Thema als Feed (RSS 2.0) Thema als Feed (ATOM 1.0) Mörtel: wie woraus und womit

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Eintrag #1 vom 08. Nov. 2006 01:11 Uhr Thomas Schlosser  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Thomas Schlosser eine Nachricht zu schreiben.

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Hallo Leute
Ich möchte etwas aus Bruchstein mauern. Da kahm natürlich die frage auf wie im mittelalter mörtel beschaffen war und wie das mischungverhältniss von verschiedenen beimengungen war.
Bzw woraus war damaliger mörtel in der regel gemacht und wie wurde er hergestellt ect. ect.
Gibt es vielleicht irgentwelche literatur zum thema?? Kann mir da vielleicht jemand mit tips oder erfahrungen weiter helfen was das thema angeht??
Zeitlich will ich das jetzt erstmal nur auf MA einschränken denn jede infomation würde schon weiter helfen.
Bin erst am anfang der suche, aber vielleicht weis jemand ja hier schon rat.
Das ganze ist erstmal nur für eine gemauerte schmiedeesse in einer schmiedewerkstatt. Aber vielleicht baut man dann ja doch mal mehr?
Hoffe auf infos und bedanke mich schon mal im Vorraus
Thomas

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Eintrag #2 vom 08. Nov. 2006 09:13 Uhr Alexander Klenner  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexander Klenner eine Nachricht zu schreiben.

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Ich habe vor Zeiten in eine Doku über den Verfall von alten Baudenkmälern geschaltet.
Dort war die Rede davon, daß man nach der schmerzlichen Erfahrung, daß mit modernen Mörteln ausgebesserte Bauwerke schneller wieder verfielen als solche mit alten Materialien.
Im weiteren wurde beschrieben, daß man in der alten Mörtelmischung dann Bestandteile fand, die den Befall des Bauwerks mit Mikroorganismen, die den Stein angreifen, hemmte.
Also gibt es zumindest chemische Analysen mittelalterlichen Mörtels.
Leider kann ich keine Literatur oder den Namen der Doku nennen.
Ansonsten würde ich es in/mit den Stichworten Düppel, Bad Windsheim oder
Guedelon usw. versuchen.
Dort werden alte Gebäude restauriert oder neue nach alter Methode gebaut. Irgendwo dort sollte man doch Infos bekommen.
Gruß, Ivain

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Eintrag #3 vom 08. Nov. 2006 09:45 Uhr Ingo Ludwig  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Ingo Ludwig eine Nachricht zu schreiben.

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In dem Bericht über Guedelon der vor ein paar Jahren mehrfach im Fernsehen lief wurde auf dies Problem auch kurz eingegangen. Darin hieß es sinngemäß: Die alten Mörtelzusammensetzungen sind nicht überliefert worden und nur durch viel Experimentieren und Interpretieren wurde eine Mischung gewählt, die der historischen sehr nahe kommt - es hatte aber den Anschein, als ob die Macher von Guedelon dies nun auch als ihr Geheimnis betrachten, denn ich habe leider nie wieder dazu irgendwelche Details lesen oder hören können - wäre schade, wenn dies nun als neues Herrschaftswissen geheimnisvoll gehütet würde.
Gruß, Ingo

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Eintrag #4 vom 08. Nov. 2006 09:57 Uhr Patrick (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Patrick eine Nachricht zu schreiben.

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Vor ca. einem Jahr war ich auf einem Vortrag übr Guedelon, anwesend war auch eine junge Frau, die ihre Doktorarbeit über mittelalterlichen Mörtel schrieb.
Ich habe jetzt nicht die genauen Zahlen und Mischungsverhältnisse zur Hand, doch zusammengefasst gab es 2 Arten, um Mörtel herzustellen: durch Nass- und durch Trockenlöschung des Kalks.
Bei der Nasslöschung wurde der gebrannte, ungelöschte Kalk in einer flachen Grube mit Wasser gelöscht und mit Erde und Sand gut vermischt. Das Mischungsverhältnis war unterschiedlich, und chemische Analysen haben gezeigt, dass oft auch tierisches Eiweiß wie Milch oder Blut beigemengt wurde. Ob dies einen bestimmten praktischen Zweck erfüllte oder aus Aberglauben (Bauopfer) geschah, weiß man nicht, es gibt jedenfalls abenteuerliche Rezepte aus der Zeit (Literatur kann ich leider keine nennen). Der gelöschte, mit Erde und Sand vermischte Kalk jedenfalls (der sogenannte “Kalksumpf”) wurde mit Erde bedeckt, und man ließ ihn ziehen. Je länger der Mörtel zog, desto besser wurde seine Qualität. Dieser Vorgang konnte auch Jahre dauern, doch bei den meisten Gebäuden dürfte man nicht so lange gewartet haben. Wenn man den Mörtel enntnehmen wollte, stoch man ihn einfach mit Spaten, wie beim Torfstechen.
Bei der Trockenlöschung wurde der Kalk nicht zuerst mit Wasser gelöscht, sondern direkt mit der feuchten Erde vermischt, so sparte man sich das Wasser und einen Arbeitsschritt. Es scheint eine sehr verbreitete Methode gewesen zu sein, vielleicht sogar die Regel. Der Rest des Vorgangs blieb, glaube ich, gleich.
Das ist alles, an das ich mich erinnern kann, leider kann ich weder mit dem Mischungsverhältnis, noch mit der genannten Literatur aufwarten.
Patrick

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Eintrag #5 vom 08. Nov. 2006 10:49 Uhr Christoph (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Christoph eine Nachricht zu schreiben.

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Milch enthält ja bekanntermaßen jede Menge Eiweißbestandteile, die sogenannten Kaseine. Da diese nach Trocknung nicht Wasserlöslich sind, werden sie z.B. im Möbelbau als Leim verwendet.
Ich denke man verwendet sie im Mörtel um eine höhere Witterungsbeständigkeit zu erzielen. Blut funktioniert meines Wissens nach ähnlich, da auch dessen Eiweißverbindungen seeehr stabil sind. Man denke nur an die berühmten Blutflecken auf Mamas weißer Tischdecke oder an Schildbemahlungen aus Ochsenblut
www.kremer-pigmente.de/63200.htm
Christoph

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Eintrag #6 vom 08. Nov. 2006 13:39 Uhr Alexandra Krug  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Alexandra Krug eine Nachricht zu schreiben.

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Hier ein Buchtipp: Kurt Schönburg - Historische Beschichtungstechniken - Das große Handbuch für historische Handwerkstechniken in der Denkmalpflege. In diesem Buch wird u.a. auch auf historische Putze und Mörtel eingegangen.
Bei Kremer Pigmente kannst Du dich auch sehr gut informieren und die Materialien beziehen. Soweit ich weiß, wird in der Denkmalpflege auch viel mit Trasszement gearbeitet. Aber da gibt es wohl auch Unterschiede, wenn man Trasszement im Baustoffhandel kauft: Also auf keinen Fall normalen Zement verwenden. Denn der macht den Mörtel zu hart und dicht und eine Schädigung des Natursteins ist somit vorprogrammiert. Der Kalkmörtel wird immer zum Vermauern von Natursteinen genommen. Vorallem von Sandsteinen. Bei Zementmörtel würde der Stein um die Mörtelfugen bröselig werden und irgendwann fallen die Zementstückchen heraus und der Stein geht auch kaputt. Das passiert mit Kalkmörtel nicht. Als Fertigprodukt kannst Du einen natürlichen hydraulischen Mauer- und Fugmörtel bzw. ein Luftkalkmörtel verwenden. Trass ist nur dann zu nehmen, wenn er wirklich nicht den geringsten Anteil an Zement besitzt. Dieser wird oft beigemengt, deshalb auf die genaue Deklaration achten. Allerdings bringt Trass Salz mit in das Mauerwerk, der mit der vorhanden Feuchtigkeit in Lösung geht und auch zu einer Schädigung des Mauerwerkes beitragen kann. Das aber in weit geringerem Ausmaß als ein Zementmörtel, der auf gar keinen Fall bei Natursteinen eingesetzt werden sollte aus Gründen wie schon beschrieben.
Wir haben im Keller immer einen Bottich mit hydraulischem Kalk stehen, schön lange eingeschlämmt. Diesen mischen wir mit Sand in einer mageren Mischung 1/3 - 1/4 wenn wir Natursteine vermauern.
Seit den Römern ist Beton - opus caementitium -als Baustoff bekannt. Das war eine Mischung aus Kalk und Ziegelmehl bzw. Trass (Puzzolanerde). Dieser Mörtel wurde zusammen mit Steinbrocken in eine Schalung gegeben und daraus wurden alle berühmten Bauten gemacht. Diese Technik ist allerdings meines Wissens nach im Mittelalter wieder in Vergessenheit geraten.
Viele Grüsse, Alexandra

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Eintrag #7 vom 08. Nov. 2006 14:55 Uhr Sina Klausnitz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Sina Klausnitz eine Nachricht zu schreiben.

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www.baustoffladen.de/service/Kalk.htm
Falls Du mit jemanden Fachkundigen diskutieren willst - frage mal bei Herren Ruf (www.solubel.de) an.
Mit vielen Grüßen, Sina

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Eintrag #8 vom 20. Jun. 2009 21:07 Uhr Kai Pätz  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Kai Pätz eine Nachricht zu schreiben.

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ich weiss von einem Bekannten das die früher bei den Fachwerkbauten , Milch und Eier mit untergemischt haben

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Eintrag #9 vom 20. Jun. 2009 22:17 Uhr Jens (Nachname für Gäste nicht sichtbar)   Nachricht Bitte einloggen, um Jens eine Nachricht zu schreiben.

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Aha ;) Und wie kommt dein Bekannter zu der Weisheit, dass die früher scheinbar so viele Lebensmittel hatten, dass sie diese in Baumaterial schütten konnten?

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Eintrag #10 vom 20. Jun. 2009 22:49 Uhr Siggi Gross  Profil   Nachricht Bitte einloggen, um Siggi Gross eine Nachricht zu schreiben.

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diese zusatzstoffe werden nur für den putz genommen, nicht für den mörtel zum mauern, da hat jens nämlich recht, ist pure materialverschwendung …
für den feinputz machen diese zusatzstoffe allerdings sinn, mengen kann ich nur abschätzen, hält sich allerdings in grenzen und ist vertretbar.
1kg kalk, 3-5 kg sand, 50 ml milch oder blut, 1/2-1/4 ei
für bemalung in fresko-technik gibts noch ein paar spezialrezepte.
grüße siggi

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