen dienen, aber wenn jemand bloss lernen will, mit einem Stock ueberzeugend zu kaempfen, dann muessen es nicht unbedingt europaeische/mittelalterliche Lehrer sein, denke ich. Die meisten asiatischen Kampfsportarten haben als ersten Schritt hinter dem waffenlosen Kampf das Erlernen des Kampfstabs im Lehrplan. Escrima ist eine sehr nette Sache, weil man das dort erlernte in JEDE Waffe umsetzen kann. Ansonsten wuerde ich versuchen, die Bo-Formen des Karate zu assimilieren, weil ich stilistisch keine riesigen Unterschiede finden kann. Weiterer Vorteil: der Bo wird nicht nur als separate Waffe erlernt, sondern in Kombination mit Schlaegen, Tritten, Ellenbogen etc, um die ganze Sache viel praktischer zu gestalten. Jeder Schwertkaempfer wird einem sagen, dass man nicht nur mit der Klinge alleine kaempft.
Mahlzeit! Schau doch mal unter www.pbm.com/~lindahl/paradoxes.html in den Abschnitten 24 bis 29. George Silver´s “Pradoxes of Defence” stammt zwar schon von 1599 - aber immerhin. Andreas
Jut´n Tach miteinander! Kann mir jemand Hinweise darüber geben, ob es, neben dem schon fast obligatorischen Schwertkampf auch Literatur zum Kampf mit dem Stab gibt, bzw. ob überhaupt Kampfstäbe benutzt und ihr Gebrauch unterrichtet wurde und wenn ja, von wem? Danke im Voraus…