Eintrag #4 vom 20. Jul. 2004 17:42 Uhr
Björn Löbke
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nach oben / Zur Übersicht Mongolen zur Zeit Temüdschins
Hallo Christopher,
ich bin gerade selbst dabei, mongolische Bekleidung und Ausrüstung zu rekonstruieren. Ein nützlicher Link rund ums Steppenleben entland der Seidenstraße ist die Homepage vom “Red Khaganate” unter www.geocities.com/kaganate.
Die Zeit Dschingis Khans ist natürlich schwierig für die Recherche, da es aus dieser Epoche wenig Aufzeichnungen und Funde gibt. Die Alltagskleidung bis hin zum Schuhwerk hat sich aber seit damals fast nicht verändert. Ich habe mich auf die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts festgelegt, da hier die Quellenlage besser ist. Die Mongolen hatten Kontakt mit Persien, China und Russland und es gab einen regen technischen und kulturellen Austausch. Man kann also aus diesen Ländern “klauen”, was die Steppensöhne ja auch gern taten.
Einen mongolischen Mantel zu nähen, ist übrigens nicht schwer. Ein Material, dass sehr gut verfügbar war, war Filz; wer auch nur etwas auf sich hielt, nahm jedoch Stoff. Wolle und Baumwolle waren in Asien zu dieser Zeit verfügbar.
Winterkleider wurden von Wohlhabenden aus Fuchs- oder Wolfsfell angefertigt, einfachere leute nahmen Ziege oder Hund. Gefüttert wurde mit Baumwollstoff oder dem Feinhaaranteil, der bei der Filzherstellung von der Schafwolle übrig blieb. Seide nahm die Oberschicht.
Die Hosen scheinen wie einfache Pumphosen geschnitten worden zu sein und waren ebenfalls aus Stoff. Socken wurden übrigens aus Filz hergestellt. Bei meinem ersten Versuch (der wie ich heute weiß einige Mängel hat) habe ich einen Kamelhaarstoff verwendet, der sieht auf den ersten Blick wie Filz aus. Ein Stoff für Hosen oder Unterkleider, den ich jetzt gern verwende, ist Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen. Das Material wurde ab 1300 in Europa verwendet, wie weit es nach Asien vorgedrungen ist, weiß ich nicht. Ich sehe es aber nicht ein, für garantiert historisch korrektes Material Unsummen zu bezahlen. Der Stoff sieht optisch ansprechend aus und kostet bei Lederkram.de knapp 5 - je Meter.
Bei den Stiefeln bin ich bisher leider über das Problem gestolpert, dass die Mongolen nur bis Größe 43 anfertigen, was für mich zu klein ist. Irgendwann muss ich dann wohl in den sauren Apfel einer Maßanfertigung beißen…
Beim Köcher für Bogen und Pfeile stolpere ich noch über einige Details, ich habe dazu allerdings auch einen Eintrag unter “Rekonstruktion” eröffnet. Da ich mich außer für Mongolen auch noch für die Mamelucken interessiere, werde ich mich bei der Arbeit am Orient orientieren, dann lässt sich einiges sogar für beide Zwecke verwenden.
Bei der Rüstung würde ich Dir den Bau eines ledrnen Schuppenpanzers empfehlen. Mongolische Rüstungen waren leicht, um den Reiter so wenig wie möglich in seiner Beweglichkeit einzuschränken, außerdem war Leder günstig und ein Schuppenpanzer ist in Eigenarbeit mit realisierbaren Aufwand herstellbar. Die Rüstung wurde übrigens einfach über dem Mantel getragen.
Da ich derzeit weder eMails senden noch empfangen kann, gebe ich hier mal für Interessierte meine Nummer durch: 05341 - 846117.
Viel Spaßbei der Arbeit!
Björn Löbke
Björn Löbke
