das waren ja schon einige tollte Tips. Ich frage mich jetzt aber noch, wie ich die Parierstange an der Angel fest bekomme. Wenn ich da einen Schlitz rein mache, der so breit wie die Klinge ist, dann rutscht das ding ja einfach runter.
Jau, solche Parierstangen sind recht hübsch. Und natürlich, wie alles, was hübsch ist, nicht so ganz einfach zu machen.
In diesem Fall geht `s aber noch:
Ein solches Teil sollte man historisch korrekt machen, sonst tut man sich unnötig schwer. D.h. in diesem Fall, der Durchbruch für die Angel sollte in ein recht massives Stück Ausgangsmaterial (Stärke entsprechend des Mittelspitzes bzw. etwa 5 mm mehr für Nacharbeit und Verformung beim Lochen) mit einem feinen Meißel bzw. einem Dorn durchgelocht werden. Der Rest der Form ist relativ leicht am Rundhorn des Amboßes zu machen.
Zum Durchlochen reißt man zunächst genau die Mitte und die Breite des Durchbruches an und “Punziert” entlang des Anrisses kalt mit dem Meißel deutlich vor (so ähnlich wie Ankörnen, nur eben etwas flächiger). So erwischt man die mitte im rotglühenden Zustand besser. Es ist fast unmöglich, das ohne Erfahrung “frei Auge” zu treffen. Auch ich mache mir die Arbeit, das vorher genau anzuzeichnen!
ßbt das erst mal, danach können wir uns über Einzelheiten der Formgebung unterhalten.
seit einer weile schmiede ich selbst Klingen. And die Klinge schweiße ich eine Gewindestange an (ich weiß ich weiß, ist nicht unbedingt historisch korekt aber es handelt sich ja auch nur um Ausstellungsschwerter). Jetzt wollte ich eine Parierstange machen die im großen und ganzen so:
aussehen soll. Wie bekomme ich das denn hin. Ich habe das Problem, das spitz zur Klinge hin zulaufen zu lassen. Wenn möglich wollte ich das noch etwas extremer als auf dem Foto hier. Gibts da irgend nen Trick? Ein weiteres Problem ist dann der Schlitz für die Klinge. Soll man den Feilen oder gibts da irgend nen Trick so was zu schmieden?
Da hast Du eines der elementarsten Probleme beim Schwertbau (Hallo Admin: Gab `s da nicht schon was drüber?) Klar erkannt: Die Montage ist nicht ganz einfach.
Historisch richtig ist eigentlich pauschal immer die Methode “Draufdrücken, wie einen Niet, nachdem die Spitze des Dorns erhitzt wurde”
Das geht aber nur dann, wenn:
- Alle Griffteile möglichst genau und OHNE ZU WACKELN stramm auf der “Angel” (so heißt der spitz zulaufende Dorn) sitzen! Den Griff mit etwas Kleber zu fixieren ist dabei sehr hilfreich. Ob sich da reines Birkenpech eignet, weiß ich nicht so recht, aber es gibt auch noch eine ganze Reihe anderer, historischer Klebstoffe, die weniger sauer und weniger spröde sind.
- Der Durchbruch im Knauf gut angesenkt ist.
- Mit einem guten Schweißbrenner (keine Propanlötfunzel!) und geübten Hammerschlägen zügig gearbeitet wird (geht am besten zu zweit). dann brennt auch nix an.
Richtig: es gab früher keine Schweißbrenner! Die haben das Problem gelöst, indem sie entweder:
- Ein weicheres Material an die Angel angeschweißt haben (Feuerschweißung, wie bei Damast).
- Und/oder durch eine nur Teilweise Härtung, was ohnehin sinnvoll ist und sehr wahrscheinlich fast immer angewendet worden ist. Natürlich kann auch durch längeres Glühen und langsames Abkühlen das Angelende weicher gemacht werden.
Welche Methode sich letztlich am besten eignet, ist Erfahrungssache und auch recht stark Materialabhängig. meist läuft es sicherlich auf eine Mischung der genannten Methoden heraus.
Das größte Problem dabei ist eigentlich, das die Griffteile beim Hämmern das Bestreben haben, sich in richtung Hammer zu lösen. Dann muß man sofort aufhören mit Nieten und die Griffteile wieder “festklopfen”. Wenn beim Nieten etwas schief geht, kann die ganze Arbeit zunichte gemacht sein! Ist der Griff geklebt, verringert sich dieses Problem erheblich, da sowohl Parierstangen als auch Griff dann nicht mehr ohne weiteres los kommen können. Deshalb glaube ich auch fest daran, das Kleben an dieser Stelle sehr historisch ist.
Alles in allem würde ich mich da auf eine gewisse Experimentierphase einstellen, wenn Du sowas noch nie gemacht hast.
Mir geht es ähnlich wie dir (ich und mein kleiner Bruder wollen uns ein komplettes Schwert schmiede →nur Dekorstück) und ich habe beim durchstöbern in diesem Forum folgendes gefunden:
Wir haben vom Museumsverein Neubrandenburg viel mit experimenteller Archäologie zu tun. Unter anderem stellen wir auch Birkenteer her. Das ist recht einfach:
1. Man nehme einen Topf mit Deckel(Keramik), der unten Löcher hat durch die der Teer laufen kann. ßhnlich wie ein Blumentopf mit Deckel.
2. Man fülle diesen Topf mit Birkenrinde (recht voll)und verschließe ihn (den Deckel mit Lehm verschmieren, so dass keine Luft mehr an die Rinde kann)
3. Man nehme eine Auffangschale und vergrabe diese so, dass der obere Rand Bodenniveau hat. Darauf stelle man den Topf, der genau auf diese Schale passen muss und verschmiere den ßbergang wieder mit Lehm. Jetzt darf auch von unten keine Luft mehr an die Rinde kommen.
4. Um das Ganze herum ein Feuerchen, das ca. 4 Stunden brennen sollte. Aber keinen Scheiterhaufen. Achtung! Die Keramik reisst vielleicht bei zu schneller Erwärmung. Langsam auskühlen lassen(2-3 Stunden). In der Auffangschale ist je nach Größe des Topfes eine kleine Menge Teer. Bei uns sind es ca. 8 Esslöffel zäher Teer.
Da ich als Schmied unterwegs bin, koche ich den Teer in einem anderen Keramikgefäss ein bis er nach Erkalten glashart wird. Ich gieße damit Messerklingen in Holzgriffen ein - original, wie unsere Ahnen. In diesem Gefäss transportiere ich den Teer auch und es riecht nur, wenn man fast mit der Nase draufstößt.
Von einer Giftigkeit des Teers habe ich noch nichts gehört. Es stimmt aber, dass man Stücke mit Zahlabdrücken gefunden hat.
Wer die Vergangenheit nicht ehrt hat die Zukunft nicht verdient!
ich mache mir zur Zeit Gedanken darüber, wie man sich ein Schwert zumindest teilweise selbst bauen könnte. (Ich bin kein Schmied. Ja, ich weiß, da muss man ganz vorsichtig sein, was die Schaukampftauglichkeit der Klinge angeht!) Aber angenommen, ich habe eine Klinge (gekauft oder machen lassen). Auf vielen Abbildungen sieht man, dass sich dort, wo später Griff und Knauf sitzen werden, nur ein spitz zulaufender Dorn befindet, und Parierstange und Griff werden dann Scheibenartig darauf “aufgespießt”. Zum Schluß kommt dann irgendwie der Knauf darauf. Und genau dieses “irgendwie” ist meine Frage! Wie wird eigendlich der Knauf befestigt, so dass die Parierstange nicht wackelt und der Griff nicht rutscht? Festschweißen kann ich mir nicht vorstellen, wäre ja auch nicht authentisch. Draufdrücken, wie einen Niet, nachdem die Spitze des Dorns erhitzt wurde, stelle ich mir auch schwierig vor, ohne dass der Griff kokelt. Einige von Euch, die hier regelmäßig kommentieren, sind doch Schmiede. Ich will ja nicht Eure Berufsgeheimnisse ausspionieren oder Euch die Aufträge nehmen :-) , aber vielleicht kann mir jemand ja mal einen kleinen Tip geben, wie ich auf eine vorgefertigte Klinge Griff und Knauf montieren kann. Ich bedanke mich für Eure Zeit und Mühe.