ich wollte blos mal anfügen dass nadeln aus Fischgräten sehr verbreitet waren, wenn nicht sogar allgemeiner standard, die haben ja schon die richtige Form.
ich hab ja selber schon welche hergestellt: aber… hat jemand einen konkreten Beleg für Nähnadeln aus Knochen? Also nicht die dicken, groben, sondern feine Nähnadeln?
Vielen Dank. Ich hatte jetzt erstmal Urlaub, bin heute wieder im Netz. Das mit dem Messing hört sich gut an, das Material bricht nicht so leicht wie Knochen. Ich versuchs mal, der Winter ist ja noch lang.
Mit herzlichem Pilgergruß, Hallamuoth von Wunnefried
Also, daß mit dem selbergebauten Bohrer kann ich ja nur unterstützen.
Wenn Du allerdings Dremelbohrer in der kleinen Größe besorgen willst, dann versuch es doch mal in einem Geschäft für Modellbau. Die haben die Dinger garantiert. Daheim arbeitet es sich damit zugegebenermaßen am bequemsten…:-)
also die einfache Lösung wäre, du kaufst dir bei einem Werkzeugladen die kleinen Dremel-Bohrer nach .. gibts afaik bis 0.3mm .. sollte reichen *gg*
Die elegante Lösung natürlich wäre, du machst dir einen Handbohrer (www.historiavivens1300.at/subpages/bohrer.htm) mit passenden kleinen Bohrer (am besten Federstahldraht vorne flachklopfen und spitz zufeilen).
Mehr Aufwand, klar, aber voll historisch und auch vorführbar.
Damit kreigst du mit viel Mühe auch das ßhr in eine Messingnadel … oder du stanzt es .. aber Messingnadeln standen gerade nicht zur Debatte *g*
Danke für die Postings, ich habe jetzt mal mit Lammknochen rumprobiert. Klappt ganz hervorragend, aber ich hätt` da noch`n Problem:
wie kriege ich die Löcher (Nadelöhr) in die Dinger rein? Alles was mein Dremel (wie UN-A) hergibt ist für mittlere Taugröße . Wie haben das die “Alten” gemacht, wie kann ich das heute machen?
Mit herzlichem Pigergruß, Hallamouth von Wunnefried
Irgendwo in den Weiten der Taverne hatte ich bereits einen ähnlichen Eintrag gepostet, aber da selbst ich ihn nicht wiederfinden kann, kommt er hier nochmal.
“Mit der Textilfertigung in Zusammenhang stehen schließlich auch Nähnadeln, die in der Hallstatt- und Latènezeit in Siedlungen und, weniger häufig, in Gräbern vorkommen. Sie bestehen aus Knochen, Geweih oder auch aus Bronze oder Eisen. Unter den Werkstattresten im Nordteil des reichen hallstattzeilichen Grabhügels von Hochdorf fanden sich auch zwei Nähnadeln aus Bronze. eine von ihnen ist nur 1,7 cm lang und war also wohl für das Zusammenfügen sehr feiner Stoffe gedacht. In der Latènezeit wurden die Nadeln ab und zu in einer Nadelbüchse als Beigaben mit ins Grab gegeben. Ein Fund aus Geisenheim belgt eindeuteig ihre ehemalige Funktion: In einer Nadebüchse wurde neben der Nähnadel ein kleiner Rest des Nähfadens geborgen. Allgemein zählen Nadeln zu den selteneren Funden. Da es sie aber in größeren Mengen gegeben haben muß, wurde vorgeschlagen, daß Nähnadeln auch aus einem sehr leicht vergänglichen Material bestanden haben könnten, z. B. aus Horn, und daher nicht erhalten sind.”
Zitat aus ‘… und ihre Hosen nennen sie bracas’ von Katharina von Kurzynski.
In diesem Buch werden auch eiserne Nähnadeln erwähnt, die in Manching gefunden wurden.
Auf dem MA-MArkt in Visby Schweden gab es auch Nähnadel aus Elch-Horn. Sie sind zwar recht dick, aber z.B. beim Nähen von Leinen ist es erwiesen, daß sie das Gewebe nicht zerstören, sondern nur die Fasern zur Seite schieben. Bei Metallnähnadeln kann die Nadel auch die Fasern durchtrennen, wenn man beim durchstechen genau drauf sticht. Die Löcher sind mit der Hornnadel zwar zunächst etwas größer, verkleinern sich dann aber wieder, wenn das Gewebe gestreckt wird und arbeitet.
Leider sind feine Nähnadel nur selten durch Bodenfunde belegt.
Viele Nadeln aus Knochen oder Geweih sind so dick und grob, dass man eventuell andere Verwendungszwecke annehmen muß. (Nadelbinden, Filet- oder Netzarbeiten Korbfechtwerke etc.)
Nadeln aus Eisen wurden im Mittelalter verwendet, auch Nadeln aus Silber (sog. Fürstengrab aus Morken, Utensilientasche).
Verwahrt wurden die Nadel in Nadelröhrchen eventuell mit Durchzugprinzip oder ähnlichen Behältnissen.
In der Volkerwanderungszeit gehörten solche Nadelbehältnisse neben einer kleinen Schere und ähnlichen Dingen zum Gürtelgehänge der Frauen und gelangten so als Beigabe in die Gräber.
Für das Mittelalter fallen mir spontan nur zwei Befunde aus dem slawischen Raum ein.
Falls du Dir Nadeln zulegen willst:
Ich benutze lieber Nadeln aus Knochen. Geweihnadeln sind war flexibeler, bekommen aber nicht so eine gute Gebrauchpolitur.
Hast Du fragen zu einem bestimmen Gebiet oder Zeitstellung?
Falls das ganze vor ca. 1200-1250 liegt könnte ich mal in meinen Büchern nachsehen.